Ausgabe 
5.5.1923
 
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fahrmig, daß Frauen von leichten .Grundsätze W Md. ihren Töchtern ganz entgegengesetzte Gesi:-nungen ^uMtz«"'^ich als wollten sie sich dadurch entsündigen oder sich Fürsprecher vor Gottes Thron bilden tn den geliebten Wesen, welche sie vor dem Gift bewahrten, das sie selbst verzehrt.

Auguste war ein reines, fleckenloses Kind; ihr Stiefvater betete sie an und man mußte der Mutter um des Engels willen, der« sie verdarben konnte und Loch so heilig hwlt, die eigene^Schuld na^ sehen. Ich glaube, so empfanden meine Eltern; sie waren freundlich gegen' Madarna Schlegel, obwohl der Vater, ungewonnen durch ihre anmutige Genialität, ihr oft tüchtig abgab was sie ganz allerliebst ausnahm und wieder vom Aermel schüttelte.

Sie war gar nicht schön, kaum hübsch, aber ihre nette, gewandte, kleine Gestalt war graziös, wie ihr ganzes Wesen, und in dem von Pockennarben etwas beschädigten Antlitz lag soviel Ernnchmende^ ta ihren dunklen Augen leuchtete soviel Geist,w^^re LiPpM zeigten wenn sie sich öffneten, so schone Zahne, daß man allenfalls die Reimmg begreifen kann, welche nicht bloß Schlegel sondem auch Diefe andere Männer ihr maßlos widmeten. Don Dessau wvll» ten Schlegels damals nach Jena gehen, wo er eine Professur an»

Bei Karoline Schlegel in Jena.

Diese Schilderung stammt von der Tochter des Malers 3oß. Friedrich August Tischbein und ist dem soeben bei Strecker und Schröder in Stuttgart erschienenen, reich aus-- gestatteten Duche: DerMalerJ. 5. A. Tischbein Ein Lebensbild, nach den Aufzeichnungen feiner Tochter, von Prof. Dr. h. c. Adolf Stoll entnommen. Der Maler, nicht zu verwechseln mit seinem Vetter Wilhelm, dem römischen Freund Goethes, hat die bedeutendsten Menschen seiner Zeit porträtiert, und u. a. in freundschaft­lichem Verhältnis zu A. W. Schlegel und den Roman­tikern gestanden. Die hohen literarischen Verdienste der Brüder Schlegel hat Caroline Tischbein zwar nicht erkannt, aber sie schildert in dem folgenden Abschnitt sehr interessant das zigeunerhafte Leben und Treiben der Romantiker:

3m Schlegelschen Hause in Jena gab's dagegen Poesie genug, aber keine Ordnung. Diese Wirtschaft überstieg jede mögliche geniale Einordnung und wurde mir so widerlich, daß ich dadurch erst die Rotwendigkeit einer besseren Einrichtung schätzen lernte. Bei Schlegels war ich viel ordentlicher als bei Dertuchs.

Ein munteres Leben herrschte im Schlegelschen- Hause. Von Frau Schlegel, der ehemaligen Böhmer, ihrem Verhältnis zu Schle­gel, von der Bedingung, unter welcher sie ihm, Schlegel, ihre Hand gereicht hatte, habe ich schon oben gesprochen. 3m zweiten Jahre Unseres Aufenthaltes in Dessau hatte er die junge Frau mit einer allerliebsten Stieftochter nach Deffau gebracht, wo sie etcoa vier­zehn Tage bei uns wohnten. Diese Stieftochter, AugusteBöh» mer, war ein liebliches Mädchen von etwa vierzehn Jahren und, man mußte gestehen, gut erzogen. Es ist eine oft gemachte Gr»

Schleg^gehörte zu der damaligen Zunft anmaßender Schrift­steller. In welcher Roheit, hämische Spottsucht und die frechste Ain» ittlichkeit mit dem Stempel der Genialität bezeichnt umrden und deren Haupt er mit seinem Bruder Friedrich bildete Von ch^n gingen die Lucinden usw. aus, ÜBerfe. die jetzt 9°ttfob! selbst Männer zum Teil nicht kennen oder doch nach ihrem wahren Wert zu beurteilen wissen. Unzählige Schwierigkeiten fetzte es spater über diese unreinen Geisteserzeug nisse, die doch ihres Ve^assers bessere Ratur verleugneten, zwischen Schlegel und meinem Vater, der den Umgang mit wissenschaftlich gebildstE Aiännern sehr liebte unb suchte und mit vielen Gelehrten Schrst tstellern freundschaftlich verbunden war; über diefe Schlegelschen Produkte aber füllte sich mein Vater, der sich an den früheren Leistungen des jungen Mannes erfreut hatte, ganz empört und sprach ihm seine Mebiung unum- - Zum erstenmal hörte ich Ihn bei einer solchen Gelegen-

Dann. um die Mitte des letzten vorchristlichen Hahr- | tausends, erscheinen die Kelten selbst in der OBettermi^ I kenntlich an ihren eigentümlichen Destattungsgebräuchen und.drnn eigenartigen Schmuck. Und vom Beginn der La-Täne-Zett I an mehren sich meist in Rachbestattungen die gaIlt- i scheu ^Fnnde bei Rieder-Mockstadt (Halsringe mit Petschafte^ I Fibeln mit umgeschlagenem Fuß usw.). 3n jene Periode fällt I die Begründung der mächtigen Ringburg auf dem ragenden- i ® tau berg, der bei unseren oberhessischen .Heimatfreunden so ! merkwürdig unbekamit ist; und fast zur Gewißheit ist es wahr I scheinlich, daß gerade die Gallier der Mockstadter Siedelung. I über bereit Stammesnamen wir Vermutungen noch nicht äußern wollen, hervorragenden Anteil hatten an der Aufturmung noch beute gewaltigen Wälle jener Dolksburg, die bann ,lm Mittelalter nochmals zur Bedeutung gekommen ist. .

Vieles also, weit mehr als das, was hier angedeutet werden konnte hat d i e Re kr v p v le in der Rieder - M o cksta dt e r Au uns schon berichtet, viele Erkenntnisse geliefert von großer Tragweite nicht bloß für die Vorzeit der engeren Heimat. Antwort auf manche ungelöste Frage verspricht sie weiterhin hoffentlich ergibt sich sdie Möglichkeit, noch | recht viel ihr abzulaufchen.

Aller Augen blickten kürzlich nach Aegypten, von wo überraschende Grabfunde gemeldet wurden: jene Komgsschatze, jene Kunstwerke haben als fvlche Ewigkeitswert aber jene Zeiten sind uns auch schon geschichtlich vertraut. Was li n f e r e Rekrvpolen bergen, ist gar viel bescheidener in feinem Reicheren - doch die Funde sind die einzigem und noch dazu bei eindringender Forschung recht ergiebigen Erkenn t- nisqueilen für längst entschwundene Hahrtaufende, über die fein einziges Schriftzeichen uns berichtet, Erkenntnisauellen vor allem für die Vergangenheit der eigenen Heimat und des eigenen Volkstums Und so scheint es wohl berechtigt, auch einmal auf s i e den Blick zu richten,damit wir nicht Fremde im Vaterland sein mögen, da andere Völker ihre Altertümer so sorgfältig zu untersuchen, bemüht sind, während wir uns in den vorigen Zeiten mehr um andere, als um uns selber bekümmert haben ein Wort, das schon zweihundert Jahre alt ist!

Rur ans der Vorgeschichte verstehen wir ja, um bloß eins zu erwähnen, die so große Mannigfaltigkeit der Einzelthpen, in der die Bewohner der Wetterau sich uns heute barftelten, im Gegensatz zur Bevölkerung des nordöstlichen Oberhessens, die eine viel größere Geschlossenheit aufweist: Hier, am Hang Des Vogelsbergs, sind nie andere Ströme als vom Rordosten her angebrandet, während in der Wetterau, wie in einer Sackgasse, seit den ältesten Zeiten aus allen Richtungen Kulturen und Volker fick trafen bis in die Römerzeit hinein, ja, über sie hinaus. Olfe haben die Neuankömmlinge der früher Gekommenen ganz verdrängen können; die Funde zeigen es oft deutlich. Und so leben die Steinzeitbauern, und was sonst aus dem Südvsten, dem Süd- westen und Westen, sowie dem Rorden und Rordosten in der Jahrtausende Lauf vom Schlckfal hierher verschlagen ward, es lebt noch heute in der Wetterau weiter, wie überhaupt in Süd- und Mitteldeutschland, tn mancher Eigenart des Körpers, des Geistes und des Gemütes der Menschen, die doch längst mit den Leuten des Rordens durch den unlöslichen Kitt germanischen Blutes, das jg seit dem Ende des zweiten Jahrhunderts vor Christus in breiten, unaufhaltfamen, unversiegbaren Strömen nach Süden sich ergoß, zu einheitlichem Deutschtum verbunden sind.

wunden aus. Zum erstenmal hörte ich ihn bet etner pupen Gelegen­heit eine unartige Antwort geben. Sch.egel persiflierte jemand in einem Gespräch mit dem Vater ganz jämmerlich und sprach sogar über dessen Physiognomie das Anathema aus. Auf des Vaters Ein­wurf, daß der Mann fich fein Gesicht doch nicht selbst gemacht habe, antwortete Schlegel:Ei was, jeder tüchtige Mensch vermag sich selbst sein Gesicht zu schaffen." 3m volleii Zorn versetzte der Vater:

Könnte man dies, so würden Sie besonders wvhlgetan Haven, sich ein anderes zu machen." -Sie," sagte der Vater einmal heftig erregt zu der Frau,Sie finb die Schlange, welche Schlegel ver­führt von Ihnen empfängt er das verderbende Gift, um es weiter zu verbreiten." Die kluge Frau lachte und wußte durch irgendeine scherzhafte Wendung Schlegels aufsteigenden Zorn wie des Vaters Heftigkeit zu beschwören.

Viele interefsante Männer mit ihren Familien bildeten damals in Jena eine sehr anziehende Geselligkeit. Paulus,Mereau. Loder. Frommann waren mit Schlegels und Hufelands befreundet. Auch Gries gehörte zu btefer Elite, sowie viele junge liebenswürdige und geistvolle Studierende. Es war ein Kreis, wo Lust und Leben herrschte. Bälle, Landpartien, kleine Maskeraden, alles gab es da, um junge Gemüter anzuziehen, vielleicht auch zu verlocken. Es war eine muntere Zeit, die ich unbefangen hinnahm und freu­dig genoß. Gut war es jedoch-, daß diese Zeit nicht zu weit aus­gedehnt wurde unb daß ich in Auguste den Genius fano, dessen Einfluß unb kindlicher Umgang mich mehr beherrschte als andere Eindrücke

Einige Tage nach unserer Ankunft in Jena kam Schelling an und bezog eine Stube im Schlegelschen Hause, wo er auch nebst mehreren jungen Leuten seinen Mittagstisch hatte. Dieser letzte war nicht der beste, vielmehr gab es ein abscheulicheres, un­gesunderes Essen als hier wohl selten. Vielleicht wußte Frau Schlegel oft um zwölf Ahr noch nicht, was sie kochen lassen wollte. Saure Gurken, Kartoffeln, Heringe und eine unschmackhafie Wasser­suppe halfen dann aus. Die Würze zu biefem Mahl lieferten geistige Bestandteile bei der unnachlassenben Gewandtheit der Wir­tin, welche alle zu beleben und anzureizen und ihren Witz leuchten zu lassen wußte, so daß die Gesellschaft über bem Sprechen das Essen vergaß. Die Abendvereine bei Tee und kalter Küche waren auch sehr angenehm, Wurst und Käse dabei wenigstens eßbar.

Wie Frau Schlegel verstand, Herzen zu gewinnen, bezeugt ihr dritter Mann, Schelling. Schelling dachte, als er nach Jena kam (1798), an nichts weniger als daran, einst dies zu werden; er hatte sich sogar höchst nachteilig über die Schlegel geäußert und versichert, ihn werde sie nicht behexen. Sicher Ist es, daß der Dame diese Aeußerungen bekannt wurden. Wie sie es aber ansing, ihn als Gast oder Mieter ob ersteres oder letzteres, weiß ich- nicht mehr 7- ins Haus zu bekommen, blieb unerörtert. Genug, er kam. Wir nicht, aber der Mutier, wie sie später erzählte, wurde bald bemerkbar, daß fich zwischen Schelling und seiner Wirtin ein Verhältnis ent­spann, unter dem Schlegel sehr litt. 3ch entfinne mich, baß einst nach einem kleinen Ball bei Schlegels, als alle Gäste schon fort waren und ich bi -den Saal zurückkehrte, um etwas zu holen, Schlegel und feine Frau in großer Aufregung nebeneinander ein» I herschritten. Er weinte, sie sah sehr entschlossen und erhitzt aus. I Lstese Wahrnehmungen machte ich schnell und teilte sie der Mutt«: