Ausgabe 
17.6.1922
 
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Schriftleitung: 3. 'S.: Karl Walther. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Sieinbruckerei,2t. Lange. Bietzen.

lieber die LarMutzermngen des Wildes.

In Mr. 9 (JunGest) der im Verlage von Wih. Gottl. Korn in Breslau erscheinenden ZeitschrieftDer Heger'" findet sich der folgende nicht nur den Jäger interessierende Aufsatz:

Die Laute die die verschiedenen Wildarten von sich geben, mutz der Jäger kennen; die Ursachen, die Sas Wild -nm Stimm­gebrauch veranlassen, rann er vielfach nicht feststellen. Für den wirklichen Jäger werden Beobachtungen ^aus der grünen Praxis und ein Meinungsaustausch über diese Frage nicht ohne Inter­esse sein.

Lieber die vom Wilde zur Paarungszeit ausgestotzenen Laute, sowie über die bei Betreuung der jungen Tiere stattfindenden Lautäuherungen soll hier nichts gesagt werden. Ich will haupt­sächlich über dre Laute sprechen, durch die das Wild LIeberraschung, Schrecken, Angst und Schmerz zum Ausdruck bringt, vrelleicht auch seine Artgenvssen warnen will.

Sc Lite z. D. das schreckende Reh, das eine herannahende Ge­fahr durch lautes Schrecken kundgibt, nicht andere Rehe auf die Gefahr aufmerksam machen wollen?

Ich. habe früher mit vielen anderen Jägern die Ansicht ge­habt, dah das Ach nur dann schreckt, wenn es durch irgend eine Erscheinung beunruhigt wird, diese Erscheinung aber noch nicht in ihrem Wesen erkannt hat, habe aber immer wieder beobachtet, das; Ache auch schrecken, "wenn sie die Erscheinung, D. 'den Menschen, durch den Gesichts- und vor allem durch den Geruchs- sinn erkannt haben. Häufig schreckt das Aeh noch nachdem, wie sein Benehmen erkennen lätzt, es sich nicht in eh: gefährdet glaubt. Sollte 'hier nicht eine Warnung der Artgenvssen die älrsache bzw. der Zweck des Schreckens sein? Es sei denn, datz man den Aerger über die Störung als Grund annehmen will.

Um zunächst beim Aeh Zu bleiben, so dürfte es schwer halten, eine Morin dafür aufzufiellen, wann das Reh schreckt. Der Dock, den den pücschend^l oder blattenden Jäger spitz bekommen Hat, drückt sich, in dem einen Falle still von dannen, unter genau den­selben Verhältnissen geht er ein anderes Mal heftig schimpfend ab.

Acht Tage lang läßt die äsende Ricke den ihr wohlbekannten Waldarbeiter aus 40 Schritt an sich Vorbeigehen, ohne sich um den Mann viel zu kümmern, am neunten Tage regt sie sich über denselben Mann zur gleichen Zeit und an derselben Stelle furcht­bar auf und läßt den Wald von ihrer Erregung wiederhallen, In der Mähe des Artillerieschietzplatzes Wahn bei Köln beobach- tete ich einen äsenden Dock, der die Artilleriesalven mit Schrecken beantwortete, zwischendurch aber ruhig weiter äste und nicht im geringsten beunruhigt schien.

Mach> meinen Beobachtungen, die ich natürlich nicht als mah- gebend hinstellen will, schreckt das Reh im Winter weniger als im Sommer. In meinem früheren Revier ging ich während der guten Jahreszeit kaum einmal durch den Wald, ohne das Schrecken von Rehen zu hören. Bon der Zeit des Laubfalles bis zum Beginn des Schnepfenstrichs habe ich sehr selten ein Reh gehört, obwohl ich im Winter wohl noch öfters das Revier beging wie im Sommer.

Regiment und marschierte mit demweihen Regiment'' von Gietzen nach Koburg, dann über denSattelpah nach Sachsen- Saalfeld an der Saale, wo sie kampierten. Bon hier aus wurde Herrchen mit einem Kommando von 200 Mann auf ote Festung Rosenberg bei Cvonach im Bezirk Bamberg ge­schickt; das Regiment marschierte nach Leatpzig wo es am 13. September 1759 von dem preußischen General von Wunsch gefangen wurde. Herrchen, der auf der Festung Rosenberg zurück­geblieben war, entging dadurch der Gefangenschaft. Da er aver von seiner Kompagnie getrennt war mutzte er sich mit emem Bedegeld" von 15 Kreuzern monatlich begnügen,tDe^eS 4ur Erhaltung seines Lebens nicht hinlänglich war. Der Offizrm des Kommandos, Hauptmann Schäfer aus Laubach, v«:sprach Abhilfe, nachdem Herrchen erklärt hatte, Latz er 6«rotcht se^ zu echapiren". Da er aber 3 Monate vergebens auf Erhöhung seiner Gage wartete, ging er am 17. Oktober

wieder nach Hause zurückzukehren. Er schlug sich glücklich durch und kam bis Lich. Hier wurde er am Weitmwelfen gehmdert, denn die französische Armee lag diesseits der Lahn, die anwerte, Hannoveraner, Braunschweiger, Hessen und Engländer jenseits der Lahn. Trotzdem gelang es ihm, Wetzlar zu erreichen; aber hier war es unmöglich, weiter zu kommen; er mußte einige -eage hier liegen bleiben. Mach vielen Beschwerden schlich er Iw hinter dem bei Oberbiel in der Mähe von Braunfels lagern­den hannoverschen Korps des Generals von Wangenhelm vorbei und kam endlich am 9. Mvvember, nachdem er 23 Tage f^it seiner Flucht von dem Regiment unterwegs gewesen war gluckliq» tn Hohensolms an. (Schluß folgt.)

zeitweise.

Das Keckerm des gereizten aber überraschten Fuchses ist wohl jcbem Jäger bekannt. Richt allen Jägern aber wird der Hals des hetzenden roten Räubers bekannt fein, ja mancher Jäger wird gar nicht wissen, datz Reinecke mit lautem Halse jagt Ach glaube auch nicht, Latz lautes Hetzen beim FuchS häufig ist. Bisher habe ich den Hetzlaut des Fuchses einmal gehört, . Bor einer Reihe von Jahren befand ich mich spät abendS nach erfolgloser Saujagb auf dem Heimwege, als eine wilde Jagd deren Herannahen ich von weitem gehört hatte, auf etwa Schritte vor mir durch lichten Schälwald hin und her ging und sich dann aus meinem Gehörkreis entfernte. Ich hatte zunächst an einen Hund gedacht, fand aber am nächsten Lage meinen Verdacht auf Reinecke bestätigt. 3m Spurschnee konnte ich fest« stelle« 'datz zwei Füchse ein Reh gehetzt batten, und sand auch den von den beiden Rotröcken gerissenen drei- bis vierjährigen Bock. Die Füchse konnte ich in einer Schonung festmachen, sie wurden Beim Treiben am Machmittag von einem Schützen mit Doppelschuh beide erlegt, es waren beides Räkel, der ein» wog 19 Pfund der andere hatte das Rormalgewicht von zirka 14 Pfund. Wie schon gesagt, bin ich der Ansicht, datz der Fuchs selten i* lautem Halse jagt, ich habe nur wenige Jäger kennen gelernt, die den Hetzlaut Reineckes gehört haben. Ob das Keckern des krank geschossenen FuchseS als Angst- bzw, Schmerzenslaut ober als Ausdruck der Wut zu betrachten ist, oder ob schlietzlich diese Gefühle gleichzeitig zum Ausdruck gebracht werden sollen, möchte ich nicht entscheiden. Jedettfalls hat das Keckern gegen den Beran- naHenden Feind etwas Drohendes in sich und mancher Hund lätzt sich vcn dem wütend keckernden Fuchse einschüchtern.

In einem Falle erlebte ich es, datz der doppelt gefehlte Fuchs, als ihm die auf weite Entfernung nachgesandte Kugel aus dem Drilling beide Hinterläufe über dem Futzgeienk zer-

während ein anderes Reh klagt, sobald es berührt wird. Rur einmal habe ich wahrgenommen, datz ein krankgeschossenes Aeh schon beim Heranncchen des Jägers klagte, sonst immer nut, wenn es angefatzi wurde.

Rach meinen Beobachtungen klagen Rehe stets, wenn sie dem verfolgenden Hunde nicht mehr entrinnen können, und zwar schon bevor der Hund sie greift.

Aus den Schutz habe ich verschiedentlich Rehe fiagen hören. Die mir noch genau erinnerlichen Fälle will ich ansühren. Ein Dock bekam dte Kugel (11 Millimeter Blei) weidwund, brach im Dampf zusammen, stand klagend wieder auf und flüchtete klagend m eine Schonung. Bei der nach Zigarrendauer erfolgen­den Machsuche fand ich den Bock tm Berenden. Er war noch etwa 90100 Schritt vom Anschutz gegangen und hatte während der ganzen Flucht geklagt.

Gmem anderen Bock, von dem ich auf 40 Schritt nur den Kopf mit dem starken Gehörn sah, ritz das auf das'Blatt berechnete 8-MMmeter-Teilmantelgeschvh den .Unterkiefer weg, ht un­sicheren Fluchten kam der Bock auf mich zu und die zweite Kugel legte ihn auf die Decke. Mach dem ersten Schutz klagte der Bock, bis ihn die zweite Kugel von seinen Qualen erlöste.

Ein auf einer Treibjagd beschossenes Kitz ging schrill klagend flüchtig toeiter, bei der Machsuche fanden wir das Kitz mit Weid» wuuöschutz verendet.

Meine Beobachtungen an Rotwild können keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen. Ich habe vom Rotwild nur die Brunstlaute des Hirsches und vom Kahlwild nur einen nasalen Schnarch ton gehört. Letzteren besonders deutlich von einem Ali­tier, das bei einer Treibjagd, ohne mich zu bemerken, in meines nächsten Mähe verhasste und ben Ton ausstietz, als ich mich bemerk­bar machte. Klagelaute habe ich weder vom Hirsch rwch vom Tier gehört, cmch nicht von zwei krankgeschofsenen Kälbern, di« mein Hund an der Drossel niederzog.

Don Sauen beim Fratz hörte ich nächtlicherweile einen dem Grunzen des zahmen Schweines ähnlichen Laut, überraschte Sauen stohen einen Laut aus, der an die Stimme des aus geschreckte» zahmen Schweines ebenfalls erinnert und etwa wieruft, raff klingt Weit öfters als diese Laute Habe ich von angeschossener, schwächeren Sauen Klagelaute gehört. In meiner Heimat gilt der Klagelaut als gutes Schutzzeichen. In allen Füllen, mit einer Ausnahme, habe ich das Klagen -mr von schwächeren Sailen vernommen; die Au so. ahme bildete ein dreijähriger Keiler, dem die Kugel den Hinterlaufknochen hoch zerschmetterte. Der Keiler klagte auf den Schutz und fließ auch während der Flucht noch mehrere Male Klagetöne aus, etwa 1 Kilometer vom Anschutz erlegte ich ihn am folgenden Tage im Wundbett.

Sämtliche Gauen, von denen ich Klagelaute gehört yabe, Hatten schwere Knochenfchüsse. Bei anderen SHutzverletzungen, mochten sie noch so schwer sein, habe sch nie eine Sau klagen gehört. Der Fuchs lätzt in klaren, kalten Winternächten ein heiseres Bellen hören, und zwar nicht nur während der Ranzzeit, tote vielfach angenommen wird; ich Habe dieses Dellen auch schon sehr früh, Anfang Dezember, gehört. Auch eine Fäh« gab diesen Laut von sich, während die Jungfüchse gegraben wurden, sie strich tu sicherer (Entfernung in Deckung um' uns herum und bellte dabei

Machdem ich jetzt drei Jahre lang Gelegenheit gehabt habe, Feldoshe zu beobachten, möchte ich die Ansicht ausfprechen, bah das Reh im Walde mehr von der Stimme Gebrauch, macht wie das Feldreh. Eine Aorm dafür, unter welchen Umständen das RH Klagelaute ausstötzt, dürfte sich auch nicht aufstellen lassen. . ...

Indem einen Falle lätzt sich das Rckh ohne Klagelaut abnicken, 1 schmetterte, sofort auf den Schutz klagte.