Ausgabe 
1.4.1922
 
Einzelbild herunterladen

BZF

äs

»» "C

SWD!

<S.t Ä

>n» ost test ten m- KEg in

Samstag, 1. Rprir

ein

Aus der Zeit des 7 jährigen Krieges Die Franzosen in Gießen 17581762. Don Dr. Sy Berger.

(Schluß.)

1922 Nr. 13

befürchtete." Fast alle hiesigen Bäcker bekamen je 2 französisch« Bäckerknechte", die Tag und Nacht vvm 8. bis 26. November für die Armee Brot backen mußten.Da war das Weißbrot sehr rar." (Bekanntlich bevorzugt der französische Soldat das Weitz- Brot.) Am 11. November forderte der französische General von der Stadt 20 000 Rationen. Falls diese nicht zeitig geliefert würden, sollte in Häusern und Scheunen souragiert werden. Den 13. lieferte hauh für hauh einen Gentner Heu. Da aber dies nicht hinreichend war. so wurde die lieferung an einen juden veraccvrdiert, welcher da. auf 1516 000 Rationen lieferte."Am 31. Oktober wurden 4000 Gebund Stroh gefordert, jedes zu 20 Pfund. Den 1. November wurde der anfang gemacht An­beweglich stunden die vollen Wagen, welche das Brot für die armee liefern mußten, auf dem Trieb. Hernach kamen sie ins Wallpförter Feld. Da dann Las Feld und die straßen von gründ aus tu hurt wurden, so daß niemand den ordentlichen Weg gehen konnte, sondern einen weiten umweg machen mußte. Selbst in der Stad! war wegen Les erstaunlichen Reitens und Fahrens der Dreck so groß, daß man an einigen orthen biß in die Knie baden mutzte. Den 8. November bekamen wir französische Sxecution, denen wir Geld zum essen und trinken nebst 26 Kreuzern geben mutzten. Nach Lieser Execution kamen noch viele andere."

Am 7. November kam endlich der lang erwünschte Courier und brachte die Nachricht, daß am 2. huias die praelinnnarien des Friedens zwischen Frank-reich England und Spanien zu Fontaine­bleau unterzeichnet worden. Gott gebe, daß nun auch der völlige Friede zu stände komm t."

Am 24. November bekamen die Herren von der Regierung eine scharfe französische Executivn, weil aus Mangel an Zugvieh die große Menge des angcforderten Holzes unmöglich herbeigeschasft werden konnte. Cs waren 1300 Klafter gefordert worden. Da diese nun nicht herbeigeschafft werden konnten, bekamen Herr Geh Regierungsrat von Scheid 14 Dragoner, Reg.-Dat von Schwartzenau 12 Häger, Reg.-Rat Han 12 Grenadiere, Reg.-Rat Gros 12 Husaren, Kriegskommisar Adam 12 Häger. Diesen mwcke Essen und Trinken und Geld gegeben werden.Einige, zumahlen die Husaren, hausten gar übel." Den 7. Dezember bekamen vor­genannte Mitglieder der Regierung wegen des Holzes eine, neue schwere Executivn, ebenso auch einige RatSherren und Bürger. Sieben Mann wurden aus die Kanzlei gelegt; die nahmen oei ihrem Weggang alles -Geld von'der Kanzlei mit Gewalt weg.

Nach abgcschlvs enem Waffenstillstand verließen vom 13. De­zember 1762 an nach und nach die französischen,Desatzungstruppen die Stadt. 150 Mann vom Regiment Salis, die dasWall- und Sälhertor bewachen sollten", blieben mit 4 Offizieren, einigen Kanonieren dem Kriegskommifar und verschiedenenCommis und Emplvyes"'(Beamten) noch hier. Zugleich mit der ausrückenLen DesahUngsmannschast verließ auch der Kommandant uu Blcusel die Stadt,der uns so lange geplagt hatte". Dis zum 25. De­zember war die Stadt auch von den noch zurückgebliebenen franzo- sjschLii Deamten geräumt. Wie jubelte: man in der Stadt, als man nach 4jähriger Beherbergung die fremden Gäste wieder los war! Wir können die Freude verstehen, die auch unser , Chronist, der Gießener Bürger, empfand, wenn er seine Aufzeichnungen

Endlich war der 25te decembris, der erste h. Christtag, der so lang" gewünschte Tag, welcher uns Vvm französischen Joch er» lößete, wie groß war die Freude, als des morgends unter der Frühkirch um 10 Ahr unsere Soldaten (Hessen) mit klingendem Spiel die Schweitzer an den beiden Toren ablötzeten und altz darauf um 11 Ahr, nachdem schon morgends früh die Ziegenhainer

Am 25. Februar 1761 rückten hier noch einige piquets und wir wurden darauf gleichsam eingefchlvssen, weil die allirten Husaren die straßen unsicher machten. Endlich kam das franzö­sische Hauptquartier am 17. Mäctz von Butzbach hierher und blieb bist zum 25. 'hier, da es morgens in aller eil nach Schweinsberg aufbrach. Am 23. Märtz wurden unsere behden Kirchen («tadt- kirche und Durgkirche), das paedagvg (in der Sonnenstratze) und die Stadtschule, vor die bei Grünberg gefangenen Hannoveraner und Braunschweiger eingenommen und mit denselben besetzet, so daß niemand in "öie Kirche gehen konnte. Nun war eben das heilige osterfest, so erfreulich selbiges sonsten ist, so betrübt wurde es uns jetzt; denn der 2. Ostertag, welcher auf den 23. Märtz einfiel, wurde nur Les Morgens mit ein« Kirche gefeiert, und mit genauer Noth konnten noch öle Kinder confirmiert werden. Nachmittagsanrat die Gefangenen und blieben liegen biß zum 25., da sie ausgcliefert wurden. Am die ganze Stadt (in den benachbarten Orten) ist den 1, und 2. Ostertag keine Kirche gehalten worden wegen der vielen Soldaten."

DasPaedagvg" in der Sonnenstratze wurde noch öfter von den Franzosen zu militärischen Zwecken belegt, was um so drücken­der empfunden wurde, da viele Professoren genötigt waren, ihre Vorlesungen wegen der Beschlagnahme des Aniversitätsgebüudes in den Sälen Les Paedagvgiums abzuhalten.

Am 3. April 1761 ging das Regiment Nassau, den 5. das Schweizerregiment Courten mit allenPiquctern" fort, dagegen rückte das Regiment du Roh, 4 Bataillone stark, ein.Da wurden alle Häuser stark belegt, und mancher aus seiner Stube gejagt." Am 19. Huni zogen 300 Mann Grenadiers Rohaux Milice und 200 Schweizer von Castela und Diesbach ein, welche diesen Sommer . unsere garnison sehn sollen." Am 7. Dezember kam Mr. de la : chaife, marechal als General hierher. Am 8. und 12. erhielt die Stadt 2 Bataillone des Schweizerregiments Epting,welche nebst 1 Bataillon grenadier Rohaux unsere garnison sehn soll."

1 7 62. Am 24.Mai rückte ein Piquet von aquitaine, am 27. drei andere Piquets von Turenne, Pviton und Provence ein, die

am 21. Huni noch verstärkt wurden durch 2 Escadrons vom Regiment Bourbon. Am 27. Mai kam Mr. B l a i s e l an,der als Comnrandant hier bleiben soll". Am 5. August kam die armee unter dein Printz Conde vom Niederrhein nach Königsberg. Das Hauptquartier war in Hohensolms. Den 6. rückten selbige in verschiedenen Eclonnen, davon eine an der Stadt her, die andere aus Rath Wittichs Garten über die über die Lahn ge­schlagene Schiffbrücke nach Altenbuseck, gingen den 7. ins ambt Grünberg, fouragirten die gantze Gegend und machten viele arme leuthe. Den 22. wurden die Vorposten angegriffen, worauf die armee zurückging bis nach Annerod, Hausen, den 23. nach Stein­berg, den 24. nach Grüningen, das eingenommen wurde. Man hörte am 25. stark canvniren. Gegen Abend gingen sie nach Lang­göns, am 26. nach Pohlgöns und Dutzbach am 27. nach Nahheim." Hier wurde am 30. August durch das Gefecht amJohannisberg" die allierte Armee Über Friedberg zurückgetrieben.

Ansere garnison mußte den 30. und 31. Aug. und 1. Sept. Tag und Nacht auf dem Wall stehen, weil sie überfallen zu werden