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Vom Klavichord zum Pianino.
Der Urahn unseres Klaviers, dieses beliebtesten Instrumentes der Hausmusik, geht bis ins klassische Altertum zurück. Es hat aber zahlreicher Wandlungen und Verbesserungen bedurft, bevor aus dem ursprünglich nur zur Tonmessung bestimmten Gerät uiiser Flügel wurde. Diese interessante Geschichte des Klaviers stellt der Direktor des Berliner Jnstrumdntenmuseums Prof. Dr. Curt Sachs in einem soeben bei Julius Bard in Berlin erschienenen Buch „Das Klavier" dar. Die griechischen Musikthevrstiker hatten sich ein einfaches Instrument gebaut, um einen Maßstab für die Festsetzung der Tvnstufe zu gewinnen: Lieber ein längliches Brett oder Kästchen liegt eine einzige Saite, die dem Instrument den Namen „Monochord", d. h. „Einsaiter", gab. Das Mittelalter das diesen Einsaiter übernahm, bildete ihn bald zum Dielsaiter aus, u>rd so sind schon aus dem 11. Jahrhundert Achtsaiter und später Neunzehnsaiter für den Llmfcmg von 2s4 Oktaven bezeugt, die unbefangen immer noch Monochorde genannt wurden.
Das vervollkommnete Monochord brachte bereits Zusammen- klänge aus dem Gesamtumfang des damaligen Tvnbereiches hervor. Hatte man bis dahin die Töne wie bei der Geige durch Verkürzen der Saite harvorgebracht, indem ein verschiebbarer Steg die Saite niederdrückte, so entschloß man sich nun, jedem Ton seinen eigenen festen Steg zu geben, und bediente sich zur Verbesserilng des Instrumentes einer Hebevorrichtung, für die die Drehleier und die Orgel das Vorbild boten. Die Drehleier lieferte die frei gegen die Saite bewegten Drücker, dir Orgel die „Tasten", indem ein vorn mit dem Finger niedergedrückter Hebel hinten hoch stieg und sich der Saite näherte. Auf diese Weise entstand die Klaviertaste, die man wegen ihrer Aehnlichkeit mit der mittelalterlichen Form Les Schlüssels „Schlüssel" oder lateinisch „claves“ nannte, woraus der Name Clavichord und später Klavier entstand.
Der Name Clavichord ist zuerst 1404 in einem niederdeutschen Gedicht belegt,' das älteste Instrument dieser Art mit einer Jahreszahl befindet sich im Heyer-Museum zu Köln: es ist 1543 von Domenico da Pesaro verfertigt. Lim die Mitte des 16. Jahrhunderts wendeten sich jedenfalls italienische und spanische Orgelbauer mehr und mehr diesem Instrument zu, das gleichberechtigt zwischen Xkiute und Orgel trat. Während sich das Clavichord in den folgenden Jahrhunderten immer mehr einbürgerte, wurde es im 18. Jahrhundert durch den berühmten Straßburger Instrumentenbauer Silber mann sehr verbessert. Es erhielt damals auch schwarze Llnter- und helle Obertasten, während vorher die bei uns noch immer übliche umgekehrte Farbengebung bestand. Der Grund für diese schwarzen Llntertasten liegt in der Koketterie der Damenwelt, die, ebenso wie sie Las Pu^rweiß das Gesichts durch schwarze Schönheitspflästerchen zu heben suchte, die Weihe der klavierspielenden Hände durch die Schwärze der hauptsächlich benutzten Llntertasten steigern wollte. Das Clavichord hat einen zarten und schwachen Ton, aber es dient dadurch der Verinnerlichung und Be.eeluitg, und so wurde es das Lieblingsinstrument des empfindsamen Zeitalters, das in diesen schmeichelnd zarten Tönen seine süßesten Empfindlingen aushauchte.
Als Instrument bei größeren musikalischen Deranstaltungen war unterdessen bereits der' Kielflügel aufgekvmmen, dessen Saiten.mit steinen Federkielen angerissen werden. Das Berliner Instrumentenmuseum besitzt den Kielflügel Johann Sebastian Bachs, und für seine Musik war dieses kraftvoll mächtige Instrument wie geschaffen. Im Hause bediente man sich des Spinetts. Heute bezeichnet man'irrtümlicherweise alle alten Klaviere als Spinetts: aber dem Wort entsprechend, das „Dörnchen" bedeutet, kann damit nur ein gerissenes, nie ein geschlagenes Klavier gemeint fein, und die alten Hammerflügel und Tafel- staviere, die man heute Spinetts nennt, haben mit ihm nicht das geringste zu tun. Das Klavier, bei dem der Ton zuerst angeschlagen wurde, ist der Hammerflügel, der zu Anfang des 18. Jahrhunderts auskam. Man hat ihn aus dem lange verachteten Holzinstrument, dem Hackbrett, hergeleitet, bei dem die Saiten eines zitherartigen Gerätes mit Halbweichen Klöppeln angeschlagen wurden. Die Entwicklung dieses Hammerklaviers ging nur sehr langsam vorwärts. Als das erste Instrument dieser Art in den Tuilerien gespielt wurde, rief der berühmte Organist Dalbütre aus: „Wie man es auch spielen möge, niemals wird dieser Neuankömm- llng den majestätischen Kielflügel verdrängen!". Zunächst konnte das neue Instrument mit der Klangpracht des reifen Kielflügels nicht wetteifern: aber allmählich wurde das alte Clavichord zum Hammerklaviet umgestaltet und gewann in der bequemen, Naum sparenden Tischform als „T a f e l k l a v i e r" an Geltung. Beethoven verhalf dann durch die Größe seiner Kunst dem Hammer- flüget zum Siege. „Wir haben," schreibt er 1817 an feinen Verleger Steiner, „nach eigener Prüfung und nach ArMrung unseres Conseils beschlossen und beschließen, daß hinsüro auf allen unfern Werken, wozu der Titel deutsch, statt Pianvfvrte Hammerklavier gesetzt werde."
Die Klaviatur wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts bei den Klavieren frei vorgebaut, und man versuchte aufrechte Hammer- klaviere in Form von Schränken, „Pyramiden", „Giraffen", „Lyren" zu bauen, aus denen dann als letzte praktische Form das Pianino hervorging.
NilpferL-ASenLeuer.
Die Jagd auf die Nilpferde, diese vorsintflutlichen Kolosse der afrikanischen Gewässer, gehört zu den interessantesten und aufregendsten, die der moderne Nimrod erleben kann. Allerlei Abenteuer dabei teilt Wilhelm Blvem aus seinem afrikanischen Jagdtagebuch in der Leipziger „Illustrierten Zeitung" mit. „Die Ail- pferdjagd," so schreibt er, „erfordert vom waidgerechten Jäger große Umsicht, Entschlossenheit, tollkühnen Wagemut und unbedingte Treffsicherheit. Ich schalte dabei das Schießen vom sichern Land auf die im Wasser sich zeigenden Nilpferde aus. Vom schwankenden Gingeborenenboot getragen, dem Großwild in seinem Element. dem Wasser, zu Leibe zu rücken, oder in den herrlichen Tropennächten beim grellen Vollmvndschein den zur Aesung durch die Steppe gespenstisch dahinziehenden Tieren den Weg zu vertreten, Las nenne ich Jagd und volles Auskosten derselben." Einst wollte der Verfasser einem uralten Nilpferdbullen, der die ganze Gegend unsicher machte, eins auf Len Pelz brennen. Mit seiner schweren Elefantenbüchse bewaffnet, fuhr er mit vier Negern aus einem großen Eingeborenenboot aus, das aus einem ausgehöhlten Baumstamm kunstvoll hergestellt war. Vorsichtig hat er sich an eine Herde herangepirscht, unter der sich auch der sagenhafte Bulle befindet. Aber als er auf den plötzlich auftauchenden gewaltigen Schädel zielt, fehlt er. Dann erfolgt ein dumpfer, mächtiger Stoß; bas Boot wird in die Luft geschleudert, und vor Schreck entgleitet ihm seine Büchse. Glücklicherweise' hatte der Einbaum sein Gleichgewicht nicht verloren, obwohl der Bulle Las Boot mit feinem Inhalt wie eine Nußschale empvrschleuderte. Wärmz die Insassen ins Wasser gefallen, so wären sie verloren gewesen. Mit einem kleineren Einbaum gelang es ihm daim später. Len gewaltigen Bullen zu erlegen. Lieber die Gewohnheiten der Nilpferde berichtet Bloem: „Zu später 'Nachtzeit entsteigen sie ihrem seuchten Element, um die Steppengebiete oder Anpflanzungen, wo sie ungeheuren Schaden anrichten. zur Aesung aufzusuchen. Auch wandern die Tiere aus, wenn sie stark verfolgt werden, um sicherere Gewässer als Aufenthalt zu wählen. In steinen Tümpeln mitten in der Steppe traf ich öfters Flußpferde an. Eines Abends lag ich im Stuhl vor meinem Zelt, unweit der Wasserstelle, und las. Hell loderten die Feuer, meine Träger plauderten. Plötzlich schleicht mein Boy heran, drückt mir mein Gewehr in die Hand und flüstert: „Kiboko!" (Nilpferd). 30 Schritt entfernt steht es da, schneeweiß glänzend int Mondschein . . . Aus meinen tödlichen Schuß machte der nächtliche Besucher, tief ausgrunzend, kehrt und raste polternd der nächsten Dickung zu. Außer den Menschen haben die alten Flußpferde keine Feinde. Nur junge Tiere fallen ab und zu bei .Llnachtsamkeit der Mutier dem Löwen zum Opfer. In größter Eintracht leben sie mit den heimtülischen Krokodilen zusammen. Auch haben die Nilpferde in der Vogelwelt ihre Freunde, die sie vor naben der Gefahr rechtzeitig warnen. So beobachtete ich fange Zeit eine Nilpferdherde, deren ständiger Begleiter, ein weißer Silberreiher, regelrecht Posten stand. Hochinteressant sind die wütenden Kämpfe der Bullen untereinander anzusehen, die oft schwere Verwundungen, ja sogar den Tod eines der Necken zur Folge haben."
Was zwei Tasse» Wasser verwöge».
Es ist erstaunlich, welche geringe Menge von Wasserdampf genügt, um verhältnismäßig große ßeiftungen zu vollbringen. In einem Aufsatz von „Reclams Llniversum" wird z. B. ausgeführt, daß der Inhalt zweier Kaffeetassen mit Wasser, wenn er in Dampf verwandelt wird, soviel Energiemengen gibt, um einen Küchenherd nebst Kohle auf das Dach eines zehnstöckigen Gebäudes hinaufzubefördern. Wenn man aber das in einem Teekessel befindliche Wasser in Dampf überführt, so hat man damit eine so große Energie zur Verfügung, daß man ein zehnstöckiges Gebäude 16,6 Meter in die Höhe heben tarnt. 'Das Wasser, wenn es in Dampf verwandelt wird, zu leisten.vermag, sehen wir täglich bei einer Lokomotive. Wie wir an der an dem Tender angebrachten Aufschrift lesen können, enthält er eine nur verhältnismäßig geringe Menge Wasser, im allgemeinen etwa 16,5 Kubikmeter. Lind doch reicht dieser geringe Vorrat ayd, um einen Schnellzug über weite Strecken zu befördern. Der Llrsprung aller Energie, die auf Erden 'ausgenutzt wird, ist auf die Sonne zurückzuführen. Sie hat in früheren fernen Epochen riesige Wälder in Kohle vertvan- dell: sie verdampft noch jetzt ständig Wasser, das aus den Wolken wieder auf die Erde herabfällt usw. Mit der Sonnenwärme, die nötig ist, um 2,5 Kg. Gis zu schmelzen, würde man einen mit Menschen angefüllten Lastwagen auf die 160 Meter hohen Turmspitzen Les Kölner Domes entpvrheben können. Die zum Schmelzen einer Schneeschicht von 1660 Quadratmeter Oberfläche und 15 Zeittimeter Höhe nötige Sonnenenergie würde ausreichen, um einen Schnellzug von Neuhvrk nach Chicago und zurück zu beför» chern. Auch sonst gibt es noch zahlreiche Vorgänge, die wir kaum beachten und denen doch ungeheure Kraftwirkungen zugrunde liegen. So heben z, B. die Laubbäume tagtäglich riesige Mengen von Wasser aus dem Erdboden empor, die bann von ihren Kronen aus verdunsten: bei größeren Bäumen handelt es sich um eine tägliche Förderung von Zehntausenden von Sltcrn.
Schristleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Vuch- und Steindruckerei. N. Lange, Gießen.


