1922
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UnVeröffentlichte Briefe von Gustav Freytag.
Im Verlag von I. 3. Weber m Leipzig ist ein für jeden Deutschen wertvolles Büchlein erschienen: Gustav Frehtag als Politiker, Journalist und Mensch. Mit untrer» össentlichten Driesen von Frehtag und Max Jordan. Singeleitet und Herausgegeben von Dr. Johannes Hofmann, Stadtbiblw» tHrkar in Leipzig.
Diese Briefe Frehtags, die vor allem aus den Jahren des Ringens um die deutsche Einheit stammen, werden nicht nur dem Literarhistoriker und Historiker wertvolle Aufschlüsse geben, sondern 'heute in der Zeit nationaler Rot überhaupt jeden Deutschen interessieren, da sie beweisen, dass bei liberaler Gesinnung der nationale Gedanke nicht verleugnet zu werden braucht. Don besonderer Bedeutung sind die Briese aus dem eosten deutschen Reichstag 1867 und vom Kriegsschauplatz 1870 mit ihren fast verblüffenden -Urteilen über die damalige oder zukünftige politische Lage, vor allem Über die Politik Bismarcks. Da bei allem, was Frehtag seinem Mitveda'kteur an dem „Grenzboten" und guten Freund Jordan schreibt, anher der männlichen Wahrhaftigkeit und warmen stlaterlandsliebe stets auch der prächtige Mensch mit feinem köstlichen Humor sich, zeigt, trägt diese Deröffent- lichung wesentlich dazu bei, Frehtag als den „Hausfreund" des deutschen Volkes immer mehr schätzen und lieben zu lernen.
Wir geben hier einige schönen Briese Frehtags aus Deutschlands großer Zeit wieder:
S ieb le b e n 28. 7. 70.
Mein ffreutet Jordan.
Heut 28. Mittag erhalt« ich Ihren Bries. Die Antwort Grünows giebt zu denken. Daß er die Verlängerung nicht acceptirt, bedeutet wohl, das) er bereits Schritte gethan, eventl. die Grenzboten fortzuführen. Was sagen Sie za Buschas-Bismarck? Das wäre der Humor von der ganzen Sache, wie der Spietzgesell Fallstafss zu sagen pflegt, älnterdetz soll ans dies« Zukunft nicht stSvgp. Denn die Gegenwart bedrängt. Sie haben ganz recht, Last für die Grünen etwas Entscheidendes geschehen mutz. And so wirds wähl nichts Helsen, ich werde als Ihr SpezialcvrresponLent zum Heer gären müssen. Im Trust, ich glaube es wird sich so machen u. es wird auch für die Grünen am besten sein. 3n voriger Woche wurde angesragt, ob ich den Kr.fonprinzenj ins Hptguartier begleiten wollte; ich forderte eine klare Stellung u. einen Kreis von Pflichten, der diese Stellung sichere. Die Verhandlungen wurden durch die Stockungen der Post aufgehalten. Ich- habe mich jetzt bereit erklärt, u. erwarte Ordre zum Aufbruch. Gehe ich, also noch — als Volontair und ehrlicher Kerl, ohne Anstellung — so werde ich allerdings zu tun finden. Aber die Zeit den Grünen zu correspondieren wird doch bleiben. Ich würde in diesem Fall Ihnen in Form eines Tagebuchs schreiben. Sie würden das apart setzen können, wies einläuft, etwa durchschnittl. 1 Form ans Ende. Sie dürfen in dieser Zeit kein Bedenken haben, einmal 4, oder 6 Formen zu bringen. Geschlossen wird das Heft ohne Erbarmen, Wenns Zeit ist. Schreiben auch Sie an Major (Oberstl, ?) Blanken»
') Moritz Busch, seit Februar 1870 im Pressebureau Les Auswärtigen Amtes tätig, machte den Feldzug gegen Frankreich an Bismarcks Seite im Trösten Hauptguartier mit.
Burg in Breslau, ob er Ihnen nicht Artikel senden wolle. Ditte schreiben auch Sie an Graser.
Ich Hoffe außerdem Gelegenheit gu haben, Ihnen milit. (Sorte» spondenzen zu werben, ich will für die Grünen thun, was ich irgend kann.
Die Mrfstelluna der Armee wird erst Anfang nächster Woche beendet sein. Die Position ist, wie ich Ihnen angab, nur mit 2 Modisic.fativnenj. Die 1. Armee — welche wie es scheint mit Absicht — undeutlich gelassen wird, führt nicht Voigts-Reetz sondern Steinmetz. Die Reservearmee Herwarth [Don Bittenfeldj nur bis za ihrer Einordnung. Die Rordarmee soll Lrrrch Falkenstein disponirt, durch [Grostherzog vonj Mecklenburg, der gelobt wird, befehligt werden.
Die schwerste Aufgabe ist dem Kronpr. gestellt. Zwar die Bad.senserj sind fertig, die Würtemberger behaupten es zu sein, die Baiern wollen bis zum Sten Aug. in Schlachtlinie «stehn 2lber wahrscheinlich wird ihn der erste Stvh treffen und seine Aufgabe wird fein, diesem zu weichen. Das ist schlimm für die Stellung zu den Süddeutschen.
Die Frage dieses Krieges ist im Grunde, ob England gelingt, ihn zu localisiten. Kriegen die Franzosen Haue, dann wird Rap. das Aeuherste daransetzen, einen allgemeinen Brand zu erregen, weil dieser ihm vor seinen Franzosen bei einem Friedensschlutz immer noch die Ghance giebt, dah der Zwang Europas, nicht Preußen ihn gedämmt habe.
Leben Sie wohl, mein lieber Freund, geben Sie den Grünen meinen wegen, Ihrem Gemahl meine Huldigg. den Freunden beste Grüße. Behalten Sie lieb Ihren getreuen Frehtag.
Saarburg, 13 Augst 70. Mein Herzensjordan!
Tausend Grütze, beifolgenden Art. von Dr Hastet für die Grünen, der Schluß folgt morgen Abend. Ich schreibe Ihnen aus Petersdorf (Post Saarburg) der letzten deutschen Stadt. Der goldene Schlüssel von Luniville ist heut an den Kronprinz gesandt, es scheint, daß Rap. die Linie Metz—Thionville aufgiebt um sich mit dem Rest seines Heeres auf Chalons f./M. von da nach Paris zurückzuziehen, unterdetz dch Diplomatie Intervention u. Frieden zu^ schaffen. Wir sind entschlossen, drauf zu marschiren. Bon der Höhe der Vogesen sah ich am Rasttags in die idyllisch-friedliche Gebirgslandschaft, nur gerade vor mir am blauen Berg wirbelte zuweilen ein weißes Wölkchen u. schallte dumpf ein Kanonenschust. Pfalzburg wurde von den cernirenden Deutschen beschossen. Di« Truppen haben durch 3 Regentage in Bivaks und ausgesogenem Land 'etwas gelitten, die Zuversicht ist ungeheuer, wir sind 100 000 M. stärker als die Franzosen, denen mehr als Vs, fast die Hälfte ihrer Armee bereits gelernt hat, was Flucht vor deutschen Waffen h!eiht. Der groß« Schwindel Rapvl.seons geht wohl zu Ende. Dennoch halte ich für gut, mit ihm Frieden zu schließen, denn mit wem sonst?
Herzlichen Grutz. Rächsts mehr von
Ihrem getreuen Frehtag.
Sieb leben 17 Sept. 70.
Mein theurer Jordan. Ihr Bries war der erste Grutz ander Heimath, welcher mich unmittelbar nach meiner Rückkehr traf. Seien Sie bedankt dafür u. für Vieles Andere. Zunächst sende ich Ihnen herzlichen Glückwunsch in das Haus. Was Sie nttr über das Kleine (Jordans fünftes Kind, ein kleines Mädchen,


