Ausgabe 
25.2.1922
 
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Schrvtleidmg: August Doch.

Druck und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch- und Ttelndruckeret, R. Lange, Gießen.

Tief verächtlich machen wir unS dem Ausland«, wenn wir vor den Ohren desselben uns, einer den andern, deutsche Stämme, Stände, Personen, über unser gemeinschaftliches Schicksal anklagen und einander gegenseitige bittere und leidenschaftliche Vorwürfe machen. Diese gegenseitigen Vorwürfe sind, so wie sie ungerecht sind und unnütz, zugleich äußerst unklug und müssen unS tief herabsehen in den Augen des Auslandes, dem wir zum Ueberflusse die Kunde derselben auf alle Weise erleichtern und aufdringen. ______________________________________Fichte.

Wie die Heilkraft der Röntgenstrahle» entdeckt wurde.

Wie der Verwertung so mancher großen Entdeckung haben auch der Anwendung der Röntgenstrahlen auf medizinischem Ge­biet lange Zeit große Schwierigkeiten entgegengestanden. Inter­essante Einzelheiten über diese Entdeckung der Heilkraft der Röntgenstrahlen, die heute eine so große Rolle spielen, erzählt Hvfrat Eder nach einem Bericht derAmschau":Eines Tages im Rovember 1896 erschien in der Direktionskanzlei der von mir geleiteten staatlichen Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien ein junger Mann, der sich als Dr. med. Leopold Freund verstellte. Er hatte ein sonderbares Anliegen. Einer Zeitungs­notiz hatte er entnommen, daß einem amerikanischen Ingenieur, der sich viel mit Röntgenphotographie beschäftigt hatte, dabei die Haare ausgefallen sein sollten. Run wollte er diese Mitteilung experimentell prüfen, und im Falle seine Versuche eine biologische Wirksamkeit der Röntgenstrahlen ergeben sollten, letztere zur Behandlung von Krankheiten verwenden." Freund war schon bei verschiedenen Kliniken und medizinischen Instituten abgewiesen worden. Eder stellte ihm einen Röntgenapparat und Arbeitsraum zur Verfügung, und er begann nun seine Bestrahlungen an einem kleinen Mädchen, das durch ein ungeheures tierfellähnliches be­haartes Muttermal an Hals und Rücken so entstellt war, daß die Eltern die Entfernung dieser Haare dringend wünschten. Zehn Tage bestrahlte er seine kleine Patientin täglich zwei Stunden lang. Dann stürzte er eines Tages plötzlich in großer Aufregung in Eders Zimmer und rief ihm vom weitem zu:Herr Direktor, sie fallen aus'" Dies war der erste gelungene experimentelle Rach- weis einer biologischen Wirkung der Röntgenstrahlen und damit auch zugleich die erste erfolgreiche Anwendung der Röntgen­strahlen zu Heilzwecken. Freund berichtete dann über seine Ver­suche in verschiedenen gelehrten Gesellschaften, fand aber fast nur Gegner. blieb in den nächsten drei Jahren bei theoretischen Erörterungen, ohne daß eine öffentliche Heilanstalt Apparats oder Mittel zur Fortsetzung der Studien zur Verfügung stellte. Erst acht Jahre später wurde Freund in der Reumannschen Uni» verfitätsllinik ein kleiner Bretterverschlag und ein winziger Rönt­genapparat überlassen, mit dem er seine Arbeiten fortsetzte. Er ermittelte nun die merkwürdige Tatsache, daß die biologische Wirkung der Röntgenstrahlen nicht unmittelbar nach der An­wendung, sondern erst nach einer gewissen Latenzzeit in die Erscheinung tritt, und empfahl zunächst die Röntgenstrahlen bei hartnäckigen Haarkrankheiten, Kopfgrinden und Flechten.

Haltestelle der Westerwaldquerbahn Herborn Westerburg und ebenso von Bürbach (Westfalen) oder AeunkirHrn (Bez. Arns­berg), beides an der Strecke GießenBetzdorf gelegen. Mehr Zeit beansprucht eine Fußreise von Dillenburg oder Herborn bzw. Hachenburg aus.

Wems nicht gruselt der nehme des Abends im Sommer den Rückweg vom Stegskopf im Wondenschein. An Begleitmusik von Eulen und Waldvögeln, namentlich imGroßen Hau" (einem Eschenhochwald mit Alpiner Flora, der auch dem Botaniker manche Seltenheit beschert) wird eS nicht fehlen.

Wie sehen die Dögel?

Die Studien über das Farbensehen der Tiere, die der Mün­chener Professor v. Heß seit längerer Zeit betreibt, haben zu der Feststellung geführt, daß Schildkröten von der Welt der Farben ungefähr so viel sehen, wie wir durch eine gelbrote Drille, Tagvögel so viel wie wir durch helles gelbliches Glas. Diese Abweichungen des Farbenreiches bei gewissen Tieren rühren zweifellos von den farbigen Oelkugeln in den Zapfen der Retz­haut bei Vögeln und Reptilien her. Wie V. Franz in der Ratur­wissenschaftlichen Wochenschrift berichtet, sind nunmehr von HanS Henning genauere Versuche über die Sehfähigkeit der Vögel an­gestellt worden. Henning weist darauf hin, daß die langwelligen Strahlen besser als andere durch neblige und dünstige Atmosphäre dringen. Eine Landschaft im Rebel, in der wir nur 300 Meter weit sehen können, wird für uns auf 2000 Meter weiter erkenn­bar, wenn wir rvtes oder rotgelbes Licht vor das Auge halten. Auch ist morgens und abends im rötlichen Licht die beste Fernsicht. Die farbigen Oelkugeln in der Retzhaut ermöglichen es nun den Zugvögeln, daß sie sich in der Luft orientieren und überhaupt erst in dunstiger Atmosphäre zurechtfinden. Vermöge dieser rot- gelben Filter, die sie im Auge haben, können die Zugvögel von Italien selbst bei dunstigem Wetter die afrikanische Küste sehen vollführt die Brieftaube ihre weiten Flüge und sieht die Bussard aus höchster Höhe die Maus am Boden laufen. Durch verschiedene Versuche^ stellte Hennig fest, daß Vögel der verschiedensten Art stets dann unruhig und aufgeregt werden, wenn ihre Feinde

oder ihre Beutetiere, oder ihre Jungen ihnen in irgend einer farbigen Beleuchtung gezeigt werden, nur dann nicht, wenn diese Gegenstände blau oder violett beleuchtet sind. Für die Versuchs- vöael find nämlich die Gegenstände dann unbeleuchtet, da sie Mau und Violett nicht sehen. Gin künstlicher Rebel, z. B. ver­dünnte Milch oder Staub, der vor die Gegenstände geschoben wurde, bewirkte, daß di« Vögel auch dann noch auf die Schreck- und Lvcktiere reagieren, wenn selbst der Rebel so dicht war, daß er für den Menschen als undurchsichtig gelten mußte.

Diberschutz an der Elbe.

Der Biber gehört heute zu den seltensten Tieren Mittel­europas, während er noch im Mittelalter in den meisten Ge­wässern anzutreffen war. Es gibt in Europa nur noch eine kleine Kolonie von etwa 80 Stück im Rhönedelta, eine größere von etwa 200 Stück in Norwegen, einzelne Siedlungen in Rußland und eine recht starke Kolonie an der mittleren Elbe. Heber die Schutzmaßnahmen, die dem Biber an der Elbe zuteil werden, und über die Entwicklung der Kolonie berichtete der Magde­burger Museumsdirektor Prof. Mertens auf der Jahres- konferenz für Raturdenkmalpflege. Die Kolonie erstreckt sich un­gefähr von der Mündung der Schwarzen Elster bis nach Magde­burg und reicht sogar bis in die Stadt hinein. Das Gelände, ein Test des alten Arstromtales, ist mit seinen zahlreichen Seen für die Tier« vorzüglich geeignet. Während der Biber früher vogelfrei war, wird er seit Anfang unseres Jahrhunderts geschont. Infolge davon hat sich die Kolonie stark vermehrt und zählt heute etwa 200 Tiere, so daß die Gefahr eines Aussterbens vorläufig nicht vorhanden ist. Doch bestehen immer noch genug Möglich- keiien für den Untergang der Tiere: sie fangen sich häufig in ©en Reusen und Retzen der Fischer, werden auch immer noch von Menschen erschlagen und erschossen: am meisten leiden sie durch Raturereignisse, Hochwasser und Treibeis. Der Tiber ist ein Rachttier, so daß man ihn selten am Tage sieht. Aach Einbruch der Dunkelheit tummelt er sich im Wasser vor seinem Dau oder geht ans Land, um Rahrung zu suchen, die hauptsächlich aus Baumrinde besteht: dabei bevorzugt er Weiden und Pappeln.

Kalk in der Schädlingsbekämpfung.

®cr Kalk spielt in der Schädlingsbekämpfung eine beträcht­liche Rolle. Seine Eignung dafür ist auch eine vorzügliche, wie aus den Untersuchungen von Prof. Dr. I. W i l h e l m i von der preußischen Landesanstalt für Wasserhygiene in Derlin-Dahlem hervrrgeht. Wilhelm! betont vor allem seine Gerilchlvsigkeit, insbesondere auch feine gerüchebindende Wirkung, ferner die Ver­trautheit weiter Kreise mit den Eigenschaften des Kalkes, ins­besondere in der Landwirtschaft, in der er als wertvolles Dünge­mittel geschätzt ist. Richt minder fällt bei der gegenwärtigen all­gemeinen Teuerung feine Wohlfeilheit ins Gewicht. Richt zuletzt ist seine geringe Giftigkeit bzw. Gefährlichkeit zu nennen. Als Rachteile bestehen bei Anwendung von Aehkalkpulver indes die Möglichkeit der Veranlassung von Augenentzündungen und bei gebranntem und gelöschtem Kalk der Zwang zu einer gewissen Vorsicht, die bei der Aufbewahrung zu üben ist. Die schwächste Seite ist zweifellos die schwere Dosierbarkeit des Kalkes bei seiner Verwendung als Zusatzmittel bzw. als neutralisierendes Mittel bei anderen Stoffen der Schädlingsbekämpfung. Vorzüge und Rachteile des Kalkes geben die Richtlinien für die weitere Aufgabefiellung in der wissenschaftlichen Erprobung des Kalkes in der Schädlingsbekämpfung. Sicherlich wird sich das An­wendungsbereich des Kalles in der Schädlingsbekämpfung noch mitzbringend erweitern lassen und zwar sowohl hinsichtlich. der Bekämpfung wirtschaftlicher wie gesundheitlicher Schädlinge. Darin liegt gerade der Kernpunkt, der den Wert des Kalkes und vieler Kalkpräparate bestimmt, daß Kalk nicht nur gegen Sie in Abfallstoffen und Fäkalien zur Entwicklung kommende Krankheiten erregende oder übertragende Fauna, tierische und pflanzliche Schädlinge unserer Rutzpflanzen, sondern auch gegen bazilläre Krankheitserreger, wie Typhus- und Cholerabazillen am wirksamsten ist. Diese Dvppeleigenschaft kommt bei gleich ge­ringer Gefährlichkeit kaum einem anderen Stoffe zu