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Srang mit fehlem Korps (gegen 4000 Mann) gegen G r ü n b e rg vor. Am 21. März wurde Luckner, der 4 hessische Grenadier- Bataillone und 15 Schwadronen Husaren und Dragoner (ettoa 3500 Mann) befehligte, bei L a u b a ch von General D i e s b a ch mit Äebermacht angegriffen. EL gelang Luckner jedoch, seinen Gegner abznwehren, und sich gegen Durg-Ge- m ü n d e n zurückzuziehen. Hier brachte er dem Erbprinzen von Braunschweig, der gleichzeitig bei Atzenhain von einer französischen Äebermacht überfallen worden war, entscheidende Hilfe. Das erbprinzliche Korps war völlig zersprengt und wurde nur durch die 4 hessischen Grenadier-Bataillone unter Luckner vor völliger Vernichtung bewahrt. Ebenso zeichnete sich Luckner am 30. August 1762 in der Schlacht bei Rauheim aus. Auch hier gelang es ihm, den Erbprinzen v. Braunschweig vor völliger Vernichtung zu bewahren. Gegen 10 Ähr morgens hatte der Erbprinz den I v h annisberg bei Aauheim erstürmt. Plötzlich wurde das deutsche Heer von weit überlegenen französischen Lruppenmassen angefallen und die Anhöhe wieder hinabgeworfen. Luckner hatte von Rieder-Mörlen aus sein Fußvolk zur Unterstützung des Sturms auf den Johannisberg vorgeschickt. Der General selbst war mit seiner Reiterei, die nur 7 Schwadronen stark war, bis Ober-Mörlen vorgerückt. Plötzlich sprengte die verfolgende französische Reiterei, 40 Schwadronen stark, die Westseite des Johannisbergs herab. Die Reiterei Luckners stellte sich mutig dem Feind, konnte jedoch den ungleichen Kampf nicht lange bestehen; sie wurde bis zur Anhöh e v o n Fauerbach zurückgeworfen. Durch 3 Schwadronen verstärkt, stellte sich hier Luckner dem Feinde wieder und gebot der weiteren Verfolgung Halt.
Kein Land hat so kühne und so tatkräftige Reiterführer hervorgebracht, wie Deutschland! Wir finden eine lange stolze Reihe von Reiterhelden in seiner Geschichte, von Ernst von Mansfeld und Johann von Werth an, der bis Paris streifte und den französischen König in seiner Hauptstadt erzittern machte, von Seidlitz, Ziethen und Blücher bis aus Bredow, der mit 2 Regimentern gegen ein ganzes Heer anritt, und bis auf jene Helden des Weltkriegs, die französische Kürassiere und zahllose Kosakenhorden zersprengten. Änter allen diesen Rejtersührern nimmt Rikolaus Luckner eine würdige Stelle ein. So können wir denn heute und allezeit mit gehobenem vaterländischen Gefühle des Helden gedenken, der im Bayerischen Wald vor nunmehr 200 Jahren das Licht der Welt erblickte.
Dr. August Rveschen.
Der mutige Bursch.
Win isländisches Märchen?)
Es war einmal ein sehr bockbeiniger Bursch, der sich aus nichts etwas machte. Seine Rächsten, ob es nun seine Eltern oder Anverwandten waren, waren darüber voller Kummer; denn was sie auch mit ihm anstellten, sie konnten ihn durch nichts in Schrecken versetzen. Als sie ihn ganz aufgegeben hatten, brachten sie ihn beim Pfarrer unter, den sie von allen für am besten geeignet hielten, etwas aus dem Burschen zu machen und seinen Mut zu zähmen.
Als der Bursch zum Pfarrer gekommen war, zeigte sich bald dasselbe, daß es nichts gab, wovor er sich fürchtete, was der Pfarrer auch anstellen mochte. Der Bursch aber zeigte dem Pfarrer gegenüber ebensowenig Trotz und Vorwitz wie gegen diejenigen, bei betten er vorher gewesen war. So verging nun einige Zeit; der Bursch blieb Bei dem Pfarrer, und dieser gab sich alle erdenkliche Mühe, ihn auf irgendeine Weise in Schrecken zu versetzen, es gelang ihnr aber nie. Einmal im Winter waren drei Leichen, die beerdigt werdet- sollten, in die Kirche gebracht worben; weil sie aber so spät am Tage ankamen, wurden sie in die Kirche gestellt, um erst am nächsten Tag beerdigt zu werden. Es war 'in damaliger Zeit hierzulande Sitte, daß die Leichen nicht in Särgen beerdigt wurden, und so kam es, daß diese Leichen nur die Totenkleider anhatten. Als die Leichen in die Kirchen gebracht worden waren, lieh der Pfarrer sie quer über den Gang zwischen den Kirchenstühlen vorn in der Kirche fegen, nebeneinander, jedoch mit einem kleinen Zwischenraum zwischen je zweien. Im Laufe des Abends sagte der Pfarrer zu dem Burschen: „Ach, geh doch einen Augenblick für mich in die Kirche hinüber, mein Junge, und hole mir das Buch, das auf dem Altar liegt.“ Der Bursch gehorchte sofort; dem, ungehorsam war er nicht, auch wenn er starrköpfig war. ®r ging in die Kirche hinüber, schloss die Tür auf und wollte den Mittelgang hinaufgehen. Als er ein kleines Stück von der Tür entfernt war, stolperte er über etwas, an das er mit Sen Füßen fließ. Er ließ sich jedoch nicht erschrecken, tastete mit den Händen um sich und merkte dann, daß er über eine Leiche gefallen war,
Märchen und Volkssagen, in Axel Junckers Verlag, Berlin in guter deutscher Äebertragung herausgegeben, haben viel Aehnlichkeit mit den Grimmschen Sammlungen nur dah die Märchen zumeist, der rauheren nordischen Heimat ent-’ sprechend, einförmiger die Schroffheit der Raturgewalten hervorkehren. „L>er Mutige Bursch" hat, wie die Leser gleich merken " werden, in unserer deutschen Literatur ein Ebenbild: „Von einem.
der auszog, das Fürchien zu erlernen."
die er nahm und zwischen die Bänke an der einen Seite schleuderte. Gr ging nun weiter hinein, fiel aber zum zweitenmal über eine Leiche. Er verfuhr mit ihr auf dieselbe Weise wie mit der ersten. Dann ging er weiter vorwärts, stolperte aber über eine dritte, Sie er wie die beiden andern vom Fußboden zwischen die Bänke warf. Dann ging er zum Altar, nahm das Buch, und nachdem er die Kirche wieder zugeschlossen hatte, brachte er es dem Pfarrer. Der Pfarrer nahm das Buch und fragte, ob er etwas bemerkt hätte. Der Bursche antwortete: „Rein“, und zeigte keinerlei Veränderung. Der Pfarrer fragte: ..Hast du denn gar nichts von den Leichen gemerkt, die in dem Gang lagen?“ Der Bursch erwiderte: „Ach so, ja, die Leichen, die habe ich bemerkt; ich wußte nicht recht, was der Herr Pfarrer meinte." „Run. und wie hast du sie denn bemerkt," sagte der Pfarrer, „sie lagen dir wohl im Wege?" „Es ist nicht der Rede wert,“ sagte der Bursch. „Was hast du denn gemacht, um durch die Kirche zu kommen?“ fragte der Pfarrer. „Ich habe sie vom Fußboden aufgehoben und zwischen die Kirchenstühle geworfen, und da liegen sie noch.“ Der Pfarrer schüttelte den Kopf und sprach nicht mehr mit ihm über diese Sache. Morgens als die Leute aufgestanden waren, sagte der Pfarrer zu dem Burschen: „Jetzt mußt tzu von hier fort; ich will dich in meinem Hause nicht länger habens da du so rücksichtslos bist, daß du dich nicht schämst, die Ruhe der Entschlafenen zu stören." Der Bursch antwortete höflich, sagte aber dem Pfarrer und den Leuten auf dem Hof dann Lebewohl. >
Run zog er eine Zeitlang umher, ohne daß er einen Fleck hatte, auf den er feinen Kopf legen konnte. Aus einem Hof aber, auf dem er die Rächt über blieb, hörte er, daß der Bischof auf Skalholt gestorben sei. Da machte er einen kleinen Umweg und wanderte auf Skalholt zu. Als er dorthin kam, Begann der Tag auf die Reige zu gehen, und deshalb bat er um Obdach für die Rächt. Es wurde ihm geantwortet, daß es ihm gern vergönnt werde, er müsse aber selber für seine Sicherheit sorgen. Er fragte, ob es etwas Böses mitbringe, wenn er dort bleibe, und was es verursache. Die Leute erwiderten ihm, daß sich die Verhältnisse nach dem Tode des Bischofs so verändert hätten, daß es kein Mensch aushalten könne, zu Hause zu bleiben, wegen lauter Spuks, sobald es zu dunkeln beginne, und deshalb müßten seitdem jede Rächt alle Leute von dort flüchten. „Dann bleibe ich noch lieber hier," fügte der Bursch. Die Leute des Hofes baten ihn jedoch, nicht fv zu reden; denn es wäre wahrhaftig kein Vergnügen da- zubleiben. Ms es dunkel wurde, begannen die Leute allmählich, den Hof zu verlasfen, und schweren Herzens sagten sie dem Burschen Lebewohl; denn sie erwarteten nicht, ihn wiederZufehen. Der Bursche blieb zurück und war ausgezeichneter Laune. Dann ging er im Hause umher und sah sich um. Der letztck Ort, yn den er kam, war die Küche. Es war großer Wohlstand in der Wirtschaft; eine Menge feiste Schafrümpfe hingen aneinandergereiht da, und alles, was er sah, stand dazu im Verhältnis. Der Bursch hatte lange kein Dörrfleisch gesehen, und er fing an, Appetit darauf zu bekommen, als er sah, daß hier solch Äeberfluß daran war. Schlafen wollte er nicht, um den Geist um so besser sehen zu können, und er entschloß sich deshalb, Feuer anzuzünden, und dann zerkleinerte er Holz und setzte einen Topf mit Wasser über das Feuer, zerschnitt Sann einen Schafrumpf und legte ihn in den Tops. Bis jetzt hatte er nichts von Spuk gemerkt. Als aber alles in den Topf getan war, hörte er, daß oben im Schornstein mit dumpfer Stimme gefag twurde: „Darf ich fallen?" Er erwiderte: „Warum sollst du nicht fallen?“ Da fiel der ganze oberste Teil eines Mannes durch den Schornstein herab, ein Kopf mit Schultern und Armen und Händen daran, und eine Weile lag dieser Klumpen auf dem Boden, ohne sich zu bewegen. Gleich daraus hörte der Bursche daß oben im Schornstein gefragt wurde: „Darf ich fallen?" Er antwortete wie das vorige mal: „Warum sollst du nicht fallen?“ Und durch den Schornstein herab fiel der mittlere Teil eines Mann^ bis zu den Lenden. 'Dieser Klumpen fiel neben den andern und blieb dort liegen, ohne sich zu bewegen. Da hörte der Bursch noch einmal, baß oben int Schornstein gefragt wurde: „Darf ich fallen?" Er antwortete wie zuvor: „Warum sollst du nicht fallen? Du mußt doch etwas haben, woraus du stehen kannst!" Da sielen die Füße eines Mannes herab; sie waren unerhört groß, wie die Klumpen, die zuerst heruntergefallsn waren. Rach Bem Fallen lagen alle Klumpen eine Weile rußig auf dem Boden. Ms Ser Bursche dessen überdrüssig wurde, ging er zu ihnen hin und sagte: „Da nun alles, was zu Sir gehört, heruntergekommen ist, ist es wohl am besten, daß du anfängft umherzustolpern." Alle Klumpen schoben sich zusammen und wurden zu einem furchtbar großen Mann. Er sagte kein Wort zu dem Burschen, sondern ging aus Ser Küche hinaus und ins Vorderhaus. Der Bursch folgte dem großen Manu, wo er auch hinging. Der Mann ging in ein Zimmer vorn im Hause und trat an eine große Truhe. Diese öffnete er, und der Bursch sah, daß sie voll Geld war. Der große Mann nahm eine Handvoll Geld nach der andern aus der Truhe, warf die Münzen über den Kops und ließ sie hinter sich herabsallen. In dieser Weise trieb er es bis spät in die Kl-acht, <bis er die Truhe geleert hatte. Da griff er in den Haufen, den er tauf ben Fußboden geschüttet hatte, und schaufelte ihn auf dieselbe Weise über seinen Kopf wieder in die Truhe zurück.
Der Bursch stand neben dem Gespenst, während es daS Geld hin- und zurückschanfeln, und sah, wie es auf dem Fußboden


