Ausgabe 
25.3.1922
 
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Elektrizttätszähler.

Der Verbrauch an Elektrizität wird am Elektrizitätsmesser abgelesen, und zwar in Watt, dem Matz der elektrischen Leistung. Die Berechnung des Preises für ein Watt stützt sich auf die Menge Kohle, die zur Erzeugung der Energie nötig ist, auf Verzinsung und Amortisation der Anlage des Werkes, auf die Dezahlung des Personals usw. Unter Verbrauch an Elektrizität ist das Produkt aus der elektrischen Stromstärke, der elektrischen Spannung mrd der Zeit zu verstehen: die Stromstärke wird in Ampsre, die Spannung in Volt, und die Zeit in Sekunden gemessen, und man nennt die sekundliche Leistung 1 Ampere mal 1 Bolt em Bolt- ampsre oder, dem Erfinder der Dampfmaschine- zu Ehren, 1 Watt. Wird die Leistung 1 Watt 3600 Sekunden, also 1 Stunde lang, verbraucht, so ergibt sich als Leistung während dieser Zelt eine Wattstunde: werden 1000 Watt während dieser Zett verbraucht, so hat man 1 Kilowattstunde zu bezahlen.

Kann man voraussetzen, daß die Spannung des Verteilungs­netzes konstant bleibt, etwa 220 Bolt, so braucht der Elektrizitäts­zähler nur die Amperestunden a^ulesen: diese mit der Voltzahl, also etwa mit 220, multipliziert, ergibt dann die Watt­stunden. So ist neuerdings da, wo konstante Netzspannung vorausgesetzt werden kann, ein elektrolhtischer Zähler, der Stia» Zähler, in Gebrauch gekommen. (Stia ist die Abkürzung des Namens Schott u. Gen. in Jena, der Firma, welche diese Zähler herstellt.) Beim Stia-Zähler wird durch den elektrischen Strom aus einer Quecksilberverbindung Quecksilber ausgeschieden, dessen Menge ein Mast für die Stromstärke ist. Dabet lästt man natürlich nicht den ganzen Strom durch «die Lösung gehen, sondern nur einen parallelen Abzweig, der einen bekannten Bruchteil des Hauptsirvms durchlätzt. Die Angaben des Stia-Zählers sind bis auf 2 Prozent genau.

Die Voraussetzung konstanter Spannung ist indes nicht immer erfüllt, und daher hat man Elektrizitätsmesser konstruiert, welche direkt die Wattstunden messen: derartige Instrumente sind die Uhrzähler und die Wotorzähler. Das Prinzip der ersteren stammt von Aron, das der letzteren von Deprez.

Beim Aronschen Zähler wird von der Tatsache Gebrauch gemacht, dast die Schwingungsdauer eines Pendels sich ändert, wenn man außer der Schwerkraft noch eine andere Kraft, hier z. B. eine elektromagnetische, auf es einwirken lästt. Zwei Pendel von gleicher Länge und gleichem Gewicht sind in dem Apparat angebracht, und jedes von beiden regelt den Gang eines Uhrwerks. Das Uhrwerk überträgt dabet seine Bewegung auf die Zeiger derart, daß es nur einen Unterschied im Tempo der Pendel anzeigt: Lieser Unterschied wird dadurch Hervorrufen, datz man das eine Pendel mit einer Drahtrolle versieht, der man eine andere, feststehende Spule unterhalb des Pendels gegen» überstellt und durch beide Spulen den Strom schickt, aber so, datz die Spule des Pendels wie ein Spannungsmesser in die Leitung eingeschaltet ist. Erfolgt dadurch eine elektrodynamische Anziehung zwischen Pendel und feststehender Spule, so ist diese proportional dem Produkt aus Spannung und Stromstärke, und das Pendel schwingt schneller als das reine Schwerkraftpendel: aus der Voreilung (bei entsprechender Schaltung auch aus dem Zurückbleiben) des elektrischen Pendels kann man daher auf den Betrag der verbrauchten Energie schließen, der dann durch mecha­nische ^Übertragung auf ein Zählwerk abgelesen werden kann. Die Genauigkeit der Angaben beträgt 6 Prozent. Der Aron- zähler eignet sich bei entsprechender Anordnung auch als Messer für Wechselstromleistungen.

Sehr verbreitet ist Iber nicht minder genaue Motorzähler. Bei ihm wird der Berbrauchsstrom durch einen dickdrähtigen Elektromagneten (ohne Eisen) gesandt und auherdem durch einen dünndrähtigen (eisenfreien) Anker, der sich zwischen den Polen des Elektromagneten drehen kann. Aus der Welle des Ankers sitzt eine Aluminiumscheibe, die sich zwischen den Polen eines oder mehrerer Stahlmagnete drehen tarnt. Dreht sich der Anker, dann dreht sich die Aluminiumscheibe auch und schneidet die Kraftlinien der Stahlmagnete, was Wirbelströme in ihr hervor- ruft: diese Wirbelströme suchen die Bewegung zu hemmen, wirken also dämpfend und verzehren so die elektrische Energie. Ohne Dämpfung würde die Scheibe in immer stärker werdende Dreh- geschwindigkeit geraten, und diese wäre dann durchaus kein Mast für die zugeführte elektrische Energie. Die gegenelektrv- motorische Kraft des Ankers kann wegen der geringen Dreh- gefchwindigkeit vernachlässigt werden; der Anker selbst liegt so am Leitungsnetz, dast der durch ihn fliehende Strom der Netz-

spammung proportional ist. Das Feld des Erregers ist dagegen der Stromstärke proportional. Die Drehgefchwindigkeit deS Anker« ist daher ein Mast für das Produkt aus Stromstärke und Span­nung. und mittels Zählwerk lasten sich die Amdrehungszahl, also auch die Wattstunden, ablesen. Für Wechsel- und Dreh» ströme kann das Prinzip des Motvrzählers ebenfalls benutzt werden: nur mutz man hier Anker nach Art der Kurzschluhanker verwenden. CH

Frühling im Schnes. )

Im Bergwalde hat der Schnee sich schon einen Meter auf­gehäuft, und immer noch ziehen Schneewolken so tief über den Forst, datz man meinen sollte, sie streiften die Spitzen der Baum­kronen, und immer noch wirbeln die Flocken so dicht herunter, dast die Spuren unserer Schneeschuhe in wenigen Minuten zu- gedeckt sind. Die jüngeren Fichtenbestände sind undurchdringliche Schneehaufen geworden und in den älteren können wir kaum die Wolken sehen. So voll ist 'ber Behang des Zweigwerks.

Wie ein Leichentuch, kalt wie der Tod. legt's sich über die Natur. And doch klingt Leben, fröhliches Leben, überall curs den wallenden Schneepelzen. Das zirpt und klingelt, das klopft und tackt, das raschelt und knistert so munter, als wäre jede Schneeflocke eine Frühlingsblüte. Sechs Meisenarten sind lebendig in den Fichten, eine dürre Kiefer dröhnt unter dem Hammerschnabel eines Schwarzspechts, schnalzend rutschen dralle bunte Kleiber stammauf, ftammab, btt Borke nach Puppen und Larven absuchend, kräischend schlüpft Markvlf, der Waldspihel, durchs Geäst, einen Schnee- regen herabsprühend, und durch den überschneiten Brvmbeer- busch auf dem alten Wmdbruch hüpft und kriecht zerpend der Zaunkönig. And da oben im Schnee der Fichten kröne singt gar einer, singt so vergnügt und lieblich wie andere im Mai. Keiner singt sonst bei uns mitten im Winter ein ganzes Lied und noch dazu bei solchem Wetter. Er aber und Spatz macht'« ihm. Schwärmt der sonderbare Sänger den Flockenwirbel an? Nein, wie den anderen im Frühjahr, so schwellt auch ihm die Liebe daS kleine Herz, die Liebe und die Freude über das Glück Im Nest, das wind- und wettergeschützt in eine Gabel der dichten Fichten­krone eingebaut ist. Baumflechten und Federn, Moos, seine Neiser und Gräser bilden das wetterfeste Nest des Kreuzschna­bels, dessen Aufenthalt und Brütezeit sich nach dem Gedeihen deS Nadelholzsamens richten. Der ist neben Kerbtieren seine Haupt­nahrung, und dessen Oelgehalt verleiht seinem Körper jene Wärme, die ihm die Brut zu allen Jahreszeiten, auch im rauhesten Winter, ermöglicht und damit zur Wahrheit werden läßt, was wir als Wunder bestaunen, als eins der größten und reizvollsten Wunder im wunderreichen Walde.

Ist die Zapfenernte jahrelang schlecht, dann bleibt auch der Kreuzschnabel jahrelang aus, beide Arten, der nach den Kiefern und der häufigere, nach den Fichten benannte. Aber hängen die braunen Zapfen so dicht, Latz die Zweige sich senken, dann ist er da, in ganzen Schwärmen, immer lustig, schnalzend Und kletternd und singend. Gemütvoll, gemütlich ist das Liedchen des kleinen Kerlchens, dessen prachtvolle rote Brust aus dem Schneebehang herausleuchtet. And so hübsch wie sie aussehen, auch die geblichgrün gezeichneten Weibchen können sich zeigen, so niedlich wie sie Singen, so munter tote sie schnalzen, so ge­wandt können sie klettern. Kopfunter hängen sie sich an einen zapfenreichen Zweig, kneifen mit dem derben Hakenschnabel einen Zapfen ab, fliegen mit ihm eine athletische Leistung für einen Dogech so groß wie der Dompfaff auf den alten Platz, und heben mit dem Kreuzschnabel Schuppe für Schuppe hoch oder beißen sie auch ab, während gleichzeitig die lange, fiebrige, mit einem feinen Widerhaken versehene Zunge unter die Schuppen greift und die Samenkörner herausholt. Die geleerten Zapfen läßt der Vogel zu Boden fallen. Wie gesät liegen sie manchen­orts. Wenn das Weibchen brütet, heißt es für das Männchen: Nahrung heranschaffen, und auch die Nestjungen schlucken ge­hörige Mengen, und da gibt*« Abfälle unter den Samen­bäumen.--

Wir fahren auf unseren Schneeschuhen zu Tal. Der Flocken­tanz hat aufgehört, der Wind hat umgeschlagen. Es wird Frost geben diese Nacht. Er mag die Ninde der Bäume zum Bersten bringen, er mag auch den Bachlauf anhalten, in den Drähten über der Landstraße mag es heulen und wimmern, im Lärchen- kvbel der Eichkater, er mag neben dem Schlupfloch auch das Luftloch verstopfen gegen den Cis hauch der Nacht, da oben in der Krone der Dergfichte ist Frühling, Frühling im Schnee.

) Aus Wilhelm HochgreveDer Mvvrteufel und andere Jagd» u. Naturschilderungen" (Bd. 11 der Bücherei von Berg und Wald; Verlag von Aich. Eckstein Nachf., Leipzig). Diese Sammlung kleiner lebendiger Skizzen ist besonders als eine Gabe für die Zugend sehr empfehlenswert.

Schrittleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Vrühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei. A. Lange, Gießen.