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vchristleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Drühlfchrn Univ.-BuL- und Strindruckerei. A. Lange, Dieben.
burtsort des Verfassers dieses Aufsatzes unter dieser Einquartierung ungeheuer zu leiden. Eine kurze Schilderung möge folgen:
Im November 1813 marschierten ca. 18 000 Aussen auf der Straße von Wetzlar nach Butzbach. Sie sollten in Dornholzhausen bei Homburg v. d. Sy Quartier beziehen. In Niederkleen, wo sie sich nach ihrem Quartserort erkundigten, wies man sie nach dem benachbarten Dornholzhausen im Hüttenberg. Aus der sogenannten Hochwiese bei dem Dorf schlugen sie ein Lager auf. Da sie einige Wochen hier blieben, bis sich der Irrtum aufklärte, so entstand eine furchtbare Not und Armut. Man erzählt sich, daß von allem Vieh nur noch eine alte Gans übrig geblieben sei. Von feinen Sitten und anständigem Benehmen war bei den damaligen „ Freunden" und Verbündeten wenig zu merken. Sie sprachen sehr dem Branntwein zu, zumal eine Schnapsbrennerei in dem Ort vorhanden war. So fordert« in der jetzigen Wohnung des Jvh. Müller ein Nüsse von seiner Quartiersfrau einen Krug Wutki. Die Frau goß zunächst Wasser in den Krug, um ihn zu reinigen. Der Nüsse, in der Meinung, man wolle ihm Wasser zu trinken geben, erfaßte den Krag und schlug ihn der Frau auf den Kopf, daß sie tot niedersank. Sn der jetzigen Scheune des Kvnr. Lotz entstand nachts ein Streit unter russischen Soldaten. Plötzlich hörten die Bewohner des Hauses einen gellenden Schrei. Am anderen Morgen fehlte ein Nüsse. Auch sah man im Scheunenviertel frische Erde, die wieder festgestampft war. Die Nüssen hatten hier ihren im Streit getöteten Kameraden verscharrt. Sn späteren Jahren fand man an diesem Ort noch Menschenknochen. An der Stelle, wo der Wiesenbach an der jetzigen Wohnung des Fr. Jakobi vor- beifließt, hatten die Nüssen ein Wehr errichtet. Das hier angestauts Wasser diente ihnen als Bad. Neben demselben stand damals ein kleines Häuschen mit einem Ofen. Sn dem heißen Nauru legten sie die Kleider ab, sprangen daun in das eiskalte Wasser und zogen sich hierauf in dem warmen Zimmer wieder an. Nach dem Abzug der Russen brach eine Epidemie, die sogenannte Russenkrankheit, aus, der viele junge Leute zum Opfer fielen. Auch war die Armut so groß, daß man sich auf den Nachbardörfern Vieh zum Bestellen der Aecker leihen mußte. Die gewaltige Schuldenlast von 30 000 Gulden wurde dadurch getilgt, daß die Gemeinde einen mächtigen Buchenwald, den Brand, abholzen ließ. Erst nach und nach konnte sich das Dorf durch den Fleiß und die Sparsamkeit seiner Bewohner wieder zu früherem Wohlstand emporfchwingen.
(Fortsetzung folgt.)
Die Technik auf den Messen.
(Dipl.-Sag. Walldorf.)
Als bald nach Beendigung des Krieges mit Waffen zum ersten Male davon gesprochen wurde, auch die Technik den Messen zuzuführen, begegneten die, welche diese Möglichkeit vertraten, in weiten Kreisen, besonders in Kreisen der Techniker selbst, einer großen Skepsis, wenn nicht völliger Ablehnung. Man wollte nicht glauben, daß die Technik „messefähig" sei. Die wirtschaftliche Entwicklung und die Tatsachen haben diese Ungläubigen belehren müssen, denn alle Messen kennen heute als wichtigsten Bestandteil die Gruppe Technik. Es ist bezeichnend, daß gerade die konservative Leipziger Messe, die der notwendigen Neuorganisation der Messe lange abwehrend gegenüberstand, sich schon frühzeitig eine technische Messe zulegte, sie stark ausbaute und hier in diesem auf völlig neuer Grundlage aufgebauten Messeteil die erst abgelehnte Neuorganisation nach Drancheneinteilung und örtlicher Konzentration systematisch durchführüe. Die Technik war also durchaus messefähig geworden und einer der Großverbände technischer Sn« dustrien nach dem andern fügte sich der Notwendigkeit, auf den Messen zu erscheinen. Was die eifrigen Verfechter des Messegedankens von Anfang an ausgesprochen hatten, bewahrheitete sich.
Die moderne Meise erklärte sich selbst als Mustermesse. Folglich definierte man richtig, daß alles, was nach Mustern gekauft oder bestellt werden könnte, messefähig sei. Danach wäre die Technik im allgemeinen nicht messefähig. Man vergaß aber, das Sn- stallativnsmaterial, Armaturen, Kleineisenindustrie, Beleuchtungsmaterialien auch zur Technik gehörten und durchaus in jenem Sinne schon messefähig waren. Man vergaß ferner, daß schon vor dem Kriege und erst recht nach dem Kriege, da der Krieg die Bestrebungen der Normalisierung und Typisierung sehr gefördert hatte, ein Eiseirprofil nicht für einen bestimmten Zweck gewalzt, eine Dampfmaschine nicht konstruiert, ein Kugellager nicht gebaut wurde, um in einer Sonderkonstruktion Verwendung zu finden, sondern daß der Konstrukteur sich über die vorhandenen Typen und Normalien vergewisserte und nach ihnen seine Sonöerkon- struktion einrichtete. Alle typisierten, normalisierten und spezialisierten Maschinen und Maschinenelemente sind aber messefähig, weil sie nicht einmal nach Mustern, sondern sogar nach Prospekten verkauft werden können, sobald die Qualität und Geeignetheit fest- steht.
Somit war ein großer Teil der Technik sogleich in den Bereich der Messefähigkeit eingeweiht. Ganz natürlich war es auch, daß der Werkzeugmaschinenbau als erster geschlossen auf die Messen ging ihm folgten bald andere Serien- oder Thpenfabrikationen,
wie Schweiß- und Schneideanlagen, Kugellager, dann elektrisch« Maschinen wie Motor«, Anlasser, ilmformer. Ein weiteres Gebiet stellten die infolge dec Baunot in großen Mengen erscheinenden Baushsteme, Sparbaumethvden und normalisierten Baumaterialien. Stark beteiligt an den Messen waren auch die Apparats und Einrichtungen für elektrische Beheizung, für industrielle Werkzeuge und haustechnische Hilfseinrichtungen. Dem Konkurrenten der Elektrizität, folgte prompt das Gas mit allen seinen Zubehörindustrien, besonders der Gasheizung, und dadurch wurden die Heiziiidgstrie, die sowieso durch die Kohlennot eine Zeit der Neubelebung erfuhr, auf den Plan gerufen. Daneben fand aber auch die Spezialmafchine, sei es nun für einzeln« Sondergebiete, wie der Schuh- und Lederindustrie oder die Labakindustrie, oder sei es ganz allgemeine eine Neukonstruktion oder erstmalige Ausführung mit voller Berechtigung ihren Weg zur Messe, auch die technisch« Durchbildung eines neuen Verfahrens, also Fabrikate oder Methoden, die an und für sich mit Typisierung oder Normalisierung nichts zu tun hatten, die vielmehr auf die Messe kamen, weil die Messe nicht nur Sin- und Derkaufsmarkt ist, sondern auch zugleich das beste und wirtschaftlichste Propagandamittel für derartige Neuerscheinungen. Denn die Messe wirkt wie ein Film, nur in der älmkehrang der Bewegung, in dem das Bild stillsteht und der Beschauer vorbeiwandert. Der große Vorteil, die Maschinen und Apparate in Betrieb vorführen zu können, erhöht dabei noch den Propagandawert der Messe.
Am längsten zurückgehalten hat sich die Schwerindustrie. Das lag 'acht allein an der Konjunktur, sondern auch daran, daß den Messen anfangs die Räume und Transportmöglichkeiten für die Fabrikate der Schwerindustrie fehlten. Allmählich ist dieser Man- gel von den Messen beseitigt worden und zugleich damit erschien mich die Schwerindustrie auf den Messen. Sicherlich wird aber ihre ^eteittgung immer etwas zurückhaltend, und überhaupt wird die Einstellung der Schwerindustrie stets mehr oder minder regional sem, wenn sie nicht noch stärker als bisher zu permanenten Ausstellungen im Anschluß an die Messen schreitet.
Aeberträgt man diese allgemeinen Geschäftspunkte auf die orankfurier Snternationalen Messen im besonderen — die dies- laprtge Herbstmesse findet vom 23. bis 29. September statt — f0 geigt steh daß Frankfurt dieser allgemeinen Entwicklung völlig gefolgt ist Bezeichnend für Frankfurt war nur von Anfang an auf diesem Gebiet seine Grundprinzipien, örtliche Zen- ^alisativn, Branchengliederung und Qualität beibehalten hat Erst allmählich ist eä gelungen, auch für die Technik Räume und Vorkehrungen zu schaffen, die nötig sind, um die Technik vollgültig an den Vorteilen der Messe teilnehmen lassen zu können. Seit einem Jahre steht aber in Frankfurt das Haus derTechnik und mit ihm ist ein würdiger und vorläufig ausreichender Raum tiL 3^UfLrtelto'2ig geschaffen. Zugleich sind in mustergül- die Sonderungen erfüllt worden, die von der Technik hinsichtlich der Transportmöglichkeiten gestellt werden mußten. Gin direkter Gleisanschluß fuhrt von der Staatsbahn in das Haus oer Technii große Krane und Verladeeinrichtungen gestatten den ^ven und schnellsten Transport auch der schwersten Stücke, Wasser und elektrischer Strom ermöglichen an jedem Stand die Vorführung der Maschinen im Betrieb, die auf dem festen Fundament der Halle günstige Aufstellung finden.
Auch die diesjährige Herbstmesse wird eine recht umfangreiche Beteiligung der Sndustrie zeigen. Am stärksten vertreten ist die Maschinenbaus. Wir finden da Werkzeugmaschinenfabriken, Schleifmaschinen, Holzbearbeitungs» fn^sch^neii und Transporteinrichtungen, Hebezeuge, autogene Me» talIbearßeitung, industrielle und häusliche Feuerungen, Kraft» Maschinen, Maschinenelemente usw. Es ist natürlich nicht mög- lfch- nnch nur auszugsweise eine Heb erficht der verschiedenen Fa» brikate zu geben, vielmehr muß in dieser Hinsicht auf das Aus- verwiesen werden. Groß ist auch die Anzahl der Aussteller aus dein Gebiet der Elektrotechnik. Besonders im Ap paraten bau bildet Frankfurt ja ein Mustergebiet. Dies zeigt sich auch Darrn, daß die Frankfurter Messe eine Spezialmesse auf» zuweilen hat, wie sie kaum auf einer anderen Messe in dieser Geschlossenheit anzutreffen ist, das ist die B e l e u ch t u n g s i n d u - Pe^r> ver die Frankfurter Messe einmal besucht hat, wird vvn dieser Konzentration eines Sonderzweiges der Sndustrie über» rascht gewesen sein. Es folgen weiter die Gruppen Metallwaretz und elektrische Schwachstromartikel, Bauwesen und sanitäre Artikel, land- und gartenwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Fahr» zeuge und, schon in das Gebiet der Gebrauchsgegenstände hinüber- reichend, aber doch zur Technik im engen Zusammenhang stehend, Haus- und Küchengeräte.
Schon diese kurz« Aufzählung der Grappen zeigt, wie vielseitig gerade auf technischem Gebiete die Frankfurter Messe ist. Die Tatsache, daß die örtliche Konzentration, die scharfe Branchengliederung und di« Qualitätsauslese einen außerordentlich gün» stigen Leistungsfaktor für den Aussteller und Einkäufer gewährleisten, mag genügen, um den Besuch der Frankfurter Messe zu empfehlen. Es ist zu hoffen, daß die allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Äerhältnisse die Frankfurter Messe in ihrem praktischen Erfolg noch günstiger gestalten, als die trotz der Mißgunst der Verhältnisse glücklich verlaufenen diesjährigen Frühjahrsmesft,


