Ausgabe 
24.6.1922
 
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FrisdrichEotthard Herrchen zu Hohensolms vormaliger Feldscherer.

(Lebenslauf und zeitgeschichtliche Bilder 1714-1786 nach seinen Auszeichnungen.)

Don Dr. H. Berger-Giehen.

(Schluh.)

Hier traf Gotthard Herrchen alles von Soldaten beseht, und mit seiner Ankunft in der Heimat beginnt für ihn in den folgen­den 4 Jahren die schlimmste Leidenszeit seines Lebens, da er stbwer von den Drangsalen des Krieges, die die rohe Soldateska dem Orte Hohensolms brachte, heimgesucht wurde. Wir müssen uns die vollständige Wiedergabe der von Herrchen m seinem Tagebuch niedergelegten ausführlichen Berichte aus schwerer Kriegsnot versagen: es können nur einzelne Mitteilungen daraus an dieser Stelle das Bild des Ganzen beleuchten.

Dor Herrchens Ankunft hatten verschiedene Abteilungen französischer Dragoner am 26. August und 10. Sep­tember aus ihrem Patrouillenritt ins Hessenland Hohensolms berührt sich dort in den Scheunen einquartiert und gedroht, alles in Drcmd zu stecken, wenn ihnen nicht sofort das nötige Holz, Heu und Hafer würde beschafft werden. Die Einwohner mutzten sie mit Essen und Trinken versorgen. Am 27. September zwischen 2 und 3 Uhr kehrte eine nach dem benachbarten Wald ab­geschickte Patrouille mit lautem Schreien:Allons, allons. Hetz Hannoveraner komm t. Alle französischen Mann­schaften warfen sich auf die Pferde, ritten nach dem Distrikt ;»Hals" im Wald, wo sie mit hannoverschen Jägernscharmu- zierten". Da die Franzosen der liebermacht nicht gewachsen, ritten sie nach Hohensolms wieder zurück und suchten eilig durch das vordere Dor das Weite.

Kaum waren die Franzosen weg, so rückten vomHals" aus ein hannoversches Jäger- und Husarenkorps in Hohensolms ein und verzehrten alles, was für die Franzosen gekocht und hergerichtet war. Während ein starker Posten beim Hals" zurückblieb, lagerte die übrige Mannschaft in den Stratzen des Ortes, machten Feuer, datz die Funken überallhin flogen. Das Hauptquartier war in Herrchens Haus. Die Einwohner muhtendie Jäger mit Kaffee, Warmbier, Wein und feinem Essen versorgen. Der Kommandeur, Oberst von Luckner, speiste täglich an der 'herrschaftlichen Tafel.

Kaum waren diese Hannoverschen Jäger und Husaren nach Wetzlar abgezogen, als am 17. September 1759 andere hanno­

versche Abteilungen unter dem General Wangenheim erscheinen Ä im Galgenfeld" undDleidenberg bis gegen Königs­berg lagerten, wobei im Feld Kraut, Kartoffeln und gelbe Rüben vollständig ruinier-t und weggenommen und im Walde em grober Schaden angerichtet wurde. Am 19. bezog die grotze alliierte Armee unter dem Herzog Ferdinand von Braun­schweig bei Krofdorf und dem Gleiberg ihr Lager, die englische Armee unter Mylord Gramby stand auf dem linken »lugel zwischen Fellingshausen und Dehberg, die Bergschvtten bei Kö­nigsberg Das Hauptquartier tvar in Rodheim. Die lagernden Truppen der Alliierten machten häufig Streifzuge in die Dorf- chasten um zu requirieren. So erschienen am 20 September Engländer und Hannoveraner in Hohensolms, um in den Scheunen und Stallungen zu fvuragieren. Weil dies aber als Plünderung angesehen wurde mit den Glocken gelautet; aber es half nichts. Sie luden Hafer, Heu, Grummet und Stroh auf Wagen, um es weazubringen, und dies dauerte 8 Tage, so datz nichts mehr vorhanden war, und die armen Leute ihr Vieh um den halben Preis verkaufen mutzten, weil sie es nicht ansehen konnten, day es verhungern würde.

Am 5 Januar 1 760 erschienen Abteilungen vom sran- z ö s i s ch e n F r e i k o r p s C h a b v, die ihren Quartierwirt Herr­chen der allein 40 Dragoner mit Pferden ausnehmen mutzte, sehr hart behandelten". Als diese Franzosen bei Erda bald darauf mit den Hannoveranern und Engländern zusammen- stietzen 'gab es viele Blessierte. Da mutzte Herrchen die Ver­wundeten verbiirden, das ihm aber schlecht bedankt wurde, denn als sie bis zum 8. huius hier verharrten, raubten sie mir noch meine Rührung und nahmen 4 Achtel Haber und 2 Achtel Gerste, Dürrfleisch von einem Halben Rind und von 2 -rhwetnen nut; das war meine Bezahlung vor das Verbinden kwr Plessiiten Am 24 Mai 1760 kamen 1800 Mann französische Infanterie an wovon 12 Offiziere, 200 Mann Gemeine nebst 15 Pferden über" Rächt im Hause hatte, so datz ich nebst meiner Frau and Kindern nachts vor der Tür schlafen nmtzte.

1761. Am 8. März kam das Scheiterische Korps Hannoveraner und Hessen durch Höhensolms, um bet Gietzen über die Lahn zu gehen. Weil aber die Franzosen sich dort stark zusammengezogen hatten, Ehrten sie wieder zuruck und hausten gar sehr mit den armenleut .

Am 4 August 1 762 kam die französischeArmee unter dem Prinzen C v n d e an. Oberst von Granville nebst Bedienten, 8 Pferden und 4 Mauleseln, muhten im Herrchen Hause unter­gebracht werden. Die Hauptarmee stand bei Königsberg tm Feld und fvuragierten das Korn, Gerste, Hafer, naymen alle Fruchte im Feld weg, datz es jämmerlich aussah. »Mir, nahmen sie weg 1 Fuder Korn, Frucht von 2 Reckern mit Wetzen ein Acker mit Kartoffel, 2 Acker mit Geräte und das Mohrenfeld. Wie schmerzlich kommt es Einem vor, den edlen Segen im Felde gese'hen und nunmehr die Stätte wüste und leer. Am 30. Sep- tember 1762 kamen 8 Mann französische Husaren an, die 30 Mann von der Solmsschen Vaterschaft zum Schanzen nach G i e V en Mitnahmen. Am 21. November 1762 kamen auf einen Sonntag 1200 Mann von dem französischen Schweizerregi- ment an, die 8 Tage bis zum Montag im Quartier lagen.

Die haben die Schränke und Türen aufgebrochen und die Haus­nahrung genommen, dabei meine Frau, erst eine 14tägige Kinds- betterin mit Schlägen Übel tractieret, als eben nicht zu hause war" Äm 2. Dezember 1762 kam das Schweizer Regiment von Eastellan Hier an,das aber gute Ordnung hielt". Das waren die letzten fremden Gäste, die in Höhensolms gewesen.Daraus ist endlich der mit Schmerzen verlangte Frieden erfolgt. Gott latz uns keinen solchen verderblichen Krieg wieder erleben, noch tn unsere Grenzen kommen, sondern lasse uns in den gesegneten Hütten des Friedens wohnen."

Lieber die Lebensschicksale des eHemaligen Feldscherers Gott­hard Herrchen erfahren wir während der folgenden 20 Jahre, die zu leben ihm noch nach dem 7jährigen Kriege beschert war, aus dem Tagebuch nichts mehr. Gr scheint sich hauptsächlich der Landwirtschaft gewidmet zu 'haben. Daneben übte er noch das Darbiergeschäft und die Ehirurgie aus. Zum Hofchirurgen Hat er es allerdings nicht gebracht. 1777 erkaufte er sich ein kleineres Haus, nachdem er seine seitherige Behausung der Gräfin Friedericea überlassen Hatte. In dürftigen Verhältnissen scheint er trotz seiner schweren Verluste durch den Krieg nicht gelebt »u haben; denn bei der Verheiratung seines Sohnes Jvh. Friedrich Theodor im Jahre 1779 und seiner Tochter Lvuysa wurde 3 und 2 Tage lang Hochzeit gehalten. Widerwärtigkeiten in der Ver­wandtschaft sogar ein Erbschastsprozetz find Gott'bard Herrchen nicht erspart worden. Die letzten 8 Jähre seines Lebens wurde er von Dchlagslüfsen heimgesucht, so datz er zuletzt ganz gelähmt war. Gotthard Herrchen war ein frommer, aufrichtiger und für seine Zett ein durchaus gebildeter Mann, der sich auf seinen Reisen viel umqesehen und viel gelernt hatte. Am 9. Mai 1786 wurden seine sterblichen Lleberrefte auf dem Friedhöfe zu Hshensolms beigesetzt.Viele Freunde sind mit zur Leiche gegangen."Gr 'wurde mit Soldaten begraben." Es waren Soldaten der gräflichen Leibwache, die dem Kameraden, dem eHemaligen Feldscherer, das letzte Ehrengeleit gaben.

«nseres erkaltenden Planeten wird, desto meßt Mastn saugt sie aus und hält sie zurück. Die Austrocknung der Oberfläche wird sich also noch steigern. Gleichseitig mutz die Dunfihülle, die den Erdball umgibt, dünner werden. Sie wird weniger Degen st>enoen, die Aecker weröen dürr, die Ernten spärlicher werden. Schlletzlich wird der Wassermangel unerträglich sein und zur Vernichtung aNes Lebens führen, denn ohne Wasser ist kein Le^n,auf der Et:Le möglich Die kunstvolle, raffinierte Bohrtechnik durfte zwar indessen aus ungeheueren Tiefen Wasser erschließen, das man durch, riesige Hebewerke fördern wird. Das Wasser der seicht werdenden Flüsse wird man durch Einengung in gerade ver­lausende Kanäle zusammenHalten und vertiefmt, alles von den Höhen Herabrinnende Oberflächenwasser w

Dämme sorgfältig sammeln und aufsparen und der städtischen Wasservergeudung durchs Wassexzuteilung Schranken Jetten. Den N'wichE ihrem ^hicksal nicht'entgehen Mn

Trunk Wasser wird schließlich ko st dar.r wer,den als ein Klumpen Goldes, und nach erbitterten Kämpfen wer­den di§ letzten Menschen am Rande des letzten Tiefbrunnens elendiglich verfchmachten.

Einstweilen ist es noch lange nicht so weit Aber es wird sicher dahin kommen, wie auch der bedeutendste Geologe der Neuzeit, R e u m a h r (Professor in Wien t), in seinem epoche­machenden WerkErde im Weltraum" wenigstens kurz angedeutet hatEs wird einen Zeitpunkt geben, wo sur die Vernichtung deS Wassers und der Atmosphäre kein Ersatz mehr erntritt.

Jedenfalls siel auch Lin ne, dem nordischen Pastorssvhn und grotzen Forscher, schon die Austrocknung Europas auf. Wir werden gut tun, uns heute schon darauf sstiisustchl«t.Aan'.en.ltch die Landwirtschaft, die ja in Hessen auf hoher Entwicklungsstufe steht wird sich auf unserem heimischen Boden darauf etnruchten müssen und in gewisser Hinsicht auch die Schiffahrt. Die ^rocken- gräser (Wehlpflanzen) haben ja sicher eine Zukunft (auch Kar­toffeln?) Kartoffeln brauchen Regen, Bohnen immer warmes und trockenes Klima. Schon pflügen die Dauern in der Provinz Sachsen die letzten Wiesen um (zu trocken, schlechter Ertrag), und ähnlich steht es damit hierzulande in Hessen. Heuieberetts ver­drängt der schwarze Menschentyp den blonden, in Mitteleuropa Also auch Revolution in der Datur! Es ist nur interessant datz neueste medizinische Untersuchungen sogar die doppelte Zahl von Zwillingsgeburten (auf je 1000 Stück) im Rorden Segen nur 50 Prozent im Süden von klimatischen Einslussen abhängig machen. Das alles habe ich zusammengesetzt in meine Lehre wiederkehrender tertiärzeitähnlicher Lebensperiode.