Samstag, 16. September
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1822 — Nr. 37
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Wie Luther die Bibel verdeutschte.
(Zum Jubiläum am 17. September.)
In diesen Tagen vor 400 Jähren, wahrscheinlich am 17., vielleicht aber auch erst am 21. September 1521 ist das Neue Testament in Luthers Aebersetzung zum erstenmal erschienen, und aus diesem Anlaß 'haben bereits verschiedentlich Gedenkfeiern stattgefunden, und man wird jetzt allenthalben den Tag begehen, denn die Luther-Bibel ist nicht nur ein protestantisches Buch sondern ein Markstein in der Geschichte unseres Schrifttums, eins der klassischen Werke unserer Literatur und ein Weltbuch in seiner Einwirkung auf die Menschheit. Die Arbeit Luthers an der 23er« dsutschung der Bibel schildert sehr anschaulich Pfarrer Adolf A i s ch in einem soeben im Stuttgarter Ouell-Verlag erscheinenden Büchlein „Was jeder Deutsche von feiner Lutherbibel wissen muß". Die erste sichere Kunde vom Beginn der Aebersetzung gibt sein Brief von der Wartburg vom 18. September 1521; seitdem sind wir durch weitere Schreiben ziemlich genau über das Fvrtschreiten der Arbeit unterrichtet und über die ungeheuren Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt. „Ich habe mir eine Last aufgeladen, die über meine Kräfte geht. Jetzt sehe ich, was es 'heißt, übersetzen", seufzt er am 13. Januar 1522. And doch gelang es ihm in der kurzen Zeit vom Anfang Dezember 1521 bis Anfang März 1522 das ganze Neue Testament in sein geliebtes Deutsch zu übertragen. Die Anru'hen der Bilderstürmer zwangen ihn am 6. März zur Rückkehr nach Wittenberg; in wenigen Tagen stellte er die Ruhe wieder her und begann nun sofort mit seinem gelehrten Freund Melanchthon die fertige Aebertragung noch einmal sorgfältig durch,zuarbeiten. Auch von anderen Sprachgelehrten und Dibelkennern holte er sich mündlich und brieflich Rat und Auskunft ein. Bald nach Ostern begann der Druck, und er wurde mit solcher Beschleunigung betrieben, daß man zuletzt auf drei Pressen gleichzeitig druckte. Der Wittenberger Buchdrucker Melchior Lotter stellte das Buch her, das im September 1522 mit dem Titel „Das Reue Testament. Deuhsch" in der für die damalige Zeit ungewöhnlich hohen Auflage von 25 000 Stück erschien. Diese Erstausgabe des Reuen Testaments, die sog. September-Bibel, war aber kein kleines Büchlein, sondern ein stattlicher Band, auf dickem Papier in großen Buchstaben gedruckt, ein Prachtstück der Druckerkunst, an Umfang großer als heute eine große Familienbibel. Die Buchanfänge waren durch feingezeichnete Zierbuchstaben hervorgehoben; die Offenbarung Johannes mit 21 Holzschnitten geschmückt, die wahrscheinlich aus der Werkstatt Lukas Cranachs und z. T. von ihm selbst herstammten. Der Preis des Buches betrug 2I/2 Gulden, nach dem Friedenswert etwa 400 Mark. Für diese Summe bekam man damals schon ein Pferd. Rach, zwei Monaten war bereits eine zweite Auflage nötig, die man die Dezember-Bibel nennt. Man riß das Buch den Verkäufern geradezu aus der Hand.
Roch im Herbst des Jahres 1522 nahm Luther die viel schwerere Aufgabe der Verdeutschung des Alten Testamentes in Angriff: aber es dauerte bis zum August 1534, ckhe die erste Gesamtausgabe der ganzen Bibel erscheinen konnte. Die ersten Lutherbibeln waren prachtvolle, mächtige Bücher, von Luther mit Einleitungen zu den einzelnen Schriften und am äußeren Rande mit kurzen Erklärungen versehen. Diese wertvollen Zugaben des Aebersetzers, die zum Teil Meisterstücke der deutschen Sprache sind, verschwanden erst seit dem Dreißigjährigen Kriege aus den Dibeldrucken. Die große Volksverarmung nach dem furchtbaren Krieg mag wckhl dazu gezwungen haben, alles irgend
wie Entbehrliche aus der Heiligen Schrift zu entfernen. Luther verbesserte und feilte unermüdlich an dem Text bei jeder neuen Ausgabe. Das Reue Testament wurde in Wittenberg unter seinen Augen 22mal, die ganze Bibel 14mal neu aufgelegt. Die sorgfältige Durchsicht des ganzen Textes erfolgte in Sitzungen mit seinen gelehrten Freunden, die zeitweise 1—2mal wöchentlich stattfanden. Aufzeichnungen über diese Verhandlungen sind uns durch einen der Teilnehmer, Georg Röoer, aufbewahrt; sie ge» währen einen tiefen Einblick in die Bibelarbeit und lassen an zahllosen Beispielen den Eiser und die Mühe erkennen, mit der Luther um den klarsten und besten Ausdruck rang. Von der 'Aebersetzung des Alten Testamentes ist noch ein Teil der Handschristen Luthers auf uns gekommen. Bom Reuen Testament gibt es keine Handschrift; doch, besitzt Jena Luthers Handexemplar von 1540, das viele eigenhändige Verbesserungen am Rande aufweist. Luther ging seine Riederschrift vor jeder Drucklegung mit seinen Freunden noch einmal durch und trug die Verbesserungen mit roter Tinte ein. Diese rotkvrrigierte Handschrift wanderte dann in die Druckerei. Obgleich es schon vorher deutsche Bibelübersetzungen gab, so wurde doch die Bibel erst durch Luther im deutschen Hause 'heimisch. Seit dem Erscheinen des Reuen Testamentes bis zu Luthers Tode gingen etwa 377 Bibeldrucke aus, von denen man bei jeder durchschnittlich eine Auflage von 3000 Stück rechnen kann. So ergoß sich also in diesen 24 Jahren ein Strom von mehr als einer Million Heiliger Schriften durch die deutschen Lande. Als dann zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Cansteinsche Bibelanstalt in Halle die Derbreitung des Buches der Bücher überna'hm, da stellte sie allein von 1712—39 über 800 000 Bibeln Her. ihn 1800 war die Bibel in etwa 40 Sprachen überseht. Heute ist sie in mehr als 340 Sprachen in mindestens 250 Millionen über die ganze Erde verbreitet.
In Valularien.
Märchen aus Tausend neunhundert und zwoandzwanzrg. Bon E r r ch Feldbaus.
Tante Mathilde zu Schustersreuth ist ledig geblieben, liefert» gens: Sie glaubt auch nicht, was in den Zeitungen steht. Offenbar hängt das letztere irgendwie mit ihrem Magdtum zusammen. Denn dle Zeitungen haben eine Spalte „Familienanzeigen". Und daran 'öht feie Tante jahrelang Aergernis genommen. — Genug: Als es ab August Vierzehn hieß, „bringt Euer Gold zur Reichs- bank" tat die Taute nicht also. Im Gegenteil, sie 'holte ihre ersparten Fünfzigtausend von vier Sparkafseir ab und legte das also gewonnene gelbgleisende Metall in eben so viele Strünrpfe. Lebte im übrigen ruhig weiter von ihrem Handel: „Kurz-, Woll- und Schnittwaren."--Als neulich das Zwanzigmarkstück „Sechs-
tausend" brachte, hat die Tante den Augenblick für gekommen erachtet Sie ephielt 15 000 000 (in Buchstaben: Fünfzehn Millionen) Mark. And kaufte dafür die Hälfte der Aktien der Schustersreukher Brauerei Akt.-Ges., die immer noch 2 Millionen Friedenskapital hat und deren Papiere, da sie „nur“ 20 Prozent verteilt, aus 1000 stehen. Die Tante hat jetzt eine Million Goldwerte und 5 Millionen in Papier. Sie setzt sich nächsten Monat zur Ruhe.
Der Geherme Kommerzienrat Dr. 3ng. h. c. v. Kummer war der rerchste Mann in Obermittelsburg. Er baute die bekannten Dampfmaschlnen, Shstem Kummer, und beschäftigt« 1400 Arbeiter habet 3m Jahre 1914 aber, am 15. August, Da er Sechzig all


