Ausgabe 
30.9.1922
 
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Zur Zeit wird an einer Herausgabe der gesammelten Ab­handlungen von Sophus Lie gearbeitet. Zu diesem Zwecke ist Professor Engel nach Kristiania gekommen.

Einer der Mitarbeiter von Aftenposten" hatte, so fahrt dieses Platt fort, eine Unterredung mit dem Professor, welcher eifrig beschäftigt im Manusiriptsaal der plniversitätsbiblivthek am Dram- mersweg sah, wo die nachgelassenen Schriften von Sophus Lie ge­sammelt sind. Der liebenswürdige Mathematiker legt ferne vielen Papiere beiseite und geht ein auf ein Interview über Sophus Lie und seine Werke. r _

Wie Sie vielleicht wissen, kam ich hierher nach Knstiana im Jahre 1884, um mit Staatsunterstützung unter Professor Lie zu studieren und behilflich zu fein bei der Sammlung und Heraus­gabe feiner Werke. Diele von seinen Arbeiten waren wenig aus­führlich und wenig ausgeführt. Sie waren oftmals nur skizziert, so das) sie nur für wenige verständlich waren. Bedeutungsvolle Theorien waren oft nur angebeutet und oft für die meisten rätsel­haft. Lie war immer mit etwas Aeuem beschäftigt. Wir nahmen damals, im Jahre 1884, sofort die Theorie der Transformations- gruppen in Angriff. Das toar damals etwas ganz Neues. Jetzt wird dieser neue Zweig der Mathematik, der ganz selbständig von Sophus Lie geschaffen worden ist, auf zahlreichen Gebieten gebraucht. Wir gingen sofort an die Ausarbeitung einer Dar­stellung dieser Theorie! aber es blieb damals nur bei einem Anfang, berat ich konnte nur von September 1884 bis zum Iran des nächsten Jahres hier bleiben. Als ich wegreiste, hatten toir einen Haufen von Manuskripten liegen. Wir konnten nur 30 Bogen drucken und herausbringen. Aber bann kam Lie im Jahre 1886 nach Leipzig als Professor und Direktor des dortigen mathematischen Instituts. Dort begann wieder unter meiner Mit­wirkung die Arbeit an dem Werke über die Theorie der Drans-- fvrmationsgruppen. Es wurden im ganzen drei gröbere Bande geschaffen zu insgesamt 125 Dogen. Davon enthalten die 30 Bogen, die 18841885 fertig wurden, nur Vorarbeiten. Die drei Bande kamen 1888, 1890 und 1893 bei B. G. Teubner in Leipzig heraus.

Welcher Art war Shre Zusainnienarbett mit Sophus Lie?"

Die Theorien find alle Lies Eigentum. Nur _auf die Fdrm hatte ich Cinfluh, in erster Linie auf die deutsche Sprache, in der die Werke geschrieben wurden."

Was ist es, was man jetzt herauszugeben vorhat?"

",Das ist eine Ausgabe von Lies gesammelten Abhand­lungen. Teubner hat die Initiative dazu ergriffen, und rat Jahre 1912 wurde eine Subskription eröffnet.

Wie grob wird das Werk?" .

Im ganzen werden es 6 Bände Abhandlungen und dazu ein 7. Band, welcher nachgelassene Schriften enthalten soll.

_Ist die Herausgabe aller Bände gesichert, und wer wird sie hercmsgeben?"

Ja, die Herausgabe ist ökonomisch gesichert durch die Mittel, öie der Norwegische Mathematikerverein zu diesem Zweck aus dem staatlichen Forschungssvnds bewilligt erhalten hat. Die Herausgeber sind Professor Heegaard und tch. ®er Druck ge­schieht bei Teubner in Leipzig, und Aschehoug rach Teubner er­halten die Kommission für sas Werk. Don den Banden kommt zuerst der Dritte heraus. Er ist fchvn gedruckt und gebunben und die nächsten Exemplare können hier in der nächsten Zeit er­wartet werden. ,

Wird die Herausgabe der gesammelten Abhandlungen von Sophus Lie grotze Bedeutung für die Mathemaitk bekommen?

Ja, sie wird von grober Bedeutung werden für das Studium" der Mathematik. Sch hoffe, dah Lies Ideen durch dieses Werk die Vorbereitung und den Cinfluh getonnten werden, den sie verdienen. Wenn er bis jetzt nicht denientgen Einfluß auf die Entwicklung der Mathematik ausgeubt hat, den er eigent­lich hätte ausüben sollen, so ist die Arsache dafür gerade die, dah er nicht so bemerkt und beachtet worden ist, wie er Anspruch hat. Sch glaube, dah der Reichtum und die Fruchtbarkeit seiner Sdeen auf gleicher Höhe mit denen Henrik Abels stehen. Natür­lich darf man dabei nicht vergessen, dah Abel in sehr lungern Alter^ star^.^ untcV|uc^lt gerade jetzt hier in Kristiania besonders? hinterlassenen Papiere von Sophus Lie

durch, die sich hier auf der Bibliothek gesammelt finden und die einigermahen geordnet sind. Ein Verzeichnis ist von Professor Stürmer und Professor Guldberg ausgearbeitet worden. Was ich nun machen muh, ist, zu untersuchen, welche hinterlassenen Papiere man in dem genannten 7. Band benutzen kann und dar?. Sch suche alles, was von Bedeutung sein faim, aus und stelle fest, von welchen Papieren man mit Sicherheit sagen kann, dav sie 'keine Ausbeute geben.

Wie lange gedenken Sie hier zu bleiben?

"Alles in allem 14 Tage. Nachdem ich zum ersten Male im Sabre 1884 in Norwegen war, bin ich durch einen merk­würdigen Zufall genau alle neun Jahre wieder hierher gekommen Sv war ich hier zum zwettenmal 1893, dann 1902 aus Anlaß des Abel-Festes und 1911 beim Llniversitatsiubilaum. Dieses letztemal habe ich also eine etwas längere Pause als 9 Jahre nehmen müssen.

Können Sie noch irgend etwas Besonderes von Sophus Sie erzählen, abgesehen vom Gebiete der Mathematik?"

Sch kann ja erwähnen, dah um 1884, als Sophus Sie auf der Höhe seiner Kraft in seinen besten Jahren stand, die meisten Norweger kein Verständnis von seiner Bedeutung als Mathematiker hatten. Gr wurde mehr als Fuhwanderer gewür­digt; als solcher war er berühmt. Einmal ging er als Student von Kristiania nach Moh. blvh um ein Buch zu holen. Es kam ihm nur auf das Buch an: er ging sofort wieder nach Kristiania zurück, sogar ohne seinen Vater, der damals in Moh wohnte, zu begrüben. Als ich 1893 hier war, traf ich mit Sophus Sie zusammen, wie er gerade weit oben in den Bergen gewesen toar. Er erzählte mir, dah er in einer dunkelen Nacht an einen Fluh gekommen toar, der angeschwollen toar und die Brücke mit sich gerissen hatte. Vorwärts konnte er nicht kommen, und zurück mochte er nicht wegen der Dunkelheit. So lief er die ganze Nacht am Ufer auf und ab und pfiff, um die Zeit zu vertreiben, Opern- melodien.

Das norwegische Blatt gibt zum Schluh noch Daten aus Engels Laufbahn: Er wurde 1885 Privatdozent und Professor in Leipzig. Von 1904 bis 1913 toar er in Greifswald, dann wurde er Professor an der Universität Stehen. Sm Jahre 1903 wurde Professor Engel Ritter der ersten Klasse des St. Olavsordens. Die Initiative hierzu ging aus von Björnstferne Björn- s o n, welcher im Jahre vorher beim Abelfeste zufammengetroffen toar und welcher den Professor wegen dessen, was er für Sophus Sie getan hatte, sehr hoch schätzte.

Altmodische

Spätsommer- und Herbstblumen.

Von Elise von Hopffgarten.

Goldglitzernd liegt die Morgensonne über dem spätsvmmer. lid>en Garten, der Tau glänzt, und in leuchtenden Farben stehen Herbststauden unb ©ommerbiumen in reicher Blüte. Gelb herrscht im August und September vor, da fangen sich die gelben Sonnen- strahlen gern in den Blüten und lassen sie in besonderer Pracht erglühen. Wenn solch ein Garten richtig angelegt ist, dürfen ihm die einfachen, altmodischen Blumen nicht fehlen, die der Besitzer sich mit leichter Mühe selbst ziehen kann, und die viel anspruchs­loser und schöner sind als die vom Landschaftsgärtner für Dillen- gärten bevorzugten Begonien, Fuchsien, Geranien und Pellar- gonien. Wohl leugne ich die Schönheit und Zweckmahigkeit solcher Dlumenanlage nicht. Sie blühen den ganzen Sommer bis zum Spätherbst, und sind infolgedessen sehr bequem fvr Menschen, die sich nicht selbst um ihren ©arten kümmern können. Aber sie eignen sich nicht für Schnittblumen, und wer den Süden kennt, und sie dort in üppiger Fülle, teils als Büsche oder, sich um Feigenkaktus und Säulen rankende, über mannshohe Gewächse wachsen sah, der begreift, dah man von ihnen im nordischen Klima gar nicht ihren wahren Charakter erkannt hat. Grohmutter und Urgroßmutter hatten in ihrem Gärtchen ganz andere Blumen, die sie, wenn sie i § vielleicht auch aus dem Süden kommend oder dort anzutrefsen sind, der deutschen Heimaterde angepaht haben und auf dem be­scheidenen Sandboden der Mark bei einiger Pflege ebenso ge­deihen, wie in der fruchtbaren Erde Thüringens und Suddeutsch­lands.

Heutzutage gibt es nach dem Zusammenbruch unseres Vater­landes so wenig wahre reine Freuden, dah die Hausfrau mehr Wert aus den Blumenschmuck im Zimmer, auf Ballonen und im Hausgarten legen muh. Leider muh die Städterin aber für Blu­men enorm hohe Preise zahlen, und die Gutsfrau erachtet Blumen­anlagen vielfach als unerlaubten Luxus, der es auch ist, wenn sie zur Anzucht viel Arbeitslohn ausgeben muh. Deshalb svltte die Gartenbesitzerin mit dem Opfer einiger ©tunben in ber 000^ficft alt diese Freuden durch persönliche Arbeit selbst beschaffen. Wenn sie bei schlechtem, sandigem Boden im Frühjahr Astern, Levkoyen, Reseda,die schlichten schönen Efchschvlhieii.Sommerphlox Verbenen Guillardien, hohen und niedrigen Tagetes, Kallivp.is, KalendAa in einem Mistbeetkasten aussät unb die Pflänzchen dann ms Land setzt - oder sie auch gleich dem Mutterboden anvertraut, wird sie im Spätsommer, wenn die Fruhlingsstauden abgebluht smd eine solche Dlumensülle ernten, dah sie nicht nur K e^"es Haus bamit schmücken kann, sondern auch noch ein Füllhorn schlichter Freuden über die Besucher ihres Heimes durch ihre Blumen- spenden auszuschütten vermag. Auch lassen sich solche Blumen leicht zur Deckung der Plnkosten verkaufen, weil eben Nicht leder ste zieht Hat man den Boden gut mit Kuhdung tm Vorherbst vorgedungt, te braucht man, wenn die Pflänzchen aufgegangen sind, nur für Auflockerung des Bodens, Säuberung von ilnkraitt und reichliche Bewässerung zu sorgen. Als Düngesalze, bei der Aussaat wählt man am zweckmäßigsten die sog. P rachtmischungeii aus den Kata- loaen der Erfurter oder anderer Grohzuchter. Gröhe bewahrte Firmen liefern durch ihre jahrzehntelangen Erfahrungen viel gw verlässiger als die mit unbekannten Entmischungen handelnden Kleinhändler, und die Leuchtkraft, die geschmackvolle Aneinander­reihung der Farben in den Beeten ergibt sich dadurch von selbst. > Bezaubernd wirkt der längst nicht genug bekannte niedrige