Ausgabe 
14.1.1922
 
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umherrolktL Das Gespenst begab sich nun mit aller Macht daran, das Geld wieder in die Truhe zu werfen, und krähte mit den Händen das zusammen, was von dem Haufen herunter und über den Boden gerollt war; und der Bursch konnte daraus entneh- men, dah es glaubte, der Lag sei nahe, und daß < sich deshalb so sehr wie möglich beeilen wollte. Nun kam es so, dah das Ge­spenst alles Geld wieder in die Truhe geworfen hatte, und da merkte der Bursch, dah es aus dem Zimmer eilen wollte. Der Bursch fand, es läge kein Grund dazu vor, sich so sehr zu beeilen, das Gespenst aber sagte, das Ware doch der Fall; denn der Tag wäre nun da. Es wollte an dem Burschen vorbei, der aber versuchte, es daran zu hindern, indem er es festhielt. Das ging aber nur so lange, bis das Gespenst wütend wurde, den Burschen packte und sagte, dah es nun nicht mehr ratsam für ihn sei, es daran zu verhindern hinauszukommen. Der Bursch fing das Gespenst auf, merkte aber bald, dah seine Kräfte dabei zu kurz kvnrmen würden und wich deshalb langsam zurück, indem es versuchte, schweren Hieben auszuweichen und das Stolpern zu vermeiden, und so trieben sie es eine Weile. Einmal als das Gespenst den Rücken gegen die Zimmertür wandte, die offen stand, wollte es den Bur­schen an seine Brust haben, um ihn um so stärker zu Boden schleudern zu können. Der Bursch sah deutlich, was es im Sinne hatte, und konnte sich schon denken, dah das zu seinem Tode führen würde. Er griff deshalb zu einer List. Als das Gespenst die erste An­strengung machte, ihn an sich zu ziehen, sprang er ihm mit solcher Gewalt mitten in die Arme, dah es hintenüber und mit dem Rücken gerade auf die Türschwelle fiel, während der Bursch beim Fallen obenauf zu liegen kam. Es kam aber so, dah das Gespenst mit dem Kopf aus dem Zimmer herausflog und das Licht, das mitten am Himmel stand, ihm in die Augen fiel; es sank deshalb in zwei Teilen in die Erde hinab, da, wo es slag, lein Teil an jeder Seite der Schwelle, und der Erdboden schloh sich sofort wieder, so­bald die Stücke verschwunden waren. Obwohl der Bursch etwas steif in den Gliedern und zerschunden von den Griffen des Ge­spenstes war, begann er jedoch sogleich zwei Kreuze aus Holz zu machen, die er in den Fußboden stieh, wo die Teile versunken wareit, das eine außerhalb, das andere aber innerhalb der Zimmer­tür. Dann legte er sich zu Bett und schlief, bis die Leute des Hofes morgens nach Haufe kamen und es hellichter Tag war.

Sie boten ihm Guten Morgen und hatten jeht freudigere Gesichter, dah sie ihn am Lebejn sahen, als am vorhergehenden Abend beim Lebewohlsagen, und sie fragten ihn, ob er nichts von dem Spuk in der Rächt gemerkt hätte. Der Bursch erwiderte, dah er keinen Spuk gemerkt hätte. Die Leute wollten ihm nicht glauben, was er auch tat, um sie zu überzeugen.

Er blieb nun den nächsten Tag über da; denn er war sehr mitgenommen von feinem Kamps mit dem Gespenst, auch wollten ihn die Leute des Hofes um alles in der Welt picht verlieren, weil er es so gut verstand ihnen Mut einzuflöhen. Abends, als er sah, dah sie Anstalt machten fvrtzugehen, versuchte er auf jede erdenk­liche Weise, sie zu überreden, im Hause zu bleiben, und sagte, dah der Spuk ihnen keinen Schaden zufügen würde. Da half ihm aber nichts. Die Leute glaubten ihm nicht und gingen fort wie am Abend zuvor; er hatte jedoch mit seinen UeBerreEningen und Er­munterungen so viel erreicht, dah sie keine Furcht hatten, ihn zurückzulassen. Als sie den Hof verlassen hatten, ging der Bursch zu Bett, ruhte sorglos aus und schlief bis zum hellen Tag. Morgens kehrten die Leute wieder auf den Hof zurück und fragten ihn nach dem Spuk, er aber erwiderte, dah er nichts davon gemerkt hätte, und fand, dah sie nicht mehr nötig hätten, in dieser Hinsicht Furcht zu haben.

Er erzählte ihnen nun alles was in der verflossenen Rächt passiert war, zeigte ihnen die Kreuzzeichen am Boden, wo die Körperteile versunken waren, und führte sie an die Geldtruhe. Sie dankten dem Burschen mit wvhlgesetzten Worten für sein mutiges Auftreten, baten ihn zu verlangen, was er sich von ihnen wünschen mochte, als Entgelt für die Hilfe, die er ihnen geleistet hätte, gleichviel ob er Geld oder Gut haben wollte, und sagten, daß er auf Skalholt bleiben solle, solange er irgend Lust habe. Er dankte ihnen für ihr freundliches Anerbieten, er brauche aber weder Reich- tum, noch sonst irgend etwas, sagte er, auch wolle er nach diesem Tag nicht länger dort verweilen. Die nächste Nacht aber blieb er noch dort, und in dieser Nacht schliefen alle Leute zu Hause auf dem Hof, und weder diesmal noch später merkten sie etwas von Spuk. Morgens machte sich der Bursch bereit, von Skalholt fort« zuwandern; die Leute wollten ihn zwar keinesfalls verlieren, es half aber alles nichts, et wollte fort. Er sagte, dah 'ar jetzt nichts mehr dort zu tun hätte, da die Leute ja auf idem Hof bleiben könn­ten. Darauf verlieh er Skalholt, sehr gegen den Willen der Leute, und steuerte nordwärts.

Es geschah nichts Bemerkenswertes auf seinem Weg, bis er eines schönen Tages an eine Höhle kam. Da ging er hinein. Er konnte keinen Menschen entdecken, in einer Seitenhöhle aber er­blickte er 12 Betten, die einander gegenüber, sechs in einer Reihe, aufgestellt waren. Alle Betten waren ungemacht, und da der Tag noch nicht um war, so dah er nicht erwarten konnte, dah Die Höhlen­bewohner bald nach Haufe kommen würden, begann er, alle Betten zu machen. Als et damit fertig war, legte er sich in das -Bett, das zii äußerst an der einen Seite der Höhle stand, wickelte die Decke

sorgfältig um sich und schlief ein. Nach einer Weile erwachte er davon, dah jemand in der Höhle umherging; er hörte, dah eine Menge Menschen gekommen waten, die sich darüber wunderten, wer wohl hineingekvmmen fein mochte und ihnen die Freundlich­keit erwiesen hatte, ihnen die Betten zu machen;- er hätte dafür ehrlichen Dank verdient, sagten sie. Nachdem sie, wie ihm schien, zu Abend gegessen hatten, gingen sie zu Bett. Als aber der Einen- tümer des Bettes, in dem er lag, die Decke zurückschlug, erblickte er den Burschen.-Die Höhlenbewohner dankten ihm für seine Hand­reichung, die ihnen so gut zustatten gekommen war, und baten ihn, bei ihnen zu bleiben, um ihnen in der Höhle behilflich zu fein; denn sie selbst hätten nicht viel Zeit, sie müßten die Höhle bei Sonnenaufgang verlassen, da sonst ihre Feinde kämen und sie dort bekämpften, und aus diesem Grunde könnten sie sich zu Hause gar nichts vornehmen.

Der Bursch sagte, daß er ihr Anerbieten annehme und einige Zeit bei ihnen bleiben wolle. Er fragte sie dann, wie es 'denn käme, daß sie jeden Tag einen so schweren Kampf zu bestehen hätten, der nie ein Ende nähme. Die Höhlenbewohner sagten, daß jene Männer Feinde wären, mit denen sie schon früher häufig in heftigem «streit gelegen hätten, und die stets ,int Kampf unterlegen seien. Sie erzählten, dah sie sie immer noch jeden Abend Überwältigten und töteten. Es fei aber immer so, daß ihre Feinde am nächsten Morgen umgingen und jedesmal wilder und ungestümer wären als je zu­vor, und ohne Zweifel würden sie durch ihre Gegner in ihrer Höhle angegriffen werden, wenn sie nicht bei Sonnenaufgang auf dem Kampfplatz anwesend wären. Dann gingen sie zu Bett und schliefen bis zum nächsten Morgen.

Gleich bei Sonnenaufgang gingen die Höhlenbewohner, bis zu den Zähnen bewaffnet, fort, baten aber erst den Burschen, sich der Höhle und der Hausarbeit anzunehmen, was er ihnen auch versprach. 2m Laufe des Tages ging der Bursch in einen Nuß- baumwald, der in der Richtung lag, in der er sie hatte verschwinden sehen, als sie von der Höhle fortgingen, um zu erfahren, wo der Kampf ftattfänbe. Als er den Kampfplatz entdeckt hatte, eilte er wieder in die Höhle hinein. Zunächst machte er die Betten der Höhlenbewohner, fegte die ganze Höhle und tat, was sonst zu tun war. Müde und matt kehrten die Höhlenbewohner abends nach Hause zurück und waren erfreut, als sie sahen, daß der Bursch die ganze Wirtschaft besorgt hatte, so daß sie selbst weiter nichts zu tun hatten, als zu essen und nach beendeter Mahlzeit das Bett aufzusuchen, worauf alle einschliefen, außer dem Burschen.

Er tag wach und Überlegte, wie er Aufklärung darüber er­halten könnte, dah die Höhlenbewohner nachts umgingen. Als er glaubte, dah alle seine neuen Genossen in Schlaf gesunken seien, stand er auf, wählte unter ihren Waffen die, die ihm am besten gefiel und nahm sie mit. Dann wanderte er nach dem Kampfplatz und erreichte ihn kurz nach Mitternacht. Da war nichts zu sehen, außer den Gefallenen und ihren abgeschlagenen Köpfen. Dort blieb er eine Weile.

Bei Tagesanbruch aber sah er unweit des Kampfplatzes einen Hügel sich öffnen, aus dem ein Weib herauskaum; es war mit einem blauen Mantel bekleidet und trug einen Topf in der Hand. Er sah sie schnurstracks auf das Schlachtfeld gehen, zu einem der Gefallenen, und etwas von dem Inhalt des Topfes auf das Stück des Halses streichen, das an dem Oberkörper des Toten saß, und auf das Stück, das am Kops sah, und daraus den Kops auf Ben Rumps sehen; da sah er sofort fest, und der Tote Lebte wieder auf. Dieselben Künste wandte sie bei noch zwei oder drei andern an, die ebenfalls dadurch sofort zum Leben erweckt wurden. Da sprang der Bursch auf die Alte zu und gab ihr den Todesstreich; denn jetzt konnte er allerdings begreifen, wie es kam, daß die Feinde der Höhlenbewohner immer wieder umgingen; dann brachte er diejenigen, die sie ins Leben zurückgernsen hatte, um. Als das geschehen war, ging er selbst hin und versuchte, ob es ihm gelingen würde, die ©efalleneit auf dieselbe Weise wieder zu beleben, wie es ihr gelungen war; er sprich etwas von dem Inhalt des Topfes an den Halsrand, und es gelang ihm ebensogut wie vorhin.

Run belustigte er sich damit, die Gefallenen abwechselnd wie­der aufleben zu lassen und die wieder umzubringen, die er ins Leben gerufen hatte, bis die Sonne aufging; dann kamen seine Genossen von der Hohle an, voll bewaffnet; es war ihnen sonder­bar zumute geworden, weil er verschwunden war und einige Waffen mit ihm; als sie aber auf die Wahlstatt kamen und ihre Feinde tot daliegen sahen, schien ihnen die Sache eine günstige Wendung genommen zu haben. Die Höhlenbewohner freuten sich, den Bur­schen zu sehen, und fragten, wie er daraus verfallen wäre, dort hinzugehen. Er erzählte ihnen dann wie sich alles zugetragen hatte und wie das Huldreweib beabsichtigt hatte, die Gefallenen ins Leben zu rufen. Er zeigte ihnen den Salbentopf, nahm einen der Gefallenen, bestrich ihn und setzte ihm den Kopf auf. Da lebte er bald wieder auf, die Leute schlugen ihn aber sofort wieder tot.

Die Höhlenbewohner dankten ihm nun mit vielen und schonen Worten für den bewiesenen Mut; sie baten ihn, bei ihnen zu bleiben, solange er Lust hätte, und boten ihm Geld an für seine Hilfe, die er ihnen geleistet hatte. Er dankte ihnen für das freund­liche Anerbieten und sagte, daß er es gern annähme, bei ihnen zu bleiben. Rach alledem waren die Höhlenbewohner so vergnügt