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itfier selbst mehrere Male in Alsfeld gewesen ist, >Ik$ fest. Er war sowohl auf seiner Fahrt nach
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*) Das spielt eine große Rvfle bei solchen Betrachtungen (der Grad der .Befriedung") und wird meist zu wenig beachtet!
1633 wütete diese in Marburg. 1635 in Gießen, und in diesem Jahre kam sie auch nach Alsfeld. Bon August 1635 bis Februar 1636 starben bt der etwa 3000 Einwohner zählenden Stadt 450 Personen an der Pest. Aber auch die Schrecken einer Belagerung und Bestürmung hat Alsfeld ausgestanden, als es 1646 im sogenannten Hessenkrieg Von den Diederhesseü unter Gehste erobert wurde. Das war der schwerste Stoß, den die vielgeprüfte Stadt zu erleiden Hatte. Sie hat sich nur sehr langsam davon erholen können.
Wohl hat die Stadt seit dieser Zeit nicht wieder die Kanonen vor ihren Mauern donnern hören, aber Kriegs schicksals Hat sie deshalb doch noch in reichstem Maße erdulden müssen. Was Alsfeld im siebenjährigen Krieg, in den Franzosenkriege der 90er Jahre des 18. Jahrhunderts und schließlich noch in den Freiheitskriegen an Einquartierungen, Lieferungen, Kontributionen und Kriegsfuhren zu leisten hatte, was es an Plünderungen über sich ergehen lassen mutzte, davon reden die Kriegsakten des Stadtarchivs eine erschütternde Sprache.
Und doch ist die Stadt unter diesen Lasten nicht zusammengebrochen. Der Fleiß und die Zähigkeit ihrer Bewohner waren unverwüstlich. Die Alsfelder Wollen-- und Leineweber, die Alsfelder Färber und Gerber haben auch in den traurigsten Zeiten unermüdlich weitergeschafft, und so 'hat der Gewerbesleiß im 19. und 20, Jahrhundert der Stadt zu neuer Blüte verholfen. Mit Stolz kann sie heute auf ihre 700jährige Geschichte zurückschauen.
Daß Alsfeld auf dem Gebiet der Reformation in Hessen eine Führerrolle gespielt hat ist bekannt. Zu einer Zeit, wo Philipp der Großmütige noch fest auf dem Boden der alten Kirche stand, wurde in Msfeld schon die LÄ-re Luthers verkündet, und zwar von dem Alsfelder Augustinermönch Tilemann Schnabel Schnabel war im Jahre 1512 von seinem Kloster nach Wittenberg zum Studium auf die Hochschule geschickt worden. Jrn dortigen Augustinerkkoster machte er die Bekanntschaft Luthers und wurde von ihm für die neue Auffassung des Evangeliums gewonnen. 1520 kehrte er als Provinzial des Ordens in sein Kloster nach Alsfeld zurück und predigte dort die Lehre Luthers unter großem Zulauf. Dadurch erregte er bald die Aufmerksamkeit des Landgrafen Philipp, der damals noch fest entschlossen war, das Wormser Edikt in seinen Landen durchzuführen und es kam schließlich so weit, daß ihm Philipp — wahrscheinlich bei einem Jagdaufenthalt in Romrod 1523 — das Predigen untersagte. Da legte er die Mönchskutte ab und wanderte mich Wittenberg zu seinem Freund Luther. Dieser verschaffte ihm eine Psarrstelle zu Leisnig a. d. Mulde. Dort blieb er, bis ihn Philipp im Jahr 1526, als er die Reformation in Hessen duochsührte, wie überliefert wird auf Bitten der Alsfelder, zurückrief. Run wirkte er wieder in Alsfeld bis zu seinem Tode 1559. Luther konnte also mit Recht sagen die Stadt Alsfeld sei „die erste Hessenlandes, welche das wahre Evangelium cm«
Di» Quelle beS Reichtums war der Marktverkehr und SaS hochentwickelte Handwerk. Di« Bürgerschaft bestand nur auS Kaufleuten und Handwerkern. Die Landwirtschaft als Hauptberuf spielte schon damals keine Dolle mehr. 3m 16. Jahrhundert Hören wir von 9 Zünften in Alsfeld. Es waren die Wülen- weber die Leineweber, die Schneider, die Schuhmacher, die Backer, die Metzger, die Löwer (Gerber), die Schmiede und die Häsmrr: Sie hatten alle ihre eigenen Häuser, ihre „Zunftstuben' weitM sichtbar durch daS schmiedeeiserne Zunftschild, das sich m die Straße hineinreckte, wahre Meisterwerke der Schmiedekunst, die Beute noch eine Zierde des Alsfelder Museums btlden. Seit 1429 faßen die Vertreter der Zünfte auch im städtischen Rat. 3n diesem Jahr bekam die Stadt von dem damaligen Landgrafen Ludwig dem Friedsamen eine neue Verfassung, die in ihren Grundzügen unverändert fast 400 Jahre lang bls ins 19. Jahc- äandert gegolten hat, wo sie durch die hessische Landgememde- vrdnung ersetzt wurde. Die Verfassungsurkunde ist der Kore- b r i e f d. h. Kür(Wahl)brief, so genannt, weil dann die Wahl des städtischen Rates neu geregelt wird. Zu den yer- aebrachten 12 Ratsschöffen, aus deren Mitte alljährlich am Drei- fertigt;berg (6. Januar) von der ganzen Bürgerschaft der Bur- ger meist er gewählt wurde, traten von nun an die „vier von der GemeinLe", d. h, vier Männer, di« die Zünfte aus ihrer Mttte wählten. Diese tagten zusammen mit dem Rat und halfen vor allem bei der Finanzverwaltung der Stadt mit beschlretzen.
Der Kvrebrief bedeutete das Ende des Kampfes um die Gleichberechtigung, der Zwischen Len schössenbaren Geschlechtern und den Zünften wie überall so auch in Alsfeld säst hunvert Jahre lang geführt worden war. Mit der Ausnahme der Zünfte M Len Rat verwischte sich mit der Zeit auch der Standesunter- Med unter den bürgerlichen Bewohnern und die Masse wurde gleichartiger - Von den alten „Geschlechtern", die seither die Stadt bcherrscht hatten, starben viele aus, so die Schaufutze und Winvlde im 16. Jahrhundert, andere traten in den Adelsstand über wie die Rotzmuhle, deren Geschlecht heute noch in der Familie der Freiherrn von Rotsmann blüht, und bei der Bürgerschaft kam es weniger darauf an, woher jemand abstammte oder welches Geschäft er trieb als vielmehr daraus, ob er Lurch Vermögen oder persönliche Eigenschaften sich geltend machen konnte.
Der „Kindschal".
Ein Vergleich hessischer Dauernart mit dem Kaukasusbauern.
Von Studiendirektor Pfarrer a.D. Wilhelm Schuster von Forstner, Schloß F. (Lahn).
Da steht er vor mir, unser hessischer Dauer, mit seiner ganzen breiten und behäbigen Art. Er ist pflichtschuldigste zu mir gekommen, amtlich: Ich trage seine Angaben über die Geburt seines ersten Jungen in das Register Les Taufbuchs ein, mustere ihn dabei von der Seite und habe so meine eigenen Gedanken Beim Vergleich unseres Dauern mit dem, der an der Wiege dev Menschheit wohnt, im Kaukasus. Denn auch dort bin ich gewesen: damals als ich von Jerusalem an den Jordan geritten und über Damaskus, Aleppo und Armenien nach dem Rorden gequert war.
Unser Dauer schaut bieder und treuherzig aus den Augen. Gr geht unbewaffnet, höchstens hat er ein starkes Messer in der Tasche. Der kaukasische Dauer dagegen trägt allewege den Kindschal mit sich, eine der furchtbarsten Waffen, die es gibt.
Linser Dauer ist seit langem befriedet *). Vielleicht, ja sicher hat auch fein Vorfahr einmal Menschen tvtgeschlagen. Das soll noch im Dreißigjährigen Krieg vorgekonnnen sein. Wenigstens erzählt es Hermann Löns von Hans Dur. Aber jene Zeit ist nur eine kurz vorübergehende Episode in der deutschen Bauerngeschichte • gewesen. Darüber hinaus schon tausend Jahre lang ist unser Dauer befriedet, 3m Kaukasus ist; dies anders. Da muß er gegebenenfalls noch täglich Menschen totschlagen, dort, wo stch zu den uns so nah stammverwandten, weißhäutigen, blondhaarigen Ginqeborenenstämmen (Bauern) Kaukasier, Türken, Tscherckessen, Kosaken und andere Völker in Splittern gedrängt haben. Dämlich nördlich des Kaukasus zieht sich die ziemlich unbewohnbare Salzsteppe hin, die wir in der Tiergeographie pontisch-es Gebiet nennen, jene Weltecke, wo seit alters Asien und Europa ihre Pflanzen-, Tier- und Menschenbestände ausgetauscht haben. Wer da nicht ausgetauscht wurde, entweder nach Asien oder nach Europa, der wurde in den Kaukasus gedrückt. Für derartige Ankömmlinge hat der kaukasische Dauer noch Beute seinen Kindschal nötig. Dieser „Kindschal" ist eine lange, breite und schwere Messerklinge, die für Hieb und Stich gleich haarscharf auf beiden Seiten geschliffen, als angestammte Wehr im Kaukasus von den einheimischen .Stämmen getragen wird. Jede solche Klinge wird von alteingesessenen Messerschmieden aus dem denkbar zähesten, eigenartig nach uralten äleberlieferungen vorbereiteten Material mit unendlicher Liebe angefertigt und liefert endlich, in ein zweischaliges Heft, gewöhnlich ein Düffelhorn, festgenietet sowie besonders geschliffen, jene gefürchtete Dational- waffe Lei: Kaukasier; sie gehört zur Tracht der Dergstämme und spielt in jedem Handgemenge, in jedem Kampf, bei jedem äleberfall di« verderblichste Rolle.
Dieser kaukasischer Dauer und unser hessischer haben einS zusammen gemeinsam was — scheint es — alle Dauern der Welt gemein haben: Einen harten Kopf. 3m übertragenen Sinne genommen, 'wahrscheinlich auch im wörtlichen. Was hat doch Luther einen starren Kopf gehabt, ohne diesen Dickkopf wäre vielleicht die Kirchentrennung nicht eingetreten, und er rühmt sich ja: „Weine Vorfahren sind rechte Dauern gewest". Aber so ist es mit allen Dauern in aller Welt. Diese Zähigkeit und Beharrlichkeit sieht der Bauer der Datur ab und andererseits
Worms am 12. April, als auch auf seiner Rückkehr von Worms ?m 30. April 1521 hier. Jedoch ist sicherlich der Aufenthalt beide Male nut sehr kurz gewesen. Dagegen hat er hier i>n „Schwanen" übernachtet im Jahre 1529, als er zum Religämsgespräch nach Marburg fuhr.
Philipp der Großmütige hat auch der schon seit dem Mittel- alter in Alsfeld bestehenden Gelehrtenschule im Jahr 1536 B neue Organisation gegeben, die man als die Stiftungsurlunde Alsfelder Lateinschule ansehen muß. Diese Latein- le hat im 16. und 17. Jahrhundert in hoher Blüte gestanden. Das „Exemtionsrecht", ö. H. das Recht, ihre Schüler unmittelbar »tr Hochschule zu entlassen, Hatte sie zwar nicht, sondern die Alsfelder Lateinschüler besuchten erst noch' ein Jahr das Pädagogium in Marburg im 17. Jahrhundert auch das in Gietzen, ehe ße die Hochschule beziehen !ounten, aber sie stand weithin in gutem Rufe, und noch 1697 rühmt Joh. Just Winkelmann tn seiner „gründlichen und wahrhaftigen Betreibung der Fürstentümer Hessen und Hersfeld" datz aus ihr „viele hochgelehrte und treffliche 2eut entsprossen seien". Die Schule sank freilich im 18. Jahrhundert rasch herab und nahm im 19. Jahrhundert ein unrühmliches Ende: 1837 ging sie in der Volksschule auf.
3m 30jährigen Krieg hat Alsfeld, wie so Wiele andere Städte Hessens schwer gelitten. Das furchtbarste Menschenopfer verursachte ihr die schauerliche Begleiterin des Kriegs, die Pest,


