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Gin Hund! Ach du verdammter Rlkonianerl^) — »Wartet sag' ich, .nicht gleich schimpfen, Mler. Komm ers! mal selber her. Hier', sag' ich, .gehen staunenswerte Dinge vor.' Der Alle machte sich noch eine Zeitlang hinter seinem Verschlag zu schassen und kam dann zu mir herüber, eine ganz, ganz dünne Kerze aus gelbem Machs in der Hand . . . Ich ritz die Augen auf. als er so vor mich trat! Ein ruppiger Kerl, zottige Ohren, wütende Augen, wie «in Iltis sie hat, auf dem Kopf eine weihe Filzmütze, Bart bis «um Gürtel, ebenfalls weih, über dem Hemd eine Weste mit Mes» siitgknöpfen, an den Fühen Pelzstiefel — und riechen tut er nach Wacholder. In solcher Gestalt trat er vor die Heiligenbilder,^ segnete sich dreimal mit dem zweifingrigen Kreuzt) zündete das Lämpchen an, bekreuzigte sich nochinals, drehte sich nach mir um und grunzte blvh etwas, das wohl bedeuten sollte: .Nun berichte.' Da erzählte ich ihm denn, ohne lange zu warten, alles ganz genau. Der Alte hörte meinen ganzen Bericht an, ohne ein Wort dazu zu sagen; er schüttelte nur immer wieder den Kopf. Dann setzte er sich zu mir aufs Bett — und schwieg immer noch. Er kratzt sich die Brust, den Macken und so weiter — und schweigt. ,Aun', sag' ich, .Fedul Iwanowitsch, was meinst du: ist das ein Spuk oder sonst was?' Der Alte starrte mich an. .Was fällt dir ein! Spuk! Bei dir im Hause, du Tabaksstänker, könnte das wohl sein — aber hier! Sieh dich doch um und überlege: hier sind leuter heilige Dinge! Urtb du redest von Spuk!' — .Wenn's aber kein Spuk ist, was ist es denn sonst?' Der Alte schwieg wieder, kratzte sich wieder und sagte endlich — mit ganz dumpfer Stimme, denn der Schnurrbart hing ihm in den Mund hinein: /Begib dich Nach der Stadt Beliow. Es gibt nur einen Menschen, der dir helfen kann, Und dieser Mann wohnt in Beliow; es ist einer Von den Unfern, Wenn er dir helfen will, ist es dein Glück; will er nicht, dann ist nichts zu machen.' — .Wie find' ich ihn denn, diesen Mann?' sag' ich. .Den Weg können wir dir schon zeigen', sagt er, .aber wie soll denn das ein Spuk sein? Das ist eine Er- fcf>einung oder ein Zeichen . . . Aber das kannst du nicht fassen; das geht über deinen Verstand. Leg' dich jetzt schlafen in Christi Aamen; ich will etwas Weihrauch anzünden; morgen aber reden wir mehr davon. Du weiht, die Macht ist keines Menschen Freund.'
„Ha also, am Morgen haben wir uns dann ausgesprochen; aber von der Weihräucherei wär' ich nachts fast erstickt, Und der Alte gab mir folgend« Unterweisung: in Beliow angelangt, sollte ich mich auf den Marktplatz begeben und im zweiten Laden rechts nach einem gewissen Prochorytsch fragen; wenn ich aber den Prv- chorytfch gefunden hätte, sollte ich ihm ein Briefchen einhändigen. Das ganze Briefchen aber bestand aus einem Fetzen Papier, auf Dem folgendes zu lesen war: ,3m Aamen des Vaters und des Sohnes unb des Heiligen Geistes. Amen. An Sergej Prochorowitsch Perwuschin. Diesem Manne glaube. F.odulij Iwanowitsch.' /Unten aber war hinzugefügt: .Schicke mir etwas Weihkraut um Jesu willen.'
„Ich dankte dem Alten und lieh, ohne erst viel zu überlegen, meinen Tarantas°>) anspannen und fuhr nach Beliow. Denn ich dachte so: mein nächtlicher Gast macht mir ja nicht viel Beschwer, aber etwas unheimlich ist die Sache doch, und schliehlich schickt sich's doch auch nicht für einen Edelmann und Offizier — was meinen Sie?"
„Und Sie sind wirklich nach Beliow gefahren 1“ flüsterte Herr Finoplentow.
„Geradewegs nach Beliow. Ich ging auf den Markt, fragte im zweiten Laden rechts nach Prochorytsch. ,Ist so ein Mann hier zu finden?' — ,Ja freilich.' — ,Wo wohnt er denn?' — ,An der Oka, hinter den Gemüsefeldern.' — ,In wessen Hause?' — ,In seinem eigenen.' Ich spazierte zur Oka, fand sein Haus — das heißt, eigentlich war es gar kein Haus, sondern eine elende Kate. Da sah ich: ein Mann in blauem, geflicktem Leibrwck und zerrissener Mütze, so'n richtiger schäbiger Kleinbürger, fleht mit dem Rücken zu mir und macht sich an einem Krautbeet zu schaffen. Ich ging auf ihn zu. .Sind Sie der und der?' — ,Ich bin's', sagte er, ,was ist Ihnen gefällig?' — .Das da ist mir gefällig', sag' ich und reich' ihm mein Briefchen. Er sieht mich scharf an und sagt: .Kommen Sie bitte in die Stube; ich kann ohne Brille nicht lesen.' Wir gingen nun in seine Kate — es war wirklich nur eine Kate: ärmlich, kahl, schief; ich wunderte mich bloh, dah sie überhaupt noch stand. An der Wand ein uraltes Heiligenbild, kohlschwarz; nur die Augäpfel in den Gesichtern brannten förmlich. Er holte eine runde, eisengefahte Brille aus dem Tischkasten, setzte sie auf Die Aase, las den Brief und sah mich wieder über die Brille «n. .Sie haben ein Anliegen an mich?' — .Allerdings', sag' ich. .Nun', sagt er, .wenn Sie ein Anliegen haben, dann erzählen Sie, wir wollen zuhören.' Und stellen Sie sich vor: er setzt sich hin, zieht ein kariertes Tuch aus der Tasche und deckt es über die Knie — das Tuch war ganz löcherig —, und dann sieht er mich so würdevoll an, wie's ein Senator oder Minister auch nicht besser könnte; mich aber fordert er nicht zum Sitzen auf. Und was noch
*) Verächtliche Bezeichnung für die Anhänger der Staatskirche.
s) Die Altgläubigen schlagen das Kreuz, indem sie Daumen UND Zeigefinger zusammenlegen; die Staatskirche schreibt dagegen Vor, dah beim Bekreuzigen drei Finger zusammengelegt werden müssen,
e) Einfacher Reisewagen ohne Federn.
erstaunlicher war: ich fühle mit einemmal, wie mir ganz bange wurde, so bange . . . das Herz fiel mir einfach In die Hosen. Er durchbohrte mich geradezu mit seinen Augen, da war nichts zu machen. Allmählich rappelte ich mich aber auf und erzählte ihm meine ganze Geschichte. Er schwieg eine Zeitlang, krümmte sich, kaute feine Lippen und fing darauf an, mich auszufragen, wieder ganz wie ein Senator, feierlich und ohne Hast. .Ihr Aame, Ihr Alter? Wer waren Ihre Eltern? Ledig oder verheiratet?' Dann kaute er wieder die Lippen, zog di« Brauen zusammen, reckte den Zeigefinger hoch und sagte: .Beugen Sie sich vor dem Heiligenbild, den hochwürdigen ehrbaren heiligen Vätern des Klosters von Solowki Sosima und Sawwatij.' Ich kniete vor dem Bilde nieder und stand gar nicht mehr auf; eine solche Furcht empfand ich vor»dem Manne und eine solche Ergebenheit, dah ich, glaube ich, alles sofort getan hätte, was er etwa befohlen hätte! . . . Ja, meine Herren, Sie lachen vor sich hin, ich seh's ganz gut, aber, bei Gott, mir war dazumal nicht lächerlich zumute! .Stehen Sie auf, Herr', sagte er endlich. .Ihnen kann geholfen werden. Das soll Ihnen keine Strafe fein, sondern eine Warnung; es bedeutet, dah für Sie gesorgt wird; irgend jemand muh sehr fleißig für Sie beten. Gehen Sie jetzt auf den Markt und kaufen Sie sich einen Jungen Hund, und den sollen Sie immer bei sich haben, Tag und Aacht. Die Erscheinungen werden dann aufhören, und auch der Hund selbst wird Ihnen von Autzen fein.'
„Mir war's, als würd' es plötzlich Licht um mich: so gefiel mir diese Rede! Ich dankte Prochorytsch und wollte schon gehen, da fiel mir ein, dah ich mich doch erkenntlich zeigen müsse: ich nahm einen Dreirubelschein aus meinem Beutel. Jedoch er schob meine Hand zurück und sagte: .Stiften Sie das für unsere Kapelle oder für die Armen, meine Dienstleistung läßt sich nicht bezahlen.' Ich neigte mich wieder vor ihm — fast bis zur Erde — uttb dann marsch auf den Markt! Und stellen Sie sich vor: eben nähere ich mich den Buden, da kommt mir ein Qltann in einem Friesmantel entgegen, der trägt unter dem Arm einen jungen Jagdhund, kaum zwei Monate alt, braun, mit weihen Lippen und weihen Vorderpfoten. .Halt!' schrei' ich den Mann an, .was willst du für den Hund?' — .Zwei Rubel.' — ,Da hast du drei!' Der macht ein erstauntes Gesicht, denkt wohl, der Herr ist verrückt geworden — ich aber stopf' ihm den Schein in die Hand, nehm' den Hund untern Rock und rein in den Wagen! Mein Kutscher spannte fix an, und noch am selben Abend war ich zu Hause. Das Hündchen sah während der ganzen Fahrt unter meinem Rock — und wenn es auch nur einen Pieps von sich gegeben hättet! Ich aber sagte immer zu ihm: .Tresoruschka! Tresoruschka!' Zu Hause lieh ich ihm gleich zu fressen und zu trinken geben, Stroh bringen, bettete ihn hübsch weich und warm und kroch dann selber in die Klapp«. Nun blas' ich das Licht aus; tm Schlafzimmer ist's ganz finster. ,Aun', sag' ich, .fang an!' Tiefe Stille. .Fang doch an', fag ich, ,du Luder!' Kein Ton, rein wie zum Spott. Nun wurde ich kühn. ,So fang doch endlich mal an, du verdammtes Luder!' Hat sich was! Nun war Schluß! Nur das neue Hündchen hör' ich leise schnaufen. .Filka!' schrei« ich, .Filka! Komm her. dummer Kerl!' Er kommt. .Hörst du den Hund?' — .Nein, gnädiger Herr', sagt er — und lacht über's ganze Gesicht. .Und du wirst ihn auch nie mehr hören', sag ich. ,Da hast du fünfzig Kopeken zum Versaufen!' — .Gestatten Di« mir, Ihre Hand zu küssen', sagt der Schafskopf und stiefelt im Dunkeln auf mich los... Ja, das war eine große Freude^ kann ich Ihnen sagen."
„Und damit war alles zu Ende?" fragte Anton Stepanylsch nun ohne jede Ironie.
„Die Erscheinungen wiederholten sich nicht mehr und gestört wurde ich auch nicht weiter, aber die Geschichte selbst ist noch nicht zu End«. Mein Tresoruschka wuchs und gedieh und wurde ein richtiger Tollpatsch. Dickschwänzig, schwerfällig, schlappohrig, der richtig« ,Hetz, pack' an!' An mir hing er mit rührender Treue. Die Jagd ist in unserer Gegend nicht viel wert, aber da ich mir nun einmal einen Hund angelegt hatte, mußte ich mir auch eine Flinte anschaffen. Ich fing an, mit meinem Tresoruschka die Umgegend unsicher zu machen; manchmal knallte man einen Hasen nieder (wie er hinter diesen Hasen herrannte, lieber Gott!), manchmal auch eine Wachtel oder Ent«. Vor allem aber: Tresor ging keinen Schritt von mir weg. Wo ich war, da mußte er auch fein; sogar ins Dampfbad nahm ich ihn mit — wahrhaftig! Eine von unseren Damen lieh mich wegen dieses Tresor aus ihrem Salon weisen — aber da hab' ich einen Lärm geschlagen! Was allein an Fensterscheiben dabei kaput ging!
„Na also, das war einmal im Sommer . . . Ich muß Ihnen sagen, ein« Dürre herrschte damals, wie man sie seit Jahren nicht erlebt hatte; in der Luft schwebte immer so etwas wie Rauch oder Nebel, es roch brenzlig, die Sonn« sah aus wie eine glühende Kanonenkugel, und der Staub! Irn Nu hatte man die Nase voll, da half kein Niesen. Die Leute liefen denn auch alle mit offenem Mund herum, gerade wie die Krähen. Ich hatte es satt, ewig zu Hause zu sitzen, natürlich ganz deshabillö, hinter geschlossenen Fensterläden, zudem schien die Hitze auch ein wenig nachzulassen .. . Und so begab ich mich zu einer Nachbarin, meine Herren. Besagte Nachbarin wohnte eine Werst von mir entfernt und war eine höchst wohltätige und wohltuende Dome. Sie stand noch in jugendlichem Älter und war von überaus einnehmender' Erscheinung; bloß ihr Charakter war sehr' unbeständig. Aber beim weiblichen Geschlecht ist Das nicht so übet; es kann einem sogar Der»


