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Es ist auch ein echt deutscher gemütlicher Zug. Latz der Lod in so manchen Geschichten ^"erstelle u^mmmt uno aus die moralische Erziehung Les Menschen ^cht ist. Westaliig ist er nur der Lodesbots, der „Vom höchsten Gott gesandt ist. um die Menfchenblumen zu ernten. Mit dem Tode Hangt ebenfalls die Gestalt des Rattensängers von Hameln zusammen: denn der pfeisende Spielmann ist ein Symbol des Todes, der die Aatiem die unreinen Geister, austreibt und auch die Kruder hinter sich Erzieht. Der Volksphantasie ist die Gestalt Les Todes hauptsächlich durchs die Totentänze eingeprägt morden, die M den genialsten künstlerischen Schöpfungen zählen, van der ^eit der Gotik bis zu Döcklin, Klinger and Thoma. 'Welches Volk den Totentanz geschaffen Hat, lässt sich nicht genau seststellen. Vielleicht ist das älteste Totentanzlied deutscheii Ursprunges, d«in eine engere seelische Beziehung zum Tode lag dem nordischen Menschm näher als dem leichtlebigeren Sudländer. Die Vorstellung des Todes, der alle Alter, Klassen und Stände des Menschen zum Tanz fordert, dürste sich zuerst in Frankreich ausgebildet 'haben, wo der „danse macabre“ am frühesten in den Darstellungen zu Paris, Kermaria, Ghaise-dierl und Diion erscheint. Ws den ältesten deutschen Totentanz bezeichnet man heute den von Klingenthal im Kreuzgang des dortigen Fcauen- fl öfters. Er entstand in der Pestzeit von 1439—40, die Basel während des grvtzen Konzils heimsuchte, und um die gleiche Zeit ist auch der berühmte Basler Totentanz entstanden. Der junge Holbein, der diese beiden Totentänze sicherlich kannte, Hat darm in seinem großartigen Werk die Totentanzdarstellung aut die höchste Höhe der Kunst gehoben. Während dre Gestalt des Todes im Mittelalter stets eine weihevolle und meist auch versöhnliche Stimmung umschwebt, tritt dann im Barock jmes oräUiche Gerippe" hervor, in dem alle Schrecken der Verwesung und der Grausamkeit ausgeprägt sind. Gegen diesen „scheußlichen Popanz" wandte sich Lessing und mit ihm dre Zeit des Klassizismus, und ihnen ist es zu danken, daß die Kunst des 19. Jahrhunderts uns wieder mit einer so viel verklärteren Und versöhnlicheren Todesdarstellung beschenkt hat.
nicht verschmähte, sondern mit einem Seligen
tollen Leben erfüllte, sehr viel naher, und wenn «3® * nsonn tag die Gestalt des Todes uns vor dem geistigM Auge vergegenwärtigen, werden wir nicht an den Jüngling mit der gesenkten Fackel denken, sondern an jenen d^ben u doch so menschlich eindrucksvollen ®ejenen, ber
des Mittelalters den Reigen führte. Sn einmr lnhalts.eichen Aussah der „Dergstadt" behandelt Prost Alms Zei t le alten und neuen Totentanz und macht dabet auch g Mitteilungen über die verschiedenartigen Ex Zod
Todes. Das frühe Mitt^alter hatte als Symb-4 sur °e Leu Todesrachen, die Pforten der Holle-^Sehr snry e den Tod auch als einen Mugetten Dämon dar, meiste^« entsprechend dem Geschlecht des Tvd^ i Tod ein
den romanischen Sprachen Richt ÄnÄinet wie der
SßVAWM gebildet, wo er auf einem „fahlen Pferd retteb -lftsw en yar der Tod auch die Schaufel und die Hacke als Symbol, uno ein &ara wird ihm beigegeben. Ec erscheint meist ^brschlank.twn Getmindfehen umkleidet, zunächst, mir mlt germgen Ske^ttandeu^ stlnaen indem die einzelnen Rippen aus dein dürren Körper herausstechen oder der Leib aufgeschlitzt ist, so daß _ntan
«weche steht Der Kopf aber erhält allmählich jene bekannte Form des kahlen Knochenhauptes mit den leeren Aenhohlen Die sleischlosen Lippe.» bekommen leicht den Ausvrua emes unheimlichen drohenden Grinsens, und so tritt schon M 12. Jahr hundert der „bleckende Tod" auf, der m ,den Dichtungen gerad zu als der Bliaaer" bezeichnet wird, on der ältesten Haftung k-5 Aeineke Fuchs" tritt als Tod ein Dominus Dlrcero aust und noch im 1Z. Jahrhundert wird er als -Dlec^hn" ^zeichnet Den deutsche!! Todesdarstellungen ist m der Gotik banng ein milderer freundlicherer Zug gegeben als in den glsichgeittgen französischen Bildern, die ihn wilder, graistamercharakteristerem Einen Höhepunkt in dieser versöhnenden Aufsassung des ^odss stellt das bekannte Bild des Meisters des Amsterdamer Kabi netts" dar. auf den, der Tod dem vornehmen Jüngling so milde die Hand reicht, ihm tief ins Auge blickt und mit den Worten des Claudiusschen Gedichtes zu sagen scheint: „Din Freund und komme nicht zu strafen."
Die herrischen Leut'.
Bon Adam Müller-Guttrnbrunn.
lDchluh.)
Stefan Meinhardt, der Dorfpfarrer, berief am Vorabend ihrer Erntefahrt alle Herrischen der Gemeinde noch einmal zu sich: den Oberlehrer, den Lehrer, die Mädchenlehrerin, den Gemeinde-- arzt, den Rotär, de» Kaufmann, den Apvcheker Md äle zwei
Kvmnakiasts». Mit ihm selbst war die Zahl zehn voll. Leute amua für ein einziges Joch Getreide. Er sah sich noch drmral an und trug jedem genau auf, mit was er sich'aus- »urüsten habe. Gs zeigte sich aber, dab er noch ein oder zwei weibliche Wesen brauchen könnte für die beständige Reinhaltung des Tretplatzes. Und er beschloß, seine Wirtschafterm noch di« Krau des Lehrers für Rachmittag auf den Pvstgruiid zu bestellen. Mit seinen, guten Reisigbesen und srisc^m Trmktmrsser mögen sie erscheinen Dem Doktor empfahl er, nicht ohne Humor, Verbandzeug mitzunehmen für alle Fälle, denn der Umgang mit Sicheln und Sensen sei nicht ganz ungefährlich; bm f3?^ia»uS aber riet er, sich wenigstens mit Hoffmannschen Tropfen auszu rüsten für etwaige Uebelkeiten. Die Tage wären Heist, Kost und Arbeit ungewohnt, es könnte immerhm etnms passiewn. And auslachen dürfe man sich nicht lassen, der Spatz habe emen fehr ernsten Hintergrund. Vielleicht sei diese Probe «uch onst nöNg. denn wenn es, wie es scheine, zum Krieg mit Serbien komme, dann werde es auch einmal zu wenig Manner im Dorfe geben. Die Ernte müsse aber gerettet werden.
Er bewirtete seine Gäste mit einem Glas Wein und einem Stück Kranzkuchen. Als er sie verabschiedete, lieh er sich den Handschlag daraus geben, Last sie um fünf Uhr mih b-nn Hause beS Richters antreten. Keiner dürfe warten lassen, ferner seine Sichel oder Sense vergessen und seinen Wasserkrug.
Es war ein herrlicher Morgen, an dem die Herrischen in die Feldschlacht aufbrachen. Das ganze Dorf war schon und vier .Uhr an in Bewegung, das Vieh wurde auf die Weide entlassen und die Wagen derer, die wett zu ihren Södern hatten, rasselten schon fort. Aber so viel Zeit liehen sich alle noch, einen heiteren Mick auf die Gesellschaft zu werfen, die sich beim Hause des Dorfrichters angesammelt hatteDer■ JM«®«.
Stieseln, ohne ReverenLe, ganz bürgerlich gekleidet, eine», Stroh Hut aus dem Kops. Die anderen bunt zusammengewürfelt, halb lan^ lich halb städtisch-. Der Doktor mit Handschuhen angetam als ainäe er zu einer feinen Patientin, eine MeLikamenteiitasche m d^r einm eine Si^l in der anderen Hand. Drei Wagen mit Schnittern fuhren aus dem Hos Les Matthes Weber, des Richte^. Jetzt ries er die herrischen Leut' hinein. Er hatte eine Flasche mit Raki (Pflaumenschnaps) in Ler Hand unb seine Frau schnitt jedem ein Stück Weizenbrvt ab von einem Riesenlaib, der ganz frisch duftete. . ..
„Guten Morgen, liebe Erntearbeiter," sagte der Richter erM- bait. Auf euer WvhlI" Und er tat einen Schluck aus der Flasche" Dann begoh er sich sein eigenes Stuck Brot mit Rast und gab die Flasche an Len Pfarrer weiter. Und feder tat ein«, Schluck, jeder befeuchtete sein Brot aus der Nasche und atz es. Indessen wurden die zwei Wagen eingespannt. „Sch habe aber nur 1U einen Kutscher frei meinen kleinen Sohn euch aufs Feld fahren kann. Wer lenkt den zweiten Wagen f
„Ich Herr Richter," sagte der Pfarrer.
Soo? Ra, Hochwürden, ich weiß nicht . . . Aber verbuchen Sie's. Wenn Sie hinter dem ersten Wagen nachfahren, wird es
SJSe6en Sie mir keinen Rat, Herr Richter. Das ist gegen die Abmachung."
Die Frau Weber, die Richterin, reichte den Schnittern läche nd fünf Tornister, jeder enthielt für zwei Personen Lebensmittel. ' Mr Frühstück,1 Mittag und Vesper," sagte sie. „Heut abend gibts dann Pallatschinken, wenn Ihr fleißig wart. Gs ihr sehr schwer, Len Ernst zu bewahren, zu dem ihr Rkann sch zwang" Und sie war froh, Latz sie endlich abfuhren, denn sie konnte dem Pfarrer nicht ins Gesicht sehen, der sich zu so Mer Komödie heraegeben. Und wie ernsthaft er die Wagen untersuchte, ob alles in Ordnung, ob nichts feMe. Als ob er ba^n etwas verstünde! Sie war überzeugt, Latz man sich am Albend den Buckel voll lachen würde über die Blamage der b?.'.ra'he Leut'. Der Richter selbst kratzte sich hinterm Ohr, als> dieG^ sellschaft unter Gelächter ausgefahren war. Ws wolle er sagen. „Was werden die mir aus dem Joch Weizen machen!
Der Pfarrer war mit dem Feld und seiner Lage wohl- vertraut, er tourte sogleich wie und wo. „Die Wasseckru^ i die Furchen stellen, in den Schatten!" befayl er. „Die Rocke und Hcmdkragen ablegeii, den Hals frei machen! Und dann teilte er seine Truppe, fünf Mann sollten an einem, fünf am andern Ende des schmalen langen Feldes nut der Arbeit beginnen. Aber Ähe er sie entlieh, gab er Einzelunterricht. Zuerst denen, die mit der Sichel umzuge'hen hatteii. „Aufgepatzt! Man nimmt eine tüchtige Handvoll Getreide-Halme, so wie ichi* mache, ziemlich tief in die Linke, fährt mit der Sichel dahinter und biegt die Halme mit einem kräftigen Ruck gegen dta Schneide. Gleichzeitig, ja nicht früher, schneidet man zu. vo und so 'und so . . . Was man abschneidet, auch wenn em Finger dabei ist, legt man hinter sich. Fraulein Rosina, probieren Sie's." „ ,
Die Lehrerin probierte. „Ra, es geht. Und es wird stw - von Minute zu Minute bessern, wenn Sie recht Proben. W^nr Ihnen das Kreuz wehtut, strecken Sie sich halt. Es gewöhnt sich
. In zshu Minuten hatte er die Sichellsute oorgenonnnen s uud sie msGen «s nicht «ÜM dumm. Und letzt Hntettotee «


