Ausgabe 
6.1.1923
 
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bis 1592 abspielten, Der Held dieser Periode im Leben des Dichters wird- also Southampton, und Shakespeare erscheint als fein Gegenspieler in den drei Liebesgeschichten, die diese' Jahre m Leben des Lords ausfüllen. Zwei von diesen Geschichten sind historisch belegt, nämlich die um 1590 in Aussicht genommene Verlobung Southamptons mit Lady Elizabeth Vers, der Enkelin Lord Durghleys, die Southampton ablehnte, und seine bekannte Veziehung und heimliche Verheiratung mit Elizabeth Vernon. Als drittes Liebesabenteuer des Lords kommt nun nach Achesons Auffassung noch sein Verhältnis zu einer unbekannten Frau hinzu, der vielbesprochenendunklen Dame" der Sonette,, deren alrbild dieser neueste Shakespeare-Erklärer in der Gattin des Oxforder Gastwirtes Davenant erkennen will. In dieses letzte Liebesabenteuer, das ja in den Sonetten eine große Rolle spielt, soll auch Shakespeare verwickelt gewesen sein und ebenso ein Nebenbuhler und Dichter", der gewöhnlich mit Chapman identi­fiziert wird. Acheson hat nun mit einem großen Aufwand von Gelehrsamkeit nachzuweisen versucht, daß Frau Davenant, die als »Avis«" in einem bekannten zeitgenössischen Pamphlet gegen 13. S." erscheint, tatsächlich die Tochter des Bürgermeisters von Bristol Dird war. Die Hauptbedeutung dieser Dame aber liegt in dem Einfluß, den sie auf Shakespeares Dichtung gewonnen haben soll.

Die Sonette des Dichters spiegeln nach diesen Ausführungen sein Interesse und seine Anteilnahme an den Liebesabenteuern Southamptons wieder; sie wurden in den Jahren 1592159? gedichtet, sind aber der Aiederschlag von Erlebnissen aus früherer Zeit. Ursprünglich sollen die Sonette in sieben verschiedene Bücher" zerfallen sein, von denen jedes aus 20 Sonetten bestand und einen geschlossenen Inhalt hatte. Das ersteBuch der So­nette" soll sich danach mit den Versuchen beschäftigen, Southampton mit Lady Elizabeth Vere zu verheiraten; das dritte handelt von derdunklen Dame", das vierte von demDichter und Neben» buhler". Diese Gliederung der Sonette in sieben Bücher von je 20 Gedichten läßt sich natürlich nicht ohne Gewaltsamkeiten durch­führen, und Acheson muh verschiedentlich mitverlorenen So­netten" arbeiten. Aber der Einfluß der in den Sonetten behan­delten Erlebnisse beschränkt sich nicht nur auf diese Gedichte, sondern soll auch in den Dramen Shakespeares und seinen Epen überall wirksam sein. Wenn er Venus malt, die Adonis heiraten will, so ist das Elizabeth Vere, die Southamptons Gattin werden möchte, und wenn er liebende und geliebte Mädchen darstellt, so soll das ülrbild Elizabeth Vernon sein, deren Züge in Julia, Porzin, in der Helena vonEnde gut, alles gut" nachgewiesen werden. Southamptons Persönlichkeit will Acheson in verschie­denen Jünglingsfiguren der Shakespeareschen Dramen wieder­finden, in Romeo, Bassanio u. a. Selbst Falstaff soll sein lustiges Gasthausmilieu den Abenteuern verdanken, die der Lord und der Dichter in der Liebe zu der Gastwirtin Ann Davenant durchlebten. So kühn alle diese und noch verschiedene andere Vermutungen Ef, so erhalten sie doch durch das reiche Material eine große hrfcheinlichkeit.

Fabeln von Theodor Etzel.*)

Die Spinnen.

Ein Wanderer kam mit den ersten Strahlen der Morgensonne auf eine Lichtung des Waldes, äleber blühende Ginsterbüsche waren die Retze der Spinnen gespannt. Die Tautröpfchen hingen darin und glitzerten an den feinen Fädchen in regenbogenem Farbenspiel. Da blieb der Wanderer voll Verwunderung stehen und rief entzückt:

Wie herrlich hast du dich geschmückt, Natur! 3n Hunten Schnüren strahlt im Svnnenglanz der Tau wie ein Geschmeide von Brillanten, die. fein zu Ketten aufgereiht, den Hals der schön­sten Frau umwinden.

Da riefen die Spinnen:Mensch, wenn dir das Licht- und Wasserspiel gefällt, so lobe nicht die Sonne und den Tau, so lobe suns! Wir haben diese Fäden ausgespannt, wir sind es, die den Perlentröpfchen Stütze gaben, wir sind die Schöpfer dieses Meister­werkes!"

Der Wanderer erwiderte:Wenn ihr die Netze um der Schön­heit willen gesponnen hättet, so würde ich gern euer Lob verkün­den. Euch aber drängte nur die Mordlust zu dem Werk, und Segen euren Wunsch benutzt die Schönheit eure Mördernetze. Soll h euch dafür dankbar sein? Wahrlich, ihr seid so unverschämt wie Spinnen!"

D e r F e i n d. ,

_ s .Ms den Tieren ihre Waffen zugeteilt wurden, erbat sich ^ls Rhinozeros ein gewaltiges Horn auf die Nase. Lind der Schöpfer gab es ihm.

Die bissige Mücke aber lachte und rief dem Rhinozeros zu: ifanen?" Hasenhörn dich gegen mich schützen zu

_Wahrhaftig, an dich habe ich bei meiner Wahl nicht ge­dacht, entgegnete belustigt das Rhinozeros.

Das Schaf hatte diese Worte gehört und nahm sie sich ernst­

) Aus der zum 50. Geburtstag des bekannten Dichters im Verlag von Walter Seifert in Heilbronn soeben er­scheinenden Gesamtausgabe seiner vortrefflichenFabeln".

haft zu Herzen.Sch Sitte um einen dichten Pelz," bat eS Lev Schöpfer. Lind der Schöpfer gab ihm ein Wollkleid. .

Sio hatte das Schaf die Mücke besiegt. Aber der wilde Woy lachte, und der habgierige Mensch freute sich.

Der Löwe.

Sn grauen Zeiten galt im Reich der Tiere das Recht der Freiheit und Gleichheit: jede Kreatur war frei und keine war einer andern untertan.

.Alber schon damals fraßen die Tiere; und der Löwe war stärker und gefräßiger als alle und verschlang jegliche Kreatur, die er erjagen konnte; da war keine Sippe, die er nicht in Trauer brachte.

Endlich traten die Verfolgten zusammen und berieten über Mittel und Wege, wie man diesem trostlosen Zustand ein Ende machen könne.

Der Löwe ist ein Frevler und Verbrecher," sagte der Büffel.

Der Löwe ist ein Räuber und Mörder," sagte die Giraffe.

Der Löwe ist ein Verächter unseres heiligsten Rechtes," sagte der Hirsch,und darum verdient er den Tod."

Ja," riefen alle Tiere,hundertfach hat er den Tod ver­dient," und sie verurteilten ihn zum Tode.

Aber wer wagte es, das -Urteil an dem Schrecklichen zu voll­ziehen ?

Und wiederum berieten die Tiere.

Und das Kamel ergriff das Wort und sprach:Genossen! Wir wollen großmütig fein. Wir wollen Gnade üben. Wir wollen dem Bösewicht sein verruchtes Leben schenken, aber wir müssen ihn unschädlich machen, und darum laßt uns ihn verbannen."

Ja," riefen alle Tiere; und sie verbannten ihn.

Aber wer. vermochte es, den Fürchterlichen zu vertreiben?

Und zum drittenmal berieten die Tiere. Sie wußten keine Rettung.

Da sprach zuletzt das Pferd:Genossen! Es ist gewiß, daß der Löwe ein Schandfleck in unserer Gesellschaft ist, den wir aus­tilgen müssen. Da wir den Frevler aber weder umbringen noch vertreiben können, so rate ich, ihn über das Gesetz zu stellen, indem wir ihn zu unserem König machen . . .

Das Pferd überzeugte die Tiere, und sie verliehen dem Löwen die erbliche Königswärde.

Und sie waren wieder zufrieden und glücklich, denn wer fürder­hin dem Löwen unter die Klauen kam, der hatte das tröstende Be­wußtsein, nicht einem sträflichen Verbrechen zum Opfer zu fallen, sondern für eine grvhe.Sdee verbluten zu dürfen.

Der Star.

Ein Schafhirt schenkte der jungen Tochter seines Gutsherrn einen gezähmten Star.

Das drollige Gebaren und Geschwätz des Vogels ergötzte das liebliche Mädchen sehr. Wo sie ging und stand, mußte er bei ihr Stein. Er saß auf ihrer .Hand, auf ihrer Schulter, am liebsten aber auf ihrem Kopf; und dort zirkelte er mit seinem Schnabel so eifrig in den wundervollen goldblonden Haaren, als müsse er diesen ganzen Thron der Schönheit auf Millimeter genau vermessen.

Von Tag zu Tag liebte die Heine Herrin ihren Gespielen mehr und mehr; der aber wurde von Tag zu Tag unluftiger und stiller.

Was fehlt dir nur?" fragte ihn endlich das holde Mädchen. Was macht dich traurig ?

Sch sehne mich nach den Schafen zurück," sagte aufrichtig der Star.

Das verdroß die kleine Herrin und sie zürnte ihm ein wenig. Wie, mein Liebling von m i r hinweg sehnst du dich nach den Schafen zurück? Stehe ich nicht wie eine anbetungswürdige Göt­tin hoch über den blöden Wvlltieren . . .?"

Keinestvegs!" sagte der Star.Du hast nicht einmal Läuse im Pelz."

Stier und Krähen.

Ein starker Stier durchfurchte mit scharfer Pflugschar ver­wildertes Brachfeld, für neue Saat den Boden lockernd und läu­ternd. Hinter ihm her in den frischen Furchen trabten die Krähen, um ausgehobene Würmer und Engerlinge zu fressen.

Ein Zug lärmender Wildgänse flog über die Landschaft.WaS macht ihr da unten?" riefen sie neugierig den Krähen zu.

Seht ihr denn nicht," entgegneten diese,daß wir uns von dem großen Stier bedienen und speisen lassen?"

Die Wildgänse hielten bestürzt in ihrem Flug inne und ver­geigten sich zu den Krähen hinunter:Verzeiht, Hochedle, daß wir es wagten, euch zu stören."

, Die Krähen trabten stolz hinter dem Stiere her, der unermüd­lich den Pflug durchs wilde Brachfeld zog.

»

Sv pflügt das Genie damit die Kleinen hinter ihm her sich ehren lassen können.

Drahtlose Photographie.

Von einer neuen wichtigen wissenschaftlichen Entdeckung machte dieDaily Mail" zu Weihnachten ihren Lesern Mit­teilung, indem sie behauptet, es sei jetzt gelungen, das Problem ©er drahtlosen Photographie zu lösen. Es tarnt jetzt eine Photo-