Ausgabe 
18.11.1922
 
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gelingen werde, das Getreide rechtzeitig von der Spreu zu sonders. Lein Begleiter, «in Gymnasiast, verstand gar nicht, wozu der Herr Psarrer den Wind brauche, aber der Schwarzwaldbauer wusste es wohl und er merkte aus dem wvhldurchdachten seldzugs- plan deS Pfarrers, das) ihm dieser Spatz wahrscheinlich me Geld kosten werde. Zehn Herrische hatte der Pfarrer ausgebracht jür sein Werk, und wenn es zum SHlutz ans Essen gmg. merben es wohl ihrer zwanzig werden, berechnete der Dauer. Was lag daran. Dem Lichter gehört Las selb, den wird der Spatz "^Lk^d endlich kam der Tag, an dem es lachend hietz: Morgen gehen iete Herrischen in den Schnitt!

(Schluß folgt.)

Die Erdbeben-Katastrophe in Südamerika.

Chile als Erdbebenland.

Die Erdbeben sind eine ständige Gefahr für die Bewohner von Chile, dieses schönen und gesegneten Gebietes, cms Prof. Bürger in seinem kürzlich erschienenen .Berk üder. 'Lhile als Land der Verheißung und Erfüllung für deutsche Auswanderer bezeichnet hat. Die schreckliche Katastrophe, dre letzt die Küste des Stillen Ozeans im Bereich Chrles heungesucht öat, scheint an Furchtbarkeit alle früheren zu übertreffen, aber dmChromt der Erdbeben in Chile reicht weit zuruck und werft zahlreiche, schwarze Tage" aus. Fast jeder Ort des Landes, von Tacna brs Ancud auf Chiloe, weitz davon zu erzählen. Dre Grmrde für Liese ewigen Gefahren, die in der Tiefe lauern uno bisweilen mit ungeheuren Kräften vernichtend hervorbrechen, sind tn der vulka­nischen Erdformativn des Landes zu suchen Die ch'-lemich-mgen- tinischen Andenketten, die der Küste parallel ziehen, enttMten eure große Anzahl von Dulkaneü, von denen der grohte Teil auf das chilenische Gebiet entfällt. Darwin hat bereits m der berühmten SchUdrrunq seiner südameriranischen Reise auf diese Unterminie­rung mit Vulkanen hingewiesen.Wenn wir uns den Meeres- arund mit zahlreichen Kratern in größer« oder geringerer Tätig­keit besetzt vorstellen." sagt er,so werden wir wahrscheinlich die Bedingungen verstehen, unter denen dieser merkwurorge Auf­bau verschiedener vulkanischer Schichte,! aufgetürmt worden ist.

Die letzte qrotze Katastrophe, die die chilenische Küste betm= suchte war das Erdbeben vom 16. August 1906, durch das Valparaiso zum großen Teil zerstört wurde und viele andere Orte an der Küste sowie in den blühenden Talern Dii-rel-Chlles die schwersten Schäden erlitten. Zur wissenschaftlichen Erforschung dieses Erdbebens wurde damals eine Kommission von der Re­gierung eingesetzt, deren eingehender Bericht zur Erklärung der gegenwärtigen Katastrophe herangezogen werden must. 3» «t Hauptstadt Santiago, die damals von dem Beben verhaltmsmastig wenig heimgesucht wurde, war bei Beginn der Katastrophe ern deutliches Auf- und Riederwallen des Bodens zu merken, das die unaewohnlich lange Dauer von fast fünf Minuten hatte. An das Hauptbeben schlossen sich zahlreiche Rachbeben, von denen im Lause eines Monats 83 gezählt wurden. An fast allen Orten der Provinz Acvnkagua ging dem Erdbeben ein donner- ähnliches unterirdisches Rollen vorauf, eine in Südamerika über­haupt nicht seltene Erscheinung, von der schon Humboldt er­zählt, daß er sie ost in den Anden gehört habe. Wie diesmal, so machte sich auch damals die Bewegung durch das ganze mittlere Argentinien bis nach Buenos Aires fühlbar. Während aber das Meer diesmal seine Zerstörungswut mit der Erde vereinigte, verhielt es sich damals ruhig: nur an einzelnen Stellen der Küste erfolgten Aeberschwemmungen. 3m allgemeinen aber werden an der chilenischen Küste bei den Erdbeben meist auch gewaltige Flut ungen des Meeres beobachtet. Solch heftige Ratur- katastrophen sind gerade an dem Teil der Küste häufig, der jetzt betroffen wurde. Der Ort E o p i a p o, dessen Zerstörung gemeldet wird, erlitt das gleiche Schicksal 1773. dann wieder 1796 und wurde 1819 in Trümmer gelegt. Der Chilene ist ja an Erdbeben gewöhnt und sucht sich durch bebensichere Häuser zu schuhen, die aus ganz leichtem Material errichtet werden. Er unterscheidet zwischen Templor und Terremoto. Das erstere ist nur ein leichter Stotz, der die Häuser erzittern und die Fenster klirren läht, und auf solche ist man ein paarmal im Jahr gefaßt. Das Serremoto aber ist die schwere Erschütterung, die die Wohnungen wie Karten­häuser zusammenwirft. Von großen Katastrophen wird Chile alle paar Jahrzehnte einmal heimgesucht. Jahre des Schreckens waren im vergangenen Jahrhundert 1822, 1836, 1837, 1868, 187t, und in diesem Jahrhundert 1906. Genau 100 Jahre nach der schweren Katastrophe von 1822 ist nun wieder ein solches Unglück eingetreten.

Die Stätten des Erdbebens.

Die Orte, von denen uns die furchtbarsten Verheerungen der Erdbeben-Katastrophe in Chile gemeldet werden, liegen in den Provinzen Coguimbv und Atacama. An der Küste herrscht hier ein geradezu ideales Klima, und die Gegend ist ein wahres Paradies, in dem freilich, wie man jetzt wieder schauernd erlebt, dieSchlange" nicht fehlt. Die Hafenstadt C v g u i m b o, ge­legen in der gleichnamigen Provinz, von der 500 Häuser zerstört

sein sollen, besitzt eine geräumige, vorzüglich geschützte Bucht, die von der chilenischen Kriegsflotte gern ausgesucht wird. Der reinliche und schmucke Ort, dessen Mittelpunkt ein schöner Markt­platz ist, steigt die steilen, die Bucht umsäumenden Granithügel hinan. Deutsche Bewohner sind garnicht vorhanden, was bei dem starken deutschen Einschlag in Chile selten ist. Sehr bedeittend ist das englische Element, und auch Franzosen wohnen hier. Wenige Stunden weiter am Strande liegt die Hauptstadt der Provinz La Serena, die ebenfalls schwer gelitten hat. Dieser Ort liegt etwa eine halbe Stunde von der Küste entfernt: er zählt zu den ältesten Chiles, ist aber heute ganz still. Von der alten Dergangenheit erzählen die zahlreichen Kirchen und Klöster, die dem amphitheatralisch aufsteigenden Stadtbild einen male­rischen Eindruck verleihen. Als Bischofssitz hat La Serena eine höhere geistliche Bildungsanstalt und ein staatliches Gymnasium. In Serena leben verschiedene Deutsche. Die dritte Stadt, von der in den Berichten erzählt wird, ist CvPia z o in der Provinz Atacama. Einst war dieser Ort einer der reichsten vvi^ ganz Chile, weil er den Mittelpunkt zahlreicher Kupfer- und Silber­minen bildete. Copiapo hatte in den 60er Jahren des 19. Jahr­hunderts über 13 000 Seelen; nach her Zählung von 1917 besäst es 11 056 Einwohner, klebrigen» find auch Evquimbv und La Serena recht volkreich: die erstere Stadt besah, nach der letzten Volks­zählung 17 622, die zweite 16149 Einwohner. Auf dem Haupt­platz von Copiapo steht das Standbild eines Mannes, der als einfacher Eseltreiber und Holzsammler sein Leben begann und dann weltberühmt wurde. Es war Juan Godoy, der Entdecker der märchenhaften Silbrrschätze, die einst in der Umgegend der Stadt zutage gefördert wurden.

LichtWZM bei Menzel.

(Aus neuen Briefen.)

Die interessanten Briefe, die Alfred Lichtwark an die Ham­burger Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle gerichtet hat und die von Gustav Pauli imKunst und Künstler" mit­geteilt werden, Bringen in dem neuesten Heft dieser Zeitschrift einen anschaulichen Bericht über einen Besuch bei Menzel.Bei Menzel wollte ich heut nicht wieder weg," schreibt Lichtwark am 11. Mai 1896,und habe so lange geklingelt, bis er endlich auf­machte. In der Wohnung hatte mir die Köchin gesagt:Herr Exzellenz sind oben." Endlich, nachdem ich der schriftlichen Auf­forderung imchkvmmend, sehr laut geklingelt hatte, znm fünften Mal, erschien der Alte. Er war seelenvergnügt, nötigte mich in seinen Rebenraum und fertigte sein Modell ab. Damit ist er immer sehr geheimnisvoll. Den Raum kannte ich noch nicht. Er hat ihn sich offenbar eingerichtet, wie er zuerst aus dem Gefühl der Gleichgültigkeit gegen die Kosten seins Umgebung gestalten konnte. Es ist ein sogenanntes Berliner Zimmer mit dem Fenster in der Ecke. Die Möbel sind gleichgültig bis auf eine unter Mappen und Papieren, die den -ganzen Boden bedecken, kaum sichtbare encvignure mit Marmorplatte, Rokoko. Eine Hänge­lampe mit wilder Berliner Ornamentik in Suivre-poli trägt unter der Kuppel sehr sichtbar noch die Preisauszeichnung. Alle Wände find mit Schildereien bedeckt." Lichtwark musterte nun eingehend die Bilder, die in Menzels Wohn- und Empfangszimmer hingen. Zwei Wände waren ganz mit Michelangelo bedeckt, und unter der Pieta hing Schlüters Kurfürstendenkmal. An einer anderen Wand hingen große Photographien mit Porträts von Bewsquez und dem jüngeren Holbein, daneben eine Maske von Schlüter und ein Corot.Den Corot hatte Menzel 1858 in Paris aus der Ausstellung bewundert und tvar später sehr vergnügt, eine Photo­graphie davon zu finden. Es ist ein hohes Format mit schlanken Bäumen, darunter vorn zwei Mädchen bei der Toilette. Menzel rühmte die schöne Zeichnung der Gestalten. Er sagte, er habe sonst nie'eine Figur von Corot gesehen, und war sehr erstaunt zu hören, Last die Sammlungen Behrens und Amsinks in Hamburg mehrere enthielten." Des weiteren fanden sich an den Wänden ein Studienkopf von Dürer, eine Photographie nach Meissonier sowie ein Aquarell von O. Weber. Menzel sprach dann mit Lichtwark über die Bilder, die die Kunsthalle besitzt:Bon unserer Atelierwand erzählte er mir, er hätte sie, um kein falsches Licht zu bekommen, bei der Lampe und fast im Dunkeln gemalt. Auch von dem Aymphenbad sprachen wir noch einmal. Er sagte, er hätte sich als Landschafter immer nur für einen Dilettanten gehalten, und da er nun einmal als Figurenmaler gegolten, hätten ihn seine Kollegen auf dem Gebiet auch als solchen an­gesehen. Wir kamen dabei auf den groben Berliner Landschafter Blechen, den er sehr verehrt. . . . Als ich die Treppe hinabstieg, stand mir der kleine Raum, an dessen Wänden Menzel in Photo­graphien mit schmalen schwarzen Rähmchen sein Glaubensbe­kenntnis ausgesprochen, als ein neuer Einblick in die Seele des alten Meisters vor Augen: Michelangelo, und Schlüter, Holbein und Belasquez, Dürer, Corot und Meissonier. Und wie be­scheiden, beinahe ärmlich die Einrichtung I Was für Bedürf nstse anderer Art haben die bedeutenden englischen Künstler > Sv dachte an das Künstler Paradies, tu dem mich Lord Leighton m ' London empfangen, wo jeder Winkel ein Bild war."

Schriftleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Brühl'schen älniv.-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.