Ausgabe 
14.10.1922
 
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Doden zerwühlten. Olur hxrttrtg schaute er zu, wie aus ein« großen Wunde das warme Blut Hervorquoll und auf dem Boden sn einer Lache stehenblieb. Heftige Schmerzen verursachten ihm das Aneinand«reiben schwer zerschossener Knochen, cwennenoer Durst quälte ihn, die Lippen waren trocken und die Sonne,, ,ie brannte so heiß - so heih. Rur «b und zu trai mn freudig^ Leuchten auf seine Züge, wenn sem Blickhmuberglllt in daß^al am Waldessaum, zu den braven Batterien, die mck höchster Feuersteigerung arbeiteten, und ganze Salven auf sunfMndert Meter Entfernung Hinein preschten, dort unten in die 3iegp.iei, tzw der Feind sich so hartnäckig schlug. Rur schrittv^se wich « Mrück jeder Fußbreit Erde kostete blutige Opfer Obgleich die Sonne chon langsam nach Westen sank, war doch immer noch keine Wendung eingetreten. Ha, saft schien es, als hatiw sich das Kriegsglück gewendet, denn in der Hand des Schlachtengottes schwankte bedenklich die Wage. Als der Mann, rer dow E Blute La wieder mal hinüberschaute nach demTal des Todes da sah' er den Besitzer desselben, jenen furchtbaren Mann, die Sense K« mitten in den Batterien stehen. Mit seiner knöchernen 5mnd lallte und mähte er, schlug Wunven, die kein Argt -mhr heilen konnte, äleberall lagen geborstene Bohre,

Räder aufgerissene Pferdeleiber und Kanoniere, bleich, mutig ?nd töt - Gestern noch aus stolzen Rossen, Heute durch die Brust geschossen. Der große Schnitter aber verliest, als er sein Wert vollbracht 'hatte, dieses Jammertal, schritt quer über das Schlachtfeld, achtlos an Verwundeten vmmber unD wanote sich Hinunter nach der Ziegelei Lange - lange ist er hrer «e^> wnae bange Stunden und Hielt große Ernte Erst als die Bonne alutroi im Westen unterging, und der Abend ferne Schleier wob und mitleidig über die Erbe breitete, verstummte allenthalben der Lärm des Kampfes. Die Franzosen 'hatten, n^ch enormen Verlusten aul das Dorf Les Maurvuptes (sprich Morupt) zuruch aezogen Grabesruhe breitete sich über das ganze Schlacht eld Äüben im Rordwesten, in der Richtung auf M s-S mm roten Feuerschein am Himmel, am Horizont wetterleuchtete es un ^s Giollen von schweren Batterien summte aus der Ferne le; e m^u^ herüber - Richt lange sollte diese Ruhe dauwm, unheil­verkündend lag es in der Luft. Die stacht sollte noch ein ^-rauer­spiel erleben, das die Ereignisse des TageSi well in denschatte stellte - Die deutschen Soldaten lagen auf Ben gettcrn, >as & im Arm, und ruhten aus von der Tagearbeit, und harrten der Dinge, die noch kommen sollten. Hungrig waren fre, seit vierundzwanzig Stunden Mitten sie noch

nirgends aber horte man eine Klage; fest preßten sie kste Zahne aufeinander und waren zufrieden mit ihrem Hirten Los das ihnen der Herrgott beschieden hatte. Etwas abseits^bei euiem Heckenrosenstrauch sahen zwei Soldaten eng beieinander, treue Freunde müssen es gewesen sein, denn sie unterhielten sich leise tlüsternd miteinander; vielleicht weilten ihre Gedanken fern in der X,,,,ticken Heimat in ihrem gemeinsamen Hermatsdo^chen. Da glitt S Ä Brotbeutel; einen Augenblich und er hielt zwischen seinen Fingern ein winziges Stückchen Brot, es war fim-t Vn6 nusaetrocknet von der Sonne. Mit wehmütigem Lächeln L er davök und mit einem Schluck lauwarmen Wasters eiiiem letzten Rest aus der Feldflasche, spülte er das karge Mahl hinunter Sein Freund wollte das gleiche tun; auch- seine Hand schob sich zAernd in den Brotbeutel; lange, lange dauerte es dann kam kte wieder zum Vorschein - sie war leer - Und diese Hand, die vielleicht noch nie im Leben gezittert hätte, sie bebte leise HaMa wandte er sein Gesicht zur Seite, sein Blick irrte hinüber

weite Fernen nach jenemWetterleuchten der Batterien; ein Schnrerz wiihlte in seiner Brust, in seinen Augeniperlteeine Träne und Heist und schwer rollte sie ihm uv« das männlich Angesicht Sein Freund sah es vnd getreulich teilte er mi^ ihm den letzten Bissen, denn geteiltes Leid ist halbes Leid.

Richt weit davon, auf einem Feldstein, saß ein Mann mit stark «grautem Haar. Auf seinem Kopfe trug er eine Feldmütze und quer über seinen Knieen lag ein blinkender Degen Ordon- nanzen kamen und traten zu ihm hm machten ein« kurze Meldung und verschwanden wieder lautlos im Dunkel der Rächt. Gin Melde reiter tauchte auf, vom Riservedragoner-Regiment Ar ^ Er schien es sehr eilig zu Haben, denn yasftg fast ungeduldig schob er sich durch die Gruppen der ruhenden Soldaten, fern schaumbedecktes edles Tier am Zügel führend. Auch er trat zu lenem Manne hm, ihin ein lleines beschriebenes Stückchen Papier überreuhend. Emen Augenblick später, dann war er entlassen. Geräuschlos entfermte er sich wieder. Ganz nahe kam er an unseren beiden Freunden vorvet Sie sähen, dast Reiter und Pferd über -und über mit Staub bedeckt waren und dast letzterem der Schaum kn, großen »locken von den Weichen -heruntertropfte. Sie sahen wie der Leib des Pferdes bebte und aus seinen roten aufgeblähten Rüstern Weitzer Dampf strömte und sähen seine «rosten feurigen Augen, die sc^oarA wie Kohle glänzten. Ein paar Minuten noch, daim war die Stelle leer Lange fasten die beiden Freunde in Gedanken iwrsunken, plötzlich flüsterte der eine:Horch!" Drüben burch die Stille der Rächt, in der Richtung nach dem roten Feuerschein Hörte man ganz deutlich den sich entfernenden Aufschlag eines schnell trabenden Pferdes.--Ab und zu schauten unsere

beiden Freunde ehrfurchtsvoll nach jenem Manne hm, der dort auf dem Feldstein fast; es mutzte sicher ein Großer, mußte em Führer sein. Sicher hatte auch! er in vierundzwanzig Stunden noch

nichts esien können. Es wäre ihm Wohl nicht schwer gefallen, irgendwo etwas Brot und einen Schluck Wein aufzutreiben, aber er verschmähte es als edler Führer, ein solches zu tun. Ec war viel zu sehr Ehrenmann, um hier zu essen, während seine Getreuen hungerten. Auch nicht im allergeringsten dachte er an seine eigene Person, viel, viel wichtigere Dinge waren es, womit sich seine Gedanken beschäftigten. Immer noch hielt er zwischen leinen Fingern jenes kleine Blatt Papier, das ihm, der staubbedeckte Reiter vorhin überreicht hatte. Inhaltsschwere Worte müssen es gewesen sein, die darauf standen furchtbare Worte. Eine eisige Ruhe lag auf seinen Zügen, unverwandt, fast drohend schaute er Hinüber nach dem Dorfe Les Maurvuptes. Auch unsere beiden Freunde waren fest überzeugt, dast es eine äußerst wichtige Mel­dung sein mußte; denn nicht vergebens hätte der Leib des Dra- qonerpferdes so krampfhaft gebebt. Es sollte nicht lange dauern, dann sollten sie es alle.... alle erfahren. r~ Langsam und bleiern schlichen die Stunden dähin----! Mrckernach war

v-orüber. .Unten auf den Feldern wurde es lebendig Ganze Scharen standen da, wohlgeordnet w:e auf dem Eperzierplu.i, und in ihrer Mitte, umgeben von einigen getreuen tapferen Offizieren stand wieder jener greise Führer und erteilte kurz mm klar seine Defthle Sein Gesicht war bleich aber eine eiserne Energie iprack aus seinen Zügen, ein strenger, unbeugsamer Wille. Wieder ging ein Befehl flüsternd von Mund zu Mund: Hande tasteten nach der linken Seite, ein kurzer Ruck einen Moment I. 4*}- tausende Bajonette starrten drohend in dre Sommernacht Wieder ging ein Befehl leise durch die Kompagnien und lautlos gtaten sämtliche Schlösser aus den Gewehren und verseywanden tm Brot­beutel --Grabesstille---noch fünf Minuten Pause - -

Mechanisch, mit kalter Ruhe, zog der greise.Fahrer ieinen Deg-m seinem Beispiel folgten alle Offiziere ^stwMurlichrMeten ch tausende von Blicken zum Rachthimmel; em kstrz^ SteSgebet zum Lenker der Schlachten; ein jeder von biejen furchtlose Mannern dachte noch einmal flüchtig an die ferne deutsch-: Ä-rmat dachte noch einmal an das, was er hier auf Erden am meisten geliebt, ein ^kurzer Wink und dahin Betoegte sich bie auserlesene tapfere Schar in der Richtung--nach dem Dorfe Les Mourouptes

Lmftlos, wie die Schatten der Otaft «taten Sie ©ePatam btifrm, nichts war zu hören, nur m den Wipfeln rauschte leise der Rachtwind.--

Drüben am Ausgange des Dorfes Les Mauroaptes be.rn sich eine französische Dorpostenstellung; eine Feldwache lag un­mittelbar in ihrer Rahe. Zwei französische Posten standen in der Weqegablung; leise schlichen sie hin und her unb mit ihren dunklen Augen schauten sie mißtrauisch! in die Rächt hinaus^ - _ wegte sich nicht dort über das »eld eine dunkle Masse, uw b.ckmlick riesengroß?, oder wars Einbildung der erregten Phantasie? Huschten dort nicht dunkle Gestuften heran? Ein«, Augenblick noch dann- erscholl ein lcha^sranzoslsches Qui vive Halt, werda! durch die Stille der Rächt - - -. ©in arvßer Schatten, ein blitzendes Bajonett, em schwerer Männertritt, ein leises Knirschen einer StaHMnge und mit einem lsisen Weh- laut sank der Franzose zusammen und über ihm beugte sich em braunes Angesicht mit weißer blinkender Helmschiene und am Kragen mit hessischen Gardelihen.--Der zwecke Posten wollte

fliehen, schon schwebte auf seinen Lippen ein gellend« Alarmruf zu spät ein dumpfer Schlag von schweb« Hand geführt und ohne auch nur den leisesten Laut von sich zu geben, sank er auf den grünen Rasen. Dort lag die frar^ösische S-ldwache_unbBort &te Vorvostenstellung. Ein minutenlanges, furchtbares Rmgen Mann gegen Mann, Messer gegen Messer. Weiter eilten die hohen Gestalten bis an den Rand des Dorfes, Hinten aber in der französischen Borpostenstellung und an d« Ste le wo die Feld­wache geleqeii hatte, war es ganz ihlt geworden, so gmiz still Ein französisches Alarrnsignal ertönte, verernzAte Schüsse knall­ten und eine feurige Lohe v«breitete sich im Dorfe. Einen Mo­ment noch, bann erscholl ein gellendes Hurra aus tausenöen trmft tiger Männerkehlen durch die Rächt und windgetragen irrte der Schall über das Schlachtfeld und «weckte m den Waldern em leises schauerliches Echo! Eine Viertelstunde später ent­rollte sich in den Straßen des Dorfes ein Bild, das wohl m der Geschichte des Weltkrieges einzig dastand. Mit Stillschweigen will ich darüber hinweggehen. Rur eins sei noch erwahnft Mitten im würgenden Tode, von rotem Feuerschein umgeben, stand Wied« jener greise Führ« mit gezogenem Degen. Erst vor ein naar Tagen erhielt « die Nachricht, daß sem Sohn als tapferer Manenosiizter in Frankreich gefallen war. Hier s and « selber, der Oberst vom zweiten Regiment, umgeben ^n tapftren, uner­schrockenen Männern, Soldaten aus der alten, deu tschem >->chule, mit weißen und gelben blinkenden Helmspitzen, Friedensware.

Als im Osten das erste Frühlicht glänzte war das Werk vollbracht das Dorf endgülllg dem Feinde entrissen; aber sch!were, blutige Opfer, teure Menschenleben 'hatte es gekostet. In den Straßen des Dorfes, zwischen rauchenden Rumen und schwelen­den Ballen sah man üBeraH tote französische Soldaten liegen. Eigentümlich leuchteten ihre roten Hosen durch das dämmernde Grau des Morgens; es sah aus, als wär's Mut. Ganz unerwartet Hatte sie hi« das Schicksal «eilt. Ab« sie waren's nicht allem, schmerzlich sei's gesagt. Desond«s droben im Oberdort, wo der Straßenkampf seinen Höhepunkt erreicht hatte, wo der vollm überraschte Feind sich, zum letzten verzweifelten Wid«stand auf-