und rieb sich den Nacken, alle Viere in die Luft streckend. Schmetterlinge umschwebten ihn und einer der zuletzt geborenen und ganz Erfahrenen verwechselte seine wippende Schwanzspitzs mit einer Kaprifolie; er liest sich darauf nieder. Da erstarrte Schnipp seine Augen stierten wie auf Stielen: er versuchte einen GarnelenHopfer — und war ebenso erstaunt wie der Schmetterling.
Auf einmal hörte er alle die kleinen Vögel in der Hecke fürchterlich schreien und kreischen.
„Pink, pinkl" riefen die Buchfinken in einem fort, und sie und "die Spatzen scharten sich dicht zusammen.
Schnipp mußte hin.
Die Hecke war blank-grün wie das Gras des Feldes: sie trug ihr Frühlings kleid: aber drinnen entdeckte Schnipp schließlich den Llrheber der Aufregung der Vögel. Gs war eine kleine Horneule, die ihrer Gemütsstimmung durch ihre Hörner Ausdruck verlieh. Bald legte sie sie zurück und lieh ihn Zorn ahnen, bald spitzt« sie sie zu, sobald nämlich ihre Neugier die Oberhand gewann und sie näher erforschen wollte, wer in ihr Versteck einbrach. Aber die Finken fuhren fort, als wollten sie Schnipp anfeuern: „So war's recht, drauf, pack sie, schmeitz sie raus!"
Schnipp lieh die wohlgemeinte Aufmunterung nicht unbeachtet: er gebärdete sich wie rasend, bläffte, grölte und machte ungeschickte Luftsprünge.
Aber all der Lärm rührte die Eule nicht.
Sie war gutmütig und sah dem Mvsjü Melius auch einen Meter zu hoch. 3n der Mittagshitze aber hatte er mehr Glück: er bekam den Flügel einer Biene zu fassen.
Bis, summte die Biene und gab durch diesen Laut zu erkennen, wie sehr es sie ärgerte, Last sie gefangen war.
Schnipp verstand sie nicht; er '(kitte ein Ohr für das Buh und Töfs-töff der AutomvbilhUpe; Len Zuruf Bis dagegen kannte er nicht. i i I '
Nun wurde der Bis-Laut schärfer; die Geduld des Brummers ging zu Ende.
Aber Schnipp Hielt natürlich trotzdem fest.
Da erfahr er im Nu und für das ganze Leben, was für ein mächtiges Ding eine kleine Diene ist . . . Nach, ihrem fürchterlichen Stich rannte er in seinem Drang nach Kühling mit seiner wunden Schnauze so hart gegen einen Stein, daß er es bis in die Schwanz- spitze hin spürte. l. '
Schnipp sah, Schnipp hörte, Schnipp lernte . . . und die Erde mit ihren Seltsamkeiten erstand nach und nach vor dem kleinen Hund. Hier auf dem großen, unbenutzten Bauplatz, wo die starken Farben des Sommers eine Freistatt Hatten, wo das Rot knospte, das Blau Blüten trieb, das Weih und Gelb in Wolken vor dem Auge schwebte wo selbst Las Orangefarbige und Jndig oblaue den Kopf hervorstreckte — hier blühte auch, Schnipp Fidelius Adel- zahn auf
Das Gütchen, das die Herrschaft besah, lag eine knappe halbe Stunde von der Villa entfernt. Die vorneHmen Leute gingen jeden Tag einmal Hin, in der Regel in der Zeit zwischen dem Morgentee und dem Frühstück. ' '
Schnipp war immer voran — und von Hinten nahm er sich doch am prächtigsten aus!
Mit viel. Anstand führte er sich auf, zeigte dre Wildklauen und lieh die schwarzen Schwielen an den Pfoten schimmern. Er schnippte mit den Vorderläufen, warf sie nonchalant nach den Seiten, wedelte mit den Ohren und trug den Kopf hoch, so Last er frei' um sich blicken konnte.
Auf dem Gehöft gab es noch viele andere Seltsamkeiten der Erde: grunzende Oefs-Oeffs, Lämmer mit Wvllschwänzen, m die sich lecker hineinbeißen ließ, große schnaubende Kühe mit nassen, kalten Mäulern, die ihn geradezu zu Narrenpossen ermunterten indeni sie die Hörner senkten und Müh! sagten. Da waren auch Hähne, die so nett einladend verbaselt waren, sobald er sich bloß auf dem Misthaufen zeigte; und in demselben Augenblick, wo sie loskrähten, konnte er sich nicht halten, er mußte ihnen nachgaloppieren. Und da waren auch, flinke Katzen hinter schweren Kleie- säcken und Pferde, so groß, daß feine kleine Herrscherin, wenn sie in Len Sattel gesetzt wurde, ihm wie eine riesige weihe Holunderblüte hoch oben in den Wolken erschien.
Schnipp, der jetzt außerhalb des Armbereichs der Jungfer Sörensen war, bekam nur die Erziehung, die er sich selber schaffen konnte.
Eines Tages war eine Gans so freundlich, sich seiner anzu- nehmen; sie packte ihn an dem einen Ohr und zog ihn zur Tränke hinaus, damit er da ertränkt werden sollte. An einem anderen Tage raste eine Bruthenne auf ihn zu. Schnipp merkte, dah sie beißen konnte wie er und mit ihren Krallen garstig kratzte und fchrapte. Er hätte so recht einer gründlichen Lektion bedurft; aber in beiden Fällen stürzte der Verwalter 'hinzu und schlug mit dem Stock nach Gans und Henne:
„Tod und Teufel! . . . Sollte das Federvieh den Hund der Herrschaft zugrunde richten?"
Der Weg zum Gehöft führte quer durch das Sttandwäldchen «nd dann längs eines Pfades auf offene Felder hinaus. 3n dem Wäldchen war ein großes, von Schierling und Drennesfeln bewachsenes Gestrüpp, und mitten Larin gähnte aus dem Erdboden ein Loch mit gelbem, herausgescharrtem Sande davor. In dem Sand sah man zahlreiche Brantenfpuren. . .
Das Loch führte zu einer Fuchshöhle hinab.
Aber wenn der Mat anbricht und das Laub den Knospen entsprießt dann kommen die vornehmen Sänger mit ihrer Zaubec- fliimne. dann erwärmt sich die Luft, der Hopsen sprmtt fernen fct.enber. Faden, die Obstbäume treiben Blüten, und die 'Helle Nacht schwingt ihre gedämpfte Diesenfackel.
Dann erwachen öife Aecker! Das Schwarze, Einsörmige^Rackte ist von ihnen verschwunden, weg sind Schlamm und Morast. Eine Hülle von Grün und Gelb, Blau und Rot ruft das verlorene ErdenparaLies ins Leben. Es gibt kein abgegrenztes Morgenorauen me'hr, kein gedehntes Sonnenlebewohl; der ein Tagwechsel greift in den andern über, und die Abendröte reicht dem Morgengold verheißend die Hand.
Dann tut es wohl, die engen Mauern, bm Lärm der Stadt *, verlassen und das Land zu umarmen... das Pflaster uno Sen Asphalt mit dem Waldmeisterboden des Waldes za Der» tauschen über einen blumenbekränzten, grasweichen Feldpfad durch Len Garten Eden zu wandern, den eine gnädige Vorsehung von neuem 'hervorzaubert.
Das Automobil nähert sich der Villa . .
Schon sieht man die Buchen des Strandwaldchens in ihrem hingen Blätterschmuck schimmern, man entdeckt große Diqchel persischen Flieders und den ersten Goldregenstrauch in fernem güldenen Flor, während weiße Gänseblümchen und bernsteingelber Löwenzahn ununterbrochen vorübergleiten längs der Gra- benränder und Wegrabatten. „ .
Bald erspäht man die bekannte wohlgepflegte Hecke, die mtt wildem Wein verzierte Garage, die Dlutbuche in der Ecke des Gartens und die lange Rotdornallee.
„Schau, schau... es ist geflaggt!'
And vor dem weißgestrichenen Gartentorchen steht Herr Christiansen selbst — der Verwalter des nahegelegenen deinen Landguts, das der Herrschaft gehört. Ehrerbietig zieht er den Hut, als das Auto einbiegt. '
„Guten Tag, Christiansen!" ruft der Herr aufgeräumt. „Wie steht's? Gut? Die Kühe kalben. . . und die Schafe haben Lämmer..." , r Ä
„Ja, so ist's." Christiansen lächelt, nickt und heißt die Herrschaft willkommen. , , . _
Dann springt man ab und umfängt in einem einzigen Blick die ganze Herrlichkeit: die frischgekalkten, glänzenden Mauern, das hagebuttenrote, glasurfunkelnde Dach, die Erker und Giebel und das Türmchen, von dessen Zinne der drollige, gretl vergoldete Deckel sich um seine Stange dreht und dem Winde die Zunge 'herausstreckt.
Man legt Lie Mäntel ab, breitet die Arme aus und streckt die Deine wie Hampelmänner; man nimmt die Eindrücke gierig und unmittelbar in sich auf und streift alle Steifheit der Saison von sich ab . . . Nun ist man hier, nun bleibt man hier — und genießt die Glückseligkeit des dänischen Sommers! Heil dem, Heil Seiten, die hinaus kommen, die sich frei machen können. Schnipp, der Glückliche, war unter ihnen!
In der Gartenhecke, die die große Strandvilla umgab, hatte er ein Schlupfloch ।
Es führte auf ein offenes, grasreiches Feld hinaus, einen noch unbenutzten Bauplatz.
Dort wimmelte es von äußerst interessanten Dingen: Spatzen und Schwalben, Schmetterlingen und Dienen.
Dort fand er auch eine Menge kleiner Löcher im Erdboden, die in seinen Pfoten ein arges Grabfieber weckten. Sv ein wirkliches kleines Mäuseloch war ein rechtes Wunder für ihn. De- svnders ein Loch fesselte seine Aufmerksamkeit lange und erregte fehle Neugier und sein Interesse.
Minute auf Minute stand er oft davor, mit starkgerunzelter Stirn und aufgeblähten Ohren; seine Pfoten, die mitten in das Loch gestellt waren, hatten ganz aufgehört zu graben. Hier war eine fürchterlich schwere Aufgabe für ihn. Er war wie ein Karussell rings lum das Loch Herumgejagt, sich dabei um seine spitze Schnauze drehend, die er Hinabhielt tote einen Zapfen, und die ganz warm und verzerrt war. Er Hatte das Loch mitten Zähnen aufgebrochen, Und das war ihm ebenso sch,wer geworden wie einer ungeübten Hand das Oessnen einer Dose Sardinen; aber er kam und kam nicht weiter. Nun war er eine ganze Schnauzenlänge tief hinab- gelangt — und siehe da, die Röhre machte eine Biegung. Er grub weiter. Schau, da kam wieder eine Biegung . . . so ein armer, unerfa'hrener Autohund wie Schnipp mußte schier verzweifeln.
Na, schließlich gelangte er doch auf den Grund und stand plötzlich Nase an Nase vor einer fetten, runzligen Kröte. Sie faß da und rülpste in einem fort. Durch viele feine Oeffnangen der Haut schwitzte sie eine klebrige Flüssigkeit aus . . . Schnipps Beine wurden steif, und seine Rute stieg empor; die Kröte kniff vor Schreck die Augen zu. Dann beroch Schnipp sie, und er mußte niesen — so eisig kalt war sie.
Ganze Tage lang konnte er sich 'hier auf dem Felde Herum- treiben. f
Des Morgens leckte er Tau und fraß Gras; er packte ganze Büschel und kaute sie wie wemi es Knochen wären. Das 'half so schön, toenn er sich üoerfressen Hatte.
Dann tummelte er sich lustig und streckte die Pfoten — und jedesmal, wenn er an einem der Daunenballons der zählreichen Saudisteln vorüberschlupfte, die schmeichelnd den Hals vvrreckten, mn ihre Samen loszuwerden, wälzte er sich «zwischen ihnen herum


