schönes Hotel „Spar- ltion, in oer ein gutes
den das Hotel führt, soll augenscheinlich die rechtgläubigen Kom- munisten versöhnen, denn noch vor wenigen Monaten war die Duldung eines Hotels, als einer bourgeoisen Einrichtung, ein Ding der Anmöglichkeit.
Wenn auch die offiziell registrierten Läden und Geschäfte dem europäischen Besucher wenig Interessantes bieten, so gibt es doch- unter der Hand tausenderlei schöne Dinge aus einer jetzt schon versunkenen Zeit gu kaufen. Da sind spanische und drüsseler Spitzen, die ein kleines Vermögen wert sein mögen und an denen
lands gleicht.
In der Gvgolstrahe gibt es sogar ein schönes Hotel „Spartakus" mit 100 Zimmern und einer Restauration, in der ein gutes Orchester spielt. Ein Zimmer kostet 15 Millionen, eine Mahlzeit 4—5 Millionen Rubel, eine Flasche Bier P/2 Millionen. Ein Milliardär oder Trllliardär kann also sehr wohl im Hotel leben und die ausgesuchtesten Leckerbissen verzehren. Aber in Petersburg gewöhnt man sich bald an diese astronomischen Ziffern, denn in Wirklichkeit bedeutet eine Million Rubel nicht mehr als 100 Mark; aber selbst in deutsche Währung umgerechnet, ist alles viel teurer als in Deutschland. Der Rame „Spartakus",
lehrt, Latz meine Auffassung über die Wirkung des Derbstes von öffentlichen Hypnose-Dorstellungen viel zu optimistisch war. Don den „Phantomen der Toten" war leider nichts zu bemerken, außer einem ermüdenden, in aphoristischem Stil gehaltenen Dortrag. Zum Schluß jedoch entpuppte sich dieser schwunghafte Titel als Deckmantel für ein öffentliches Hypnotisieren am Publikum. Auch hier war autzer den alten, M 40 Zähren und mehr bekannten Mätzchen nichts neues, ms- besondere kein Fortschritt des Okkultismus zu erkennen. Erne plnaebeuerlichkeit war es jedenfalls vom Vortragenden, seine Spielereien immer wieder als wissenschaftlicheVersuche zeichnen und gleichzeitig die Smisationslust als etwas Verwerfliches zu geißeln. Wenn hier die Sensationslust nicht auf ihre Rechnung kam, so mutzte man geradezu behaupte^ daß esüber- Haupt keine gibt. Datz das Publikum sich «n der HtlflosigkÄt der Hypnotisierten weidete, war für den nicht verwunderlich, der die Bedürfnisse der Masse kennt und der beobachtet hat tote beispielsweise eine Zuschauermenge auf der Straße einen Vetunglückten bestaunt, anstatt ißm helfend ^Mspringen.
Las einzige Erstaunliche an dem Abend war die Ronchalance, mit der Herr Larsen seine wahre Absicht unter einem hochtrabenden Vortragstitel verbarg und mit der er sich über em behördliches Derbot hinwegsetzte. Ebenso erstaunlich war es, datz ote Behörde keinen Grund zum Einschreiten fand.
Der Dvlksmenge kann man nicht genügend tlrteilsfähigkett Mitrauen, datz sie solche Spielereien in ihrer Verwerflichkeit erkennt. von den Gesetzgebern aber dürfte man verlangen, datz sie endlich gegen ein solch widerliches Treiben Front machen. Fwnt machen muh ich unter allen Umständen als Arzt dagegen, datz ein segensreiches Heilmittel auf solche Weise in den Augen des Publikums zur albernen Farce herabgewurdlgt wird.
Petersburger Eindrücke.
Don Freiherr ®. v. Llngern-Sternberg.
St. Petersburg, Anfang August.
Schon in Stettin weht Luft aus Rutzland. Wenn nun gar der Dampfer das Haff passiert hat und in die Osts« hmaus- steüert so merkt man bald, datz man die grotze Strahe in eine fremde Welt betreten hat. Jeder Passagier scheint etwas vor d-nn andern zu verbergen, und er tut gut daran, denn dort wo wir hinausfahren, haben die gewohnten Begriffe von Recht und Änrecht aufge'hört zu bestehen, dort lauern unbekannte Ge° sichren und Möglichkeiten, Abenteuer und Hoffnungen, die in der fremdartigen Umgebung wurzeln. — Endlich, am 4. Tage wird in den unfreundlich grauen Wassern des Finnischen Meerbusens Kronstadt gesichtet und bald darauf der Hafen von Petersburg angelaufen.
Die alte Pracht, der granitene Ernst und die Großartigkeit der Zarenstadt sind dahin. An ihre Stelle ist eine wilde üln- ordnung im Stratzenbilöe getreten, Petersburg scheint verlunipt Und trotz der Leere nervös und laut. Don den früheren zwei Millionen Einwohnern sind heute nur etwa über eine Halbe nachgeblieben. Diele der schönsten Gebäude stehen leer, sie sind einfach „entzwei" gewohnt, es sind nichts weiter als steinerne Mauergerippe mit Fassaden, aus denen das Leben geflohen ist. Sie erzählen von endlosen Tragödien der Bewohner, die erfroren, verdorben oder gestorben sein mögen. Niemand denkt daran' die verlassenen Hauser auszubessern, die Wasserleitungen sind im Winter im Frost geplatzt, die Oefen verdorben, die Hvlzdielen aufgerissen und zum Teil verheizt, der Verfall scheint unaufhaltsam fortschretten zu sollen, denn Petersburg, ebenso tote das ganze Ruhland, kann sich allein nicht mehr helfen.
Der „Rev", das ist der für deutsche Ohren seltsam gewählte Name für die neue Wirtschaftspolitik der Sowjets, scheint aber auch das tote Petersburg teilweise zu neuem Leben und Luxus toi galvanisieren. Der Rewskyprospekt — das ist die Haupt- strahe — weift wieder eine Menge von Läden auf, in denen allerlei Herrlichkeiten feilgeboten werden, allerdings sind es meistens noch, alte Dorkriegsvorräte, die jetzt wieder Herausgeholt tooröen sind, so datz alles einem großen Selbstausverkauf Ruh-
trotz der rohen Umgebung noch ein zarter aristokratischer Duft anhaftet Heiligenbilder in wunderbarer antiker Fassung, Emaille- Preziosen und Pastelraritäten, die alle für Lebensmittel verschachert werden muhten, sofern man es verstand, sie rechtzeitig vor den Spähern der außerordentlichen Kommission zu verstecken. Wieviel Herrlichkeiten mögen noch, unter Schutt und Steinen vergraben und verbogen liegen and auf die Wiederkehr der einstigen Besitzer warten. Petersburg und Moskau werden einst ein Paradies für zukünftige Schatzgräber fein.
Das Sowjetgeld taugt bei allen Käufern gar nichts es ist nur da für das Volk, für die, die sich kein anderes zu beschaffen wissen. Die großen Herren, auch die ausländischen Spekulanten, rechnen nur mit „Gold", mit Dollar und mit so und soviel Karat Brillianten. Sogar über das englische Papierpfund wird leicht die Rase gerümpft, die deutsche Mark, von der es einen Hebersluh in Petersburg gibt, muß sich schon ganz bescheiden verstecken. Sie gehört zum Geldpvbel, die nur im Vergleich zur österreichischen oder polnischen Währung protzen kann. Ihr Ansehen ist ebenso wie ihr Kurs im Sinken. — Aber Goldgeld hat die Sowjetregierung nur sshr wenig, dafür besitzt sie andere Schätze. Rach offiziellen Meldungen hat die zum Teil gewaltsam und blutig durch,geführte Konfiskation des Kircheneigentums bisher 55 Kilogramm Perlen, 33 706 Brillianten, Smaragden und Rubinen verschiedener Größen, etwa 350 Kilogramm Gold und viele andere kostbare Gegenstände ergeben. Wieviel Herrlichkeiten, mögen außerdem den nicht offiziellen Weg gegangen sein und sich jetzt in den Taschen der Kommissare und Schieber befinden, um Heimlich über die Grenze geschmuggelt zu werden. Die deutschen Schieber können noch viel bei ihren weit brutaleren russischen Kollegen lernen!
Aber nicht nur die Kirchen und Klöster, auch die Kaiser- g-Bet in der Peterpaul llsfestung in Petersburg wurden ihrer Reichtümer beraubt. Die Leiche Katharinas II. war mit einem Perlenarmband von unschätzbaren Wert geschmückt, man hat es ihr abgenommen. Die Särge der Zarinnen Anna und Elisabet bestandem aus massivem Silber und wurden zum Einschmelzen fortgenommen. Wunderbar erhalten waren die äleberreste Peters des Großen; als man ihm einen kostbaren Ring vom Finger zog soll sich plötzlich die Faust des toten Zaren gegen die Bolschewisten geballt haben. Die Rachricht durcheilte Petersburg und wurde vom Voll als ein böses Omen für die Sowjetregierun-g ausgelegt, jedenfalls haben die Bolschewisten von weiteren Graböffnungen abgesehen. Run sollen noch die alten Zarenkronen, die einen Wert von etwa 700 Millionen Goldrubel darstellen sollen, verkauft werden. Das sind gewiß große Summen, sie bedeuten aber wenig gegenüber den enormen Bedürfnissen und dem unbeschreiblichen Ruin Rußlands.
Die neue Wirtschaftspolitik hat das kann man schon heute behaupten, keine neue Blüte geschaffen. Der Glanz und Luxus, den man sicht, ist Schein und mangelt jeglicher Aesthetik, nicht der Reichtum des Landes, sondern nur das Wohlergehen einiger Weniger hat sich gehoben.
Trotz der neuen Reichen, die die wieder eröffneten Lokale füllen und ein Schlemmerleben führen, stößt man auf Schritt und Tritt auf ein so grenzenloses Elend, wie es die glücklicheren Länder des Westens nicht kennen. Wenn in Petersburg auch, nicht, wie es in den Hungergebieten an der Wolga geschieht, gepöckeltes Kinderfleisch genossen wird und Menschenleichenbraten als Leckerbissen gilt, so sterben dafür täglich, manche an Hunger und Hungertyphus. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu und wenn wieder der Winter näßt, so ist trotz der besseren Grnteaussicht eine Katastrophe zu befürchten. Ein Arbeiter erklärte: „Wir kommen uns wie die Spieler vor, die ihren letzten Groschen gesetzt haben und nun plötzlich, bemerken, daß nur der Falschspieler gewonnen tjat.“
Die fahl-weiße Sommernacht senkt sich über die Stadt und Petersburg kann in den durchsichtigen Rebeln der Rewa und der Inseln von einer besseren, glücklicheren Zukunft träumen.
Bildung und Fortschritt.
Erlebnisse und Gedanken der Babette Fröschl, ehemals Dienstmädchen, später Pulverfabriksbeamtin, zur Zeit arbeitslos. Mitgeteilt aus ihrem Briefwechsel.
Aus Ludwig Thomas Rachlaß hat der Verlag Albert Langen, München, ein überaus erfrischendes Büchlein zusammen- gestellt unter dem Titel „Die Dachserin und andere Geschichten". Alle schriftstellerischen Vorzüge Thomas', sein urwüchsiger Humor und seine lebensvolle Beobachtung erscheinen hier vereinigt. Als ergötzliche Probe geben wird den nachfolgenden Dienstmädchenbrief über „Bildung und Fortschritt" wieder, der an „Jozef Filsers Briefwexel" und ähnliches erinnert:
Liebe Marih!
Das du noch, in eirem geschshrten Orte siezen magst wundert mich schon, aber fieleicht wirst du auch noch gescheit und machst deinem Bauern nicht mer fir einen Pfifaling den Drampel.
Ich, hätte schon anderne stehlen bekommen, das kan ich dir sagen, sogahr bei einen Viehendler und Ginkaufbeahmten, wo jetzt Die höchsten Deamthen sind und im Monath .mer haben,


