Ausgabe 
13.5.1922
 
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frei bin, hätt' er mir einen Vorschlag »u machen. r@r wird hübsch alt und kann der Schiffahrt nimmer recht dvrflehen ob ich nicht zu ihm ziehen und ihm an die Hand gehen mag, dielveil er lebt? So will er mir im Testament all fein Sach verschreiben. Meine Leut waren ganz »erhofft; die Mutter hat gemeint, ich soll abschreiben, ich hält' ja nie am Wasser gewohnt und zu der Verrichtung kein Geschick. Ach was, hat mein Vater gesagt, das Turnen und Schwimmen haben sie ihm beim-Militär gelernt, und S Aufmerken auch! Derselben Meinung bin ich gewesen; in mir hat sich mit einmal der Unternehmungsgeist gerührt, und so hab ich dem Vetter zugesagt. Gleich in der ersten Wochen, da ich bei ihm gewesen bin, Hat'S einen schwierigen Fall gegeben. Wir hatten etliche Stück Vieh verladen und übern See transportieren sollen. Da war ein Stier dabei, so ein tückisches und halsstarriges Vieh hab ich meiner Lebtag nicht gesehen. Keiner ist ihm Herr worden, er hat mit den Hörnern gestoßen und mit den Hufen geschlagen, daß niemand sich hingetraut hat an ihm. Da fass' ich mir ein L^rz will doch; mein Glück probieren, das zugebundene Glück am HalSl und spring' hin davor und pack' den Stier vorn an den Hörnern und schau' ihm fest in feine bösartigen roten Augen. Da hast mich gesehenl ist er ganz zahm worden, und ich hab' ihn ins Schiff flößen können; und die andern haben grad' so gestaunt. Don der Stund' an war's ausgemacht bei mir: Dir kann nichts geschehen! Wind oder Regen, Tag oder Rächt, alles ist mir gleich gewesen, denn ich hab' an mein Glück ge­glaubt." 1

Hier unterbrach ich den Vast.®aS war ein Irrtum, mein Sieber! An sich selber, an Sfiyren Schneid und Ihre Tüchtigkeit konnten Sie glauben. Denn der Mensch trägt sein Glück und älnglück bei sich; niemand darf eS von außen erwarten. Lind waS zum Beispiel daS Eisenbahnunglück anbetrifft, so werden die Gläubigen Ihnen sagen: Gott hat Sie behütet! und die Materia­listen: Der Zufall! Aber ein Hexensäckchrn am Hals daS hilft nicht, das in keinem Fall."

Er sah mich nachdenklich an.AlSdann, so hätt' die Fanni doch recht," sagte er zögernd.

Ihre Frau? Ha richtig, wie ist sie denn hinter die Sache gekommen?"

Ja. sie hat das Ding auf meiner Brust gesehen, hat ge­eifert und gemeint: es ist irgendwas von einem früheren Schatz. Ich hab' nicht eher meinen Frieden gehabt, bis sie das Ganze gewußt hat, und dann ist die Hetz' erst angegangen. Don früh bis in die Rächt hat sie mir zugefetzt: so was ist eine Dummheit, ja, eine Sünd' ist's; ich foll das Ding wegwersen oder sie wenig­stens hineinschauen lassen. Das hab' ich nicht wollen, denn die Alte hat'S mir noch besonders eingeschärft, daß niemand, ich selbst nicht, das Sackl aufbinden darf. Wir haben gestritten wie nie zuvor 'was so ein Weib zäh ist, das glaubt der Teufel nicht."

Heimlich mußte ich lächeln über diesen Stoßseufzer und das Stückchen Delila, das nun einmal feit alterS her in jedem Weibe steckt. (Mtt' um Derzeiung, meine Damen: die Anwesen­den sind natürlich ausgenommen!) Jedoch in der Sache stimmte ich der Fanni bei und verheile eS ihrem Wanne nicht.Wenn Sie ihr auS eheherrlichem Selbstgefühl nicht nachgeben wollen meinetwegen! Aber daß die ganze Geschichte mit dem Amulett, ober was es sonst ist, etwas Kindisches hat und Ihnen nicht zur Ehre gereicht, müssen Sie selbst einfehen."

Er meinte: ja, das würde wohl so fein. Trotzdem schien er etwas unschlüssig.Immerhin!" dacht' ich und verließ mich auf die Fanni. Was in deren blondem Köpferl Dorgtng, erriet ich genau. Gin bißchen Enttäuschung, daß der Vast nicht aus sich selber seine 'herzgewinnende Keckheit haben sollte, ein bißchen Aerger, weil er ihr die Befriedigung ihrer Reugier verweigerte, und vielleicht eine ehrliche Abneigung gegen all solch abergläu­bisches Blendwerk überhaupt. Jedenfalls würde der Mann ihrer Beredsanckeit auf die Lange nicht widerstehen können.

(Fortsetzung folgt.)

Neue Düngerwirtschaft ohne Auslandsphosphate.

Don Dr. Hanns Krafft (München).

Von neuen Llntersuchungen soll in der folgenden Abhandlung berichtet werden, die für die Landwirtschaft von großer Bedeutung werden können. Die Untersuchungen Dr. M. von Wrän­ge l l S *), der früheren Vorsteherin der Landwirtschaftlichen Ver­suchsstation in Reval, derzeitigen Privatdozentin in Hohenheim, fußen auf offenbar sehr exakten agrikulturchemischen Versuchen, die von Prof. Qlereboe**)-Hohenheim unterdessen schon be» trrebswissenscha tlich ausgewertet worden sind. Prof Aereboe kommt hierbei zu dem Schluß, daß eS unS möglich ist, den größten Teil

_ *> Dr. M. von Wrangell,Gesetzmäßigkeit bei der PhvSphvrsaure-Ernahrung der Pflanze" (1922, Berlin Verlag Paul Parey).

**) Prof. Qlereboe,Reue Düngerwirtschaft ohne AuS- landsphvsphate", Berlin, 1922, derselbe Verlag.

6er PyoSphorsäuredüngung und damit auch den Import von Ausündsphosphaten auf viele Jahre hinauS bei schnell steigen­den Ernten und schnell sinkendem Kraftfutterbedarf entbehrlich zu machen, wenn wir nur die ganze BetriebSorganisation auf dieses Ziel einstellen und und die neuesten Forschungen Dr. M von WrangellS auSgiebig zunutze machen.

Die von Aereboe vorgeschlagene Reugeflaltung der Dünger­wirtschaft besteht der Hauptsache nach in folgendem: Die schmetter- lingSblütigen Futterpflanzen, wie Klee, Luzerne sowie unser« Hülsenfrüchte, wie Erbsen, Wicken, Pferdebohnen und Bupinen, sind die besten Aufschließer der im Boden vorhandenen erheb­lichen Vorräte an schwerlöslicher Phvsphorsäure. 3m ©egen* satze zu den bisherigen Anschauungen, nach denen gerade sie stark mtt PhoSphorsäure gedüngt roerben sollen, sollten diese Futterpflanzen niemals Düngerphssphorsäure erhalten. Statt sie mit PhoSphorsäure zu düngen, muß man sich ihre bodenauf- schließende Kraft mit allen zu Gebote flehenden Mitteln nutzbar zu machen suchen. Das wichtigste Mittel aber hierzu ist eine einseitige und starke Düngung mtt Stickstoff und Kali, deren AuSmaß hinter der Getreidedüngung nicht zurückflehen darf.

Insbesondere bei Rotklee und Luzerne sind die bei Stickstoff-Kalidüngung im Vergleich zu einer Kaliphosphatdüngung erreichbaren Mehrerträge über atleS Erwarten groß; sie über­steigen oft noch eine Verdoppelung des Ertrages. I« größer nun aber die erzielte Grntemasse der Schmetterlingsblütler ist, di« man ohne PhoSphorsäure erzielt, desto größer ist di« Menge von schwerlöslicher DodenphoSphorsäure, die mit diesen Erntemassen in Form von Kleeheu, Luzernenheu, Wickfutter und Hülsen- sruchtstroh durch den Tiermagen dem Stallmist zugeführt wird.

Die Vermehrung des im Betriebe umlaufenden Kapitals an leichtlöslicher Dünger-Phosphorsäure auf Kosten der schwerlös­lichen BodenphoSphorsäure gelingt auf diesem Wege relativ schnell, so schnell, daß man bald zufolge der Möglichkeit starker Stallmist­düngung auch die Hackfrüchte ohne PhoSphorsäuredünger lasse» kann.

Die Untersuchungen von WrangellS Tonnen weiterhin auch int Getreidebau ausgenutzt werden. Die Mehrerträge an Gras und befonberS an Eiweiß im JÖrafe, die so erzielt werden, sind so Ö. daß sie im Verein mit den gesteigerten Klee- und Hülsen- lernten eS dem Landwirt ermöglichen, sich vom ausländischen Kraftfutter größtenteils oder überhaupt ganz frei zu ptachen. DaS neue Düngersystem Aereboe-Wrangell tjfi also nicht nur den Weg zur EntbcHrlichmachung der Phosphoreinfuhr, sondern eS ist auch das Mittel zur Befreiung von ausländischem Kraft­futter. Es ist der Weg. den die älnabhängigmachung der deutschen Landwirtfchast vom Ausland« allseitig ermöglicht, dem. deutschen Volke deutsches Brot gibt.

Wann ist der Gesang der Vögel am stärksten?

Aus diese Frage gibt Hans Freiherr von Berlepsch auS dem reichen Born seiner Erfahrungen Antwort im letzte» Jahresbericht feiner staatlich anerkannten Versuchs- und Muster­station für Vogelschutz auf Burg Seebach Der Gesang der Vögel erreicht mit dem Beginn der dritten Maiwoche seinen Höhepunkt und zwar ist er am stärksten gleich nach Tagesanbruch von 3>/4 bis 4 Ahr. Sing» und Schwarzdrossel und Nachtigallen beginnen daS Konzert, es folgen Kuckuck und Laubvögel. Gleich darnach ist eS aber nur noch als ein geradezu wüstes ohrenverwirrendes Geräusch zu bezeichnen, in dem, außer mitunter Strophen der Rachtigallen, einzelne Stimmen nicht mehr zu unterscheiden sind. 2lber schon nach Verlauf einer halben Stunde schwillt dieser GesangSlärm wieder ab, sich allmählich in einzelne erkennbar« Schläge. Ruse und Gesänge auflösend. Don 4Vr bis 6 führ ist es verhältnismäßig ruhig. Die Vögel gehen ihrer Nahrung nach, bekümmern sich um ihre Bruten und nehmen Bäder. Erst gegen r älhr setzt wieder ruhiger, normaler Gesang ein.

Futierarl unb Gidvttersarbr.

Wie bei Schweinen, die mit Fischen gefüttert werden, das N«tfch einen spezifischen Geschmack und Geruch bekommt, und das Fett ber mit Maisschrot gemästeten Schweine dunkelgelb ver- farbt wird so ist auch bei Hühnern der Geschmack beS Gies und baS Aussehen des Dotters von ber Fütterung abhängig. Diese Tatsache geht auS den interessanten älnterfuchungen hervor die Dr. meb, »et Decker-Bevensen in derMünchner Tierärzt- Wochenschrift * veröffentlicht, Geflügel, baS wenig, oder fein ©runfutter erhält, bekommt Eier mit Hellem farblosem ©otter, bei grünem Futter dagegen wird der Eidotter dunkel- ..^Ech. der Genuß von Maikäfern gibt dem Dotter eine dunkelgrüne Färbung. Wintereier find demnach hn Dotter Heller. Eier mit dunklem Dotter-sind schwerer, die Farbe entspricht auch bem Geschmack: Gier mit schwärzlichem Dotter (der vor allen Dingen vpn Frisch- und Schneckennahrung herrührt), schmecken widerlich, so daß fle für den Küchengebrauch untauglich finb. Eier mit Hellem Dotter schmecken fade. Hühner, die pflanzliche Rah- rung (Weizen. Hafer) und daneben auch durch freien Auslauf animalische Kost (Kerbtiere, Fleischabfälle) finden, haben die 5 besten Eier.

Schriftleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Brühl'fchen Aniv.-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.