Ausgabe 
16.9.1922
 
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Die Speisekarte des Armenschen.

Der berüh^t Küchen-Philosoph Drillat-Savarin Hat die Küche als die älteste kulturelle Großtat der Menschheit gepriesen.

AuS der Geschichte der Kohle.

X .Echt in feiner volkstümlichen Naturgeschichte

(?edx9 Q- Kofel and Fr. Pustet, Münchest) int^ efsante Angaben darüber. So soll in England die Kohle schon , ^omerjeiten als Brennstoff bekannt gewesen sein, doch erst ^.^40 em regelmäßiger Bergbau auf Kohle bestanden haben Nachweisen laßt sich der älteste Steinkohlenfund 1113 bei Aachen i^o,^^Eenlager von Zwickau 1348, doch wurden fte etft seit 1423 im großen ausgebeutet. 3m 14 Jahrhundert crfnfJ«. h?6Jm Zwickauer B-ckM und ttnBuhrtA s^E>er Mitte des 18. Jahrhunderts in Schlesien und im Sa«» wurde der Kohlenbergbau immer bedeutender durch Entwicklung der Industrie und man ging von dem anfänglichen über- 31X1 Mittelalter herrschte Abneigu^ gegen das Heizen mit Kohlen, da der Kohlenrauch die Luft ver» .:«ste und ^die Speisen ungenießbar mache. Schätzungsweise soll noch 500 Ja-hce, Amerika 650 fchmen d 'Uch 900 Jahre hinlänglich Kohlen liefern

Schriktlettmig- August Goetz. - Druck und Verlag der Arühl'schen Univ-Buch» und Steindruckerei. A. Lange. Gießern'

weil Mit der Entwicklung des Geschmackes die Grundlage für jede fitere Ausbildung der Sinne geschaffen wurde Zweifellos be» Deutet die Entwicklung der Kochkunst einen wichtigen Fortschritt aus dem Wege des Urmenschen zur Kultur, aber es ist schwierig, bei dem Dunkel, das noch immer Über diese ferne Borzeit gebreitZ ist, die einzelnen Stufen zu erkennen, durch die die Menschen auf die uns bekannte erste Höhe gelangten. 3n anschaulicher Weise stellt nach den neuesten Forschungen Earl W. Aeumann in Anem bei Beclam erschienenen TuchWunder der Arwelt" die Küche des Urmenschen dar. Zunächst war der Mensch ein Alles» cffer, der sich in ferner Bochoung durch nichts vom Tiere unterschied Erst als es ihm gelang, das Feuer in seinen Dienst zu stellen war auch die Vorbedingung für den Anfang der Kochkunst gegeben Einfach genug mag der erste Herd gewesen fein, ein flackerndes Feuer auf offener Waldblöße oder schwelende Aschem-

<wt-fTter ^rdverti^ung. Kein Kochtopf war vorhanden;

- rr lvurde einfacy ins Feuer gelegt oder in heißer Asche auf flachen durchgluhten Steinen, vielleicht auch in erhitzten Erd- gruben, langsam geröstet. Das sind Arten des Kochens, wie sie noch heute Naturvölker üben. Früh aber kam man schon zu ®u'er I/^Ethvde, die von innen heraus durch erhitzte Steine ausgefuhrt wurde Auch ward allmählich das Drolbacken iu ber üblich Zur selben Zeit, da der Urmensch das

Fleifch über dem Feuer briet, begann er auch allerlei Körner

r und sie zwischen zwei Steinen zu mahlen, um sie, mit ST «ines dicken Mehlbreies zu genießen

Solcher Mehlbrei ist m einzelnen alten Gefäßen gefunden worden Die Frau aberlhatte zunächst mit dem Backen und Braten wenig

? a£ an. der Herdstelle wurde erst frei, als der Kochtopf in Ausnahme kam, als Kochen und Sieden üblich wurden nS k Mansch vom nomadisierenden Jägertum zum seßhaften Ackerbau überging. Der Kochtopf, 'heute noch Symbol der Köchin, tft das Endglied einer langen küchentechnischm Entwicklunas. rnhe. die zunächst wohl mit Trinkgefäßen einsetzte. 3m Tierhorn oder im Holzbecher weichte der Benntierjäger der Steinzeit die when Nahrungsmittel ein; er warf dann in die wassergefüllte» Gefäße erhitzte Steine und erwärmte so das Wasser, brachte es gar schließlich zum Sieden. Als aber erst das Sieden einmal gefunden war, da war nur noch ein kleiner Schritt vom Tier-Horn

Dohlen Kürbis zürn feuerbeständigen Kochtopf aus Ton oder Lehm.

x brodelnde Kochtopf bedingt dann jene erste Blütezeit Der Kochkunst, dre wir noch aus dem sogenannten Kjöllenmöddin- ger, aus den an den dänischen Kästen gefundenen Abfallhaufen der alteren Steinzeit erkennen können. Aus diesen 5060 Meter breiten und 13 Meter hohen Dämmen von allerlei Kehricht hat man in mühsamer Arbeit eine sehr abwechslungsreiche Speise­karte des Armenschen festgestellt. Diese Steinzeit-Schlemmer ^t enxc^ne besondere Vorliebe für Austern, Aiesmuscheln und ^^^bschnecken, deren Schulen zu Millionen aufgehäuft sind Dazwischen fand man die zahlreichen Beste von änderen Gängen der Speisekarte, von Fischen, Vögeln und Säugetieren: Gräten vom Hering, vom Dorsch und vom Aal, Knochen vom Singschwan M bem heute in Dänemark fehlenden Auerhahn, vom Hirsch Ach und Wildschwein. Seltener waren Wölfe und Füchse Luchst und Bären vertreten, und nur vereinzelt tauchten Knochen von Batten und Mausen auf, die zeigten, daß der vorgeschichtliche Mensch tn Tagen der Bot auch mit schlechteren Gerichten vortieb

In vielen Fällen waren die Säugetierknochen gespalten und des kostbaren Markinhaltes beraubt Auch die Pflanzenwelt ist in dieser prähistorischen Speisekarte vertrete«. Urmenschen war also in dieser Epoche schon ziem»

lich reichhaltig, er konnte bei einem Festmahl ein Hors d'oeuvre bon Austern ^und Aiesmuscheln auftragen, dann gebackene Fische oder Auerhahnbraten folgen lassen und schließlich als Hauptgmm iwm Wisent oder Auerochsen, Rehrücken und - Wildschweinskeule darbieten.

ein Menschs ihn nicht auch ehren? Seht sein greises Haar; fordert es nicht jedermann zur Ehrfurcht auf?''

Die Höflinge schwiegen, der Greis aber wanderte heim und weilte bei seinen Feigenbäumen. Die Sonne schien hell, die Vögel sangen, und die Bluten dufteten. Er sah nach den grünen Bergen und Dem blauen Himmel und dankte dem Schöpfer für die Gnade, die er ihm erwiesen hatte.

Hadrian und der Feigenhandler.

(Fortsetzung des Vorigen.)

Als der greife Gärtner 'heimgekehrt war, verbreitete sich alsbald bas Gerücht von der Huld des Kaisers gegen denselben in die ganze stlmgegerid. Freunde und Bekannte, namentlich aber viele Frauen eilten zu dem Gärtner und ließen ihn von seinem Glucke erzählen. Viele bezeugten eine ungeheuchelte Freude und Teilnahme, aber auch der Neid und die .Habsucht erwachten zu gleicher Zeit in der Brust mancher Anwesenden. Dor allem war es eine geizige Frau, die mit Scheelsucht auf das Glück des Alten sah. Sie dachte nach, wie wohl ein gleicher Schah zu erhaschen sei und hatte bald, wie sie glaubte, eilten guten Plan ersonnen. Sie eilte ihrer Behausung zu und herrschte ihren Gatten mit folgenden Worten an:

Wie? Du sitzest hier ruhig in Faulheit und Trägheit, indes deine Bachbarn Schätze sammeln und reich werden."

Der Mann antwortete:

Ich lhabe zwar gehört, daß unser Bachbar, der alte Gärtner, ein großes Geschenk an Gold erhalten habe; aber er ist auch nur der einzige Mann, dem dieses Glück zuteil wurde. Der Kaiser ist ihm hold gewesen, wer weiß warum."

Weil er ihm ein Körbchen mit Feigen gebracht hat", lärmte die Frau.Hörst du. Feigen 'hat der Kaiser ihm so teuer bezahlt! älnd du kannst dies ruhig hören und müßig bleiben?"

Und was soll ich beginnen?" fragte geduldig der Mann.

Die Frau schrie:

Haben wir nicht ebenso schöne Feigen? Kannst du nicht einen ganzen Sack voll dem Kaiser bringen? Mache dich sofort auf und sorge, daß du mir einen gleichen Schah 'heimbringst."

Die Frau lärmte und tobte, und der Mann mochte ein- wenden, was et wollte, er mußte, wie viele Männer, schweigen und um des Hausfriedens willen der Frau gehorchen.

Das keifende Weib schrie fortwährend:

Dringe mir einen Schah! Du bringst mir einen Schatz!"

Der Mann sprach kein Wort, füllte einen Sack mit Feigen und begab sich mit seiner Last an den Hof des Kaisers.

2lls er an das Tor des Palastes kam. fragten ihn die Diener was er für ein Anliegen habe? Der Mann antwortete:

Ich habe gehört, daß der Kaiser gern gute Feigen kaufe unb diese teuer bezahle, ich habe einen Sack der schönsten dieser Früchte 'hergebracht."

Man teilte den Wunsch des Mannes dem Kaiser mit, der anfangs lächelte, dann aber, überzeugt, daß nur Neid und Mih- gunfi den Mann an seinen Hof gebracht 'hatten, nach dem Manne fragte. f

..Er steht an der äußeren Pforte des Palastes", antwortete ein Diener.

Laßt ihn dort bleiben," sprach der Kaiser,und jeder, der in den Palast aus- und eingeht, soll ihm eine seiner Feigen ins Angesicht werfen. Ich glaube, daß dies der gerechte Löhn ist den der Mann verdient."

Der 'harrende Feigenhändler war nicht w«ig erschrocken als er das Urteil des Kaisers hörte; er wollte sich gern ent­fernen, aber man bedeutete ihm, daß er fo lange bleiben müsse so lange noch- eine Feige im Sacke wäre, die man ihm ins Antlitz Wersen könnte. Gr stand wie vernichtet. Anfangs tröstete er sich damit, daß er bald von diesem quälenden Hohn und Spott be- freit fern würde; aber obschon viele kamen und gingen, die ihm ote Feigen ins Antlitz warfen, dauerte es doch einen ganzen Tag eh der Sack teer war. Das Gesicht des Mannes war ganz am gelaufen, und seufzend verließ er das Tor des Palastes

Die Frau aber erwartete ihren Mann mit Sehnsucht sie sah schon im Geiste das viele Gold und schmiedete Pläne für die Zukunft. Es versteht fidj. von selbst, daß sie daran dachte in Prunk und Pracht zu leben, zum Aerger und zum Beide aller Freundinnen und Nachbarinnen. Als der Mann heimkam eilte sie ihm mit freudiger Miene entgegen, denn sie sah den leeren Sack mein'schätz?" Mominen> rief die Ban tippe,wo ist

Der Mann erwiderte ruhig:

»Sieh mich an. Der Himmel hat dir in mir den einzigen Schah erhalten. Ich hatte bas Glück, daß es nur Feigen warm ine ich an den Hof brachte. Wäre ich mit einer anderen Frucht Sunt Kaffer gekommen, zu dem mich der Neid 'Hingejagt hat ich Ware nicht lebendig zurnckgekehrt." a ' 7