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Würde noch viel größer geworden sehn, wenn nicht den 26.
die 'Bloquobe Ware aufgehoben worden, indem der duc Brogsto ffrarizösische Befehlshaber) sich näherte und am 27. wirklich in Diehen ankam. Daraus marschierte die allierte Armee in di« Winterquartiere (nach Kassel). Mer französische grenadiere, Dragoner, volontier- und einige Regimenter wollten sie verfolgen, konnten aber nichts ausrichten und alle kamen den 13. Januar 1760 wieder zurück."
1760. Dieses Jahr verlief ohne besondere kriegerische Ereignisse in unserer Gegend. Der Stadt brachte es bei dem häufigen Wechsel der Garnison wieder viel Unruhe. Die alten „Piqueter" rückten aus und wurden abgelöst und ersetzt durch frische, .,die ohne Dillets der alten ihr Logie und quartier einnahmen". 3m Juni rückten verschiedene Abteilungen aus Giehen nach Staufenberg auS, um die französische Armee zu unterstützen bei ihrem Vormarsch gegen die Alliierten über Hungen und Grünberg.
1761. Am 15. Februar abends hatte die Stadt grobe Wassersnot. Vielleicht infolge der Schnceschmelze hatte sich in der Rähe des „Aeuweger" Tors das Wasser „ausgedämmt" und war durch die Gräben In die Stadt eingedrungen, wo es großen Schaden anrichtete. Schnell hatten sich die Keller gefüllt, und in den untersten Stuben vieler Häuser stand es einen Fuß hoch. Sogar der im entgegengesetzten Stadtteil, weit vom Aeuweger Tor entfernt wohnende Chronist in der Walltorstrabe berichtet: „In unherer untersten stube stunde es 1 Schuh hoch, der Keller war auch voll."
(Schluh folgt.)
Aus Pestalozzis Liebes- und Werbezett.
(Schluß.)
Anna Schultheh an Pestalozzi.
. . . Den großen Brief, mit dem ich äußerst zufrieden bin. möchte ich Ihnen von Stück zu Stück beantworten . . . Urteilen Die dann unparteiisch, Freund... ob — nach 3hrem eigenen Ausdrucke — es unser Glück sei, unfern Empfindungen ungestörten Lauf zu lassen oder sie zu hemmen.
Sie sangen bei der Beschreibung Ihrer Fehler an — wie bescheidenI Sie sind beträchtlich, diese Fehler. — „Un behutsam- fett", v Gott! wie machte mich dieses staunen . . . Ich legte den Brief beiseits und machte mir tausend Vorstellungen über die mich angehende Sache! Wenn der Grund Ihrer Leidenschaft weniger edel wäre, so würde ich vieles besorgen; ich tuores.aber nicht, und verfahre in dem traitement redlich . . .
Wer was soll ich zu diesem sagen: „Ich schweife in Zuneigung und Widerwillen sehr oft aus" — Teuerster, wie? wie? Das ist auch einer meiner Hauptfehler. Können auch zwei Blinde einander führen? Sie sollten mich bisweilen sehen, wenn man mir zu nahe tritt: Sie verkennten nächst) In Wahrheit, so groß meine Neigung zu denen ist, die mich lieben, ebenso unhold und mürrisch bin ich denen, die meine Achtung verloren — bisweilen durch eine Kleinigkeit. Ueberhaupt liebe ich alle meine Mitgeschöpfe von Herzen und möchte gern jedermann so gefällig fein, als mir Möglich; aber betrüge ich mich in meiner guten Meinung, so glaube ich, daß ich bisweilen niedrig genug'wäre, mich rächen zu können. . . Wie schwer wird es hergehen, uns von diesem Fehler frei zu machen, wenn er uns beiden gemeinsam ist! Ich will ihn nicht kleiner machen meinerseits und nicht verteidigen. - Es scheint mir allemal, daß man einen Fehler schön machen wolle und lieb habe, wenn man ihn entschuldigt oder gar zur Tugend macht.
Was Sie für einen herzhaften Entschluß in bezug auf die Erziehung haben! Mein Freund, mit wie vielerHerzhaftigkeii Sie mich derfichern, kein Pünktchen von Ihren Grundsätzen abzugehen, Grundsätzen, die auch Menalk eigen waren und die mir nicht un= bekannt. Aber ich fürchte mich sehr vor der Ausübung, weil ich sie nur zum Teil verstehe. Ich habe mir fo viel davon beibringen lassen, daß ich diese Art für die beste halte und freute mich sehr, sie ausüben zu sehen . . . Wir sind sehr einig, Freund, daß die Stadt Nicht der Ort ist, wo man diesen Endzweck ausüben kann. „Meine Söhne sollen daS Feld bauen!" Welch erhabener Entschluß! Sie hätten mit Recht zugleich sagen können: Die Gattin, die ich »mir suche, soll es auch tun! Wollen Sie ihr Lehrer fein? —
Was Sie mir in bezug auf Ihren Patriotismus sagten, haben Sie ganz richtig geschlossen; Sie wissen, daß ich wahren Eifer für den Staat mir immer an den Jünglingen lobte, die aus wahrer Sorge für dessen Wohl sich unterstehen, das zu tun, wozu feige Memmen stille sind. An jenem Meistertage zum Beweise gefiel mir Ihr Eifer mehr, als ich Ihnen zeigen wollte. Kämen große Fälle, zu große für meine Einsichten, fo schwiege ich dann ganz. Es wäre dann (meine) Sache etwas dazu beizutragen, meinen hatten zu ermuntern, fo viel mir möglich wäre ... -
3n Betracht dessen, was Sie mir von Ihrem Aeußerlichen sagen, mein teurer Freund, will ich auch reden, wie mir mein innerstes vorsagt. Ich bin schwach genug, auf diese Kleinigkeiten M sehen, die Ihnen mangeln; ich weih selbst den Grund nicht; aber mir däucht, sie gehören zur Annehmlichkeit des Mannes sowohl-), als wir sie haben ... Sie verstehen mich zu wohl, als
a) Sie würden mich nicht wieder erkennen.
•) ebensogut.
baß Sie denken können, ich wünschte mir eine steife deutsche Dogge zum Liebhaber — nein. Lieber, bleiben Sie so, wie Sie sind! Aur bas: Ihre Schüchternheit kann ebensowenig natürlich sein, als dieses Ihr gezwungenes Wesen. Ich dächte fast. Sie wären wenigstens einmal in Ihrem Leben froh gewesen, nicht schüchtern gewesen zu fein. — Ueberhaupt, ich fche nicht, warum ein verständiger Mann es fein folle, warum er nicht frei in alles reden solle, weil er von allem etwas versteht. Ein albernes Tröpfchen und ein einfältiges Jungserchen, die mögen wohl schweigen . . .
Ihre Entwürfe dürften doch bisweilen übertrieben sein. Lassen Sie kxÄ fein, schätzbarer Jüngling! Ich rede als ein gutes, altes Mütterchen in Ihr Zeitalter herunter. Sie werden noch durch Erfahrungen müssen berichtigt werden; aber wenn Sie in die wichtigsten Stände schon früh eintreten mit den herrlichsten Plänen und sie würden dann fehl schlagen, wie würde Ihnen zumute sein? Es würde Ihnen gehen, wie mir es oft gegangen: „Ist dies die Welt, auf der ich mir nur Rosen unter meinen Füßen versprach?" Verstehen Sie mich wohl, Freund, ich will damit nichts), daß es unmöglich fei, ganz über Vorurteile weg zu fein, ganz tugendhaft zu fein.
Aber z. B. wenn Sie sagten: „Eine große ländliche Einfalt wird in meinem Hause herrschen", so sage ich: „Mein Geräte muß niedlich fein, Geschmack haben, aber nur im notwendigsten bestehen, ohne großen Aufwand darauf zu machen, den ich längst im Herzen verabscheue." — Wie stihn, wie dreist, Mädchen! Du kannst Verweise geben, und noch so trocken heraus! Ein Fehler, . Freund, der nicht so leicht zu verbessern ist! Ich fordere Sie nochmals auf, das gleiche zu tun. >
Mir bleibt noch ein wichtiger, ach, der wichtigste Punkt zu beantworten übrig — o mein Gott! . . . Ich sage Ihnen, dieser Todesgedanke beunruhigte mich heftig . . . Ich beschwöre Sie, mir zu sagen, ob Sie einige Merkmale davon haben. Sie sagten mir zwar einmal „nein“; aber ich bin doch noch unruhig. Freilich ein Leiden, das gerade von dem alles Regierenden, der unser Bestes kennet, hergeschickt wird, ist erträglicher, als die durch eigne Torheit uns zustoßen. Aber, o Gott, du kennest deine Geschöpfe! Wenn es nicht unumgänglich zu meinem Besten notwendig ist, Jo verhüte diese Szene! . . . O wie erstaunend fürchterlich sind diese Vorstellungen, Freund! Was war ich beim Tode Menalks? Was waren Sie? Laßt uns dies, wir mögen nun Freunde oder Liebende werden, nicht allzuoft sagen . . .'
Sie versichern mich eben im langen schätzbaren Briefe, daß Ihr Verstand Ihrer Leidenschaft Beifall gebe; aber dies sagten Sie mir ziemlich bald. Teurer, wenn ich nur jetzt es hoffen darf! Kommen Ihnen die älngleichheiien zu groß vor, so will ich, daß Sie es mir entdecken, und sollten Sie, wie ich schon einmal sagte, das Gegenteil von dem sagen, so Sie mir gesagt, ich bin immer in der Verfassung, es auszuhalten. >
Roch eine andere Anmerkung, mein Freund! . . . Gott und meinen Geliebten^) verdanke ich diesen Aufenthalt^) . . , Wenn auch wirklich unsre ganze Verbindung mir von einer gütigen Vorsehung bestimmt vvrkommt, so stehe ich bei diesem an6). Drei Jahre gehet es noch, mein bester Freund, bis Sie Ihre'Einrichtungen gemacht haben; ich will Sie durchaus in diesem nicht hindern . . ,
Mer unsere heitern Tage würden verdunkelt, wenn ich mich mit dem Andenken') quälen mußte, nicht mit Willen6) ans meines Vaters Hause gekommen zu fein. Meine Lieben sorgen freilich auf eine Weise für mich für die ich ihnen in Ewigkeit nicht genug danken kann; aber wie verschieden sind ihre Beweggründe von den meinigen! Ich werde gehorsam sein, Freund, wenn ich auch die unglücklichste Kreatur würde. Aber ich wollte allein unglücklich sein, ehe es der tugendhafte Jüngling mit mir 4vürde. Aber wenn fo Himmel und Erde Ihren Wünschen zuwider wären, wollten Sie dann unser Haus völlig vergessen? Ihren Freund vergessen? Mich vergessen? Dies wäre doch ernsthaft! Dennoch bliebe ich immer Ihre wahre Freundin.
3) nicht sagen. <) Eltern. ») Auf dem Lande in Wollis- Hofen. 6) Werde ich bei diesem Punkte bedenklich. Sff. ’) Gedanken. Sff. 8) nicht mit Zustimmung der Eltern.
Der Einzige.
Von Richard Botz.
(Schluß.)
Wir kamen von der Küste nicht fort; immer wieder trieb der Sturm uns zurück. Wir wußten nicht wohin. Ich kannte nicht mehr ilfer noch Meer und war doch der Kapitän der „Assunta"
Dann kam die Rächt, in der das Schiff auf ein Korallenriff auflief.
Es barst und sank!
Sv schnell sank es, daß wir nicht mehr Zeit hatten, die Rettungsboote loszumachen und herabzulassen. Und das Schiff sank.
Wie sie schrien! Assunta, Assunta, Assunta — wie sie schrien! Richt nach der Madonna schrien sie, sondern nach ihren Frauen; nicht die Ramen der Heiligen riefen sie, sondern die Ramen der Kinder.


