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Weir mehrt Deine unvergleichliche Einwirkung uuf Meist und Ge­müt kann keine anbere Art der Leibesübungen bieten, geschweige denn ersetzen; jeder Wandertag ist für unsere Jugend auch ein Festtag, besonders für die Jugend der grasten Städte. Die Wan­derung führt sie hinaus aus der steinernen Enge der Strasten, der Häusermassen, hinaus aufs Land, in Feld und Wald, in Gottes freie Natur, durch Berg und Tal. Wie weitet sich da das Herz, wie erwacht der Sinn für die Herrlichkeit der Ratirr! Wie wunder­bar herzerfreuend ist eine Wanderung int Morgensvnnenstrahl, Langschläferei kennt der Wanderer nicht, am murmelnden Dach entlang, durch Wiesen und Felder, oder im Morgentau durch den frischgrünen Wald; die Düglein singen und die junge Wander­schar singt bald mit ihnen um die Wett«, Last es vom Berghang widerhalt. Kommt dann em Dorf, so holt ein Kundiger die Laute Son der Schulter und in Schritt und Tritt bei Lautenklang wird durchmarschiert uiti> den freudig an die Tür eilenden Landleuten zugewinkt. Glaubt es nur. ihr Stadtkinder, die Landleute sind euch gut und sehen euch gern, wenn ihr euch nur gesittet aufführt und nicht unnötig durch Wiesen und Aecker lauft und unreifes Obst von den Bäumen schlagt. Es braucht kein Gegensatz zwischen Stadt Und Land zu bestehen, lernt nur aus Wanderungen die Volks- genvssen auf dem Land kennen unb schätzen, so werdet ihr damit auch der Einigung unseres Volkes dienen! Mit munteren Schritten geht es dann weiter durch Flur und Alt, und wenn bann auf weitausjchauender Dergeshöhe angelangt, der Führer hinweist auf die Schönheiten der Heimat, auf Feld und Wald, Berg und Tal, Fluh und See, Dörfer und Städte; wie erweckt er dann die Liebe zur schönen Heimat, zum herrlichen deutscheir Vaterland in den jungen Herzen! Ja, der Gewinn für Herz und Gemüt beim Wan­dern. er ist ei, der unserer Jngeitd in viel reicherem Maste zuteil werden must als bisher, der uns unsre Jugend erhalten soll in seinem Sinn für bessere Zeiten.

Unb weil es feine anders Art von Leibesübungen gibt, dis in so idealer Weife körperliche Betätigung mit Förderung des Geistes und Gemüts verbindet, so ist das Wandern das Heil­mittel für unsere Jugend in schwerer Zeit.

Darum hinaus, du deutsche Jugend, in die Berge und Täler unserer schönen Heimat und bade dich gesund an Leib und Seele!

dessen fast durchweg aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der letzten längeren Zeit gröheren Wohlstandes vor dem Äuf- hören der guten Bauweise.

Die Bauernhäuser der Lausitz sind noch bis in die neueste Zeit fast durchweg in Holz ausgeführt und mit Stroh, in der Gebirgsgegend auch mit Schindeln eingedeckt. Für ben wendi­schen Holzbau ist die schwalbenschwanzförmige Blattverbindung bezeichnend, die bei Streben, Bindern und Rahmen an Stelle des einfachen Zapfens tritt, und ferner die ausgiebige Ver­wendung von Verzierungen, die nicht aus dem vollen Holz ge­schnitzt. sondern aus ausgeschnittenem Brett- und Lattenwerk hergestellt werden. Die deutsche Bauweise in der Lausitz ist schlicht und sachlich, von einer ernsteren Wucht und Ruhe als im allgemeinen in Thüringen oder Franken, wo das Fach­werk in Linienführung und Verzierung mannigfacher gestaltet ist tmd von dem hellen Putzgrund sich lebhafter abhebt.Aber tote einheitlich," sagt 8er Herausgeber in seiner Einleitung, wirken überall auch in den einfachsten Formen die bvhlenum- schlvssenen, strvhbedeckten Wohnhäuser, von deren wetter­gebräuntem Holzwerk sich die hellgestrichenen Rahmen und die bunte» Läden der kleinen Fenster klar und entschieden abheben; tote reich geschmückt erscheint auch das kleinste von ihnen bis in den späten Herbst hinein durch die mit Sorgfalt gepflegten Blumen auf den Zierbrettern vor den Fenstern und in den vor­gelagerten Gärtchen. Mannigfaltig ist aber altch hier trotz aller schlichten Sachlichkeit die Ausbildung, vor allem des Dau- körpers selbst. Einfachste eingeschossige Weberhäuser wechseln mtt' behäbigen Fachwerkbauten auf massivem oder aus Dohlen ge­fügtem Untergeschoß, deren Giebel- und Wetterseiten durch Schiefer, Bretter- und Schindelverkleidung geschützt sind. Be­sonders geschickt ist vor altem auch die Stellung der .Bauten im Geläiröe." Reben den Wohn- und Rohbauten, unter denen ansehnlich gestaltete Drücken hervo-rragen, sind auch die Kirchen zumeist mustergültige Beispiele einer echt deutschen guten Bau­weise, und so verein en sich die Bauten der sächsischen (Ober- lausch zu einem überzeugenden Ausdruck stiller, aber dafür um so tieferer Heimatsliebe.

Alte Musterbauten in deutschen Landen.

Echte Kunst wächst wie die nährende Feldfrucht organisch und still aus dem Boden der Heimat, und nar aus dem Studium solch nationaler Baukunst kann die Wiedergesundung unserer Bauweise erstehen, die uns so dringend nvttut. .Unter dieser gutenHandwerks- und Heimatskunst" sind die stosf- und werkgevechte Gestaltung und Durchbildung der bodenstän­digen Baustoffe, die Anpassung an die Art und Lebensweise der Bewohner zu verstehen, die die unentbehrliche Grundlage für alles künstlerische, architektonische Schaffen bilden. Deshalb ist die Veröffentlichung von Aufnahmen alter Bauten und Land- schaftsbrlder, die Mustergültiges bieten, besonders warm zu be­grüben, und bei der Suche nach Vorbildern bietet auch die sächsische Oberlausitz eine nahezu unerschöpfliche Fund­grube. Musterbauten au8 diesem alten Kulturgebiet veröffentlicht 3t. v. Lüdinghausen mit Unterstiitzung des Deutschen Bundes tzeimatschutz" in einem schönen WerkDie sächsische Ober­lausitz. Bauten und Landschaften", das bei Sonst Wasmnth in Berlin verlegt ist. Jahrhundertelange handwerkliche Schulung und Erfahrung, sicheres Können und bie großzügige Auffassung des 18. Jahrhunderts haben hier in glücklichster Weise zusammen­gewirkt, um Stadtanlagen, Gutshöse und Bauernhäuser entstehen zu lassen, die wirklich Musterbeispiele für gutes sachliches Bauen sind. Diese Harrnonische Abgeklärtheit des Ausbaues verbindet sich mit einer wundervollen Einführung in die nähere amb weitere Umgebung, durch die alles in Anlage. Form und Farbe vollkommen der Landschaft, bem Klima und der ganzen Ratur angepaßt wird. Mit den bescheidensten Mitteln sind in diesen, bisher nur wenig beachteten Bauten der Lausitz vorzügliche Lösungen für die großen und schwierigen Aufgaben geboten, die der gegenwärtige Wohnungs- und Ansiedlungsbedarf uns stellt. Die einhettliche Gestaltung' der Stadtanlagen läßt sich in ihren Grundzügen bis in die frühesten Zeiten der Siedlungen »erfolgen. Da steht neben derRundlingsform" der Menden- dörfer die deutsche Reihen- oder Strahenform. Die Gebäude der Wohnhäuser aber stammen zum größten Teil aus dem 18. Jahrhundert, denn auch in Öen Städten wurde bis in die neuere Zeit vorwiegend aus Holz gebaut, und ganze Straften» zöge sowie Stadtteile wurden durch Feuersbrünste und Be­schießungen vernichtet. So verzeichnet die Dauzener Chronik allein während des 15. Jahrhunderts fünf solcher Brände. 3m Dreißig­jährigen Krieg zerstörten bann Brandstiftungen und Beschießun­gen sehr viel, und erst als die feuergefährliche Bauweise auf- gegeben wurde, haben sich die Bauten in größerer Anzahl erhalten. Schon Karl IV. hatte nach dem großen Brand von 1359 in Zittau die Ausführung der Wohnhäuser in Stein befohlen, aber selbst das Rathaus blieb doch noch lange ein Holzbau. Die größeren und reicher ausgestalteten Bürgerhäuser stammen infolge»

Wiederbelebung der Halberstadter Schuh- und Ledermesse.

schreibt uns: Von den mitteldeutschen Städten zeich­nen sich eine ganze Anzahl durch ihre altangesessene und umfang» reiche Schuh- und Lederindustrie aus. Weitberühmt ist die Schuh­industrie von Burg bei Magdeburg und Weißenfels an der» Saale; auch Erfurt, Arnstadt, Burgkunstadt, Delitzsch, Eschwege und Kassel sind Schuhindustrieorte von Rang, Rorbhausen war es früher. Eschwege a. d. Werra ist bedeutend durch seine Gerberei, Reuhaldensleben in Braunschweig durch seine Handschuh­industrie. Auch Halberstadt gehörte seit dem späten Mittel- alter zu Den mitteldeutschen Hauptplätzen für Schuhe und Leder. Der Markt für diese Artikel wickelte sich jahrhundertelang im sog.S ch u h h v f" ab. der wertvollsten Schöpfung des Fachwerk­baues in Halberstadt aus dem 16. Jahrhundert. Gr stand an der Rvrdseite des Fischmarktes und war dessen letztes und schönstes Haus aus den alten Zeiten, bis er bei dem Brands am 3. April 1903 zum größten Teil zerstört wurde. Er war bas alte Heim der Schuhnrachergilde, dessen Wände mit eines Fülle alter Wappen und Tildenzeichen verziert war und das zu den kulturhistorisch interessantesten Häusern der Stadt ge­hörte. Einern späteren Abbruch fiel dann auch das Tetzelhaus, das Nachbarhaus desSchuhhoss" zum Opfer. DerSchuhhvf" er­innerte daran, daß Halberstadt einst die Schuh - und Leder­messe des ganzen Harzgebietes gewesen ist. Der Ver­band der Schuhwarenhändler von Halberstadt und .Umgebung will diese Messe von neuem beleben. Er hielt im Staülpark vor einigen Tagen eine ersteHalberstadter Schuh- und Leder­messe" ab, die aus ganz Deutschland gut beschickt war. Der Erfolg dieser Messe in jeder Hinsicht so groß, daß solche Messen nun wieder zrtt? regelmäßigen Einrichtung werden sollen. Alt-Halberstadter Holzschnittarbeiten aus demSchuhhof" wer­den im städtischen Museum aufbewahrt; ein Risalit desSchuhhofs" wurde, als letztes Zeichen vergangener Pracht, an der rechten Außenseite ber Spiegelschen Kurie wieder aufgebaut. Au Halber­stadts alte Schuhmacherzeiten erinnert inmitten der Altstadt noch die Schuhgasse.

Als in der verhängnisvollen Freitagnacht des Jahres 1903 derSchuhhof" abbrannte, standen alte Halberstadter Bürger weinend vor dem Zerstörungswerke der Flammen, die in wenigen Stunden das vernichteten, was Jahrzehnte einst in kunstvoller Arbeit geschaffen haben. Ersteht auch dies herrliche Gildehaus nicht von neuem, so doch sein einstiger Zweck. "Das uralte Halber­stadt, dessen viele malerische alte Gassen und Häuser der Stadt zu einer der sehenswertesten in ganz Deutschland machen, wird tünftig neben feiner Flugzeugindustrie, feiner? berühmten Samen- fulturen und der Mafsenerzeugung der weithin geschätztenHalber- städter Würstchen" auch in Schuh und Leder wieder ein Handels­platz von Bedeutung fein.

Schriftlettung: August Goetz. Druck und Verlag der Brühl'schsn Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.