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Museums über seine Beobachtungen in den dortigen Kunstsammlungen. „3n dem Meer vo-n Kunstwerken, in welches man hier eintaucht," schreibt er vom 6. September 1824, „können Sie denken, wie mir zu Mute lst. Stündlich werde ich erschreckt von ganz neuen Aufschlüssen über Kunst durch die Werke, welche in der vollendetsten Art die Ausgaben lösen... In Betracht der Beleuchtung und Aufstellung habe ich die Freude gehabt, daß tch beim neuen Museum im gongen das einzig Rechte getroffen habe. Lleberall wo in Museen Italiens nach diesem Prinzip beleuchtet und auf gestellt ist, hat man völlige Befriedigung; leider ist aber dies selten der Fall, in Mailand, Florenz und Neapel gsht man fast wie in Kellern umher, um die schönsten Wecke dürftig zu sehen." . ,
Wir finden Schinkel auch bereits vor 100 Jahren mit der heute so aktuellen Frage der Arbeiterfürsorge beschäftigt. Im September 1831 macht er dem Oberregierungsrat Beut Borschläge, über die beste Art, „bet den jetzigen bedrängten Umständen durch Bauten die arbeitende Volksklasse zu unterstützen. Er bittet, die fehlende Summe für die Vollendung des Lustgarten-Baues zu bewilligen. Aus den wundervollen Bekenntnissen über Kunst, die sich überall in diesen Aufzeichnungen finden, sei nur eine Stelle aus einer Niederschrift angeführt, die wahrscheinlich für den Kronprinzen Maximilian von Bayern bestimmt war: „Jedes Kunstwerk must ein ganz neues Element bei sich haben, auch wenn es im Charakter eines bekannten schönen Stils gearbeitet ist; ohne dies neue Element kann es weder für den Schöpfer, noch für den Beschauer ein wahres Interesse erzeugen. Dies neue Element aber ist es, was ihm das Interesse für die bestehende Welt gibt, welches das Mehr aus dem Bestehenden heraustreten läßt und dadurch das Bestehende mit einer neuen Farbe verschmilzt und den Neiz eines lebendigen Geistes darüber ausgiestt. Was aber zu einem solchen für Erfindung, für Verschmelzung, für Anknüpfungspunkte der verschiedensten Art gehören, ist nicht aus- zusprechen, und es bleibt immer das sicherste Mittel, sich nach einem Talent umzusehen, das durch beständiges praktisches Ar- beiten die Versuche zu einem Grad der Vollendung empvrwachsen lästt und dadurch das Bestehende mit einer neuen Farbe ver- der an diesem Gegenstand sich aussprechende Stil von der Art sei, eine fernere Vollendung zuzulassen." Schinkel hat hier sein eigenes Schaffein das in einer Neuschöpfung alter Stile so Großes leistete, schön charakterisiert.
Aus Theodor Storms Jugend.
Wie jeder graste Dichter etwas vom Kinde behält, so ist die Kindheit der Dichterquell, der das Werk des reifen Künstlers speist Wer den Dichter will verstehen, muh nicht nur in Dichters Lande gehen, sondern auch in die Seelenheimat feines Wesens, in seine Juaend. Solch fruchtbares Verständnis für die Eigenart unseres grohen Poeten Theodor Storm schafft die Biographie, die seine Lieblingstvchter Gertrud Storm unter dem Titel Mein Vater Theodor Storm" soeben bei Carl Flemming und C. T. Wiskott in Berlin erscheinen lästt. In ebenso volkstümlicher wie tiefgründiger Weise wird hier Leben und Werden Storms erzählt, und besonders sein Husumer Jugendparadies steigt aus alten Blättern und lebendigen Erinnerungen in vollster Anschaulichkeit empor. Von der ersten Berührung des Knaben mit der Welt der Dichtung kündet die Erzählung von seinem P u p p e n t h e a t e r, die die Tochter mit den eigenen Worten Storms wiedergibt: „Einen großen Zeitraum von mehreren Jahren habe ich meine ganze Freizeit auster der Schule mit der Direktion meines Puppentheaters ausgefüllt; zwei Schulkameraden, Krebs und Olhuus, waren dabei meine Gehilfen. Eine alte Jungfrau, bei der Olhuus wohnte, half uns die Puppen, die freilich nur von Papier waren, ausschneiden und eiserne Drähte daran befestigen. Sie liest in den Aufführungen den Papageno tanzen und sang dazu mit einer schönen Fistelstimme: „Der Vogelfänger bin ich ja, hops, heisa lustig, hopsasal , was mir die ungemischteste Freude machte. Das Theater hatten wir anfänglich mitten in der Stube, späterhin zwischen zwei Stuben in der offenen Tür. Alles war so verhangen, dast wir nicht dabei zu sehen waren. Das Geheimnisvolle hatte den größten Reiz für uns. Das Zimmer für die Zuschauer, die meist aus der lieben Nachbarschaft und den Dienstboten bestanden, blieb stets ohne jegliche Beleuchtung, damit das Aufrollen des Vorhanges einen noch zauberhafteren Eindruck machte. Das erste Stück das wir aufführten, war aus einer Gedichtsammlung eines gewissen Petzel aus Tönning und stellte die Geburtstagsfeier eines Grafen Rantzau vor. Obgleich die Puppen steif waren, so erntete doch eine jugendliche Figur, welche die junge Gräfin Sophie vvrstellte, besonderen Beifall. Ich erinnere mich, dast sie mir besonders lieblich porkam, so dast ich beinahe eine Art phantastischer Neigung für sie bekam. Meine verstorbene Schwester Luzie die ich von allen Schwestern am meisten liebte, sprach nach dieser Vorstellung auch öfters von der ^niedlichen Graftn Sophie". Das zweite Stück, das zur Aufführung gelangte, waren Schillers „Räuber". Bald aber genügten uns die fremd«- Theaterstücke nicht mehr; auch konnten wir so recht keine ftnden, die in unseren Kram patzten. Olhuus, Krebs und ich beschlossen daher, die dramatischen Sachen.selbst zu liefern. iln& wirklich, leder lieferte sein Stück. In meinem spielte Kasperle die Hauptrolle.
Er hatte zwei durch den Eigensinn des Vaters getrennte Liebend« zu vereinen. Zur Aufführung dieser Stücke waren grobe Dor- kehrungen getroffen." Die jugendlichen Puppenspieler traten selbst als Schauspieler auf und — blamierten sich dabei recht heftig.
Den ersten starken Eindruck empfing der achtjährige Knabe durch die grobe Sturmflut von 182 5. Das Brüllen des Sturmes, das ferne Brausen des Meeres, das Schreien der Möven, das ganze gewaltige Naturereignis wirkte so stark auf seine Phantasie, dast er diese Bilder später in seinen Novellen „Carsten Curatvr" und im „Schimmelreiter" verwertet hat. Theodor war ein wilder übermütiger Knabe, dem kein Baum zu hoch und kein Graben zu breit war. Aber er konnte auch still und sinnnend sein und besonders im Sommer, wenn die Heide blühte, ging er umher, wie im Traum. Mit einem seiner Spielkameraden „Hans Räuber", der sich diesen Beinamen durch seine ausgezeichneten Leistungen im Spiele Räuber und Soldatetr erworben hatte, richtete er sich ein geheimnisvolles Heim in einer leeren Tonne ein und hat diesem Leben in den „Geschichten aus der Tonne" ein Denkmal gesetzt. Den stärksten Eindruck auf seine Phantasie aber machte die eigentliche Märchenerzählerin seiner Kindheit Lena Wies, der er auch später eine Novelle gewidmet hat. Straßenbeleuchtung Lab es damals noch nicht. Die Kinder irrlichterten mit kleinen Handlaternen, die sie im Knopfloch ihrer Jacken trugen, abends durch die Straßen, und so rannte der Junge gern die „hohle Gasse" herunter bis zu einem Heinen Haus mit spitzem Giebel, weißem Kalkanstrich und grünen Fensterladen. Hier fand er Lena, und wenn sie mit dem Melken fertig war, setzte sie sich mit ihm in das kleine warme Wohnzimmer, wo im Deilegevfen die Bratäpfel vruyelten, und dann erzählte Lena, bis die alte Wanduhr die zehnte Stunde Verkündete. Dann ging’S im sausenden Galopp durch die finiteren Straßen heim. Die Dichtergabe des Knaben regte sich nicht nur in der dramatischen Tätigkeit für sei« Puppentheater, sondern auf der Schule auch bei der „Aedefeierlichkeit", die alljährlich stattfand. Als Printaner trug Theodor eine eigene, leider verlorene Dichtung vor „Matathias, der Befreier der Juden, und um diese Zeit bettraute er seine ersten lyrischen Gedichte einem kleinen Büchlein an, das sich noch int Nachlaß befindet.
Ferientage in Neupolen.
Von Hanna Honig m a n n.
Wenn man Heute an Polen denkt, so werden gemischte Gefühle wach: Trauer über das verlorene Land, Empörung über alles, was man dort unseren Landsleuten antut, und Berwünde- rung über das wilde verworrene Gebaren dieses neuen Staates, dem all der ihm in seinen Schoß geworfene Reichtum nicht vor dem größten wirtschaftlichen Durcheinander und Elend' zu schützen vermag. So kann man sich leicht beuten, daß wir “mit einem Gefühl von Spannung und Befangenheit die polnische Grenze überschritten, um der Einladung einer lieben Freundin auf ihr Rittergut in der früheren preußischen Provinz Posen zu folgen. Freilich, bis wir an diese kamen, gab es noch Der Abenteuer genug zu bestehen! Zwar die sonst so schwer zu iertangenbe Einreiseerlaubnis Hatten wir dank der liebenswürdigen Vermittlung unserer hessischen Gesandtschaft in Berlin bekommen und waren nach nur fünfstündiger „Polonäse" im polnischen Generalkonsulat in Berlin — andere warten ebenso viele Tage — im Besitz unserer Visa (800 Mari für die Person, heut mag eS Wohl das Dreifache kosten!). Und so fuhren wir wohlgemut den kürzesten Weg, wie wir wenigstens glaubten, über Fraustadt; ohne zu ahnen, baf} dort die deutsche Bahn äushvrt und die polnische erst ungefähr 20 Kilometer weiter in Lessno (Sinn) beginnt. So waren wir froh, einen Landsmann zu finden, der uns mit seinem alten Gänschen bis an «den Schlagbaum fuhr, der die Grenze bezeichnet; wenn er uns auch, wahrscheinlich um uns an polnische Markzahlen zu gewöhnen, für die kurze Fahrt 200 deutsche Mark abnahm. Roch drei Visie- rungen im Vaterlande, und dann erreichten wir das Gebiet des Weißen Adlers, wo die Visitatioii zwar nachdrücklich bis in Geldbörse und Scheckbuch, aber wenigstens nicht bis aufs Hemd und int ganzen recht freundlich vorgenommen wurde. Aber unglücklicherweise war es inzwischen Abend getrorben, und nirgends eine Gelegenheit, in dem verlorenen, un Walde verstreuten Dörfchen, mit unserem Gepäck nach Sifin zu kommen. Mir hätten wohl im Freien übernachten müssen, wenn Nicht ein freundlicher Deutscher, der dort eine Fabrik betreibt, sich unserer Not angenommen und uns Quartier gegeben Latte. Am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang rollte fein Lochteichen unsere Koffer auf einem Kärtchen in das nächste Dorf, wo uns ein Obst wagen glücklich zwischen pflaumengefüllte Korbe auf- nahm und weiter beförderte. Endlich nach zweistündiger Bahnfahrt erreichten wir die Endstativ'.i, und von dort tzings mit gärigen Rappen durch Felder und schönen Wald an fünfer eifertet.
Welch eine Gegend, welch seltsame Schönheit! Soweit das Auge reicht, nur Felder und Wiesen, dazwischen dunkle Kiefer- ünd Fichten-, Eichen- und Almenwälder und, für unser Auge fremdartig genug, entzückende Mrkenwäldchen mit grünem Waldboden! Hie und da ragen aus Feldern und Wiesen Der* einzelte mächtige Eichen oder Weiden empor. Und was für


