Wie Friedrich Hebbel das Weihnachtsfest beging.
Don Ernst Edgar Reimördes.
DaS pvefieumwvbene Weihnachtsfest ist von jeher 'üHt rwl Gegenstand dichterischer Darstellung gewesen. Die Dichter ( haben es immer gern gefeiert und sich von seinem stitsa« Zauber umspinnen lassen. Auch Hebbel liebte das schönste ö61'
Der dritte Hirte
GS schläft so still, als sei die Welt geschickt, den so 'Begrünten liebreich zu behüten.
Die Dacht, der Wind, der Stern, der niederblickt, di« Saat der Felder und der Bäume Blüten.
Der alte Hirte
OH Erde, Mutter, dast du dies getragen entsprossen nach dem Ratschlust ewiger Liebe. Oh lichte Antwort allen Menschheitsfragen Kommt, lastt uns bitten, dast es bei uns bliebe.
(Alle beugen das Haupt.) „
Shvr der Engel singt: .Stille Rächt, heilige REt «Mit dem erklingenden Lied tritt aus der nächtlichen Lanv-- schaft der Fremde hervor. Gr bleibt in einiger Entfernung von der andächtigen Gruppe stshen, in sicherer, gefastter Haltung, ohne Reagier, wissend und überlegen.)
Der Fremde
Heda, Leutei Was treibt ihr da? Wißt ihr den nächsten Kistweg. der über die Felder in die Stadt führt?
(Die Hirten raffen sich erschrocken auf und .treten ihm zögernd entgegen. Joseph begibt sich wie^in B^vrgnis, zum Schatz Marias an die Krippe. Es ist eine Werl« still und alle stehen befangen.) ,
Der alte Hirte
(tritt dem Fremden gegenüber)
Wer bist du? Du erschreckst uns. Wir feiern hier die ©e® burt eines Kindes. Weshalb fragst du uns? Ich bitte dich last diesen Leuten dort ihre Ruhe, die sie mühsam bei uns gefuirdW haben.
Der Fremde „ _ r
Ich frage mich dem Weg, aber es ist nicht das erste Mal, dast über dieser Frage Verwirrung entsteht. Auch bm ich gewohnt, dast ihn selten jemand weist.
Der alte Hirte
Bist du hier fremd?
Der Fremde
Fremd kommt mir hier euer sonderbares Gebaren wegen der Geburt eines Kindes vor. Ich beobachte euer Treiben schon eine Weile aus dem Hintergrund.
Der erste Hirte (zum Alten)
Vater, es sind jetzt viele Heimische im Land, denen die alt- gewo'hnte Stätte fremd geworden ist, obgleich sie ihr von Geburt zugchvren. ~
Der Fremde
Es scheint auch Verständige unter «ich zu geben. Wäre nur die Zahl derer nicht so grob, die verständig reden, ohne vernünftig zu handeln.
Der alte Hirte
Man sollte nicht an Freimut Tadel legen.
Vielmehr, als was uns selber fehlt, was uns beschäftigt, nötigt oder quält, pflegt uns vor anderen selten zu bewegen. Sag mir dein Ziel, ich will dich richtig weisen.
Der Fremde
Rach meinem Ziel must ich noch lange reisen.
Menn du's mir nennst, so werd ich's kaum erreichen Wenn du mich tortschickst, komm ich schwerlich hin. Doch wenn ich dir als Gast willkommen bin, so gibst du mir ein gutes Wanderzeichen.
Ihr aber scheint euch hier am Ziel zu glauben.
Der alte Hirte
Dein Zweifel wird unS unser Glück nicht rauben
Der Fremde
Ist es so klein, dast i'hr es ungern teilt?
Der alte Hirte
Das wird nur wissen, welcher gern verweilt
' und gerne naht, von gutem Geist berufen.
Tu, was du mustt und bist! Die gleichen Stufen, die aufwärts führen, führen auch hinab.
(Er wendet sich ab.)
Der zweite Hirte (zum Fremden)
Sichst du denn nicht den Glanz, der uns umgibt,
Slt nicht den Strom von Wohltat, der uns segnet?! nie ist dir ein Engel je begegnet, nie Hast du noch gehofft, geglaubt, geliebt.
Der Fremde
Ich seh dort eine Qltutter und ein Kind, nur ärmlicher, als sie gewöhnlich sind.
Der erste Hirte
Wer so mistkennt, was herzlich allgemein, wird nie im Guten ausgenommen sein.
Der Fremde
Wollt ihr denr Sternben nicht die Gunst vergönne», ihm klar zu sagen, was euch so erregt?
Wie soll ich wissen und begreifen können, weshalb dies Kindlein euch so tief bewegt?
Der dritte Hirte Nie wird die Einfalt hoher Seligkeit sich je mit Eifer gegen Zweifel kehren. Vieh deine Frage scheint uns nur das Kleid des Widerspruchs, des Willens uns zu stören.
Der Fremde (wendet sich an den Alten) Hör' Alter, weshalb wendest du dich ab? Die anderen hier sind herzlich schlecht beraten, Die Einfalt ist ein krummer Wanderstab, und solche Pilger wissen nichts von Taten.
Der alte Hirte
Wer Wahrheit beutet, hat sie nie empfunden, und Liebe lästt sich feiner Seele lehren.
Geh deinen Weg, den du schon längst gefunden. Du wirst das Wort, das dich entflammt, nicht
Der Fremde
Mich kann man weder schicken noch beschwören. Tief in euch selbst wird meine Stimme brennen.
(Er weist auf das Kind) Ihm wird nicht glücken, was fein Mensch vermocht! Er wird die Scheite nicht vom Feuer trennen, vom Schein der Kerze nimmermehr den Docht.
Der alte Hirte
Der 'heute kam, wird alle Glut erleiden, um ewig diese Welt vom Reich zu scheiden! Mein Auge, alt und schwach, der Erde müde, ist nicht mehr hi den Glanz der Welt verstrickt. Im Scheiden hab' ich mehr als ihr erblickt, und sag' den einen, großen Ramen: Friede. Wer kennt den Weg, nach bösem Rat der West, und wer ermißt die Qztarter dieser Bahn?I Wer nennt die Macht, die uns in Frieden hält, und wer ermißt den Geist, der es getan?! Du aber wirst, ich kenn' dich, dunkler Gast, das Herz vollenden, das du ewig hastt.
Der erste Hirte (zum Fremden)
Heb' dich hinweg! Du bist auf unseren Weiden. Glaubst 'du, wir Hirten könnten Wölfe nicht, selbst in der Rächt, von Freunden unterscheiden?! Dtt hast hier nichts zu suchen noch verloren.
Maria
(Hebt die Hand und neigt sich zu Joseph) Schickt keinen fort! Mein Sohn ist mir geboren.
Joseph (zu den anderen) Gebt Raum und Freiheit allen, welche nahm Tut jedem so, wie ihr an uns getan.
Maria duldet, dast der Fremde bleibt.
Der Fremde
(tritt vor und schaut Maria lange an) Liegt da des Wandels ewig dunkler Siim, dast ich dir feind und doch willkommen bin? Die Stätte lästt, Maria, Mutter du, dem alten Geist, nach ewigem Beschlust. Wohlan, ich gehe. Sehet selber zu, wie Liekes Kindes Weg einst enden muh.
(ab.)
Ehvr der Engel singt verhalten: „O Haupt voll Aut und Wunden, voll Schnrerz und voller Hohn".
(Alle stehen stumm und neigen das Haupt. Mit dem aus» klingenden Lied, als eine helle Gruppe, erscheinen Aschen» puttel, Dornröschen und Schneewittchen, die Karin in ihrer Mitte führen, gefolgt von den sieben Zwergen. Me Hirten treten rechts und links von der Gruppe Marias M Seite, so dast den Kommenden der Blick auf die Krippe frei totrv.)
Es folgt eine wundersame Verständigung. Zuletzt steh! Karin vor der Krippe:
Oh sag', ist dies des ewigen Reichs Beginn?
Und ein Madonna-Auge antwortet:
Ich kann nur sagen, Latz ich Mutter bin.
Das kurze Nachspiel zwischen Mutter und Kind bringt noch den irdischen Glücksschimmer unter einem kleinen Weih' »achtsbaum.


