Ausgabe 
6.10.1923
 
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Augenblick.

*

Don Bern ab ist der Zug überfüllt Schweizer aus allen Ständen streben nach dembilligen Deutschland«. Selbst auf den Gängen drängen sich die Reisenden. Man möchte sich einmal für zwei Franken im Lag verlustieren können. Die deutsche Frern- benindustrie kommt dabei noch auf ihre Kosten und begimht den Ausländerstrvm. Die Gröhe des Umsatzes laht vielleicht noch

das will ich Dir alle Tag überantworten. Dies gefiel dem Löwen und versprach deni Fuchs die Deredung zu halten.

Der Zug klettert an den Abhängen des Rhvnetals empor, Eine Zeitlang begleitet er auf der Höhe den Fluh drunten im Lal. Die geraden Chausseen, die Dörfer liegen wie em Riefen-! spielzeug unter ihm. Dann wendet er sich durch eine Schlucht LH nach Norden und bohrt sich durch den Lötschbergtunnel. Bei Kandersteg tritt er wieder in den blauen Tag hinaus Die Eis­massen der Dlümlisalp stürzen von den Gipfeln. Die Luft flimmert unter dem prallen Licht der Sonne und den weihen Schiieefeldern an den Hängen. Der Cisenbahnzug, die Hütten und die Menschen schrumpfen in der Hand der Berge zu mikroskopischer Würzigkeit zusammen. Der Alltag entlleidet.sich in seiner ganzen Nichtigkeit. ®in Stück monumentaler Schöpfungsgeschichte beherrscht den

Der Fuchs und Löwe.

Aus dem Buche der Weihhell der allen Weisen.

.Unter diefein Titel ist im M a u r i t i u s ° D e r l a g in Ber­lin eine Sammluiig von Fabeln erschienen, die dem 1483 in der Offizin Leonhard Holls in Alm gedrucktenBuch der Beispiele | der^alten Weisen" entnommen sind. Anton von Pfore, Rat und Liv?an der Psalzgräfin Mechthild von Rottenburg hat diese iw ^chen Fabeln, die im Mittelalter in allen bedeutenden Sprachen gelesen wurden, ins Deutsche übertragen. Es sind Worte, die aus Mer oft köstlichen Naivität uni) Herzenseinfalt tiefe Weisheit und Lebensklugheit strahlen.Ein Dernunftrger kann mancherlei Meinung über die Weltübung des Argen und Guten darin fin­den" sagt der mittelalterliche lleberseher, der semer Aufgabe wahrhaft meisterlich gerecht wird. Besonders dankbar wird man dem Verlag sein, dah er dem ausgezeichnet ausgestatteten Buch Wiedergaben der alten Holzschnitte des Originals mitgegeben hat, die hi ihrer kräftigen, nur das wesentlichesumi-eihen- den Manier, und der ursprünglichen auhe^rdea lichLn realift scheu Auffassung MeisterwerkemtttellltcrlichrrKunll dar st len. Die folgende Probe behandelt die FabÄ ,,D e r F u ch s u n o der 2 ö to e bei deren Wiedergabe wir nur bedauern, unseren Lesern nichkauch das prächtige Md zugänglich machen zu können.^

Es war einmal ein Löwe in einer Wlldnls um viell DiM allerlei Geschlechts wohnten. Nun war die Weide und der Wandel den Tiereii nach allen ihrem Wunsch bis auf die Surcku vor dem Löwen, denii er kam alle Tag sie zu schrdige-i da ie sich seiner nicht erwehren konnten. Nun berief sie der öMS und gab ihnen einen Rat, wie sie des Löwen allommen mochten Nach Befand der Weihheit des Rats schickten sie den Sachs zu ^Satoen un er sprach: Herr Löwe, wisse, dah Du, alle Tag Spech von ^ns haben mögst nur mit merklicher Arbeit und n ch -J 9 haben wir ein Weg gedacht für Dich nutzli > f S bar, so Du sagst pns sicher und sorglos so wollenwiral ^os freiwillig ein Tier von uns, auf welche.i,Dn j , $

fällt, zu der Stunde Deines Essens zu Deiner Speih schtclln,

Der Fuchs kam wieder und saget das seinen Mitdienern. Des Morgens Früe sprach da aber der Fuchs: Schaut, dah ich Euch mit Treuen bestehn will. So will ich der erst sein, der diese Aben- teuer bestehn wird, And macht sich auf der Fahrt zu der Woh- fnung des Löwen und verbarg sich daselbst, doch dah er des Löwen wohl acht nehmen mochte, lind da es sich dem Mittag schier Nähert da fing der Löwe an mit Zorn zu brummen von großer Asngekmld seiner Speih zu warten. Da dies der Fuchs ersah, dah Zähren überschritt ich hier die itatientfche Grenze i 6er <30tos voll Ungeduld von seiner Statt ergab, da liess er Simplvnpah kommend. Damals war der Tunnels I tch^elliglich gen den Löwen, als ob er von fernher gelaufen wäre, ' ' ~ "rt---* und fiel vor dem Löwen auf feine Knie. Der Löwe sprach rm

Zorn: Wo bleibst Du solang meine Speih, die mir durch Dich

Im südlichen Teil des Kirchspiels sind Strecken in denen die Natur viel schöner und reicher ist als im Norden bet Marbacka.

Dort schneidet der Frhkensee tiefe Buchten ins Land hinein eine nach der andern, und an jeder Bucht liegen Strandwiesen mit qutem Ackerboden, Laubwäldern und meistens auch drei oder vier vortreffliche altmodische Bauernhöfe. Zwischen den Buchten er» strecken sich Landzungen weit ins Wasser vor, bergig und waMgi und so wild und ungastlich, dah kein Mensch daran denkt, sie urbar zu machen oder sich dort anzubauen.

An einem Sommertag war Lisa Maja Wennervik nach Bdß- viken geritten, der südlichsten der Buchten, um von den herrlichen Birnen zu bestellen, die dort unter dem Schuh der Berge wuchsen. Bon den Bewohnern in Böhviken war sie gut ausgenommen wor­den hatte auch noch in mehreren Hütten guten Tag sagen muffen, «und so war es recht spät geworden, ehe sie den Heimweg antrat.

Aber sie ritt furchtlos durch die helle Sommernacht dahin, obwobl sie ganz allein war. Lisa Maja lieh das Pferd im Schist aefm denn die Nacht war herrlich, und sie konnte sich nicht satt daran sehen. Einmal ritt sie hoch auf sdem Berg im wildesten T£a(i) in dem es so duiilll war, bah sie sich vorstellte, wie es märe 'wenn plötzlich Räuber oder wilde Tiere aus dem Deicht bervörwechen und sie Vern Pferd herunterreihen wurden. Dann wieder ging es hinab durch lichte Täler mit tauigen Wiesen schonen Birkenhainen und weihglänzendem Wasser, Himmel stand noch cin farbiger Schein vom Sonnenuntergang, und die Rote spiegelte siä! im See. Lisa Maja hatte noch nie etwas Lieblicheres gesehen als diese Sommernacht.

An einer der Buchten sah Lisa Mcy-i einen großen präch­tigen Hengst auf der Strandwiese weiden. Es war em Apfell schimmel mit einer Mähne, die so lang war dah ste am Boden schleifte und .auch sein Schwanz reichte beinahe bis zur Erde un

rD bjcht tote eine Roggengaibe. Der Hengst war breit IN den Lenden nill hohem Widerrist, helläugig mit schlanken Beinen und FTrinem Kovll Die Hufe waren weih und glanzten wie Silber, wenn er fie aus dem Grase hob. Er war nicht beschlagen und trug an seinem Körper keine Spuren von Sattel oder Zaumzeug.

Lisa Maja war langsam einen Hügel herabgeritten, uno der Aappe ging im Schritt weiter der Wiese zu, au, der ver Hetigst irädete. Sie kamen diesem so nahe, bis nur noch ein Zarm zwi­schen ihnen war. Lisa Maja brauchte nur die Hand auszustrecken, um dein schönen Tier den Rücken zu streicheln.

Der Hengst hatte sich bis jetzt nicht um sie Seküminertz Run endlich hob er den Kopf und betrachtete das lange Mädchen.

And dennoch, wenn ich Schweizer wäre, bliebe ich daheim tn I GesckrckitSN dSV dltCH Haushälterin, meinen Bergen, wenigstens in diesem Jahre, wo der Daseins- r m o ,. f b f

kampf das Brudervolk im Norden zerwühlt, wo Am ast und I Xon Selma Lager kos.

Sorge um den nächsten Tag Las Wesen des Volkes verschleiern (Fortsetzung.)

und verdüstern. Noch niemals aber habe ich die Berge des I Der Neck.

Schweiz, ihre Täler und Seen vom internationalen Aounftentarm I so unberührt gesehen wie in diesen Tagen. Das Land hat M I herber Keuschheit gewonnen. Die Stille im Fremdenverkehr hat I ihm alle Quellen der Arsprünglichkeü wieder freigelegt, von denen I manche zu versiegen drohte. . I

gDonn ich Schweizer Ware, bliebe ich daheim tn meinen I

(Bergen wenigstens in diesem Jahre. . . .

Franzosen, die den Italienern das Geschäft verderben. Man warte sehnsüchtig auf die Deutschen, die nicht kommen, nicht kommen können, da die französische Politik ihre Valuta zerstört. Man möchte wieder zu normalen Zuständen zurückkehren, aber Frankreich bildet ein Hindernis. Wohin man hört, entdeckt man eine starke Animosität gegen Frankreich, den Störenfried. Kerne Liebe zu Deutschland, aber Abneigung gegen die Franzosen. Die wirtschaftliche Einstellung ist bestimmend. .

Italien liegt hinter mir. Der Simplonexpreh jagt nach Norden. Jselle ist die letzte Station auf italienischem Boden. Dor zwanzig Jahren überschritt ich hier die italienische Grenze ffj . v . e. V .....»Uvav nnfn UtlrtOH

M mlu, Vl>M!>........... - . . ,

Irvch nicht durch den Berg gebrochen. Heute ist man tn zwanzig Minuten in Brig. Heimatlich weht es ben Deutschen an. Der gUUl. utemn ........ ; - «> -

Palazzvstil weicht dem schlichten Wohnhaus, die welsche Romantik I zuaefagt ist, zu bringen. Antwortet der Fuchs: Herr, meine Ge­ber inneren Heimat. Seltsam, wie die Sehnsucht nach südlichen I reyfcn h^ßen mich heut zu guter Tageszeit ausgeschickt mit einem Kultur sich wieder dankbar zurückfindet in den Schoß der eigenen I ^j^rn Fuchs, der Dir heut nach dem Los zur Speth zugefallen Mutter. I wdr und der Dich ersättigt'hätte, und da ich den nicht wett weg

* - > von Deiner Wohnung bracht, so begegnet mir ein andrer Löwe,

fragend, was ich begänne. Ich sagt ihm, dah ich Dir, metm Herren, diese Speih bringen wollt. Der sprach, er war Herr und nicht und ihm gebührt solche Speih, er woll uns auch, gnädiger Herr, vor Dir beschirmen, und nahm mir damit Dein Speih.

In großem (Stimmen fragt der Löwe, ob er ihm den zeigen mvcht. Sprach der Fuchs: Ja ich bin ihm nachgefolgt bis tn seine - Höhle, die nicht fern von hier ist. Der Löwe bat. ihn dahm zu führen. Der Fuchs ging vor 6em Löwen bis zu einem Brunnen, der in der Erden tief voll Wasser war. Der Fuchs sprachen diellr Höhle ist der Löwe. Der Löwe eilet auf den Brunnen, der Fuchs mit ihm und stand ihm zwischen seinen Vorderbeinen auf dem Brunnen. Der Löwe schaut mit Zorn in den ^turnten und sah in dem Wasser fein eigen Bild uiW bes Fuchs 'Bild zwischen seinen Beinen. Der Fuchs sprach schnell, 3q) h P den Löwen und den Fuchs noch unversehrt bet ihm stehn. Voll Grimmigkeit des Zorns sprang der Lowe iniDen Brunnen, zu strei ten mit dem andern Löwen, und erkrank. Al,o ging 6er Sachs zu feinen Gesellen und erzählt, wie er gehandelt und den Löwen vom Leben zum Tod gebracht hält.