khm stammt das Wort: das ist fo gut tote HimmeliwÄn. man mächt' dran sterben. Er ist dran gestorben.
Wie es dem Großvater ging, ist es noch einem andern er- gangen, doch ich will dir diese Geschichte nicht erzählen, obgleich ich es wohl imstand' wäre, denn der andere war dein Vater selig.
Sie stellte die Decher wieder auf den Tisch and sagt« nach einer Weile: .„Mich dünkt, wir haben genug solcher ^FamM«i- stücke, nun willst du hingehen und andere dazu holen, öctß, mir schaudert vor solchem Silberzeug!"
„Wie kannst du mich für so schwach halten, Mutter? Hast du mich ein einziges Mal bet Hinten aus« dem Schiitzenveretn oder von einem Fachen lHeimkchren sehen?" „
„Bisher waren es nur kleine Anläße, du bist nie länger als einen Lag fortgeblieben, jetzt aber gMt du br. einen andern Kanton bleibst zwei, vielleicht drei Tag« unter leichtem Boll. .
„Es sind alles rechtschaffene Männer _ .
Ja aber die Festluft und der Festwein urch das R^en und Singen, und dann das Haschen nach dem Silberzeug, das macht euch den Kopf trüb!" . , , -
Man sieht daß du noch nie an einem Schützenfest gewesen bist "da acht es viel nüchterner zu, als du deichst, lärmen und über das Maß trinken tun nur die Festbummler und Gotter- schützen denen es nicht drauf ankvmmt, ob ein Schatz in der Scheibe sitzt oder nicht. Mache es mir seht isicht sch^erals nötig. Ich kann nicht zu Hause bleiben, ich habe mein Wort gegeben, die besten Schützen, unser fünf, haben sich zu einer Gruppe' zusammengetan, man zählt aus mich." __
„So versprich mir, die ganze Zett nüchtern $u &I«ü>en. ®w mir die Hand darauf, wie bei einem rechtschaffenen Handel.
Er tat es wohlgemut. Sie öffnete die Kommode, und reichte ihm das Geld, bas er verlangte. ,
Am andern Morgen sah sie ihm «um Kuchenftuster hinaus nach, bis er unten im Dorf verschwand Sie wurde die trüben Gedanken nicht los. Wenn er nur jede Kugel ins Blaue schöße!
Lags darauf gegen Abend hörte die StMachertn Musik, die vom See 'herausschallt. „Hetzt werden die Schützen kommen, dachte sie und schritt vor das Haus, wo sie die ganze Dxgend überblicken konnte. Ein Dampfschiffchen mit roten und blau und weißen Lüchlein geschmückt, strebte von Zürich Herkommend ton Dorfe «u; auf dem Dampfschiffsteg aber funtelte etwas bt der Sonne das waren die Trompeten, deren Schall herausdrang. Das Schiff landete, großes Freudengeschrei übertönte die Musik, die Schützen mußten sieggekront heimkehren.
Der Lärm und die Musik verhallten. Die Steppacherin schaute vom Himmelt ins Dorf hinunter, hoffend, ihren Srifc aus den Häusern und Bäumen hervvrtreten zu sehe». Vie schaute, zehn, zwanzig Minuten lang, er kam nicht. „Sie sind in die Krone gegangen nun mag eS mit werden.
Die Macht kam und Stunde um Stunde verging, Fritz erschien nicht; seine Mutter aber trat jeden Augenblick vor» Haus und horchte in die Stille hinaus. Endlich als es ein Uhr schlug, Hörte sie Tritte, die die Halde emporkamen, langsam, unsicher.
Sie trat in die Stube und erwartete den Sohn. Di« Haus- türe öffnete sich zwei Hände tasteten sich durch Len Dana und suchten nach der Türklinke, dann stolperte Fritz, einen Serben Schützenfluch ausstoßend, über die Schwelle und in die Stube.
„Du kommst schön zum Dorschein" sagte die Steppacherin ruhig, „hält man so Wort bei euch Dchießbrüdern? Pfui!
Das Wort stach ihn.
„Was Haderst Lu da? Meinst etwa, ich habe zu viÄ? Ja wohl! Ich zu viel! Sieh, das hab' ich Herausgeschossen!* Dies sagend, zog er mühsam ein Futteral aus der Mocktasche und aus diesem einen blinkenden Decher, den er triumphierend auf Len Lisch stellte. „Den hab' ich herausgeschvssen, es ist der einzige im Dors. Wie gefällt er dir?"
„Wie soll er mir gefallen! Ich wollte lieber, du wärest nicht betrunken." r
„Ich? Betrunken? Was faselst Lu da! Durst Hab' ich Himmelsak. . . Hol' mir Wein, Mutter, Durst Hab' ich. ich muß noch eins über die Leber gießen!"
„Geh ins Bett und schlaf dich aus, du WeinschützI"
„Mit wem redest du so? Wart, ich will dir's zeigen! Holst du keinen Wein, so hol' ich mir selber meinen Schoppen. Ich. will doch sehen, Himmelsak. . . Ich hab' noch Durst!"
Sprach's, griff eine Flasche aus dem Eckkästchen und stolperte hinaus und in den Keller hinunter.
Die Mutter sah ihm nach und blickte bann auf den gleißenden Decher.
„Wie der Baier und der Großvater," seufzte sie. „Oh, das verfluchte Geschirr!" Die helle Wut gegen den Becher kam über sie, und ein Gedanke blltzte ihr durch tot Kopf: „Was ich einst dem Gewehr verheißen, das will ich dem Becher halten!"
Sie griff hastig danach und schritt in die Küche hinaus. Dort stellte sie das Gefäß auf den Scheiterstock ergriff das schwere Beil und wuchtig fuhr das Eisen herab. Der Decher schrie auf wie ein lebendes Wesen. „Ja, schrei nur, ich will dirS gleich austreiben!" Änd wieder und wieder fuhr die Axt auf und nieder, bis der Dech>er zu einer Platte zusammengeschlagen war.
Die Steppacherin lachte ihr war, sie Habe tot Teufel erschlagen. MuHig trat sie in die Stube, legte das Silberblech auf den Tisch und setzte sich auf einen Stuhl. Bald darauf trat Fritz wieder Herein. „Wo ist der Decher, du mutzt daraus trinken. Zweimal haben wir ihn heute verschwellt, jetzt sei's zum dritten."
Da entdeckte er auf ton Tisch das zusammengequetschte Kleinod ixt», was noch vor wenigen Minuten sein Stotz gewesen war. „Mütter!" schrie er auf, es zuckte ihm in alten Muskeln, seine Hände ballten sich und erhoben sich drohend über dem Haupte der Frau. Sie blieb ruhig und versetzte kurz: „Dem Gewehr hab' ich's versprochen, ton Becher gehalten." Das Wort entflammte seinen Zorn noch mehr. Gr ergriff tot zertrümmerten Pokal und warf ihn der alten Frau wuchtig an den Kopf.
Sie sank lautlos vom Stuhl auf tot Boden, Blut floh ihr aus dem grau en Haar.
Auf einmal war Fritz nüchtern, er stürzte neben ihr nieder und Hob sie in den Armen auf, von Reue erfaßt.
Sie öffnete b'ald die Augen wieder und sah sich um. In diesem Augenblick fühlte Fritz zwei Dinge, nämlich daß er bösen Wein getrunken und daß er eine gute Mütter hatte und sie liebte,
„Es tut mir leib, Mutter! Bei Gott, es tut mir leid!" stammelte et.
Sie aber, alle Kraft Wisantmenttehmend, richtete sich empor und schritt etwas unsicher, aber den Beistand des Sohnes mit einer bestimmten Gebärde abwehrend, in die Küche hinaus, wv fte das Blut mit kaltem Wasser stillte.
Fritz suchte tot zerschlagenen Becher auf dem Boden und warf ihn Lurchs offene Fenster in die Macht hinaus.
Als er sich am Morgen erhob, war seine Mutter schon in der Küche. Gr bot ihr tot gewohnten Gruß, und sie erwiderte ihn. Ein Fremder hätte ihr „Guten Tag" freundlich gesunden; der So'Hn aber fühlte wohl, daß etwas Meues in der Stimme der Mütter lag. Beim Frühstück gewahrte er auch daß in da» Auge ein unverlrauter Blick gekommen war, vielleicht keine« bemerkbar als ihm.
And so blieb e» nun. Das Verhältnis zwischen Mutter und Söhn war für alle, die ins Himmeli kamen, das nämliche tote einst; Fritz aber wußte es anders und litt unsagbar darunter. Hätte die Mütter nur wieder einmal mit ihm gescholten, tote sie das früher etwa getan. Aber sie sagte kein unfreundliches Wort zu ihm, sie Widerspruch ihm nie, schlug ihm nichts ab.
So vergingen drei Jahre, recht unfrohe; i» Himmeli wurde nicht mehr gescherzt und nicht mehr Gesicht, wenn es nicht anders anging. Die grauen Haare tot Steppacherin über tourtot Weitz, und das quälte ihren Sohn.
Da kam wieder ein eidgenössisches Schützenfest. Fritz nah« sich vor, e» nicht zu besuchen; aber die Vereinsgenosfen ließen ihn nicht lo», sie konnten ihren besten Schützen nicht entbehre» und da er ihnen Wohlweislich verschwieg, warum er teilte Festlust habe, betrachteten sie ihn als einen dünkelhaften Menschen, btt sich für unentbehrlich halte und recht sehr wolle bitten lasse«. Was konnte er tun? Gr mußte sich den andern anschliehen.
Al» er, das Gewehr an der Schulter, das Hau» oerlaffe« Hatte und ton Dorf zuschritt, fiel ihm auf, daß die Seitentasch» seine» Kittels schwerer war als sonst. Gr griff hinein und zog tot zertrümmerten Becher Hervor. Einen Augenblick arbeitete der Zorn in ihm. Aber die bessere Matur wird in ihm Herr: „Man soll einen Warner nicht verachten, und nun gar nicht, wenn er von der Mutter kommt. Ich will khr zeigen, daß ich nicht so schwach bin, wie ich vor drei Jahren erschien."
Am gleichen Tage kehrte er ins Himmeli zurück, aufrecht und fest. Die Mutter faß in der Stube und maß ihn mit den Augen, als er Hereinkam. Wie das erstemal zog er einen Becher aus der Tasche. „Was fagst du dazu?" fragte er.
Sie erwiderte erst nichts und blieb lange unbeweglich Ihre Augen ru'hten auf ihrem Sohne, der demütig und doch gerade vor ihr stand. Der Ausdruck ihres Gesichtes wurde allmählich mild«, und endlich erhob sie sich ergriff mit der einen Hand den Becher und mit der andern die Rechte des Sohnes und sagte mit bewegter Stimme: „Gr gefällt mir gut, dein Decher, wir wollen ihn verschwellen."
Sie langte tot Kellerschlüssel vom Magel und ging hinan». Bald kehrte sie zurück, tot Pokal bis zu in Rande mit ton besten Himmeliwein gefüllt, tot sie im Keller Hatte, stellte sich vor Fritz Hin und sagte: „Wohl bekomm'»!"
„Du du den ersten Schluck, Mutter, es 'Hat noch keiner daraus getrunken. Wohl bekomm's dir!"
Sie tat einen kräftigen Zug und er darauf einen zweiten, und dabei sahen ihre Augen einander gut und hell an wie einst.
Seither hat Fritz noch mehr als einen Decher hercmsgeschossen, er Hat sie alle im Himmeli mit seiner Mütter verschwellt. Mecken ihn feine Freunde, wenn er so frühzeitig aus ihre« Kreise scheidet, pflegt er mit lachenden Augen zu sagen: „Den ersten Schluck aus meinem Becher tut ihr nicht und ich nicht. Gebt wohl!" Die andern aber stecken, wenn er gegangen ist, die Köpfe zusammen und fragen sich: „Gr mutz eine Heimliche Liebe Haben, wo mag sie sein?"
Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Drühl'schen Llniv.-Duch- und Dteindruckevei, R. Lange, Gießen.


