Ausgabe 
15.7.1922
 
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Der Millionenschatz in der Asche.

Man schreibt uns aus Butzbachs

Am einen sagenhaften Schatz, dessen leichte Hebung ßoye- nannte Schatzgräber dem Leichtgläubigen anbieten, soll es hier nicht gelben, sondern um wirkliche MillioneMoert«, an deren He­bung unser gesamtes Volk interessiert ist.

Wenn wir hinausgehen vor die Städte, dann sehen wir auf den Wogen, die mit den aus den Steuerungen entfallenden Schlacken aufgesüllt sind, dah da ungezählte KoK- und Kohlenteile nicht zu ihrer eigentlichen Bestimmung gekommen finb und was noch schlimmer ist, ungenutzt hier zur Wegausfüllung verwendet werden, oder sogar auf Schutthalden gelangen. Wissenschaftlich hat man fest gestellt, dah 50 und mehr vom Hundert noch brenn­bare Bestandteile in den Schlacken enthalten sind. Das ist aller» dings ein Luxus, den wir uns heute nicht mehr leisten dürfen und aus national-wirtschaftlichen Gründen vermeiden müssen. Die meiste und beste Kohle erhält die Entente, die Saarkohle können wir zu Frankenpreisen nicht kaufen. Eine Tonne kostet heute fas! 200maI so viel wie in der Zeit vor 1914 und finanziell sind die Aussichten so trübe, dah nur die wirtschaftliche Nutzbar­machung aller Erfindungen und Kräfte der Industrie und Technik uns unser trauriges Los erleichtern werden. Es wurden und werden Millionenwerte mit der Asche hinausaefchüttet auf die Schutthaufen das ist der Millwnenschatz in der Asche.

Diese heute wirtschaftlich hochwichtige Frage der Rückge» wimiung der unverbrannten Bestandteile aus der Asche ist schon viele Jähre vor der Kriegszeit gelöst worden, und swar hat die KvhlenaufbereitungsfirmaMegutn A.-G. Butzbach" damals be­reits einige Aschenaufbereitungsanlagen gebaut und in Betrieb gesetzt. Diese jahrzehntelangen Erfahrungen hat sich dieses Werk unter fortwährenden Berbesferungen so zunutze gemacht, dah man heute sagen tann, dah das Problem der Scheidung von brennbaren Teilen und reiner Schlacke vollkommen gÄöst ist. Die Scheidung von Schlacken und Brennstoffen ist im Prinzip sehr einfach Reine Schlacken sinken unter, 'während unverbrannte Teile im bewegten Wasser fchwimmen. Die nach diesem Prinzip arbeitende, patentierte SetzmaschineMegnin", die in den Kohlenwäschen der Bergwerke das Herz der Kohlenaufbereitung darstellt, ist heute bei der Aschenirsnnung ebenso zu bewerten.

Deutschlands größte Kohlenverbraucher sind die Reichseisen­bahnen. Die Eigenart des Betriebes und der Derfeuerung auf beschränktem dauernd bewegtem Raum, brachte es schon früher mit sich, dah sie trotzdem derjenige Derbraucher waren, bei dem die Kohle am wenigsten ausgenuht wurde, und die veränderten Derhältnisse bei der Eisenbahn selbst, ebenso wie die Berschlechte- rung des Brennstoffes und der Zwang zur Benutzung auch weniger geeigneter Sorten und Grotzen 'haben den Ausnutzungs­grad noch weiter sinken lassen. Rur etwa ein Viertel bis ein Fünftel der verbrannten Wärmewerte erscheinen als Zugkraft wieder, aber es verbrennen, wie sich herausgestellt hat, nur 55 bis 70 vom Hundert der Kohle überhaupt. Der Rest bleibt als Abfall in den Feuevungsrückständen. Mit ähnlichen, wenn auch prozentual geringeren Verlusten kämpft seit langem jeder Köhlen- gvvhverbraucher und es ist natürlich, dah außer dem am Eingang genannten Meguinschen Scheideverfwhren eine Reihe von weiteren Verfahren ausgeprvbt wurde, von denen sich aber keines im gröberen Umfange durchsetzte, weil diese sich nur für bestimmte, besonders günstige Verhältnisse als anwendbar erwiesen, während bet anderen die geretteten Brennstoffe teurer als gleichwertige

SLMstcrg, 15. Juli

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frische Kohle zu flehen kamen und schkiehlich keines eine restlose Rückgewinnung ermöglichte. Zuweilen wurden zwar Brennstoffe und Rebenerz-eugnisfe gewonnen, aber in einer Form, die bis zur Verwendbarkeit noch eine kostspielige Verarbeitung erforderte.

Sv hat sich die Eisenbahnverwaltung bereits vor zwei Jahren durch Köhlemnangel und Defizit veranlaht gesehen, ihre Be­mühungen zur Erhöhung der Kohlenausnutzung in den Loko­motiven auch auf die Drennstosfrückgew-imiung auszudehnen, was anfänglich auf die denkbar unrentabelste Art durch Auslesen der brauchbaren Stücke aus der Asche geschah. Run hat die Bahn auf btefem Gebiete einen gewaltigen Schritt vorwärts getan, indem sie das Meguinsche Verfahren einführte, das durch Verbesserungen und Verbindungen mit anderen Kohlenrückgewinnungsverfahren durch den Hainburger Grvtzinduftriellen Generaldirektor Leo­pold auf eine nicht mehr überbietbare Ausnutzung gebracht wurde. So werden gegenwärtig nach diesenr System 13 grobe Anlagen zur Verarbeitung von jährlich ungefähr 420 000 Tonnen Feuerungsrückständen betrieben und gebaut. Die Menge des hier­bei gewonnenen reinen Kokses schätzt man auf 164 000 Tonnen, dessen mittlerer Heizwert 5500 Wärmeeinheiten betragen wird, während für gute Steinkohle 7000 Einheiten berechnet .verden. Durch die Verarbeitung des feinen Kokses bis zu 8 Millimeter Gröhe unter Zusatz von Fe in kohle und Hartpech, zu Briketts, werden statt 63000 Tonnen Kvksgrus etwa 74 000 Tonnen Kvks- briketts mit einem Heizwert von etwa 6500 'Wärmeeinheiten er­stell, Anher den brennbaren Rückständen werden noch 256'000 Tonnen nicht brennbare, als Reinschlacke gewonnen, die zur Her­stellung Don 130 Millionen Schlackensteinen ausreichen. Es tritt also nicht nur eine Verwertung der wiedergewonnenen Kohle ein, sondern auch eine Verwertung der Schlacke zu Schlackensternen. Die Anlagen arbeiten auf gemischt-wirtschaftlicher Grundlage, d. h. die Eisenbahnverwaltung liefert nicht nur gegen gute Be­zahlung ihre Feuerungsrückstände, sondern sie ist auch mit vier Zehnteln am Gewinn beteiligt. Aus genannten Ziffern geht hervor, dah die erste oben genannter 13 Anlagen, die für die Eisenbahnverwaltung in der Hauptsache arbeitet und in Eidelstedt bei Hamburg errichtet wurde und die im Lause der nächsten Wochen und Monate in Betrieb kommenden weiteren Anlagen gvvtze wirtschaftliche Bedeutung besitzen für die Gesundung der inneren deutschen Wirtschaft und der Finanzen unserer Staats­bahnen. Für die seither bet der Eisenbahn nur älnkvsten machende wertlose Asche erhält dieselbe einen Preis, der sich nach dem Kohlenpreis richtet, und die Frachtgebühren für die Anfuhr ersetzt.

Was die hergestellten Schlackensteine betrifft, so sagt man von ihnen, dah sie vom Schwemmstein sowohl wie vom Ziegel die guten Eigenschaften in sich vereinigen. 'Diese Schlackensteine werden vielfach heute als Bausteine für 'Wohnhauskolonien, Be­amten- und Arbeiterhäuser verwendet. Der Frachtersparnis halber können die Schlackensteine an Ort und Stelle verbraucht werden. Bei der Herstellung der Schlackensteine tritt eine bedeutende Er­sparnis an Kohle in die Erscheinung, was sehr wesentlich ist.

Erfindung, Technik und Industrie haben hier meisterhaft zu­sammengearbeitet. Dreizehn AschenscheidungsanlagenMeguin- Levpvld" werden in diesem Jahre noch, so hoffen wir, in Betrieb kommen und die Kohlennot etwas beheben. Diese geringe Zahl wird jedoch zur Aufbereitung 5er Millionenschätze, die in der Asche ungehoben liegen, nicht genügen; die Eisenbahnen und di« Industrie werden eine weitere Anzahl derartiger Brennstoff- rückgewinmingsanlagen, die zum Wohle ger Allgemeinheit dienen, schr bald errichten muffen