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Da mir Wassili eingeschärft hatte, weniger auf das Moor als ' lauf das Fichtendickicht und auf die hohe Heide zu achten sah ich auch den Auerhahn, der über das Moor strich, erst, als er fast schon die jenseitigen Baumbestände der Heide erreicht hatte. -och folgte ihin mit den Blicken, bis er verschwand — sah aber nun plötzlich, etwa dreihundert Meter vor mir, drei Elche — ein -Ster mit zwei Kälbern — auf das Moor traben und in großem Bogen, mehrmals »erhoffend, der Heide zuflüchten Fast hätte ich bei diesem schönen Anblick vergessen, meine Aufmerksamkeit der Heide zuzuwenden. ^ckte, bemerkte ich am Band der Hmd«
einen starken Elch-, der gerade das Tannicht verlassen hatte. Ehe ich mich fertigmachen und den Elch ansprechen konnte, kam der Hirsch in meinen Wind — »erhoffte und schlug um, so dah ich nur noch die Spiegel und die weihen „Hosen der Hinterlaufe sehen konnte — darüber aber ein Geweih, das ich auf acht oder zehn Enden schätzte ... c „ , . . , . ,
Ain Schieben war natürlich nicht zu denken — und so sah ich denn traurig zu, wie die weitzen „Hosen" durch die Heide ent- schimmerten... e
Bald darauf hörte ich leises Brechen vor nur und erkannte die Umrisse eines Elches, der spitz auf mich zuhielt. Zuerst war der Hirsch — denn als solchen hatte ich ihn bald angesprochen — für einen Schutz zu sehr gedeckt, trotzdem die Entfernung kaum fünfzig Schritt betragen konnte. Endlich aber hatte ich ihn frei — wenn auch spitz von vorn — und hielt nun, im Dertrauen auf mein Gewehr, aus den Stich — betrug ja nun die Entfernung nur ! noch etwa vierzig Gänge.
Im Knall verschwand der Elch — Schnee fiel von den Zweigen — etwas Weihes fuchtelte im Tannicht herum . . . Gleichzeitig aber erklang ein Prasseln und Brechen — und hintereinander — flückteten weitere vier Elche, darunter ein Spieher als einziger „Hirsch", aufs Moor hinaus, um bald darauf der Fährte des Alt- I tiers zu folgen. . . ,, .
Das alles ging viel schneller vor sich, als mau es niederschrer- I ben kann. .
Kaum war meine Aufregung vorüber, als auch von weitem | Sergeis Mütze in der Heide austauchte und bald danach der ganze 1 Manius üegt €,m Stücks Ich berichtete. ®o<i> e&e
I Sergei und ich das Dickicht erreichten, hörten wir schon WasstttS Zuruf: „Eh, batuschka, w'on leshit byk" - und sahen auch schon | den Lakusch winken. — Bald standen wir alle bret vor dem Hirsch, I der im Feuer zusammengebrochen war. Das dichte älnterholz hatte | ihn völlig meinen Blicken entzogen, zumal der Hirsch gerade in I einer Bodensenkung lag. . ,
Es war ein starker Elch, dessen Geweih aber nur ein Paar | mächtige Gabeln aufwies. c c , .
So sehr ich mich über meinen Erfolg freute, so sehr trauerte | ich dem verpatzten Schaufler nach.
I Unersättlich ist der Mensch . . .
Neulich fand ich eine etwas verblichene Photographie in einem Buche, das ich jahrelang nicht aufgeschlagen hatte: Sie zeigt einen von mir im Ostteile des Petersburger Gouvernements vor nun bald vierzehn Jahren gestreckten starken Mittelbaren von ungestry 10 Pud Gewicht (400 Pfund russisch aufgebrvchrn) Ämter dem Bären stehe ich mit meinem damaligen Jager Michail Antipow, I einem vortrefflichen Einkreiser und Waldläufer.
Der Februar hatte ausnahmsweise einige Tage Tauwetter gebracht — die ungemein hohen Schneemassen waren zusamme
1 gesunken, die Bäume standen ohne weihen Anhang. ->ch hatte in Winter wiederholt auf Bären und Elche gesagt und glaubte,
„Wo das Haselhuhn ist, kann der Elch nicht weit sein," lautet | ein altes russisches Jägersprichwort. .Und überall in ^utzland und Sibirien mit Ausnahme der warmen Sommerzeit und des nesen Winters, habe ich diese Regel bestätigt gefunden Der Elch steht gern, wo junge Fichten Deckung geben und wo Eberesche, wirte, I Weide und Espe wachsen und zieht nur im tiefen Winter zur Aesung manchmal in die Heiden, im Sommer aber in wasserreiche Bimche. , r , , \
An einer Wegekreuzung machten wir Halt und banden unser Pferd an eine Kiefer. .. „ , '
Es dauerte nicht lange, so erschien Serge, in eiliger Fahrt und meldete, in der eigentlichen Heide ständen keine Eiche, wohl aber im Fichtenwalde zwischen dem See und dem Grasmoor. Es seien fünf Stück — wahrscheinlich handele es sich uinzwei stärkere Hirsche und ein Alttier mit zwei Kälbern. Wassili solle den „Bärin" möglichst schnell nach der Stelle hinfahren, wo der Flchten-
*) Unter dem Titel „Dom Bären und anderem hohen Wilde" hat der bekannte deutsch-russische Jäger und Forstmann im Berlag von E. Haberl>and in Leipzig eine auf zwei Bände berechnete Sammlung buntgemischter Jagderinne- rungen der bekanntesten deutschen und russischen Waiümanner Herausgegeben, die jedem Jäger und jedem Naturfreund Freude machen wird. Kapherr selbst führt uns auf die Rehbockpirsch nach Kurland und in den Ural, wir jagen mit ihm Elch und Bär bei Petersburg. Don Tigerjagden berichtet G. Borsow, von Eis- bärenhehen der bekannte Zoologe. Bioula, Luchs- und Saujagden, Wolfstreiben und Pirsch, auf Ringelrobben; das nördliche Eismeer, die Steppe von Turkestan, die baltischen Provinzen, Ural und deutsches Hochgebirge, eine bunte Welt voll Freude an Natur und fröhlicher Jägerei zieht in wechselvollen Bildern in diesem famosen Buche an uns vorüber.
bestand als schmale Landzunge zwischen der Heide und dem Grss- nck binzöae Dort sei der beste Stand. Wassili aber sollte
schleunig um teuren und bann mit ihm. zusammen das Waldviertel durchdruck^ Wind recht gut stand - ziemlich von d«-
Seite in die Heide hinein. Aach links konnte ich etwa hunkwrt- undfünfzig Schritt in den dichten, alten Kiefernbestand blicken, vor mir, etwas tiefer als die Heide gelegen, lag die schmale, mit Kichten Ebereschen und Espen bestandene Bruchlandschaft, in deren Gewirr' man nur wenig Einblick hatte. Rechts dehnte schein qrohes, auf viele hundert Meter übersehbares mit einzelnen Welpen Birken und Krüppelkiefern bestandenes Grasmoor und hinter mir lag wiederum lichte, hohe Kiefernheide. , . „
Nachdem ich mir. einen guten Stand an einer.einzelnen Espe ausgesucht hatte, setzte ich mich auf einen Wurzelstock, holte mein Flächst ück heraus und machte mirs bequem. Den geladenen Dill- ling hatte ich griffbereit auf den Knien. Alles war still nur ein paar Meisen huschten im Dickicht vor mir, in der Heide.rief ein Schwarzspecht und weit hinter dem Moore krächzte em Kolk- -vabe. — Aach einer Weile hörte ich in der Ferne einen leisen, verworrenen Ton, den Anruf der Lukaschi: Poscholl . . .
Eine halbe Stunde verstrich — eine Stunde. Die Leute, die bei Beginn des Treibens kaum mehr als einen Kilometer von mir entfernt sein konnten, waren noch immer nicht in der Nahe, vw gingen das Treiben augenscheinlich mit grvher Sorgfalt durch -
! in einem „Schneckentempo", das nur der geschulte Hochwildtreiber
Kinder unter Fremden finden immer die oder .den heraus, I Vttoal Besonderes für diese kleinen Zimmermannchen des I
Än Sie sind somit die besten Goldspurer und Onel!facher echter Menschenherzen. Wer den Zauber fügender, I rächender staunender Kinderaugen, die Mimik ihrer Händchen j nicht sehen kann, tyürde auch an Gott Vorbeigehen, wenn er I sichtbar wäre. *
Wer, der hier nicht fehlend irrte, Würd' im Pilgergang wohl weise. Nur der schwer und bang Verirrte Findet leuchtende Geleise.
Winterjagderinnerungen.
Von Egon Freiherrn von Kapherr'). I
rea m nun fünfzehn Jahre her - und meine damaligen Jagd- j ^bitteV^r lange SergelMichailow und der alte Wassili Petrow, tzehilfen, oer wnge u Lebenden Sie waren die Letzten in I ö^-Geaend die noch das Handwerk eines rechtschaffenen „Lu- Ach^ärstanL^nd den Wolf wie' den Fuchs, den Baren wie Elch mit Sicherheit vor die Schutzen zu bringen wühlen^ Nun Knd die Leute dahin — und nut ihnen Elche und -Baren uno | mn- her Wolf treibt sich im Lande herum, hungrig und frech, | ttÄS. bet Wolf in zweierlei Gestalt - in tien-
- «in« .geue-M.to,.
ersten starken Schneefall; reichlich spät für Öen Nordoste^ des Petersburger Gouvernements. -Ich- war schon früh a f |
neuer Schneefall läht keinen Jäger ruhen. So summte schon der ss^mowar in der kleinen Blockhütte, das grohe russl che Wertz-
und die Büchse eingemachter Fische standen bereit, als mein notier Wassili eintrat und meldete, Sergei sei schon seit einer unterwegs nach der Heide am See, wo er vor einigen 57iaen frische Sabrten und Losung von Elchen gefunden habe. 3ÄI, ml» iffi ®n» »S6
gespannt, viel Zeit sei nicht zu verlieren, denn der Tag sei kurz, | bcr Wea aber bis zur Heide sei weit..— .
Schon nach zehn Minuten sahen wir im kleinen Schlitten, einem richtigen russischen Dauernschlitten, vor den em kleines, strammes Pferdchen gespannt war. In schnellem ^rabe ging es Sr die festgefrorenen Wiesen und Viehweiden dem Walde zu, der in der ersten Morgendämmerung als langer schmaler Streifen am Horizont sichtbar wurde. ~
Wir passierten das Dorf Sächanji, desseii Bewohner zum Teil «ock zu schlafen schienen; denn nur in wenigen Hutten sah man Licht — außer den winzigen Flümmchen der Oellampchen, die L w jedem rechtgläubigen Hause vor dem „Ikon", fern Heiligen- bilde, brennen und einen matten Schein spenden. Nun gmges rumpelnd und stohend auf einem tief ausgefahrenen Sommerwege dahin Der Schnee hatte die tiefen Geleise noch nicht genügend zugedeckt, so datz die Schlittenkusen auf dem Erdboden kreisch- ten. - Endlich war der Wald erreicht. Mittlerweile war es gan» hell geworden und der Mischwald, ältere Erlen- und Espenbestande mit dichtem Fichtenunterwuchs, präsentierte sich, m seiner ganoen winterlichen Schönheit. In den verschneiten Zweigen turnten Eichhörnchen herum, Schwärme von Seidenschwänzen und Kernbeißern uimmelten sich in den Wipfeln und im dichten -Sannicht schwirrten


