Ausgabe 
30.9.1922
 
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Sommerphivx, der den ganzen August bis Mitte September blüht, mit seinen vvm zartesten Weitz bis ins tiefste Karmoifin und Rubinrot leuchtenden Farben. Sowohl einfarbig wie mit zarten lila, rosaroten und dunkelroten Ringen im weitzen Blütenkelch wirkt er wie altmodische gemusterte Saquonnetkleidchen junger Mädchen aus der Biedermeierzeit. Mit Reseda vereint gibt er herrliche, lang sich haltende Sträutze. Roch unbekannter ist bie Farbenpracht der Sommerguillardie. Auf einem Beet gleich ins Land ausgesät trägt diese bescheidene wunderbare Pflanze mar» gueritenförmige Blumen in zartestem Weih, Zitronengelb, Gelb» braun, Braunrot bis zum tiefsten Rot gefüllt und ungefüllt nut wunderbar abgetönten Kelchen. Auch das zartgebaute Schöngesicht (Kallivpsis) drängt sich auf langem, rankem Stengel mit. seinen zierlichen, gelbbraun gefleckten oder geringelten Blüten durch das Dlumenmeer der Rabatte. Seine niedrig gebaute Abart bildet ebenso wie die niedrige Studentenblume (Tagetes nana) die Ein» fassung der Rabatten, während die schwefelgelben und orangeroten Riesenblumen des hohen Tagetes prachtvolle Hintergründe bildet, oder in Basen und Töpfen vor Hauseingang und Freitreppen un­endlich dekorativ wirkt. Dazwischen blühen die schönen blauen Blümchen der Jungfer im Grünen (Rigella) mit den eigentüm­lichen zweiteiligen Blumenblättern, Löwenmaul reckt in, weitzen, gelben, rosa und rosenroten Farben das Köpfchen, und die mohn- artigen, in Saffrangelb, Weitz und Hellrot glänzenden Blumen der Eschscholhie locken ebenso wie die ernste Trauerblume (Scabisa) einen Schwarm geschäftig summender Bienen an. Zart und fein schwankt die rosenrote Kosmea mit ihrem gefiederten Laub im Morgenwind. Vielgestaltig und unendlich dankbar ist die Fülle der Astern der einfachen ungefüllten Sternblume mit gelbem Kelch bis zur gefüllten runden Hohenzollernaster, der Strauhenfeder und der zierlichen Liliputaster. Die anspruchslose zartgelbe oder in tiefstem Orangenrvt aufleuchtende Ringelrose (Kalendula) wächst auch1 geduldig in solchem Garteneckchen, wo der Schlauch nicht hinreicht. Würdig beschließen den Kranz der Sonnenblumen die stolzen Dahlien, die Lotosblumen gleich ihr Haupt vor der Sonne neigen. In ihrer mädchenhaft ernsten Schönheit gleicht die un­gefüllte weihe Dahlie mit ihrem strengen Dau einer Priesterin, die Gottes Schönheit in der Ratur predigt, während ihre an­spruchsvollen gefüllten Schwestern alle Töne vom zartesten Gelb bis zum tiefsten Schwarzrvt repräsentieren. Ihre Abart, die Liliputdahlien, gleichen kleinen niedlichen Biedermeierfrauchen, die sich zu Grohmutters Kaffeeklatsch in hellrote, postgelbe und charmoifinfarbene steife Röckchen gehüllt haben. Auch eine Blume aus der Aokvkozeit darf in einem solchen Garten nicht fehlen: die Zinnie. Gedämpfte Pracht, gebauschtHörst du, wie Grotz- mutters Seide rauscht." In den gemusterten Brokatkleidern ter schönen Benetianerinnen, ter Damen am Hofe Philipps von Spanien und Ludwigs XIV. spielt das Vorbild der Zinnie eine grohe Rolle, und wenig Blumen gleichen der Zinnia elegans grandiflora, ter grotzblütigsten gefüllten Sorte, die in allen Farbentönen leuchtet, an Pracht. Strohblumen in allen Farben unterbrechen das Bild, und wie goldene Aehren nicken die Wimpel der Goldrute (Solidago), das Helenium, das Goldballs (Rud- beckia) und das Heliantarus. Reben ter lila Stautenaster leuchten sie golden bis in den Spätherbst hinein, und machen dem Blumen- sveund das Scheiten vom Sommer besonders schwer.

Sechshundert Jahre Kölner Dom.

Die Vollendung und Einweihung des Chores des Kölner Doms am 27. September 1322" schloß die entscheidende fast 100jährige Dauperiode dieses ehrwürdigsten deutschen Gottes­hauses ab, so daß wir' seht den 600. Geburtstag des Domes feiern konnten. Ein Zeitgenosse, Levold von Rorthvf, schreibt darüber in seiner Chronik, dahim Jahre 1322 am Tage des heiligen Kosmas und Damian die heiligen drei Könige zu der Stelle übertragen wurden, wo sie jeht sind, und der neue Chor eingcwerht wurde". Da der Tag ter hl. Kosmas und Damian ter 27. September war, so ist damit das Ginweihungsdatum fest­gestellt. Mit der Feier war die festliche Ueberführung des kost­barsten Kölner Reliquienschatzes, ter Körper ter drei Könige, aus ter alten Petruskirche nach ter Domkivche verknüpft. Der Erzbischof Heinrich von Virneburg hielt das erste Hochamt. Eine der großartigsten Taten frommer Opferfreude und architektoni­scher Gestaltung war mit diesem Abschlutz des Bauwerkes voll­bracht. Schon vor dem Brand des alten von Erzbischof Hildebald erbauten Domes im Jahre 1248 war ter Plan erwogen Worten, den reichen Reliquienschähen der heiligen Stabt einen würdigeren Schrein zu errichten, als ihn der gegenüber den prächtigen neuen Stifts- und Klosterkirchen dürftig und altmodisch erscheinende Dom bot. So legte denn im Jahre des Brandes 1248, am Tage Mariä Himmelfahrt, Erzbischof Konrad v. Hochstaden den Grund­stein zum Reubau des Domes und leitete damit eine Epoche der Bautätigkeit ein, die wie keine andere das Aufblühen ter teut» schon Gotik offenbart. Die Gestalt des ersten Dombaumeisters Ger» 'hard von Rille steht mit viel gröberer historischer Plastik vor uns, als etwa die seines Stratzburger Kollegen Erwin von Stein» bach. Er war schon ein angesehener Mann, als er den Bau

begann, und er war erfüllt von dem Geist der neuen Baukunst, die zuerst in Frankreich verwendet Worten toar. Rach den neueren Annahmen ist er ter Meister, dem ter große Plan des Werkes mit ter fünfschiffigen Ehoranlage, dem Kranz von sieben Kapellen, dem stattlichen Querhaus, dreischiffigen Langhaus und ter Doppel­turinfassade zu bartven ist. Aber nicht in diesem großen Plan, dessen Ausführung erst siel spätere Zeiten sich angelegen sein liehen, liegt in erster Linie feine Bedeutung, sondern in ter reinen und edlen Formensprache, mit der er von Anfang an die fran­zösische Frühgotik auf deutschem Boden umgestaltete. Die späteren Meister konnten auf feinem Werk ruhig fortbauen, so sehr sich auch unterteffen ter Stil entwickelt hatte.Wohl bei keinem andern deutschen Bau", sagt darüber Edmund Renard,hat der Himmelstürmende, sehnsuchtsvolle Wunsch ter Gotik einen so klaren eindringlichen Ausdruck gefunden wie im Kölner Dom: in diesem Sinne auch bedeutet die Schöpfung Meister Gerhards die Vollendung des Daugedankens, ter die kirchliche Baukunst feit den Anfängen des romanischen Stiles durchbricht."

Gerhards Rachfolger, die Dombaumeistec Arnold und Jo­hannes, zeigen bereits die volle Pracht ter deutschen Hochgotik, vor allem in dem großartigen Wald von Strebepfeilern, der über dem strengen .Unterbau so einzigartig emporwuchs. Von diesem eingeweihten Dom sagte Petrarca, als er 1333 Köln besuchte: »Ich sah die schönste Kirche inmitten ter Stadt, obgleich unvoll­endet, die sie durchaus nicht unverdient die höchste nennen. Aber nach dieser Hochflut der Begeisterung, die das Werk in so Ver­hältnis mäßig kurzer Zeit hatte entstehen lassen, trat bald eine Ebbe ein. Die Zeit, da Bischof, Stiftung und Bürger in ter Förde­rung des Baues gewetteifert, war verflogen. Die Gründung tes ersten Kölner Dombauvereins, ter Petersbrüterschaft, ist bereits ein künstliches Mittel, um die Fortführung des Baues zu sichern: aber das Schicksal des Rieseirunternchmens, das es zur Richt» vollendung verurteilte, war trotz ter neuen großen Pläne bereite entschieden. Erst zu Anfang tes 19. Jahrhunderts wurde der Kölner Dom von ter Romantik als das Wahrzeichen deutschen Geistes und deutscher Kunst wieterentteckt: Sulpioc Boisseröc lieferte mit unendlichem Fleiß die kunstgeschichtlichen Unterlagen für den Weiterbau; Friedrich Schlegel und Görres forterien nach, den Befreiungskriegen den Ausbau als ein Dankopfer ter siegreichen Ration, und unter Friedrich Wilhelm IV. entstand bann ter Dombauverein, ter 1880 den Ausbau beendete.

Herbst.

Bon Willibald Köhler').

Schon spann im letzten Sonnenbrand Die Spinne ihre Seite.

Du, goldner Herbst, fährst durch das Land In närrisch buntem Kleide.

Du. goldner Herbst, gtetzt durch das Land

Bei wüst verhängtem Zügel

Und galgenfroh ein buntes Band Aus deinem Jfarbentiggcl.

Du, Harfner Herbst, singst durch das Land Und geigst auf allen Zweigen Zum Tanze auf am Grabesrand

Im goldnen Dlätterreigen.

Du, goldner Herbst, stürmst durch tete Land Auf deines Sturmes Pferde, Und grüßt mit deines Harnes Klang Die mute, kühle Erde.

Es huscht im Rebel hinterdrein Ern lautlos schneller Wagen.

Wen mag in ihrem weißen Schrein Die blasse Wolke tragen?

Du, goldner Herbst, schlägst tollkühn auf Ein feuergrelles Lachen

Und förderst deiner Rosse Lauf Mit deiner Peitsche Krachen.

In deinem Lachsen lauert schon Ein Klang, als klirrten Scherben, Es ist ter ahuungsbange Ton Des Lachens vor dem Sterben,

Da würgt es dich am Scharlachtuch Es reisten alle Geigen,

Du stirbst mit einem lustigen Fluch Und Hom und Harfen schweigen.

) Im Erdgeist-Verlag, Leipzig, ist ein kleines Buch de» Verfassers, betiteltDie Spiegelbrücke" erschienen, das sehr an­sprechende Gedichte enthält, die über dem Durchschnitt dm: nro- bemen Produktion sichen.Herbst" mag dafür zeugen.

Schriktleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Drühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dietzen.