Ausgabe 
6.10.1923
 
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Die schweren Jahre der Entfaguirg

<svv n(t(, Stile lener Hof" gewährt eine gastliche Aufnahme, " Gastfreundschaft grenzt. Es ist, als °b En dem DeuMn die schweren Jahre der Entsagung vergessen machen wollte. Russe L Keller und die persönliche Aufmerlfam^it^rWirtsleuch wetteifern miteinander. Es ist wohltuend, nicht als Fremver ve° SnuZta Diele deutsche Soldaten waren wahrend des ^-ieaes Zier interniert Man hört manchen lustigen Schwanr, S Ä Ächichte aus diesL Zeit. Der gastfreie Schwerzer Lenkt noch gern an sie zurück, und mancher l«gt stch heute u^ die damals gewonnenen Freunde in Deutschland. Manche S ken wanderte und wandert auch heute noch nach Dentschla !ste ärgste Rot zu lindern. Trotz der eigenen kritische,r Lage. Sam melt man für notleidende Kinder, so verteilt man tot Ertrag auch an deutsche und österreichische K-.rLer Em echtes G f^ hl menschlicher Zusammengehörigkeit! Man wiro mes or.r o

«»-»«- «tarnt b---Wt man f«uMa h<m Dentfchen seiesam Fahrkartenschalter, beim Kaufmaiin oder im Gasthaus Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Mak Ld noch Vange auf den Fremdenstrom aus Deutschland

einer Fahrt Don Flüelen aus folgt die Bahn dem ^oi oer sthäummden Reust und nähert sich der mächtigen. Pyramide des Dirkenstockes. Bei Grstfeld beginnt der Aufstieg. Immer wilder und kühner türmen sich die Felsen, die steilen Gebirgsmassen be­ginnen den Himmel, zu stürmen.

Der Zug hält in Göschenen vor dem dunklen Loch des Gott- hardtunnels Das Dahnhossrestaurant in d«n einst der Dichter Ernst Zahn als Dahnhofswirt die Prosa des Alltags rn klingende Münrie umsetzte, ist heute verwaist. Die Einrichtung von Speise­wagen in den Durchgangszügen hat die lukrati^ Einnahinequelle dieser Bahnhofswirtschaft versiegen lassen. ManchmJtasten Reisende wird sich noch des Wettessens erinnern, das hier alltag lich zur Mittagszeit beim Maschinenwechsel stattgesunden hat.

Die Serpentinen der Strasten steigen zur Mge atcufi bäumt sich auf in wilden Fallen. Die iah«l Felswände rücken zu enger Schlucht zusammen. Die Teufeisbrucke springt mit E üHÄ fe sie hinweg. Und die wilden Wasser klemmen sich ausbrüllend zwischen ihren Schenkeln hindurch. Du verstehst deine eigene Stimme nicht mehr. Es ist, als ob hier unter Weh der Flutz geboren wurde. Hinter dem Ärnerloch steht gegen bZ blauen Himmel das Gotthardmassiv der Vater von Reust, Rhein, Rhone und Tessin. Bon den Falten ^tn^ Gewanöes gehen drei Kulturen aus' Germanen Gallier und Avmer. Wie Zügel hält er sie in der Hand. Gr ist mehr als ein Pah, der den Ramen eines deutschen Bischofs trägt. Er ist Kulturscherde und Kukturbrücke zugleich. *

Im Tal des Tessin, der seine Wasser nach- dem Mittelnieer führt Airolo, der erste Dorsname mit italienischer Musi-. De- malte Häuser tauchen auf, oft einen Palazzo wo-tausch end. Aus den staubigen Chausseen brütet die Hitze des Südens. AtberM, Trattoria, der erste Campanile neben einem verschüchterten Kirch­lein, wie der Bruder neben der Schwester, Maulbeerbaume Wem- I gärten mit dem grünen Rebendach auf grauen Stemstuhen, Men I scheu voll südlichen Temperaments. Edle Kastanien, flache Ziegel- I dächer, Fassaden mit Fensterbalkvns, Springbrunnen mit Marmvr- I Hecken, hie und La verfallene und verlassene Hauser, von Efeu I überwuchert, auf einem Bergkegel mitten im ein Sastello I Italien nähert sich uns. #

Unter meinem Balkon die roten Dächer von Lugano, der blaue I Spiegel des Sees und die letzten Berge v-or öer loinbardischen I Ebene. Die Kirchenglvcken hämmern zur Abendmesse^ Kurze zer- I schlagene Klänge und doch melodisch. Aus den Garten steigt | schwerer Duft In den Gassen und unter den Laubgangen hängt I bie verbrauchte Luft des Tages. Die Rase wittert Italien. Salami, | Chianti und Knoblauch-. Der Kellner bringt Makkaronr Fruchte | und roten Wein. Feuriges Blut das aus Korbflaschen quill

Ich denke an Deutschland, an den Weltkrieg und an (Ualiem Und | an jene unglücklichen Zeiten, wo so mancher Deutsche über die I Alpen wanderte und im Süden Erfüllung seiner angeborenen Seh -

Fahrpreise wie der Rückgang des Fremdenverkeprs rm allgemeinen Hnb Schuld daran. Es reist sich nirgends besser als auf der Gott- hardbahn die heute elektrisch betrieben wird. Schnelles, stoßfreies Mund pKicheSaube-keit ^^H^Gemch der mächtigen Pyramide des

Rächt geworden. Dunkel umhüllt den Schlaf der Stadt Wie Perlenschnüre leuchten die Lichter an der .

zum Gipfel des Mont Bre. Irgendwo m den Gassen singt einer Cin Rach' stundenlangem Warten im Konsulat erhAt man ims italienische Visum. Man zahlt ein paar ^n^Dannitt d Formalität erledigt. Dann darf man bei Dvesa uder^ne

Drücke und die italienische Grenze^ Der Zöllner ist Hof $ verzichtet auf Revision; doch die Grenzsoldaten mit den Krtegs vrden auf der Brust find gewissenhafter, als der PaV Deutschen verrät. Sie lassen sich die genaue Unter! uchg Gepäcks nicht nehmen. Selbst die Zahnpasta wird mißtrau ich betrachtet. Dann läht maw mich mürrisch mit einem Seitenblick ziehen. Ich mache mir meine Gedanken. Virlüicy auch diese Bundesgenossen von einst ... die Hohen von Dolme

Durch Zn Bergtal führt die Schmalspurbahn nach Lmno mn Lago Maggiore. Engländer sind im gleichen Abteil. Die Manner wieLords welcher Engländer gleicht nicht einem Lord?! - 3[)tc~ Frauen sind von einer bezaubernden Llebenswurdmkeck gegen jeden Bahnbeamten und Gepäckträger Höhere Po

I in die unteren Volksschichten hineingeiragen?!

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Man muh sich wieder daran gewöhnen mit höheren Zahlen zu rechnen. Vier Lire entsprechen einem »rankem Die des Krieges nagen auch an der 'takienischen Valub - '

Krüppel sieht man im Lande. Der Weltkrieg steht r H gründ. Die wirtschaftlichen Folgen im Touristenverkehr stnd 'M die gleichen wie in der Schweiz. Die grosten Hotels m stcU a z sind verödet. Jsola Bella, Jsola Riadre wissen nichts mchr von I deutschen Hochzeitsreisenden. Jedes Schiff bringt ein Paa » ,

iK Ä das früher der deutsche Mittelstandstelltefehlt | heute vollkommen. 3n Stresa schimpft der Oberkellner a f

wirtschaftlichen Krisis leidet, hat der etnzetne sich doch noch einen geheimen Kraftquell bewahrt, den der Deutsche in den langen Jahren der Entbehrung verbraucht hat. , .

Das Ruhrabenteuer wirkt bis in die Schweiz hinein. Der Fremdenzustrom ist in diesem Jahre ausgeblieben. Dem Deutschen verbieten die Dalutaverhältnisse die Einreise. Die Zahl der Eng länder ist besonders am Vierwaldstätter See stark suruckgegangen. Holländer und Amerikaner vermögen den Ausfall nicht zu ersetzen. Die Au Wb u s s e der großen Hotels kehren in der Regel ohne Gäste kom^hnhof zurück. In meinem Hotel bin ich/er emzige Gast

TVti,-! htftr wie aus einem Traume auf, als ich verlanatc Dieser Sommer bedeutet eine schwere Enttäuschung für

Kt Zn Ende gemacht oder sitzt heute im Irrenhaus. Die Ver­hältnisse sind ihm über den Kopf gewachsen.

Das Schiff trägt mich über den kristallklaren See in die süd­liche Ecke hinein. Ich grüße die Berge nach

orte Bekannte den Rigi, die Mythen und den Uri-Rvtstvcr. SN Brunnen ist trotz der Saison kaum ein Frencher »u sehen. Die

fehren Die steilen Wege hinauf nach dem Rutil aber sino vv Tausenden von schwatzenden, lachenden Kindern besetzt, ~ ,

hwirten auf den Dampfer, der sie nach- der ^ellptatte ormgen MI Rütli und Tellskapelle bedeuten für den Schweizer dasselbe, L: " p:_rt h»n Deutschen das Denkmal am Riederwald. Aili den M^elm^des WÄschL und des Schützen Teil ehren sie ihre nationale Unabhängigkeit.

warten müssen. ~

Erzählen wir von dem Schutzen -leit, So lans die Berge steh'n auf ihrem Grunde

Das Urnerland ist die Wiege der Schweiz^reihmt I^luckn Hebt noch heute das Schlößchen Rudenz, ernst Dehlers Absteige quartier In Altdorf erinnert auf dem.Marktp sih das Wonz^ standbild Teils und seines Knaben an den Apfelschuß. 3n-öurgein im Schächental zeigt man hinter dem weißgetunchten Kirchletn i Stelle wo einst Teils Haus gestanden haben soll. Gin Heines Gastbäus steht jetzt an diesem Ort, und der Blick schweift von hier Wer^e-k Kranz schEbedeckter Berge, deren Fuß tue Gletscher- Wasser der Reuh zu Tal eilen.Gott und Freyhert steht wie ein Motto am Chor der, Kirche. Und der Blick schwerst hinüber bis zu den Ruinen der alten Burg von Attinghausen wo»derFreiherr von Attinghausen lebte und starb. Das ganze Umerla- d 1 ) storischer B^en.Gott und Freiheit fern Wahlspruch.

Eine kleine Episode sei nicht unerwähnt. Ich wandere in praller Sommerhitze den Schächenbach entlang. In den Kirschbaumen l i be reisen Kirschen. Ueberall ist man mit der Ernte beschäftig . Ich trete in einen Garten und bitte einen Alten, mir ein Paw Kirschen ich verlausen. Er sieht mich prüfend an Rein, verkaufen könne m. mir keine, aber ich- solle mir nur welche nehmen sagt ei, gütig« Ich nehme mir bescheiden zwei Hande voll aus dem Korb. Da kniet er plötzlich vor dem großen Korb nieder, greift mit feinere zitternden Händen in den Ueberflutz und füllt mir, trotzdem ich Mich wehren will, die Taschen.Es geht uns viel bssfer hier in der Schweiz, wie euch in Deutschland!" sagt er mit gütigem Lachem. Und ich drücke ihm die Hand zum Dank füretwas, was er m<W ausgesprochen hat. Für ein Unhörbares, Unsichtbares. Es ist nur eine kleide Episode. Aber den Alten werde ich niemals vergessen.

Die Gotthardbahn hat in diesem Sommer nicht unter Ueber- Wlung der Züge zu leiden. Mitunter führt ein Zug nur wenige Fahr^fte. Mancher Wagen ist völlig leer. Die stark erhöhten