1922
Nr. 47
Samstag, 2S. November
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das 5<|iäs[al der deutschen Sprache in der Gegenwart.
Von Prof. Dr. Alfred Götze.
(Fortsetzung.)
s. und treu gegen volksfremde .Uebrnnacht stehen auch
vte Deutschen Bo h me ns tm Kampf um Sprache und Bolkstum. fchon lange Jahrzehnte. Seit drei Jahren nun leben dort fast vrer Millionen Deutsch» unter tschechischer Fremdherrschaft, und das Ergebnis dort ist trauriger als fite alles andere Deutsche ^=lt- Dl« Sudetendeutschm sind Foemdlinge geworden auf der Scholle ihrer Pater, Fremdlinge in dem Land, das viel- «^ÄÄ^^iger deutscher Fleiß zum Blühen gebracht hat. Di« tschechifch-stowallich« Republik — auch sprachlich eine Mißgeburt, die mit neun Silben sagt, was mit den zwei Silben Böhmen wert besser zu sagen wäre — ist ein Kind nicht der Liebe, sondern, des Hasses, und zwar des französischen Has.es gegen alles Deutschs. Darum hat der Versailler Frieden die Sudetendeutschm um ihr Selbflbestlmmungs.-echt gVracht. das sie zweifellos den natürlichen Ritschluß an die benachbarten and blutsverwandten Stamms des Reichs hatte finden lassm, und sie einem unbarmherzigen „Sieger"- ®!®at ausgeliefert, dessen schwere Hand fte Tag für Tag spüren müssen, vor, allem im Sprachkainpf. Der Rückblick auf die vergangenen v'xibre ist eine Heerschau über ein Heer von Unbill auch auf dein sprachlichen Gebiet. Da.s Sprachengeseh tont 29. Februar 1920 ist erlassen, ohne daß das deutsche Drittel der Bevölkerung auch nur gefragt worden wäre. Deutsche Dörfer und Städte werden aus die roheste Art vertschocht. Verträge miß- achtet. Versprechen gebrochen. Dor der entscheidenden Volksabstimmung werden in die sprachlich umstrittenen Bezirke Regimenter tschechischer Soldaten gelegt, die heute hier, ein paar Wvchm später im deutschen Rachbarbezirk eine tschechische Mehrheit tor ä asch:n. Der deutschen Bevölkerung wird jeder Schuh gegen solche Vergewaltigung versagt, und fortan gilt der Landsinch für tschechisch. Ortsnamen. Straßenschilder, Geschüsts- mschnsten werden umgewandelt, die deutsche Amtssprache muh der tsch'chtschen weichen, vom Gericht wird kein deutscher Schrift- ,.,.anecnDmmC1’’ ^e deutschen Schulen werden gesperrt, zahlreiche tschechische Schulen in rein deutschen Gebieten neu eröffnet und mit hiiteingepreßten deutschen Kindern gefüllt. Die deutschen Hochschulen, vor allem die deutsche Universität Prag (die immer noch 6000 Hörer zählt), werden durch lächerlich geringe Zuwendungen geschädigt, die tschechischen auf all« Weise begünstigt. Dabet dringt der deutsche Volksteil noch heute die runde Hälfte aller Steuern im Lande, der unmittelbaren wie der mittelbaren, aus seiner überlegenen Wirtschaftskraft in die Kass« eines Staats, der ihm die einfachsten Rechte vorenthält.
Vor allem ist in Prag des Deutschtum völlig an die Wand gedruckt. Alle deutschen Aufschriften sind verschwunden, und man öatf auf der Strafte kein deutsches Wort reden, wenn man nicht «"SNtempelt sein will. Aengstlichr Gemüter versuchen Auskünfte ‘?P,e<Mtcrn in Schreibstuben erst in englischer oder sranzö- Zscher Sprache zu erhalten, weil sie sicher find, höflich gefragt 'i werden, ob sie nicht vielleicht Deutsch können, worauf sich alle wettere Unterhaltung in den angenehmsten Formen auf deutsch vouzteht.
Theater in Prag haben die Tschechen in aller rechtens gestohlen, Im November 1920 hat eine aufgereizte
Beater umzingelt und im stkamen des tschechischen ?°^ke« besetzt. »Zufällig" warm in der Menge auch Schauspieler des äfchochtschrn Theaters, die auf die Bühne drangen, die deutschen Schauspieler zwangen, ihre Probe abzubrechen, sie aus dem Hause drängten und fünf Stunden später ein tschechisches Stück zu spielen begannen, für das sie Eintrittskarten gedruckt mitgebracht hatten Di« wohivorbereitete Besitzstörung ist durch die böhmischen Gerichte bis hinauf zum höchsten bestätigt worden: die Besetzung sei vurch „das Volk" geschehen, das aber sei gerichtlich nicht zu jAen. Es handle sich um eine Fortsetzung der Aevolution, die tfchrchifchen Schauspreler hätten nur eingegriffen, um schlinmreren DH-d«n SU vcchüten - ein Urteil, das selbst bei anständigen Tsch'-chen Anstoß erregt und ein Schandfleck der tschechischen Rechtspflege bleiben wird.
Der Schein der Rechtlichkeit wird auch bei der frechen Ent- Fdes Prager Stratzenbilds gewahrt. Bei einem Ge° na<5 dem andern erscheint eine Abordnung des „iSnlfest und macht ihn darauf aufinerksam, daß der tschechische Eharakter der Stadt Prag keine deutschen Aufschriften' dulde. Er möge seinen deutschen Vornamen ufw. tschechisch fchreiben, sonst habe er die Folgen zu tragen. Der Inhaber folgt, denn besinnt er sich auch nur einen Tag, so wird in der tschechischen Hehprrsfe das souveräne Volk so deutlich gebeten, sich die Heraussordeimna durch deutschen Uebrrm-it nicht bieten zu lassen, daß — mehr mcht nötig ist. So ist das „Deutsche Haus" stumm geworfen, stumm dte „Böhmische Bank", das „Prager Tageblatt'- und die anderen deutschen Zeitungen. Keine Aufschrift zeugt von ihrem Dasem. Bis in den Mai 1921 gab es nur noch eine, deutsch« Ansch-nft in der Stadt Karls IV.: das „Kinderspital" 3u einem bescheidenen Hause wurden kranke Kinder'von deutschen Reizten Hi ,^'rtcrinnen gepflegt. Dagegen wendete stch in einem tsckecy,scheu Blatt eine so bösartige Anzeige, daß der Stadtrat gegen käe wenigen deutschen Stimmen beschloß, die Tafel zu entfernen. Das ist in aller Ruh« geschehen, denn dte Deutschen zmch-en nicht auf di« Straße und werfen anderer Leute Fensterscheiben ein. In der Welt draußen aber wird jeder rechtbehalten, der behauptet, in Prag, werde keinem Deutschen auch mir ein Haar gekrümmt.
Tatsächlich steht es so, daß die vier Millionen deutscher Zunge in Böhmen unter roher Fremdherrschaft stehen und allen Verfolgungen wehrlos preisgegeben sind. Ihre einzigen Waffen sind ihre Zahl und ihre Tüchtigkeit. Vier Millionen lassen sich von der Erdoberfläche nicht weglügen und wegekeln, zumal nicht in einem Kleinstaat, von dessen dreizehn Millionen nur sechs Millionen Tschechen sind, die andern Slowaken. Ungarn und eben Deutsche. Diese vier Millionen sind das Schicksal des Staats, und sie werden fein Verhängnis werden, wenn di« Gernegroße drüben nicht bald zur Besinnung kommen.
(Schluß folgt.)
Wis die Neuen Len Tod gebildet haben.
Lessing hat in seiner berühmten Abhandlung „Wie dte Alten den Tod gebildet 'haben" die Vorstellung des Gerippes Mis der Welt Rassischer Schönheit vertrieben, und feine dte Antike über alles verehrenden Zeitgenossen haben es ihm gedankt Uns steht heute di« unheimlich phantastische mch doch rührend ergreifende Tpdesdarstellung der neueren Kunst, dte öa» Skelett


