Ausgabe 
11.3.1922
 
Einzelbild herunterladen

SS

Sin»

z z

t

t

t r

E> n n

m e, :r, er in it. ! )Il !M Uf te. so te. sie

ihl nd :6e 115 [en

bei starkem! Orkan.

Mattia Morgano hatte Morgano trug die Schuld an bis auf den einen, einzigen.

Wer wer war es?

n ir s >e >a e. r- d, n.

den Schiffsbau geleitet. Mattia dem Untergang, dem Tode aller,

ge- del rd, sie an

rtge tien rnd

und Braut:@r wird der eine sein, der einzige. Er, mein Gatt«, mein Sohn, mein Geliebter!"

Wie war er gerettet worden, er allein? Wo blieb er? Weshalb gab er nicht Nachricht I Weshalb kam er nicht?

Jeden Tag konnte der Gerettete kommen... Da warteten denn jeden Tag Mütter, Frauen, Kinder auf des Einzigen Rückkehr.

Bereits im Morgengrauen versammelten sie sich im Hafen. Sie standen und spähten hinaus auf das Meer, das tu Spiegel­glatte glänzte und gleißte, als vermöchte kein Windhauch es jemals zu kräuseln. Sie standen, spähten hinaus, harrten und hofften Stunden auf Stunden. Heden Lag Stunden auf Stunden. Sie wachten des Nachts. Harrten und hofften des Nachts, bis ihnen die Erschöpfung die Augen schloß. Wenn sie nicht am Meere warteten, so beteten sie vor dem armseligen Heiligtum, schrien die Madonna an, entzündeten geweihte Kerzen, taten Gelübde, wenn der eine, der einzig Heimkehrende ihr Sohn. Gatte, Vater, Geliebter sein würde.

Alle harrten und hofften, ausgenommen eine einzige: Las junge Weib des Kapitäns, der mit seinem Schiffe untergegangen.

Dann kam vom Festland noch immer nicht jener Einzige, sondern eine neue Nachricht Über das Schiff und feinen Unter» gang. Es sei kein gutes Schiff, sei ein schieches Schiff gewesen, von Unkundigen unvollkommen gebaut. Es mußte untergehen

Treff", die Geschichte eines Hühnerhundes').

Treffs Wiege stand Inmitten rauchender Schlote in einer großen Stadt, wo fein Herr Direktor einer großen Fabrik war.

*Uus Allerlei aus meinem Nucksack", von Wilh. Klef sn er "(Verlag von I. Neumann in Neudamm), einem dem Andenken Herrn. Löns' gewidmeten Bande ansprechender Jagd- und Wanderskizzen.

6.

Mattia Mvrganos Witwe faß an dem Dettlein ihres schlum­mernden Knaben, dessen Händchen sich wieder zu winzig kleinen Fäustchen geballt hatten, als wollte Las Kind allen drohen, die seinen toten Vater beschimpften.

Mein Vater war ein Ehrenmann! Er starb als letzter von allen starb als Held. Wir, seine Mutter und ich, sein Sohn, wir wissen, wie mein Vater starb. Also ehrt den Toten! Sonst! werde ich ihn einmal rächen an euch."

Mit einem der alten Wiegenlieder ihres Volkes hatte Assunta ihren Knaben in Schlaf gesungen und dabei die Spindel gedreht. Ihre Hände durften nicht ruhen! Keinen Augenblick mehr! Mattia Worganvs Mutter, seinem Weibe und feinem Sohn war der Ernährer genommen wie den andern Weibern der Insel auch. Nun mußten die ruhelosen Hände schaffen uni), schaffen, um für die greife Mutter und den Säugling das tägliche Brot zu er­werben. Flachs mußten sie spinnen und Garn mußten sie meßen, Tag für Tag, jahraus, jahrein. Für die Händler, die vom Fest­lande kamen und dem unwissenden Volk auf der wcholle im Meer die Arbeit ihrer Tage und halben Nächte abnahmen, sie darum 'Betrogen. Die Hände der andern Frauen, deren Gatten Söhne und Liebsten das Meer verschlungen hatte, waren von all dem Hammer noch zu kraftlos zur Arbeit. Diese kraftlosen Hände streckten sich in wildem Flehen zum Himmel auf, falteten sich zu inbrünstigen Gebeten, umklammerten den Marterpfahl des Gekreuzigten und das bunte Hvlzbild der Gottesmutter, die mit starren Zügen, aus toten Augen auf alle diejenigen niederschaute, von denen eine jede hoffte, der einzig Gerettete fei ihr Ernährer.

Zu Witwen, Waisen und unseligen Dräuten geworden durch die Schuld eines Mannes, und dieser eine Mann war der Vater ihres friedlich schlummernden, im Schlaf lächelnden Knaben.

Ihre Hände mußten arbeiten, arbeiten, und ihre Arbeit mußte ihre Gedanken Betäuben; Beim sonst wie sollte fte leben können, wenn sie Beständig denken mußte:Durch ferne Schuld; durch seine Schuld; seine"

Und sie war noch so jung, das Leden so lang und lebenslang diesen Gedanken, lebenslang nur den einen, einzigen . . . Welche Vernunft konnte das ertragen?

Lind wenn ihr Knabe älter geworden, wenn er die Mutter nach seinem Vater fragte, wenn die andern Kinder von fernem Vater ihm erzählten und er zu seiner Mutter kam:Sie spracyen schlecht von meinem Vater! Sie Beschimpften meinen Vater. Sage mir - so sage mir doch! Was hat mein Vater Schlechtes und Schändliches getan? An welchem Unheil trägt er die Schuld? Sv sage mirs doch?" s - t.

Sie würde ihrem fragenden KnaBen antworten, day fie lögen lästerten, verleumdeten, daß sie das Andenken eines ~roten schändeten, daß sein Vater ein Ehrenmann war, stark und schon, klug und gut Bei dem Untergang derAssunta als letzter mt Meer versunken, als Held! (Schluß folgt.)

siedler den englischen ©ruß geläutet, sv begab fte sich mit der Mutter nach der Marienkapelle. Dort waren auch die andern Frauen. Wer in dem winzigen Heiligtum nicht Platz fand, blieb draußen kniete auf dem Felsenboden der Heimat nieder und betete über sich den Himmel, an dem die Sterne aufglänzten. In der Kapelle brannte das Lämplein, und Assunta sah das mattbeleuchtete Antlitz der Gottesgebärerin. Maria war nicht dargestellt als glückselige Mutter mit Hem Knaben im Arm, sondern als Königin aller Schmerzen mit dem Schlvert im Herzen, ein Anblick, der das glückliche Weib Mattia Mvrganos mit Schrecken erfüllte. ,

Auch Maria, das Weib des Zimmermanns von Nazareth, war eine stolze und glückselige Mutter gewesen, die ihrem Knaben voller Wonne zugelächelt hatte und wurde dann

Konnte das Antlitz einer Glücklichen so schrecklich sich wandeln? Das Antlitz einer grau, die der Welt den Heiland geboren . . .

Um die heilige Zeit, da dieses geschehen war, gebar Assunta Morgano ihrem Gatten einen Sohn.

5.

Nun konnten die Zurückgebliebenen bald ihre Männer er­warten. Erwarten konnten die Mädchen den heimlich Geliebten, die Dräute den Bräutigam, mit dem sie gleich nach der Heimkehr Hochzeit halten sollten wie vor einem Jahr das schönste Draut- baar der Insel, Mattia Morgano und Assunta Massa, die letzt eine stolze Gattin, eine glückselige Mutter war. ' So wurde denn in den Häusern und Herzen für die Wiederkehr der Männer auf derAssunta" alles bereitet und des frohen Tages geharrt.

Da kam vom Festlande herüber eine Nachricht, der zuerst feine Seele auf der Insel Glauben schenkte. Wer sollte das Undenkbare, das Unmögliche glauben? Die Nachricht lautete: ,An der Küste Afrikas, während eines Sturmes, ist dieAssunta gescheitert."

Und sie lautete weiter:Don derAssunta" ist kein Brett Und kein Mast übrig geblieben.

Alle Mann auf dem gesunkenen Schiff sind ertrunken.

Nein nicht alle Mann!

Ein Mann nicht.

Ein Mann wurde gerettet.

Don allen ein einziger." ,

DieAssunta" untergegangen? Das gute, starke Schiff? DieAssunta" gesunken? War das möglich? Alle Mann er­trunken? Das konnte nicht möglich sein! Das war auch nicht möglich! Ein Mann war gerettet, ein einziger!

' Noch immer glaubten sie es nicht . . . Als ,sie es endlich glauben mußten Gott im Himmel Gott im Himmel!

Dock) Gott hatte in seinem Himmel das Unmögliche geschehen lassen. Um welcher Sünden willen? Die Sünden, um derentwillen Gott es geschehen lassen konnte, mußten zum Himmel schreien.

Jetzt schrien die Stimmen der Ueberlebenden zum Himmel. Sie schrien Tag und Nacht. Die Klippen gellten wider von dem Geschrei der Unglücklichen, der Unseligen. Mütter hoben ihre Säuglinge empor, zeigten dem Himmel die Unschuldigen, schrien den Himmel an:Warum? Warum? Was haben wir dir getan? Was taten dir diese? Unsre unschuldigen Kinder! Wer soll sie ernähren? Du erschlugst ihre Ernährer! Warum? Warum?'

Gräßlich waren die Schreie, als wären die Klippen ein sinkendes Fahrzeug und alle, alle müßten umkommen in dem Tosen der stürmenden Fktt.

Da fiel einem ein:Das Schiff wurde nur von einem Bruder geweiht und nicht von einem Priester. Mattia Morgano meinte, wir brauchten den Priester nicht, und wir taten, was Mattia wollte. Hätten wir seinem Wort nicht gefolgt, hätten wir das Schiff von einem Priester weihen lassen, so waren sie nicht ertrunken!" ,

Eine der Frauen, die durch den Untergang derAssunta Witwe geworden und nun vaterlose Waisen zu Kindern hatte, schrie auf:Mattia Morgano ist schuld!" '

Andre schrien:Mattia Morgano ist schuld!

Alle schrien:Mattia Morgano ist schuld!"

Sie rotteten sich zusammen, stürmten die Klippen empor, stürmten zu der Hütte auf dem höchsten Gipfel, schrien:Mattia Morgano ist schuld!"

Assunta trat den tobenden Weibern entgegen. Mattia Mor- ganos Sohn an der Brust. Der Knabe trank von dem heiligen Quell die rosigen Händchen geballt, das Köpfchen geschmiegt an das Herz, das zu brechen drohte vor Liebe und Jammer. Die Mutter deutete auf das Kind und sagte:Es ist Mattia Mor» ganos Sohn. Ich Tarrn eure Männer, Söhne und Väter nicht wieder lebendig machen. Nehmt Mattia Mvrganos Sohn und sein Weib und stürzt beide von jenen Klippen hinunter ins Meer. Es ist das nämliche, darin eure Söhne und Männer ertranken. Nehmt unser Leben für feine Schuld wenn es seine Schuld mar."

Da wurden die durch ihre Verzweiflung sinnlos Gewordenen still. Und still zogen sie wieder hinab.

Aber nicht alle waren mit derAssunta" der Name des Weibes von Mattia Morgano hatte das Schiff nicht geschützt unter gegangen: ein Mann war gerettet, ein einziger.

QSer? Wer? Wer?

Nun hoffte jedes Weib, jede Mutter, jede heimlich Liebende