Ausgabe 
5.5.1923
 
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Der Buntspecht (hämmert): Sch bitte um Ruhe! Da« eine steht also jedenfalls fest: der Mensch ist unser bester Freund, der uns--

Die Schwalben: Schutz gewährt!

Die Krähen und die Spatzen: Speise gibt!

Der Buntspecht (wtederhvlend): Der Mensch ist unser ---

Die Finken und Rebhühner: schlimmster Feind!

Die Krähen und Schwalben: bester Freund!

Die Drosseln: Der Mensch ist «in Scheusal!

Die Spatzen: Gemeinheit! Er ist unser Wohltäter!

Die Zaunkönige: Ihr seid ja allesamt verrückt!

(Furchtbarer Tumult. Allgemeine Rauferei.)

Der Buntspecht (hämmert heftig): Sllentium! Silentium!

Ach rufe euch alle zur Ordnung!

Die Zaunkönige (fliegen unter Protest davon).

DerBuntspecht (nachdem die Ruhe wieder hergestellt lst): Da Stimmengleichheit vorliegt, gilt der Antrag der Drosseln für abgelehnt. Ach schließe die Sitzung.

Der Adler: Gut so! Wir dürfen immerhin nicht vergessen, da» wir dem Menschen für eins zu grobem Dank verpflichtet sind, wir haben von ihm gelernt, Reichstag zu halten, das heißt: zum Wohle der Gesamtheit all« persönlichen Interessen mit Flachdruck zu vertreten.

Die Spinnen.

Ein Wairderer kam mit den ersten Strahlen der Morgensvnn« auf eine Lichtung des Waldes. Lieber blühend« Ginsterbüsche waren die Rehe der Spinnen gespannt. Di« Tautröpfchen hingen darin und glitzerten an den feinen Fädchen in regenbogenem Farben» spiel. Da blieb der Wanderer voll Verwunderung stehen und rief entzückt:

Wie Herrlich Hast du dich geschmückt, Natur! 3n bunten Schnüren strahlt im Sonnenglanz der Tau wie ein Geschmeide von Brillanten, die, fein zu Ketten aufgereiht, den Hals der schönsten Frau umwinden!"

Da riefen die Spinnen:Mensch, toeitn dir dies Licht-- und Wasserspiel gefällt, so lobe nicht die Sonne und den Tau, so lobe uns! Wir haben diese Fäden aufgespannt, wir sind es, die den Perlentropchen Stütze gaben, wir sind die Schöpfer dieses Meister­werkes!"

Der Wanderer erwiderte:Wenn ihr die Netze um der Schön­heit willen gesponnen hättet, so würde ich gern euer Lob verkünden. Euch aber drängte nur die Mordlust zu dem Werk, und gegen euren Wunsch benutzt die Schönheit eure Mördernetze. Soll ich euch dafür dankbar sein? Wahrlich, ihr seid sd unverschämt wie Spinnen!"

Der Feind.

Als den Tieren ihre Waffen zugeteilt wurden, erbat sich das Rhinozeros ein gewaltiges Horn auf di« Nase. Und der Schöpfer gab es ihm.

Die bissige Mücke aber lachte und rief dem Rhinozeros zu: Glaubst du mit diesem Rasenhvrn dich gegen mich schützen zu Wunen?"

Wahrhaftig, an dich habe ich bei meiner Wahl nicht gedacht," entgegnete belustigt das Rhinozeros.

Das Schaf hatte dies« Worte gehört und nahm sie sich ernst­haft zu Herzen.Ich bitte um einen dichten Pelz." bat es deq Schöpfer. Lind der Schöpfer gab ihm ein Wollkleid.

So hatte das Schaf die Mücke fceftegt. Aber der wilde Wolf lachte, und der habgierige Mensch freute sich

Die Zerstörung von Raubnestern in der Wetterau.

Wo das Gemäuer einer zerfallenen Burg stch erhebt, denkt der Laie meist gleich an den Horst verwegener Raubritter, und manche Sage berichtet, wie die Uebermacht verzweifelter Bauern und.Bürger das Rest aushob. Nicht immer halten die bunten Farben solcher Erzählungen vor dem Licht der Geschichte stand. Geschichtlich ist aber, was der rührige Friedberger Stadt­archivar Ferdinand Dreher in einem trefflichen Büchlein darüber erzählt, mit dem er neulichdie reifere Jugend", auch die älteren Freunde der ehemals freien Stadt beschenkt hat*): Friedberg aber, das einer so großen Vergangenheit sich rühmen kann, wie alle die Ereignisse dartun, von denen Dreher in reicher Fülle berichtet (doch nie im Lokalen stecken bleibend, sondern alles in den Rahmen der Reichs- und Territvrialgeschichte nach Möglichkeit einordnend), empfängt nicht unverdient dieses Geschenk: denn in glücklichem Wett­eifer mit anderen, selbst größeren Städten, ist ja der alte Vorort der Wetterau heute bemüht, mit dem Erbe der Väter für Heimat­liebe und Wiss«nschaft zu wuchern,

*) Ferdinand Dreher. 3m Kampf um- Dasein. Auf­stieg und Niedergang der Reichsstadt Friedberg. Eine Chronik. Friedberg L H. (Druck und Verlag C. Dindernagel) 1923. 72 ©., 21 Abb. ______

,1405, den IS.22. Februar", so erzählt Ser Verfasser des Buches,unternahm König Ruprecht einen Zug in dt« Wetterau zur Zerstörung der gefährlichsten Raub- nester, aus denen ,des Helligen Reichs Straßen zu Wasser und zu Lande grotzlich niedergelacht und Kauflude, Pilgerhn und andere Lute, geistliche und werntliche, beraubt und beschädigt und an Lib und Gute verderpelichen gemacht werden'. Frankfurt, Friedberg, Gelnhausen, Wetzlar, Mainz, Worms und Speyer hatten laut Königlichem Ausschreiben, datiert Heidelberg, 3. Febr. 1403, ins­gesamt zu stellen 62 Gleven (Reiterabteilungen), 620 Bewaffnete und 260 Schützen, Friedberg allein ,40 Gewaffnete und 20 Schützen mit ihren Seczedartschen (Setzschilden) und anderen! Gezuge bar» zu gehörende. 3tem sie sollen auch ire großen Duszen (Geschütz) mydefuren mit Pulver, Steinen u. a.. Die Schlösser Rükkingen (iw. Hanau), Darben (Klein-Karben. Friedberg), Mömbris (. Aschaffenburg), Hüttengesätz (. Langenselbold) und Wasserlos (. Alzenau) wurden zerstört. Höchst bei Lindheim ergab sich und blieb darum unversehrt. Aber schon nach-einigen Wochen gab König Ruprecht dem Wetterauer Landvogt Hermann von Roden­stein Befehl, auch diese Feste wegen neuer Räubereien abzutun. Auf Weisung Ruprechts vom 24. April 1405 hatten Frankfurt 16; Friedberg 11, Gelnhausen 9 und Wetzlar 2 Werkleute, Zimmer­leute und Steinmetzen mit ihrem .gezauwe und gerede' zu entsen­den. Ebenso erlegte Reprecht am 18. Mai 1405 der Reichsstadt Fried­berg die Gestellung von 5 Steinmetzen und Zimmerleuten zur Zer­störung des Schlosses Hauenstein bei Mömbris auf. Unmittelbar nach Beendigung des Zuges, 25. Februar 1405, verhandelten die Herren Philipp von Falkenstein, die Gebrüder Reinhard und Jo­hann von Hanau und die Wetterauer Städte Frankfurt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen mit Landvogt Hermann von Rodenstein über ein Bündnis, um sich gegen jedweden Angriff wegen ihrer Teilnahme an der Gxecution (Strafzug) zu sichern. Die Städte atmeten auf, dem frechen Raubgesindel, zum Teil .frumbe' Vasallen des Erzbischofs Johann II. von Mainz, war das Handwerk ge­legt aber der Todfeind der Stadt Friedberg, die D u r g, wuch- mittlerweile zu einem Riesen heran."

Wie oft mag man damals nach derguten alten Zeit" sich gesehnt haben, die doch niemand erlebt hat, von der auch wir, selbst vor dem Kriege, so gern träumten! Aber nicht schwächlicher Ablenkung in Zeiten der Not soll die Beschäftigung mit der Ver­gangenheit dienen, sondern zur Lehre soll sie werden für die Gegen­wart, nicht zuletzt auch anspornen zum mutigen Wehren und festen Ausharren in Tagen schweren Unglücks. K.

MshdoÄumente aus alten Zeiten.

Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Von den Festgaben, di« das Frankfurter Meßamt anläßlich der Anter- nationalen Herbst- und Frühjahrsmessen herausgibt, verdienen zwei in Ausstattung und Anhalt gleichermaßen kostbare Büchlein be­sondere Erwähnung: Das dem Original getreu nachgebildete Frankfurter Meßschema aus dem Jahre 177 5" und Alt-Frankfurt als Messe» und Krönungsstadt", eine Zusammenstellung englischer Reiseberichte. Seit altersher waren die Frankfurter Messen, das vielgeprieseneKaufhaus der Deut­schen", berühmt. Wie alt diese Messen eigentlich sind, verinag da« Weßschema nicht anzugeben, es erwähnt nur. daß in dem vorhan­denen Freiheitsbrief Kaiser Friedrichs II. an die Stadt Frankfurt vom 12. Juli 1240 alle aufdiese alte Messe Reifende, des Kaysers und des Reichs besonderen Schuh und Schirm" versichert werden. Auch di« alten historischen Meßgebräuche, beispielstveis« daS Meßgeleit, finden hier eine Erllärung. Das Geleit wurde zum Schutz der reisenden Kaufleute gegen Ueberfälle und Räubereien eingerichtet, natürlich wurden fiir ein solches Geleit bestimmte Ge­bühren erhoben. Sv führt dieTaxa des Churmahntzischen Geleits­zettels" auf, daßein Christ, zu Fuß gehend oder zu Wasser fahrend kr. 4, ein Jude kr. 10" hinterlegen muß, der Hessen-Darm» städtische Geleitzettel verlangt für ersteren 10 kr., für letzteren gleich 22.1/2 kr. DieMeß- Frey beit", die jedem Kaufmann, so­gar dem Geächteten, für die Dauer der Messe ungehinderten Auf­enthalt in der Stadt und freies Geleit zusicherte, wird anschaulich beschrieben und dazu vermeldet, daß die drei zollfreyen Städte Worms, Bamberg und Nürnberg um die Erneuerung ihrer Zoll­freiheit in einem zierlichen Aufzug, bestehend aus Pfeifern, Rats- Personen, Canzlei-Sekretarien oder anderen angesehenen Bürger» leuten vor den: Schultheiß- und Schöffengericht erscheinen mußten.

Der humorvolle englische Weltenbummler Thomas Coryate, der 1608 die Frankfurter Herstmesse besuchte, beschreibt seine Ein». drücke von Franffurt:Zweierlei macht diese Stadt berühmt über ganz Europa hin. Einmal die Wahl des RonnsHen Königs, dann die beider: berühmten Messen, die hier zweimal im Jahr abgehalten werden. Sie heißen dieMärkte von Frankfurt". Er entwirft ein anschauliches Bild von dem Leben unb Treiben auf der Messen schildert die Pracht der Goldschmieds unter dem Römer, die Kost­barkeiten der Seiden Händler. Die Reichhaltigkeit des Büchermarktes .in der Duchgaß setzt ihn in Erstaunen, sie erscheint ihm als ebt wahrer Inbegriff aller der bedeutendsten Bibliotheken Europas ,

Lchrtftlettung: August Goetz. Druck und Verlag der Drühl'fchen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.