Ausgabe 
14.1.1922
 
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Ssrnsing, 14. Januar

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1922 Nr. 2

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MarschaüNikolaus GrafLuÄrner. ®in ®ebenf6latt zürn 200. ®sfnrt8!xige des Helden des Sieben­jährigen Krieges.

Don des Lebens Gütern allen, Ist der NuHm das Höchste doch. Wenn der Leib in Stank zerfallen, Lebt der grafte Name noch." (Schiller.)

Am 11. Haimar waren zwei Jahrhunderte verflossen, daft Nikolaus Luckner zu Cham in der Oberpfalz (im Bayerischen Wald) als Sohn des Stadtkämmerers Samuel Luckner geboren wurde. Obwohl er dem reformierten Bekennt­nis angehörte, wurde er in das Jesuiten-Kollegium zu Passau ausgenommen. Hier soll erweg«; einigen Leicht­sinns unb Wildheit" den BeinamenLiöertinus" erhalten haben. 3m Jahre 1737 verlieft er Passau und trat als Kadett in das bayrische 3nf an t er i e-Reg i m en t Marowitzki ein. Noch in demselben Jahre marschierte er mit seinem Regiment nach Ungarn, wo dieses Reichskontingent bis 1739 gegen die Türken focht. Der junge Kadett zeichnete sich aus und wurde bald befördert. 1739 wurde er zum Fähnrich, 1741. zum Unterleutnant im Insanterle-DegimeNt Marowitzki ernannt. 3m Jahre 1743 wurde Luckner als Oberleutnant in bas Husaren-Negiment Ferrary versetzt. Dieses Regiment trat im Jahre 1745 aus dem bayerischen Dienst in den holländischen über. Luckner wurde 1746 zum Nitt- meister, 1748 zum Major im Husaren-Negiment Ferrary befördert. Der Herzog von Cumberland machte die persönliche Bekanntschaft des tapferen Hufarenmajors bei einem Besuche seiner Schwester, der E r b st a t t h a l t e r i n von Hol­land (einer Tochter des Königs Georg 11, von England). Dieser Prinz vcranlaftte Luckner, in den Menst des Kurf ü r st c n von Hannover (Königs von England) zu treten. Am 1.Mai 1757 trat Luckner als Major in hannoversche Dienste. Er errichtete ein Husarenkorps, das zuerst aus einer Kompagnie von 5 Offizieren, 10 Unteroffizieren, 1 Trompeter, 90 Husaren, 106 Pferden bestand: 1759 dagegen zählte es schon 8 Kompagnien oder 4 Schwadronen mit 712 Mann. Die Uniform der Luckner- Husaren waren: Grüner Dolman und Pelz mit gelben Schnüren (bei Offizieren mit goldnen), rote Hosen, rote Säbel- laschen, Flügelkappen von Filz nach ungarischer Mode. 3m Jahre 1759 erhielt das Luckner-Negiment weifte Dolmans, statt der Flügelkappen aber Pelz lappen mit rotem Beutel.

An der Spitze seiner Husaren sand Luckner bald Gelegenheit, sich in ganz besonderem Mafte auszuzeichnen. Er hat persönlich niemals.eine Niederlage erlitten. 3m Jahre 1757 imhm er teil an sieben Gefechten (erst im November wurde der Dormarsch aus der Gegend von Stade gegen das Lüneburgische unternommen): 1758 beteiligte er sich an acht Gefechten, 1759 an vierzehn, 1760 an zehn, 1761 an sechzehn, 1762 an acht Gefechten. Stets finden wir ihn bei den Vortrmppen. Don Urteilen über seine kriegerische Tüchtigkeit heben wir hier hervor, was der Oberbefehlshaber der hannoverschen Armee, General von Spörken, dem König meldet. Am 26. Februar, 1761 schreibt Spörken:Luckner besitzt nicht nur die Eigenschaften eines Kom­mandanten der leichten Truppen, sondern weift auch die schwere Eavallerie Wohl zu Gebrauchen." Am 14. Oktober 1761 meldet General Spörken:Luckner besitzt eine persönliche Bravour und ein

Talent zur Attaque, Disposition und Deckung, dergleichen ich nicht kenne." Dementsprechend wurde er auch rasch befördert. Am 17. Juli 1758 wurde er zum Oberstleutnant, 13. Juli 1759 zum Oberst, 25. Januar 1760 zum Generalmajor, 3. November 1761 zum Generalleutnant ernannt. Wiederholte Anerbie­tungen zum Eintritt in fremde Dienste schlug er aus. So berichtet Spörken am 26. Februar 1761:Luckner sind von einer graften Puissance ansehnliche Offerten geschehen, die er aber großmütig ausgeschlagen hat." Trotzdem wurde dem General seitens seines Königs mit schnödem Undank gelohnt. Es scheint dem hervorragen­den Manne nicht an Neidern gefehlt zu haben.

Mit dem Ende des Krieges wurde sein Negiment gegen die dringenden Dvrstellungen des Generals von Spörken aufgelöst. Da verlangte Luckner seinen Abschied aus dem hannoverschen Dienste: er erhielt ihn am 1. Mai 1763. Am 20. Juni 1763 trat Luckner alsLieutenant-Genera! des armees du Roy in franzö­sischen Kriegsdienst. Cs wäre töricht, dies dem so ungerecht behau- deltenGeneral zumDsrwurf anzurechnen. 3m übrigen gab es damals n'ochi kein deut ch-es Ta erlaub,ü; da l man pat ivtische Cmpfindung hätte Halen können: es konnte rein tieferes Gefühl geben, das einen bestimmten nationalen Ausdruck hätte finden Wunen. Luck­ner besuchte nun wiederholt von Frankreich aus die alte Heimat. Er kaufte sich in Holstein an. 3m Jahre 1784 wurde er vom K ö nig vvn Däu emark i n den G rafe nstand e rhob e n. Am 28. Dezember 1791 wurde er zumMarechal de France er­nannt. Der tapfere Heerführer hatte ein überaus tragisches Ende. Auch ihn verschlang die Revolution. 1792 wurde er mit dem Ober­befehl über die N o r d - A r m e c betraut, mit der er in B e l g i e n eindrang. Dann erhielt er das Kommando über die Reser ve- Armce, die bei Chülons gesammelt wurde. Der Marschall hatte bedeutende Summei; vom Staate zu verlangen, die er ein­klagte. Die Aepublik erledigte sich dieser Verpflichtungen, indem sie den Marschall royalistischer Umtriebe beschuldigte. Obgleich nicht der mindeste Beweis der Schuld erbracht werden konnte, wurde der 72jährige Greis am 3. Januar 1784 (ein Jahr nach dem Tode des Königs) auf das Blutgerüst geführt. Er starb würdig und mit Fassung?)

Auch auf ob er hessisch em Boden hat General Luckner wiederholt große Erfolge errang eit. Am 19. März 1761 warf Luck­ner die vom französischen General Slainville nach Laubach vor­geschobene Region roy Jebis Hungen zurück.Dieser Dorstoft erfolgte auf besondere Anordnung des deutschen Oberbefehlshabers, des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, um die linke Flanke zu sichern, da es den Franzosen bereits gelungen war, der; Derbündeten bedeutende Htlfsquellen an Derpflegungsmitteln abzuschneiden. Der Erbprinz von Braunschweig aber

*) Die Nachkommen Luckners traten teils in den österreichische« und preußischen Militärdienst, teils ergriffen sie die diplomatische Laufbahn. Sie werden dem holsteinischen Adel zugerechnet. Ein Ururenfel des Marschalls ist Gras Felix Luckner, der ' rühmte Kommandant desSeeadler" im Weltkrieg, von dem das BuchDer SWtenfel" erschienen ist. Ein anderer blrurenkel, Graf Nikolaus Luckner, lebt zur Zeit aus Schloft Get­tenbach im Kreis Gelnhausen. Er hat sich als Fliegerofsizier im Weltkrisg ausgezeichnet. Er betreibt Landwirtschaft und ist mit einer Prinzessin zur Lippe vermählt, der Tochter jenes Prinzen Friedrich Wilhelm, der am 7. August 1914 bei Lüttich neben Ludendorff den Heldentod starb.