Kann man Tiere hypnotisieren?
Tiere konnten bisher nur dadurch bewegungslos gemacht wer» den, daß man sie in Rückenlage eine zeitlang festhielt. Da diese» Versuch an Tieren, denen man das Großhirn entnommen hatte, gelang, so schloß man daraus, Liese sogenannte tierische Hypnose sei kein Gchirnprozeß, sondern nur ein Rückenmarkreflex zur Korrektion der ungewohnten Lage. Prof. Dr. H. Erhard- Gießen wies neuerdings in einer größeren Versuchsreihe nach, daß es unmöglich ist, 'höher stehende Säugetiere durch Suggestion Hilfen oder durch Festhalten in Rückenlage zu bannen. Dagegen konnte er Kaninchen, Ratten, Meerschweinchen, Mäuse und Siebenschläfer, aber nur durch Festhalten in Rücken- oder Seiten« läge unbeweglich machen. Zwischen dieser tierischen älnbeweglich- keit und der menschlichen Hypnose bestehen folgende grundlegenölm Unterschiede: Die Muskulatur des Menschen erschlafft in Hypnose sofort, die des Säugetiers in Akinese zeigt zuerst erhöhte, daml herabgesetzte Spannung. Der Atem des Tieres geht zuerst rasch gepreßt: dann erst in ruhigen Zügen wie im hypnotischen Schlaf. Die Augen des Menschen nehmen Schielstellung ein in Hypnose, die Pupillen sind je nach Der Liefe der Hypnose mehr oder weniger verengt Es gelingt nicht, das Säugetier während der Akinese in verengt. Das Säugetierauge ist nicht verdreht, seine Pupille ist Drückenstarre zu versehen wie den Menschen in Hypnose, dagegen konnte Erhard es ebenfalls in andere Lage bringen, an den Hinterbeinen z D. hochheben und wieder hinlegen, ohne daß es auswachte. Vor dem Erwachen aus der Akinese na'hm die Muskelspannung zu, was bei der Hypnose nicht der Fall ich Dersetzt man einen Menschen oft in Hypnose, so gelingt der Versuch immer leichter, bei der Säugetierakinese trifft das Gegenteil zu
Erhard versetzte dann Hühner, auch solche, Lenen das Großhirn entfernt war, in Minese, dann gelang es ihm erstmate, Hühner in normaler Stellung mit den bei der menschlichen
1 Hypnose üblichen Hilfen zu Hypnotisieren, ohne daß em Zwang angewandt wurde. Er hielt z. D bei Tageslicht einem Huhn den glänzenden Ring der einen Hand vor Len es dann stark flirrte die andere beschattete Lie Augen des Huhüs, es schloß bte Augen und sank schlafend zu Boden. Oder er hob äußerst vorsichtig em
streckt dabei Len Hals so, daß sein Kopf in gleicher Hohe bte bt Durch öfteres Wiederholen der Bewegung gelingt es, Las Huhn in hypnotischen Schlaf zu versehen. Die Hypnose tour so tief, daß Erhard Las Tier an einem Vein hochheben und wieder niedersetzen konnte, ohne daß es auftoachte. ' _
Durch eine Reihe von neuen Versuchen am Frosch bewies Erhard, daß deren Akinese zwar auf entern Ruckenmarireflex to ruht daß wir aber in Liesen Gchirnprozeß etngreifen kvEn. Es «elutig den Frosch in allen möglicheii Lagen auch in sewohnlicher Hockstellung bewegungslos zu machen, auch konnte Erhard Len Frosch durchs eine Operation des Gleichgewichtsorgans mit herabgesetzter und nicht gesteigerter Muskelspannung in Akmese ver setzen. Damit ist die bisherige allgemeine Auffassung, die ung wohnte Lage und die Muskelspannung im Abwehmeflex seien die Ursachen der Minese, widerlegt. ~ = ...
Der erstmalige gelungene Versuch des Forschers, -mere (Huh- ner) mit den gleichen Mitteln wie den Menschen in Hypnose zu versetzen, eröffnet zweifellos einen neuen Weg, in die Geheimnisse der Tierseele einzudringen.
Der erste deutsche Riesendampfer seit dem Kriege.
Der Personen- und Frachtdampfer „Columbus", der von der Danziger Schichau-Werft für den Rorddeutschen Lloyd gebaut wurde ist der erste Riesenüampfer seit dem Kriege, der wieder unter 'deutscher Flagge den Ozean befahren wird Interessante Einzelheiten über diese neue Großtat der Leuten Schifssbaukunst werden in der „Umschau" miigetoltDas^ifs
32 000 Drutto-Register-Lonnen und über 40 000 Tonnen Wasser Verdrängung Las größte Schiff Ler deutschen Handelsflotte Es hat in der ersten Klasse Zimmer für 428 Personen trt der Mittschisfs- läge darunter für „valutastarke" Passagiere Staatszimmer und Lumskabinen von erlesener Pracht. Der Speisesaal auf Hauptdeck der Lurch zwei Etagen geht, erinnert an die elegante ten ^russäle'moderner Hotels. Ein gewaltiges Deckhaus -mf dem Dootsdeck umfaßt den großen Gesellschastssalon, Me-und Schreibzimmer mit Mbliothek, auch die Konzerthalte Die Gesell, ch aste räume enthalten auch em besonderes KinderSommer nnr Speisesaal, einen mit allen motonen (Geraten versehenen ~ u - saal und einen großen Palmengarten. 3n der »weiten Klasse dte 204 Zimmer besitzt und 356 Reisenden iinterkunft gewahrhisi obenialls aus schöne und behagliche Ausstattung der größte Wert gelegt Die technischen Einrichtungen wie elektrische Fahrstuhte rwilckien den einzelnen Stockwerken, die Darbiersalons mit ihren hygienischen Vorrichtungen usw., befriedigen alle nur erdenDaren Ansvrüche Etwas ganz Reues bietet bas sog. Zwischendeck das auck denwen teertonittelten Reisenden die Freuden der See^hrt voll genießen läßt^Die dritte Klasse, die 1132 Reisende nn Vor- „„s, ^interichifs unterbringt, hat nichts mehr mit den fragwürdigen WniNLZ L^ alten Zwischen^cks zu tun, sondern sie btetet Helle ft«mdliche Kammern für 2—6 PersWien mit allem Komfort.
Sachsenspiegel zählt aber in ganz Sachsen nur drei Forste die ÄU rVuüwg Mösers Ansicht wohl aus Len vormals Heiligen «atncn unserer heidnischen Vorfahren erwachsen und dem ge- meinsamen Gebrauche entzogen blieben. Das hat sich aber rasch bitter gerächt. Durch- den in keiner Weise gezügelten Raubbau der infolgedessen überall getrieben wurde, kam es bald dahin daß man hundert Jahre später die dem Walde drohende Gefahr erkannte und seine Dedeutung für die Volkswirtschaft begrisf.
So entwickelten sich die ersten Anfänge unserer Forstwirtschaft und ein ausgebreitetes Recht. Ursprünglich chatte feder Volte Markgenosse Anrecht auf freies Holz für Drand und Dau Rach dem Dreieicher Wildbann durfte der Hübner Mit ton Holze Haus un£> Hof bauen, in der Rot sie verkaufen und wieder bauen auch Aotholz" (zum Sarge) wurde keinem verwehrt Rur sollte nie» mund Holz aus der Mark führen und veräußern. Gehauenes Db.uholz sollte der Märker binnen Jahresfrist verarbeiten und nicht länger unberührt im Walde liegen lassen: in der Rot aber durfte er es umwenden und dann wieder ohne Gefahr liegen lassen In Westfalen freilich, wo man den Schaden ber starken Rodungen besonders empfindliche verspürte als namentliche dte harten Buchen und Eichen massenhaft gefallt touröen, um zum Dau von Stollen in den Dergwerken verwendet zu werden, waren die Markgenvssen verpflichtet, an Stelle umgelegter Baume junge derselben Art anzupflanzen und drei Jähre lang zu hegen Diese beiden Daumarten galten als die edelsten der Mark Auch sonst waren sie unseren Ahnen die wertvollsten, wegen der Schweinemast; „ Fruchtbäume" wurden sie deshalb genannt.
Bald schon wurde auch ihr Wuchs und Alter unterschiedlich bewertet Solche von achtzig und mehr Jahren hiEen „Over- bäume" 'von dreißig bis fünfzig Jahren „angehende Oberbaume noch jüngere „Vorständer" und so stufenweise herunter „Somrner- fotteSogar%rmbe, die' unterwegs in Rot gerieten, Durften im I Walde ungefragt und ungestraft Holz benutzen, um ihr Fuhr werk auszubessern oder sich ein Feuer anzunuvtoi, um s^ -an Ort und Stelle — ein Gericht Fische oder Krebse zu kochen, nur durften sie fein Holz mit aus der Mark fortführen: im Gegenteil, die zerbrochenen Stücke ihrer Wagen oder Schlitten Mißten sie dort wo sie Ersatz fanden, liegen lassem Dem ehrlichen Manne war'also verhältnismäßig viel erlaubt Das mußte so seritz toin dermaleinst mußte jeder alles, was er brauchte, selber mach«r Ilm seine Ehrlichkeit zu beweisen mußte sich teAH der Reitende stets auf gebahnten Wegen halten und tm Walde ein Horn blasen, wollte er nicht für einen -.Strauchdieb gehalten werden
Eine noch drolligere Destmmung 'hierüber enthalt das Fischbacher Weistum: „Wird einet im Walde beim holzhauen be troffen so soll er beiden Herren (dem Pfalzgrafen und dem Abte von Hornbach) 5 schwing 2 bannig strafe »ahl^ wenn während dem hauen ruft, wahrend dem laden Mischt und dann unentdeckt von der Stelle fährt, soll ihm die Wiße erl^n fern Auf der Stelle selbst konnte er noch gepfändet werden nicht, sobald er angefahren war. Eine andere ähnliche Satzung lautet. Wenn ein fremder, außerhalb der Mark gesessner Holz aus der Mark wegführe, wie soll tot der Holzgraf strafen. So menniger (um soviel) Schreckenberger, als Las rad nn wagen in de. Mark umgehe " And noch eine andere: „So manchen (soviel) Schritt manchen Gulden." - Die „Schreckenberger" waren eine silberne, einst weitverbreitete Münze, die in Annaberg im Erzgebirge von der Ausbeute des nähen Schreckendes geschlagen jrarte Der Holzgraf" war ein sehr angesehener Mann: sogar Leipziger Bürgermeister bekleideten diese Würde.
Mit besonders schweren Strafen wurde nmhtlrcher Holzdieb stähl geahndet, nämlich mit ton Tobe denn geheimer Frevel galt nack altaermanischer Anschauung als besonders ehrlos. ,
Im Laufe der Jahrhunderte wurden alle diese ulten Freiheiten immer mehr eingeschränkt und alle einschilägigen Destim- ""$?« HVetÄ' d» S«» i« "&** jeher einnahm, ist allbekannt. Hier war der Ehrensitz des Herrn, von dem aus er sein ganzes Anwesen samt Stall und Dtele ubersah. Hier saßen um ihn herum, die nicht erbfähigen Brüder, hier Bitten die 'alten Eltern" ihren Sih, die im Ausgedinge bei ihm lebten, und "im weiteren Kreise spannen und webten rings um den * wärmenden Herd wintersüber die. Frauen. Auch die Katze lag hier auf ihrenr warmen „Kattenstie". So versammelte sich oas altniederdeutsche Familienleben an jedem Winterabend im ,^Horn bi’t für", tote die Ostfriesen 'heute noch behaglich diese Stelle bezeichnetr r Mannt tft, patz man das Feuer auf Bem Herde das ganze Jähr hindurch nicht ausgehen ließ. Rur mnmal m jeton Jahreslaufe wurde es vorn Herrn des Hauses feierlich gelöscht wö - neu gestärkt. Das geschäh in der WorgenfiNlhedes Jo- bAnnistaas an ton die Sonne in voller Hohe steht. An diesem Tage wurden von unfern Altvorderen im freien, auf Berges höhen mächtige Johannisfeuer entfacht, und Batwn nahm sich $eto 'ein brennendes Scheit mit nach Zause^amit to^de dann em mächtiger Stamm entzündet, der schon bereit am Herde lag und dann _ als Julbvck" — jeden Tag ein Stuck weiter vor-
missten bis zum Wintersonnenwendtage ununterbrochen Brennen mußte.


