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Migel aus einem Stück bestehen: der MadÄschpft wtchSö stk.deri ffilttte umflcbogen Md hier bald -u einer rstchr ober’ weniger fangen Federspivale gewunden. Der frühere Aadelkopf wird Kim Fibel,,faß", der die Nadelspitze oufntmmt, ihr als Wider- fager dienend. Der Fibelfuß bleibt, seiner ursprünglichen Be- Dentung als stladelkopf getreu, noch lange Hcmptgegenstculd zter- mäHiger Ausstattung. Oiber auch der Bügel nimmt im Lauf der Jahrhunderte die nrannigfachsten Formen an, wird wgar Kur überreich in allen möglichen Techniken verzierten, oft sehr groyen Schmuckplatte; aus der „Fibel" hat sich so die „Brosche entwickelt.
Eine Zeitlang jedoch haben beide Fibeltypen, der „rwrdtsche wie bemerkenswerterweise auch der „klassische", die Erinnerung an ihre Herkunft von der fadengesicherten „Stecknadel noch bewahrt indem der Bügel nicht selten die Windungen des ehemaligen gedrehten Fadens (Zwirns) aus vergänglichem Material nachahmte. Die Dronzeausführung kopierte somit zwecklos, also rein ziermäßig, den alten, für den ursprünglichen Stoff natur* sichen Zustand — ein treffliches Beispiel für den wichtigen, mitunter freilich überspannten Begriff des „technischen Ornamentes wie er bekanntlich zuerst im Zusammenhang mit der Dipylon- vrnamentik geprägt worden ist. .....
Roch immer nicht unumstritten ist das Verhaltms zwischen der .nordischen", zweiteiligen und her „klassischen", die Federkraft ausnut) enden Fibel. Cs fragt sich nämlich, ob die „klassische" Form wirklich, wie es manchen- Forschern aus nicht gerade verächtlichen typologischen und chronologischen Gründen her Fall zu sein scheint, erst eine zielbewußte Weiterbildung des „nordischen", zweiteiligen Typs darstellt, oder ob dieser als eine unvollkommene Nachahmung der „klassischen" Sicherherts- naM aufzufassen sei; als eine Rückbildung etwa in dem Sinne, wie sie uns entgegentritt, wenn wir die oft belächelte armbrust- ähnliche Waffe jenes afrikanischen Regerstammes (bei der die Hauptsache für den sicheren Schuh, der Abzugshahn, fehlt), mit dem europäischen Muster vergleichen; oder schliehlich, ob nicht beide Fibelarten ohne Abhängigkeit voneinander derselben Wurzel als ungleichwertige Schöhlinge in abweichender Verwirklichung desselben Gedankens entsprossen sind-.
Auf die Entscheidung dieser Frageir hat man schon vrel Scharfsinn verwandt — nicht verschwendet, wie unten zu zeigen versucht werden wird Rur von bedeutsamem Zuwachs an einwandfreiem Forschungsmaterial ist eine endgültige Losung zu erhoffen. Wir brauchen uns also hier nicht länger dabei aufzuhalten.
Als neu und für uns besonders interessant sei bloh ein merkwürdiger Beleg noch angeführt dafür, dah das Entstehungsgebiet der „nordischen", zweiteiligen Fibel gar nicht unbedingt im wirklichen (umimftritten schon germanischen) „Äorden" zu suchen ist.
Längst war ja ausgefallen, dah die Hauptverbreitungszone der gewöhnlichen fadengesicherten Gewandnadeln mit Halsdurchboh- rung ihre Rordgrenze mit Oberhessen int wesentlichen erreicht hat, und dah weiter nördlich ziemlich, unvermittelt und ohne einleuchtende Vorbereitung das Hauptgebiet der „zweiteiligen" Fibel beginnt. Run hat die für das Oberhessische Museum im Jahre 1922 vvrgenvmmene Aufdeckung bronzezeitlicher Hügelgräber am Nord« osthang des Bogelsberges, nämlich im Grabeneck und- am Siegen» rückskopf bei Dir lammen (Kreis Lauterbach), als Beigabe einer Bestattung (Hügel 3 am Ziegenrücks köpf) u. a. eine ganz einfache bronzene Gewandnadel mit rechteckig verstärktem Kopfende erbracht, die gesichert war durch einen halbkreisförmig gebogenen dünnen Bronzedraht, dessen umgeschlagene Enden die Radel am Hals und an der Spitze umfaßten; dabei mag übrigens die Federkraft des Drahtes, wenn auch in primitivster Weise, zum Festhalten des Bügels an dem glatten Radelschaft schon ganz nützlich gewirkt haben. Damit ist eine längst gesuchte, bisher nirgends gefundene Zwischenstufe zwischen der fadengesicherten Radel und der eigentlichen Fibel aufgetaucht, allerdings in höchst einfacher und wenig entwicklungsfähiger Form — ein steriler Seitenzweig der Typen»
immerhin hat diese „Borfibel" von Dirlammen in erwünschter Weise bestätigt, dah gerade auch in unserem älebergangs- gebiet die Erfindung der Fibel gewissermaßen „in der Luft lag", Und sie hat sicherlich den Begriff „nordischer" Fibelthp in diesem Sinne etwas umgewertet. Darüber hinaus jedoch kann sie natürlich längst nicht nuferer engeren Heimat die Ehre verbürgen, als Air» sprungsland der eigentlichen Sicherheitsnadel zu gelten, um so weniger, als aus Oberhessen und seiner nächsten Rachbarschaft, wenn ich recht fehe, bisher keine wirklichen Fibeln der hier in Frage kommenden Kultur bekannt geworden sind.
Aber um diese „Ehre" handelt es sich selbstredend der ernsten Forschung auch gar nicht; ebensowenig, wie die unsäglich mühselige Sammlung und Ordnung der vielen Hunderte von zeitlich und kulturell verschiedenen Fibelformen dem zwar noch heute unentbehrlichen, im Rahmen der Gesamtkultur seiner Besitzer aber doch einen recht bescheidenen Rang einnehmenden Gerät als solchem gewidmet ist: Das wäre ja wirklich schrullenhafte Haarspalterei, auch aman ganz absehen wollte von der rein zahlenmäßig nicht utsamen Rolle, welche die Gewandnadeln im Bestand der Kulturreste mancher Perioden spielen.
(Schluß folgt.)
Der Meister der umbrischen Malerei.
(Zum 400. Todestage Peruginos.)
3m Frühjahre 1523 — wir wissen das Datum nicht genau — tarb Pietro Perugino, der Großmeister der umbrischen Malerei der Lehrer Raffaels, dessen Wunderwerke nicht nur jeden Italienfahrer, sondern auch den Besucher deutscher Galerien! entzücken in denen sich manche hervorragenden Gemälde von ihm befinden Aus diesem Anlaß gibt Prof. Oskar Fischel in der „Kunstchronik" eine glänzende Charakteristik des vielumstrittenen Künstlers, dessen ganze großartige Entwicklung erst in jüngster Zeit von der Kunstgeschichte erforscht worden ist. Lange stand Perugino im Schatten seines größeren Schülers Raffael; dann entdeckte man mehr und mehr feine -eigene Bedeutung, aber es waren nur die abgeklärten Werke seiner Spätzeit die man gelten ließ Der feurige Schwung feiner frühesten Arbeiten, sein entscheidendes Eingreifen in die malerische Entwicklung der Quattrocento-Kunst überhaupt tritt erst neuerdings klar zutage. Als gebetener Tlmbrer ist Perugino aus der umbrischen Kunst herausgewachsen. „Länger als die übrigen Schulen," sagt Fischel, „bewahrten die Umbrer den Goldgrund für die ausdrucksvollen Silhouetten der Heiligen; dies Streben, die sprechendste Linie zu finden bleibt aus der Gotik durch alle Zeiten hier Gewvhn- gt Roch als beim Altarbild die teilenden goldenen Spitzbögen en und durch die schön gespannten Gewölbe die blaue Lust
umbrischen Ferne hereinweht und leuchtet, halten sie sich voneinander getrennt, als wagte ihre Frömmigkeit _ keine Vereinigung zwischen den Pfeilern der Halle, jeder für sich ein Bild im Bild. Gar nicht vielsagend genug kann diese Kontur sein, und damit beginnt erst ein Kultus der Linie, ein Schwung und eine Modulation ihres Laufes, der zu einem Wohllaut mit der Harmonie der Farben zusammenklingt. Der große Meister dieser Landschaft war allein am Ende der Frührenaissance gereift, das Beste von der Gotik, die Gebärde, lebendig zu halten und für die neue Zeit bedeutend Gedanken als sprechendstes Mittel die Linie zu schulen. Von ueu umbrischen Höhen, too die Andachtsmalerei immer andächtig geblieben war, steigt die Wieder- eroberung nieder, und Perugino war es, mit dem die großzügige und gesammelte Kunst wieder frei und triumphierend in die verwirrte toskanische Welt trat.“ Man hat heute erkannt, daß Vasari recht hatte, wenn er den jungen Künstler als einen Schüler florentinischer Meister, des Pietro della Francesca und des Vercochio bezeichnet. Bei ihnen erwarb er sich- die große Technik, die mühevolle Bewältigung der rein malerische Probleme. Aber als er sich dann in der Ausmalung der Sfttina unter den Mittelitalienern zeigte, da fiel seine geistige Sammlung auf, und trotz Botticelli und Signorelli war er der einzige, der bei dieser großen Aufgabe wirklich Großes leistete, da er der geborene Andachtsmaler war.
Fischel weist besonders auf die Bedeutung seiner verlorenen Arbeiten im Kloster der Gesuati vor Porta Pinti hin, durch die er entscheidend auf die Florentiner Zeitgenossen einwirkte. Von diesen Werken ist uns nur das Echo einiger Zeichnungen und die Begeisterung Dasaris geblieben, aber man darf annehmen, daß sich hier alles Große ankündigte, was sich dann in der Hochrenaissance vollendete. Diese „Anbetung der Könige" gehörte za dem Großzügigsten, was damals in Florenz entstand, und der ■Umbrer war es. der gegen Ende der 70er Jahre des 15. Jahrhunderts den Florentinern wieder Grüße. Kraft und Klarheit der Historienmalerei vorführte. . Fischel stellt die Vermutung auf, „als ob alle klaren, großen und geistigen Motive vom Ausgang des Quattrocento bis Ghirlandajo und bis zu Bartolomep und Andrea del Sarto aus diesen Bildern Peruginos Antrieb und Geben bekommen hätten". Was in dieser frühen Kunst des Meisters, die wir mehr ahneil als kennen, angeschlagen wurde, das kam dann in seiner Spätzeit zur vollen Reise; sie bedeutet einen Höhepunkt der Andachtsmalerei, den' würdigen Vorklang raffaelischer Vollendung. „Jetzt erst." sagt Fischel, „greift er seine eigenen tiefen Akkorde und vollendet in ihnen das jahrhundertelange Streben seiner andachtsfreudigen Heimat. -Und gerade damit gewinnt er für eine Generation die faszinierende Bedeutung, die ihn als „Maler der Andacht" durch ganz Italien - bis Spanien, ja bis in die Werkstätten flandrischer Teppichweber berühmt machten sollte. Roch als er hon den neuen Stürmern umbran&et und überholt, sich auf die Heimat zurückzisht, hat er den Ruhm, in diesem ausdrucksvollen Stadium feiner tteftönlgen Malerei gerade Raffaels Lehrer geworden zu sein."
(Ein Kannibale auf der Eisenbahn.
VonMarkTwai n”).
Ich kam aus St. Louis und fuhr gen Westen. In Sette Haute (Indiana) war ich umgeftiegen, und- an einer der nächsten Stationen kam ein gütig und wohlwollend aussehender Herr von vielleicht 45 oder 50 Jahren zu mir ins Coupe und setzte sich
*) Der Verlag Ullstein, Berlin, hat ein famoses Bändchen „Tolle Geschichten" aus den Schriften des bekannten amerikanischen Humoristen zusammengestellt (herausgegeben und übet» tragen von Ulrich Stetndorsf), woraus wir die vorliegende Prove entnehmen.


