Ausgabe 
4.8.1923
 
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Samstag, 4. August

1823 Nr. 31

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Die Befreiung.

1ni5ut Jahrhundertfeier der Befreiungskriege erschien im Jahre 1913 bei Wilhelm Langewiefche-Brandt, Eben Hausen, in einer Auf- *9e von 100000 Exemplaren und in dem Umfang von 534 Seiten ^5 BuchDie Befreiung 1813, 1814, 1815. Urkunden, Berichte,^ Briefe mit geschichtlichen Verbindungen von Tim n< Das Werk war lange vergriffen. Deutschgesinnte Männer ¥ t -T ermöglicht, im Frühjahr 1923 trotz der Geld- knappheit eine Reuauflage von 50 000 Exemplaren erscheinen zu . !!' Ir-y"1 fv!?end«u sind daraus Stücke dargeboten, die sich im auf Zeit der eigentlichen Erhebung beziehen. Doch das ganze Buch, vom russischen Feldzug über die Erhebung, die «Mißjahrs- und Herbstfeldzüge 1818, über den Feldzug 1814, ätäne3eitÄCn9ie6 b*e 100 $a9e zum Ausgang der ge^

Ernst Moritz Arndt

_.tn keiner FlugschriftDie Glocke der Stunde" (1812):

Die Mürfel groher Entscheidungen sinh geworfen, aber sie ^.die Verruchtheit hoffet, Europa wird nicht untergehen, Rußland wird nicht nieLergetreten werden, Bonaparte wird kein zw-rtes^ völkerverschlingendes Rom gründen: er wird mit semmi Verbrechen und Greueln vergehen. So klingt die OBetS« WM ©otteä un& der Geschichte, so klingt die Weissagung ber Xopfein und Guten so klingt selbst die Lehre dieses schönchen, ^Mnnigen Zeitalters. Mut, Standhaftigkeit, Deharrlich- keu, Höchsten in Gedanken und Stolz in Taten werden die ermat- verblutete Welt erlösen und verjüngen: alle Länder, alle Wolter werde,i sich, erheben und an dem eisernen Joche schütteln: nach den Sturmen werden glückliche und friedliche Zeiten wieder- Mren und die Herrscher auf den Thronen, die Edlen auf den Schlossern die Burger und Bauern in ihren Häusern und Hütten werden sicher wohnen und ihren Kindern und Kindeskindern die und ungeheuren Märchen dieser Tage erzählen. Dann A D aU$ diese Zeit und ihre Schande und ihr Unglück wie ein ouncker Traum hinter uns schweben und die Wahrheit wird herr- fcyen für die Luge.

Der Freiherr vom Stein bei der Nachricht vom Brande Moskaus

Ernst Moritz Arndt erzählt:

, V - Er (Stein) war der unerschütterlichste Fürst und Feld- herr des Mutes. Als die Nachricht von der Schlacht von Borodino und valo von dem Brande Moskaus ankam, und Zar Konstantin umhersprengte und Frieden! Frieden! rief, als die Kaiserin-Mutter und Romanzoff Frieden flüsterten, trug er sein Haupt nur desto weiterer und stolzer. Ich habe ihn gesehen, diesen heiteren Mut. wcy war den Tag nach der eingelaufenen Kunde von jenem Brand« mit dem tabfern Dörnberg (dem westfälischen Freischarenführer) wid mehreren Wackern Deutschen bei ihm zur Tafel. Aie habe ich q baulicher gesehen. Da ließ er frischer einschenken und sprach:

»Bch habe mein Gepäck im Leben schon drei-, vier­mal verloren: man mutz sich gewöhnen, es hinter st ch zu werfen: weil wir st erben müssen, sollenwir tapfer sein."

(Arndt, Erinnerungen aus dem äußeren Leben.)

Der Freiherr vom Stein an den englisch-hannöverschen Minister Grasen Münster in London

St. Petersburg, 20. November 1812.

ist mir leid, daß Euer Exzellenz in mir den Preußen

vermuten, und in sich den Hannoveraner entdecken ich habe nue e i n Vaterland, das heißt Deutschland, und da ich nach alter Ver­fassung nur ihm und keinem besonderen Teil desselben angehörte, so bin ich auch nur ihm, und nicht einem Wil desselben von gan­zem Herzen ergeben. Mir sind die Dynastien in diesem Augenblick großer Entwicklung vollkommen gleichgültig, es sind bloß Werk­zeuge: mein Wunsch ist, daß Deutschland groß und stark werde, um feine Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Rationalität wieder M erlangen und beides in seiner Lage zwischen Frankreich und Rußland zu behaupten: das ist das Interesse der Ration und ganz Europas; es kann auf dem Wege alter zerfallener und verfaulter Formen nicht erhalten werden; dies hieße ein System einer mili­tärischen, künstlichen Grenze auf den Ruinen der alten Ritter» bürden, und den mit Mauern und Tünnen befestigten Städten ^.zu wollen . . . Mein Glaubensbekenntnis ist

Marschall Reh kommt nach Königsberg

Mitte Dezember 1812.

Wenige Tage nach jenem 14. Dezember, an welchem die letzten Trümmer der französischen Armee unter dem Marschall Reh den Riemen überschatten, trat in das kleine Zimmer des Generals Dumas, der in Königsberg darniederlag, ein rauhbärtiger, von Bauch geschwärzter Mann mit versengten Brauen und in einen Lumpen von Mantel gehüllt.Sv, Dumas, da wäre ich endlich!" Oo, mein Gott, wer sind Sie denn?"Wie, General Dumas, Sie kennen mich nicht?"Rein, wahrhaftig nicht; wer sind Sie?" Run, ich bin die Rachhut der großen Armee, der Marschall Wiesel Reh. Ich habe an der Brücke von Kvwno den letzten Schuß getan, habe meine Waffe in den. Riemen geworfen unb mich dann so, wie Ohr mich seht, hierher gemacht."

(Rach Aehtwisch, Rapoleon in Rußland.)

Das Iluchtlied

Gedichtet von dem deutschen Primaner Friedrich August (gest. 1870) auf dem Zimmer des Turnvaters Jahn Eno« 1612.

Mit Wann und Roß und Wagen so hat sie Gott geschlagen.

Es irrt durch Schnee und Wald umher das große mächt'ge Franschenheer. Der Kaiser auf der Flucht, Soldaten ohne Zucht.

Mit Mann und Roß und Wage« so hat sie Gott geschlagen.

Jäger ohne Gewehr, Kaiser ohne Heer, Heer ohne Kaiser, Wildnis ohne Weiser. Mit Mann und Roß unH Wagen so hat sie Gott geschlagen.

Trommler ohne Trommelstock, Kürassier im Weiberrock, Ritter ohne Schwert, Reiter ohne Pferd.

Mit Mann und Roß und Wagen so hat sie Gott geschlagen.

Fähnrich ohne Fahn, Flinten ohne Hahn, Büchsen ohne Schuß,