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Bilder aus den Londoner Frauenklubs.
Je mehr sich die Frauen den Männern im Geschäftsleben gleichstellen, desto ähnlicher wird auch ihre Lebensführung der der früheren sog. Herren der Schöpfung. Das zeigt sich besonders deutlich in der Entwicklung der Frauenklubs, und England das klassische Klubland, geht darin natürlich voran. Interessant« Bilder aus dem Klubleben der Damen, die das gesamte Londoner Dcsellschaftsleben erhellen, werden in einem englischen Äatt «tt- worfen Als im Jahre 1892 der erste Londoner Frauenklub, der sich Pivnierklub nannte, sein« Pforten öffnete^ da lachte man vwl über dieses Streben der Weiblichkeit, den Mannern alles nach- zurnachen Der Klub, der in der männlichen Geselligkeit eine so grosse Rolle spielte, war damals der Frauenwelt ^"kommen verschlossen. Jetzt gibt es in der englischen Hauptstadt fast ebenso viele Damen- und Herrenklubs, und dre Frau ist als Klub wesen so anerkannt, dast ihr sogar di« ältesten und vornehm>ten Herrenklubs die Mitgliedschaft ermöglichen wollen. Wahrend im männlichen Klub das Politische vielfach stark mltwrrkt ist bei den Frauenklubs der politische Einschlag gering. Die meisten von ihnen find ganz unpolitisch Dagegen haben sie sich z. £>■ wisse Beruf« spezialisiert, und viele verfolgen di« Ausgabe, Brr- treterinnen ein und derselben Berufsklasse ru gememsamerAus- sprache und Forderung zu vereinigen. Die im Derussleben stehende Frau hat durch den Klub graste wirtschaftliche Dvrtaile, sie besitzt Hier einen gemütlichen Platz, wo sie ihre Mittagsmaylzeit ein« nehmen und ungestört lesen oder schreiben kann. Der Hauptgrund dafür, dast Damen auS einem Klub austreten, ist denn auch oer, dast ihnen das Essen dort nicht schmeckt oder dast sie so viele Bekannte dort Haben, dast sie im Klub keinen ruhigem Augenblick mehr finden. Sm allgemeinen aber spart die Drrufs^au, die einem Klub angehört, Zeit, indem sie nidyt erst in ein Restaurant zu gehen braucht, und sie trifft hier mit vielm anderen Damen zusammen, mit denen sie Besprechungen hast Ganz falsch ist e« aber, zu glauben, dast die alleinstehende Frau die eigentliche Stühe der Klubs sei. Vielmehr ist die größte Zahl der iverbllchen Klubmitglieder in London verheiratet, und die verheirat^« Dame macht von t>cn Vorteilen des Klubs den ausgiebigsten Gebrauch. Sie empfängt hier Gäste, mit denen sie zu speisen Wünschti sie lstt Mer mit ihrem Mann zu Abend, wenn man vorher im Laster war usw Ein großer Vorteil des Klublebens für die Gesellschaftsdame ist der, dast sie hier eine Art „Halb-Freundschaften fchliesten kann. Es gibt viele oberflächliche Bekannte, dre man nicht so ohne weiteres zu sich laden will, und die Ski® benutzt daher die Gelegenheit des näheren Kennenlernens im Klub um sich über die gesellschaftliche Stellring und die Wesensart dleser Bekannten näher zu unterrichten. Sie vermeidet auf drese Weise Enttäuschungen, die bei einem allzu schnellen Einladen ins eigene Haus nicht ausbleiben. Es gibt auch Dameullubs, wie den „Pionier" und den „Lyceum", die mehr Dildungszwecke verfolgen in denen regelmäßig Vorlesungen und Diskusfionsabend« stattfmden. Aber der eigentlich« Grund, aus dem der Frauenllub heute in London so unentbehrlich geworden, ist seine Eigenschaft als neutrales Feld für gesellschaftlichen Verkehr und als Treffpunkt oder <86total für Geschäftsdamen.
13 Jahrhunderts gewisse neu« Stoffe auf, die hei winzigen Dosen eine ungleich stärkere Giftigkeit aufwiesen. Diese mineralischen Gifte drängten die früher benutzten Absude von Kräutern ober Pulver aus Rinden und Beeren vollkommen zurück. An erster Stelle sicht hier das Arsenik: dann folgten Antimoir, Qiiecksilber, Bleisüure, Bleizucker u. a. '
Die Entdeckung und Verwendung dieser mineralischen Stoffe, die durch ihre unauffällige Farbe und ihr«!, wenig bemerkbaren Geschmack das „ideale Gift" darsteilen und deshalb auch noch heute benutzt werden, brachte die Giftmord« In der Renaissance erst recht in Aufnahme. Eine ganze Klasse von Leuten verdiente sich damals ihr tägliches Brot durch das Herstellen und den Handel mit Lebenselexieren, Liebes- und Zaubertränken, und dieses Volk destillierte In der Verschwiegenheit feuchter Keller aus Glaskolben und Retorten auch die todbringenden Stoffe, bfe unter den harmlosen Bezeichnungen „Witwenwasser" ober „Ewig, keitspulver" verkauft tourten. Wie schon die pflan lichen Aufgüsse des Altertums, stammten auch diese Giftpulver und Gift- tränke der Renaissance nichi von einem einzelnen mineralischen Produkt, sondern es gab zaMrei-che umständliche Rezepte, bei denen die verschiedensten Dinge zusammengebracht wurden. Als die Aerzte im l7. Jahrhundert ein berühmtes Gift, die „Mischung von Datnt-Eroix", analisieren sollten, erklärten sie, dast „dies die Kunst und die Fähigkeit der Wissenschaft übersteige und durch feine Versuche möglich sei". Es hat sich dabei wahrscheinlich um eine MiscMing von Vitriol, Sublimat, Quecksilber, Opium und Antimon gehandelt Bei der berüchtigten „cantarella" der Borgia handelte es sich um „eine Art tveihlichen Pulvers, fast dem Zucker ähnlich" Das Gift hatte also alle äutzeren Merkmal« des Arsenik Für einen starken Arsenikge'halt spricht auch die Tatsache, dast das Pulver keinen besonderen Geschmack 'hatte, allo im Wein aufgelöst und über Speisen gestreut werden konnte, ohne dast die Opfer es merkten. Sodann wird von dem Kardinal Adriano, der bei dem berühmten Gastmahl in feiner Billa nicht wie, die andern Kar» dinäle dem Gift der Borgia zum Opfer fiel, berichtet, dast er nach Genust des todbringenden"Trankes ein furchtbares Brennen in den Eingeweiden verspürte und einen schweren Hautausschlag hatte. Solch- Hautausschläge sind für Arseirikoergiftung charakteristisch Wie die antike Locusta, so erprobten auch die Renaissanv-menschm die Wirkung ihrer Gifte nicht nur an Steivn, sondern auch an Menschen, und eine „große Anzahl Unschuldiger" soll ums Leben gekommen sein, bevor die Borgia dies unfehlbare Gj-ft befaßen. LiebrigenF kost nach PortigliottiA Ansicht Alexander- VI. selbst diesem Arsenik-Gift erlegen sein. Auster den rasch wirkenden ®e» Heimmitteln besäst man aber auch noch «in „Gift nach bestimmtem Termin", das langsam wirkt«. Dies ist aber von den Borgia» wenig benutzt worden. Sie waren allzu impulsiv und gewalttätig, um nicht den sichersten und kürzesten Weg vorzuzichen. Die Regel war der „Kelch", der innerhalb von 24 Stunden den reichen Kir» chrnfürsten, die anspruchsvolle Eurtisan-e oder auch den vorwitzigen Kammerdiener, den ergebenen Meuchelmörder von gestern und die treulose Geliebte in die Ewigkeit beförderte. Dann nahm der Tiber, gefühllos und stumm, im verschwiel«neu Dunkel de« Rächt, die Opfer der „cantarella" in seinen Fluten auf...
Das Cisl der Borgia.
Der Ruf, den die Familie der Borgia als Giftmischer erlangt fittt, steht einzigartig in der Geschichte da und iveder die Taten der römischen Giftmischerin Locusta noch die der französischen We- gären, der Marquise von Drinvilliers und der Vvisin, lassen sich damit vergleichen. Wan hat diese Familie, die der Papst Alexander VI. auf den Dhron des heiligen Petrus brachte, von dem Fluch befreien wollen, der auf ihr lastet, hat Alexanders Sohn Cäsar als den genialen Liebermenschen verherrlicht, dem alles erlaubt ist, und seine Tochter Lucrezia als verführtes Mädchen und brave Hausfrau geschildert. Aber der neueste Geschichtsschreiber dieses berühmten Geschlechtes, der italienische Historiker G. Portigliotti, geht in seinem soeben bei Julius Hoffmann in Stuttgart erschienenen Werk „Die Familie Borgia" mit Alexander und seinen beiden Kindern schonungslos ins Gericht, deckt alle ihre ungeheuerlichen Berbrechen auf und findet als feiner Pshchvtog« die ErNärung dafür in der krankhaften Veranlagung und Degeneration, von der diese im Dösen grandiosen Menschm ergriffen waren. Portigliotti, der für diese psychiatrischen^ und medizinischen Zusammerchänge einen scharfen Blick hat, beschäftigt sich auch eingehend mit der vielerörterten Zusammensetzung der Gifte, die die Dvrgias anwendeten und wirft einen Rückblick aus die Geschichte deL Gistmordes überhaupt. Es ist interessant, dast das Arsenik, das auch in neuester Zeit wieder in verschiedenen Bergiftungssällen die Hauptrolle spielte, bereits von den Dorgias verwendet und in die Geschichte eingeführt wurde. Im Altertum teuren die Gifte aus gewissen Pslanzensäften hergeftellt, und man hatte es mit großer, Kunst soweit gebracht, die verschiedenartigsten pflanzlichen und auch mineralischen Produkte zu vermischen, um einen ebenso sicher wirkenden wie unausfälligen Tvank gu gewinnen. 3m Mittelalter und in der Renaissance ersann man aber noch wirksamere Präparate. Es tauchten gegen Ende des
Ein deutscher Zsdermrvald.
Die Zeder gehört für uns zu den exotischen Bäumen, dir wir nach der Dlbelstelle auf dem Libanon und in fernen Gegenden suchen. Deshalb wird es überraschen, wenn man erfährt, daß es einen deutschen Zedernwald gibt. Dieser Wald verdankt, worin in „Heber Land und Meer" erinnert wird, feine Entstehung der Initiative des Besitzers unserer größten Bleistiftfabrik, des Freiherrn Lothar von Faber, und die Dleististsabrikation bot den Anlast zur Schöpfung dieses Zeöernwaldes. Für di« feineren Bleistifte werden nämlich die Fassungen aus Zederirhvlz gefertigt, und zwar benutzt man dazu nicht die eigentliche Zeder, sondern zwei Wacholderarten, die virginische und bermudische, die den Flamen „rote Zeder" erhalten haben. Das Holz, das sich durch braunrote Farbe und eigenartigen Geruch auszeichnet, wird außer zu Bleistiften hauptsächlich noch zu Zigarrenkisten verwendet. 3n Deutschland sind die „roten Zedern" schon lange als Zrev bäume heimisch, aber einen ganzen Wald von Zedern schuf erst in der Mitte der 70er Jahre Freiherr von Faber bei Stein w der Räße vyn Nürnberg. Dieser Forst, der nur wenig über 6 Hektar grost ist, aber doch der größte der Welt sein soll, weil der virginische Wacholder auch in Amerika nur vereinzelt vvrkommt, hat sich herrlich entwickelt und ist heute eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Die Bäume wurden aus Samen ge» zogen, der aus Amerika herübergebracht worden war, und da» Aufziehen sowie Pflanzen der jungen Stämmchen erfolgte nach den Grundsätzen unserer heimischen Waldpflege. Besonders ow Forstmänner widmen diesem deutschen Zederuwalde eine lebhafte Teilnahme, und er wird nicht nur von deutschen, sondern auch von ausländischen Fachleuten häusig besucht. Das Vorbild Faber» .Hat dazu geführt, dast diese „rote Zeder" jetzt auch anderlvän» Häufiger angepflanzt wird, und zweifellos lohnt sich der vermehr» Anbau infolge des vielfachen Rutzens, den das Holz gewährt _
Schriftleitung: August Goetz, — Druck und Verlag der Drühl'fchm Llniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


