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Wirtschaftlichkeit, ist Aufgabe des Ingenieurs. Er muß unter günstigster (Ausnutzung der von der Ratur gegebenen Verhältnisse und möglichst billiger, dabei jedoch vollkommener Planung und Ausführung der nötigen technischen .Anlagen eine Möglichst billige Erzeugung der Kraft im Kraftwerk erzielen. Dazu gehört, die zur Verfügung stehenden Wassermengen zu ermitteln, diese dem Bedarf und den Dedarfszeiten in der Abgabe anzupassen, sie dem Wasserlauf durch geeignete Anlagen zu entnehmen aufzuspeichern und dem Krafthaus zuführen, dabei dem natürlichen Wasserlaus möglichst viel Gefall mit künstlichem Seitenlaus in Kanälen, Stollen usw. abzugewinnen, im Krafttverk an günstiger Stelle auszu» nutzen und alte Anlagen und Einrichtungen genau den auszunutzenden Wasfermengen in Größe und Stärke anzupassen.
Die zur Verfügung stehenden Wasfermengen einigermaßen genau „u bestimmen, erfordert jahrelange Beobachtungen und Messungen der Riederschläge im Einzugsgebiet, der im Wasserlauf herrschenden Wasserslände und der dazu gehörenden Absluhmengen. Hierzu dienen die Beobachtungen der meteorologischen Stationen (Regenstationeu usw.) mit ihren Regenmessungen, die Beobachtungen der an den Bächen und Flüssen sitzenden Pegel, an denen die stets wechselnden Wasserstände abgelesen werden, und die zu diesen gehörigen Messungen der im Wasserlaus bei den verschiedenen Pegelständen abfließenden Wassermengen. AuS den Ergebnissen mehrerer Jahre läßt sich dann ein Schluß ziehen aus die in den verschiedenen Jahreszeiten usw. zur Verfügung stehenden Wassermengen.
Hm eine Wasserkraft auSzunuhen, wird da» Wasser dem Lauf an einer möglichst günstigen Stelle entnommen. Wo es sich nicht um die Ausnutzung der Wasserkraft eines natürlichen Watser- falles handelt, bei dem die Ratur ohne weiteres das Grfäck, die Oertlichkeiten der Wasserentnahme und des Kraftwerks verschreibt, wird das Tal an einer möglichst engen Stelle .gesperrt" buixß ein Wehr, einen Sperrdamm, eine Sperrmauer, eine Talsperre. Je enger das Tal, desto kleiner und billiger das Bauwerk. Die Höhe des Sperrwerkes, der (Aufstau, ist bedingt durch örtliche Verhältnisse, Dahnhöhen, Ortslagen, Straßen usw. Auch ist der für den Zweck des Kraftwerkes nötige Inhalt des Stauraumes maßgebend. Große Staubecken werden nötig, wenn ein Werk im ganzen Jahr möglichst gleichmäßig täglich stets dieselbe Krast abgeben soll. Dias trifft zu bei den selbständigen, unabhängigen Wercken, die dauewrd ohne Unterbrechung im Betrieb sind, „Laufwerken". Hier muß möglichst alles Wasser, das im ganzen Jahr zusließt, also Rieder- und Hochwässer, ausgefangen und zu gleichmäßiger Verteilung ausgespeichert und abgegeben werden. Es entstehen die großen Talsperren. Bei Werken jedoch, die mit anderen bestehenden Kraftwerken, insbesondere mit Dampfkraftwerken zusammenarbeiten sollen, ist es oft von größter Bedeutung, nur zu gewissen Zeiten bestimmte Wassermengen abzugeben, und den während eines Tages in bestimmten Stunden austretenden besonders hohen Bedarf an Kraft die „Spitzen" zu decken, um damit dem „Laufwerk" einen gleichmäßigen Betrieb und Dampfkraftwerken eine gleichmäßigere Belastung der Kraftmaschinen und Kessel zu gewährleisten. Wo besonders viel Wasser zur 'Beifügung siebt, kann auch über den Spitzenbedarf h naus währei d teS Tages Kraft abgegeben werden, wodurch bestehende Dampfkraftwerke entlastet und damit der Strom verbilligt werden kann. Bei solchen „Spitzenwerken" genügen kleinere Staumauern, da weniger Wert auf größeren Ausgleich gelegt wird.
Don den Sperrbauwerken ist das Wasser unter möglichst vollkommener Ausnutzung des Gefälles dem Kraftwerk zuzusühr-en. Bei größeren, hohen Talsperren und bei natürlichen Wasserfällen ist dies u. 11. unmittelbar «rn Fuß der Sperrmauer bzw. des Wasserfalles selbst möglich. 3n anderen Fällen muß das Gefäll jedoch dem Wasserlauf erst abgewonnen werden. Der natürliche Wasserlauf wird zu diesem Zweck an dem Sperrbauwerk verlassen, um in einen künstlichen Kanal geführt zu werden, der unter sorgsamster Ausnutzung der Geländegestaltung angelegt wird: er darf nur schwaches und soviel Gefäll haben, als zur Beförderung des zur (Ausnutzung vorgesehenen Wassers nötig ist. Zwischen dem steilen Lauf des Gewässers und dem flacheren Lauf des Werkkanals wird aus diese Weise Höhe gewonnen. An einer meist von der Ratur gewiesenen Stelle wird bann die zwischen bem alten Wasserlauf und dem künstlichen WerkLinal gewonnene Höhe, das „Gefäll" au genutzt und das Wasser von der Höhe in einer Druckleitung. (Triebrohrleitung) auf die Turbinen des Krafthauses im Tal geschickt. Damit ist dem alten Wasserlauf zwischen dem Sperrbauwerk und dem Krafthaus gewöhnlich das Wasser entzogen. Rur bei großen Hochwässern, die der Werkkanal nicht abführen und das Staubecken nicht fassckn kamt, fließt der Ileberschuß über den Heberfall des Sperrwerkes durch das alte Bett ab. Zwischen Sperr- und Kraftwerk können also keine Mühlen und keine Dewässerungs» einrichtungen mehr bestehen. Der von dem mit Absperrschieber Hochwasserüberlauf Leerlaus, Rechen und Tauchwänden gegen Geröll und Schwimmstvffe versehenen Sperrmauerwerk abzweigende chmstliche Kanal kann offen (meist bei „Laufwerken", wenn eS das Gelände gestattet) oder als geschlossene Rohrleitung (bei steilen Talhängen und meist bei „Spitzenwerken") oder auch im Berg
inner» als Stollen ausgeführt werden. An der Stelle, wo das Wasser vom künstlichen Kanal durch die Triebrohrleitung auf die Turbinen geleitet wird, wird bei größeren Gefällen das sogenannte „Wasserschloß" errichtet, (ein Ausgleichsraum, offenes Decken oder geschlossener Turm), das nicht etwa den Zweck hat, als Sammel- raum zu dienen und das Wasser aufzuspcichern, sondern durch den Betrieb verursachte Wasserschläge aufzunehmen 'und unschädlich zu lmachen, die als wellerförmige Anschwellungen und Stöße der Rohrleitung außerordentlich gefährlich sind, z. B. wenn bei einem durch Kurzschluß der Dynamos eintretenden Plötzlichen Stillstand der Antriebs-Turbinen die im Anfließen befindliche Wassermasse plötzlich aufgehalten wird.
Oft ist es möglich, in einem Kraftwerk auch noch das Wasser eines Seitentales auszunuhen: die Lösung dieser Aufgabe wird dann meist gefunden durch Anlage eines Stollens durch den die Täler trennenden Bergrücken, der das Wasser des Seitentales von dem auch dort errichteten Sperrwerk nach dem künstlichen Werkkanal des Haupttales oder öem Wasserschloß führt. Eine vergleichende Berechnung muß die Wirtschaftlichkeit dieser Erweiterung erst prüfen.
Das zum Wasserschloß geleitete Wasser passiert, durch die Triebleitung strömend, die Turbinen, setzt diese in älmdrehung und fließt, seiner Kraft beraubt, dem „Unterwasser" d. h. dem alten 'Wasserlaus wieder zu. Mit den Turbinen auf einer Welle gekuppelt drehen sich die Dynamomaschinen (Generatoren) und erzeugen elektrischen Strom. Die Art deS Stromes (Gleichstrom. Wechselstrom, Drehstrom), und seine Spannung ist abhängig von etwa bestehenden Stromnetzen, in die das Werk speisen soll, und von der Größe des zu versorgenden Gebietes. Meist sind Umformungen hinter der Schaltanlage <tn Transformatoren nötig. Handelt es sich um ein „Spitzenwerk", das also nur in bestimmten Zeitzwischenräumen läuft, so ist, wenn unterhalb Triebwerke vorhanden sind, die auf eine über den ganzen Tag gleichmäßig verteilte Wassermenge eingerichtet sind, unterhalb des Kraftwerkes noch ein Ausgleichweiher anzulegen, der das von dem Kraftwerk stoßweise abgegebene Wasser wieder auf einen gleichmäßigen Tagesverbrauch ausgleichen muß.
(Schluß folgt.)
Südfrüchte, die in Deutschland reifen.
3n diesen letzten Wochen vor Weihnachten wird es besonderbitter empfunden, daß Südfrüchte heute Preise haben, die für den weitaus größten Teil des deutschen Volkes unerschwinglich fenä. Wie schade, l?irb da so mancher sagen, daß solch köstliche Früchte nicht auch auf deutschem Boden gedeihen. Daß dies hinsichtlich verschiedener Südfrüchte aber Doch der Fall ist, wenn auch nur bis zu einem gewissen Grade, ist nicht allgemein bekannt. Apfelsinen anzubauen, wurde seinerzeit in Elsaß» Lothringen versucht, scheiterte aber. Vereinzelt kommen Apfelsinen jedoch an der Haardt zur Reife, so in Deidesheim und Bad Gleisweiler. Dasselbe gilt von Orangen, Mandarinen und Zitronen, wobei bemerkt sei, daß die Orange sogar noch in milden Lagen Ostpreußens in gutgepflegten Schloßgärten Früchte treibt, die schon stank irvt- bzw. goldgelb angehaucht sind, aber doch die volle Reife nicht zu erlangen vermögen. Zur Vollreife kommen Orangen in den meisten Jahren in dem fast durch italienische Vegetation ausgezeichneten t berühmten Schloßgarten auf der Bodenseeinsel Mainau. Feigen kommen an der Haardt zur Vollreife haupt» fächlich in dem berühmten (Weinort Deidesheim, wo die Südgiebel mancher Häuser Feigenspaliere aufweisen. Man kann dork köstlich fuße Feigen vom Stamm abpflücken, aus dem sie hervor- zuquellen scheinen. Jedoch ist die Zahl dieser Spaliere nicht so groß, daß Feigen aus der Rheinpfalz in den Handel komme» könnten. Vereinzelt sind Feigenbäume über das ganze mittler* Deutschland verteilt.
Mandelbäume gibt es in großer Zahl an der Haardt, an der Bergstraße, im Rheindurchbruchgebiet Dingen—Bonn auf der Mainau und vereinzelt auch am Taunus. Zu hunderten stehen Wandelbaume in fast jeder der großen Weinbergsgemarkungen längs der Haardt, von der Elsässer bis hinunter zur rheinhessischen Grenze. Die Mandeln blühen oft schon QTtitte Februar: dann überzieht ein zarter Dlütenschleier aus Weiß und Rosa die Weinbergsterrassen. Die meisten Mandeln werden in Konservenfabriken wie Walnüsse unreif eingelegt und gingen schon vor dem Kriege meist nach Qlmerifä und (Shigkinb, tt>o sie hvhe Preise erzielten, In Andernach wirb Manbelblütenseise erzeugt. UeberaU wo die Mandel reift, gedeiht auch die Edelkastanie, am Rande deS Haardtgebirges in ausgedehnten Wäldern. Die rheinischen Edelkastanien werden nicht so groß wie die Maronen aus Italien, Sudtirol und dem Görzischen, sind ihnen aber an Aroma überlegen. Edelkastanien reifen auch bei Kvmvtau In Böhmen, zwischen 2lußtg und Lobositz im Elbtal, im unteren Rahetal, hier und da an der Mosel, vereinzelt in den Weinbergen von Meißen und Gruuberg in Schlesien, sowie in Wernigerode im Harz.
Echrlftleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Brühl'lche« Huiv^Vuch. und Steiudruckerei. R Lauge, Gießen,


