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Les Farbensinnes feine Ehrenrettung erfahren, und besonder- sind e8 die lichten Farben töne des oberba he rischen Dirndl, die uns erfreuen. Spielt doch die Farbenwähl im Valkskleid eins so grobe Rolle. Helleuchtendes Grün und Rot ziert die lachend« Jugend, Grün-Mau die verheiratete Frau, und bet den Alternden verklangen die Stimmen des Lebens in Braun und Violett, bis sich schließlich die Greisin in ein fchaxrrzes Gewand hüllt. Auch die alten Bauerngewebe werden von der Industrie wieder ausgenommen, und neben dem längst eingebürgerten Lodens! off erscheint wieder die „Deiderwand", die im Gegensatz zur Leinwand ans „Beidem" aus Wolle und Leinen, hergestellt wird. Anschluß an die Volkstracht zeigt auch die Erscheinung, dass zum Dirndlkleid meist kein Hut getragen wird, denn diese Tracht, ursprünglich die des unverheirateten Mädchens, verzichtet auf den Hut, da sich nach altgermanischem Mauch dte Jungfrau im Gegensatz gur Frau im Schmuck ihrer Locken und Flechten, nur mit einem Kranz, Haarbändern oder einem Krönchen, dem sog. „Schapel" zeigte.
Nahs dem Gipfel des Erde.
(Ein Bericht der Mount-Everest-Expedit io n.)
Der erste ausführliche Bericht über die Leistungen der Mount- Everest-Expedition, deren letzte Meldungen bereits ein noch weiteres Bordringen zu dem hohen Ziele mitteilen, und die gewiß den Gipfel der Welt jetzt schon erreicht hat, wird von einem der Mitglieder M a l l o r h gegeben, der mit drei anderen und einer Anzahl Träger ohne jede künstliche Sauerstofszusührung am 21. Mai die bis dahin noch nie erreichte Höhe von 26 8 00 Fuß bezwang. Für diesen Anstieg waren drei Lager eingerichtet; das erste in einer Höhe Von 17 000 Fuß, wo das östliche und das Haupt-Rongbuk-Tal sich vereinigen, das zweite, 19 800 Fuss hoch, an der linken Seite des Ost-Rongbuk-Gletfchers und das dritte in der Aähe des Fußes des Avrd-Gal, des hohen Sattels, der den Everest mit der niedrigeren Spitze des nördlich davon gelegenen Ehangtfe verbindet, in Höhe von 21 000 Fuß. „Der Ausstieg zwischen diesen Lagern," schreibt Mallvrh „ist außerordentlich schwierig und anstrengend. Der ganze Charakter der Everest- Gletscher ist se'hr ungewöhnlich: sie bestehen aus dem härtesten schwarzen Eis und haben an der Oberfläche Sprünge, die sehr schwer öU bemerken sind. Sobald von den Trägern genügend Nahrung nach dem dritten Lager gebracht worden war, machten wir einen Vorstoß nach dem Aord-Eol. Die Wetterderhältnifss waren recht ungünstig; vor allem war es sehr kalt, und an dem ersten Lager war die Temperatur auf Aull, an den oberen Lagern aus minus 9,41 Grad Kälte Fahrenheit. Die Leistung der Träger war über jedes Lob erhaben; was sie tn dieser großen Höhe und bei der Schwierigkeit des Weges vollbrachten, ist ohnegleichen in der Geschichte des Bergsteigens. Dies geht schon aus der Tatsache hervor, daß ein Lager in 25 000 Huß Fähe errichtet wurde, während das höchste bisher von dem Herzog der Abruzzen Erreichte 4600 Fuß hoch lag. Die Transport- schwierig'keiten waren überwunden. Die beiden Feinde, die blieben, waren Kürze der Zeit und das schlechte Wetter, Da die Sauerstoffapparate noch nicht heran waren, mußten wir den Ausstieg ohne Sauerstoff unternehmen. Llber da die Träger ohne Sauerstoff ein Lager in 23 000 Fuß Höhe errichteten, beweist dies, daß das Vordringen in solche Höhen bei natürlicher Atmung möglich ist. Wir fliegen zunächst die große weiße Mauer unter dem Äord-Edl empor. An den schwierigsten Stellen befestigten wir zwei Seile, jedes von 200 Fuß Länge, so daß die Träger sicher herauf und herunter kommen konnten. AlS wir den untersten Teil des Sattels überschritten hatten, fliehen wir auf eine breite Spalte, die ohne Leiter nicht zu überqueren war. Wir mußten uns daher einen andern Weg suchen und kamen in tiefen Schnee auf den Kamm des Sattels und von dort mit einem Kuli nach dem Aord-Eol. Welches waren die weiteren Aussichten? Vielleicht wären wir nach einem Aufenthalt von 8—10 Tagen im dritten Lager besser akklimatisiert gewesen, aber ging es nicht auch so? Was für Wetter hatten wir zu erwarten? Wir fühlten den scharfen Hauch eines Westwindes der uns bittere Kälte brachte." Sie kehrten daher vorläufig zum dritten Lager zurück.
2--M 18. Mai entschlossen sie sich aber doch zum weiteren Vordringen; das Wetter schien vielversprechend, und wegen der grimmigen Kälte rüsteten sie sich mit warmen Sachen aus. Am 20. waren alle Träger unwohl; doch waren nur vier von der Bergkrankheit völlig niedergebrochen, fünf andere waren bereit weiterzugehen. Aun kam man rasch wieder zu dem Aord-Eol.' Doch war das Wetter keineswegs gut, sondern es herrschte eine furchtbare Kälte, und es war eine sehr schwere Arbeit, in einer solchen Höhe in das steinharte Ms mit den Aexten Schritt für Schritt zu schlagen. Wir waren glücklich, in Höhe von 25 000 SuB unter Felsen eine Zuflucht zu finden. Es war nicht möglich hoher oben das Lager aufzufchlagen, da wär fürchten mußten, unsere --rctger sonst mit erfrorenen Gliedern zurüä^ub ringen. Auf einem fleilen Hana schlugen wir die Zelte auf, an einem Punkt der Erde, der hoher war, als je vorher erreicht wurde. Avrtons Ohren und <‘nnger hatten Frostbeulen; sehr viel ernster
Schriftkeitung: 3. B.: Karl Walther. - Druck und Verlag der
war MvrsheadS Zustand. Len wir am nächsten Sage zurücklassrn mutzten. Ein weiteres .Unglück war der Verlust eine« RacksackS der über den Gletscher herunterfiel. Um 8 Uhr morgen- M 21. Mai brachen wir auf; frischer Schnee bedeckte die Felsenriff« und verbarg die lockeren Steine, so daß wir sehr vorsichtig sein mußten. Unsere Kraft be» Borwärtsdrrngens hing von d« Fähigkeit unserer Lungen ab; sie bestimmten unsere Schnelligkeit und machten jeden Schritt beschwerlich Aber wir fanden, daß eS bei möglichst tiefem Atmen doch vorwärts ging. Eine 'Zeitz, lang hofften wir, ixte Aordostschulter des Everest zu erreich«,, aber da wir an den Rückweg denken mutzten, kehrten wir unt 2 Uhr mittags um. Wir waren nur noch 600 Futz unter de? Aordostschulter, hatten einen klaren Blick nach dem Gipfel wch registrierten eine Höhe von 26 800 Futz. Der Abstieg ging leicht«, obwohl der Gefahren bergende Schn« uns zur Vorsicht zwang: wir nahmen Mvrfhead wieder mit und mutzten nun bei ein* brechender Dunkelheit im frischen Schnee, angeseilt, neue Stuf«, schlagen. Morshead war am Ende seiner Kräfte und konnte nur wenige Stufen nehmen, ohne sich auszuruhen. Düstere gram Wolken von Blitzen durchzuckt, boten einen unheimlich grandiosen Anblick. Wir stellten Gletscherspalten in ungewissem Stev» nenlicht fest und zündeten eine Laterne an, um unfern Weg auf dem Grat eines schmalen Riffes zu finden. Hier mußt«? tvir 15 Fuß in den Schnee herunterspringen, aber e# glückt«, Das Seil war unter dem Schnee begraben, unsere Kerze ausgebrannt. Wir fürchteten, dem Weg verloren zu haben, abet einer fand das Seil unter dem Schnee wieder, und nach zehn Minuten war wir in unserem Lager. Die Tatsache, daß drej von uns eine Höhe von 27 000 Fuß ohne großes körverliches Unbehagen ausgehalten hatten, berechtigt zu weiteren Hoffnungen, aber noch mehr die sehr erfolgreichen Versuche mit den Sauerstoffapparaten."
Auf Patrouille gegen die Eisberge.
Der zehnjährige Jahrestag des Unterganges der „Sttanic* Hat uns wieder daran erinnert, welche furchtbare Gefahr bi» Eisberge für die Schiffe bedeuten. Aber wie so oft große Katastrophen doch auch gute Folgen haben, so ist der Kampf gegen die Eisberge eigentlich erst auf Grund dieses Unglück« richtig organisiert worden. Es tourbe daraufhin die „Internationale Eisbergkvntrolle" ins Leben gerufen, bte ihren Mittelpunkt in Washington bat und deren Patrouillen gerade jetzt im Monat Juni und Juli, tn der eigentlichen Zeit bet Eisberggefahr, ihren Kundschafterdienst verrichten. Der Mai unb Huni sind die beiden Monate, tn denen hauptsächlich die groß«, Eisgebirge aus den Polargegenden herunterkommen und den Schissen auf dem Atlantischen Ozean gefährlich werden. Solche Eisberge, die bis 100 Hahre alt sein mögen, bevor sie die Schifs- führtstratzen kreuzen sind Ausläufer der riefigen Polargletscher, Während die Gletscher tn den Alpen oder in Norwegen die West vom Meere entfernt liegen, keine solchen gefährlichen Vorposten abschicken können, liegen die Gletscher von Grönland, Spitzbergen, Aowaja Semelja und anderen arktischen Gebieten direkt übet dem ülkeeresspiegel und reichen bis an die Meeresküste, so daß gewaltige Massen leicht loSgerissen werden können. Diese schwimmenden Msinfeln gleiten dann mit der Strömung vorwärts und gelangen in wärmere Gebiete. Diele Eisberge sind Verhältnis- mäßig klein, aber manche von ihnen haben auch eine Höhe von 300 Futz. Der Teil der sichtbar ist, bildet nur ein Achtel der ganzen Maffe, das übrige liegt unter Wasser. Die Eisberge gefährden ein Gebiet, das vom 45. bis zum 55. Längengrad reicht und mindestens 3000 qkm groß ist. Diese Gefahrzone ist meist tn Aebel gehüllt, und eS ist nun die schwierige Aufgabe der Pa- trvuillenschiffe, vorsichtig durch diesen Aebel zu steuern, um die Eisberge und Eisfelder aufzusuchen. Diese Kundschafter sind beständig in Gefahr, mit solch einem Ungetüm zusammenzustoßen, bevor sie es gesichtet haben. Die Beobachtungen über die Lag« und die Zahl der Eisberge werden in Karten eingetragen, und dann dem Küstenschutzdienfl in Washington mitgeteilt, der bte Informationen an sämtliche Schiffahrtsämter in allen Teilen der Welt weitergibt. Im Spätfrühling und im Frühsvmmer verloren die Eisberge an Festigkeit und große Sismassen stür-M J??*! ihnen herab. Die Patrouillenschiffe führen den Kampf gegen diese Riesen des Polarkreises, indem sie Kanonen auf sie ab« feuern, um sie dadurch auseinanderzuspalten. Meistens freilich prallen die Kugeln von den Eisbergen wie von Felsen ab M ist unmöglich, die Festigkeit eines solchen Gebildes au» sein« äußeren Erscheinung zu beurteilen. Die hvchaufgetürmte Klipp« eines anscheinend unerschütterlichen Eisgebirges kann spröde sein wie Glas, und die von der Pfeife eines Dampfers bervvr- gerusenen Luftwellen haben schon genügt, um Blöcke abzu brechen, S.P’p, 0enug, um ein Boot zum Sinken zu bringen. Aeufund» ländische Fischer, die von einem solchen Berg Gis abhacken wollten, um ihre Fische zu konservieren, sind schon häufig durch die Herabfl ürzende Masse auf den Meeresgrund geschleudert worden. Zahl- lvs sind die Abenteuer, die von der Begegnung der Schiffe mit diesen Eisbergen erzählt werden, aber der Patrouillendienfl bat doch eine gewisse Sicherheit geschaffen und schützt die Schiffe gegen diese drohenden Eisriesen.
Brühllschm Univ.-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Dietzen.


