Nr. 10
1922
Samstag, 11, Marz
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Aus Hessischen Mogruphien.
Sie int Auftrag 6er historischen Kommission für Hessen von Gey. Hofrat Prof. Dr. Haupt herausgegebenen Hessischen Btographien (Staatsverlag, Darmstadt) bringen überaus Wertvolk und interessante Darstellungen. Auch Persönlichkeiten von bloß lokaler Bedeutung kommen darin zur Würdigung. Aus lebten Beiträgen des Herausgebers in Band !I entnehmen wir Len Lebensabritz einer Persönlichkeit, die in der Geschichte der Stccht Gietzen eine Rolle spielt und hier seinerzeit sehr populär war: Ludwig Christoph Rübsamen, Förderer Les Turnens, des Sports und des Feuerlöschwesens, 1825—1889.
3n Butzbach wurde Christoph Rübsamen als Sohn des Gerbermeisters Christoph Rübsamen und dessen Gattiit Barbara Heinemann am 9. Juni 1825 geboren. Seine Vaterstadt war schon in frühester Zeit eine Pflegestätte der Turnerei gewesen, als der bekannte Vvlksmann Pfarrer Weidig dort 1814 eine Deutsche Gesellschaft int Geiste Arndts und Hahns begründete. Diesen Lieberlieferungen blieb der junge Schlosfergeselle auch in Frank- furt a. M. treu, wo er die Vorturner-Lehrgänge des bekannten Kartographen August Ravenstein besuchte. Auch der 1848 nach Hessen zurückgekehrte Turnmeister Adolf Spietz hat seine turnerische Ausbildung gefördert. Von Frankfurt aus gab Rübsamen zusammen mit I. W. Küchel die Anregung zu der Gründung der Butzbacher Turngemeinde, die am 28. März 1848 ins Leben trat An der Volksbewegung des Jahres 1848 nahm der junge Feuerkopf so lebhaften Anteil, dah ihm zeitweilig der Boden int i ®u ivurde. Doch kehrte er nach kurzem Aufenthalte
in Rordamerika wieder in die Heimat zurück, und am 1. September 1849 konnte er auf Ravensteins Empfehlung hin in Gietzen sein Amt als Turnlehrer der im Frühjahr 1848 wieöeraufgerichteten dortigen Turngemeinde antreten. Da feine Einkünfte nur in dem Honorar für den privaten Turnunterrichk bestanden, den Rüb- samen an Gietzener Schüler in der sehr stark besuchten Turner- Vorschule erteilte, so war er in seinen ersten Gietzener Jahren gleichzeitig auch noch int Schlosserhandwerk tätig. Die folgenden zwei Jahrzehnte führten Rübsamen trotz zeitweiliger Hemmungen durch die reaktionäre Regierungspolitik und durch die Zwistig- “£ten im Turnverein auf den Höhepunkt seiner turnerischen Wirksamkeit. Im Jahre 1851 wurde er zum Wanderturnlehrer des neuen Lahnbezirksverbands im allgemeinen deutschen Turner- vund gewählt und förderte die Turnsache in der Folge als lang- jähriger Dezirksvertreter und Kampfrichter, wie auch durch Aus- bUdung von Vorturnern und Veranstaltung von Turnfahrten und Turnfesten wobei ihm seine ungewöhnliche Organisations- zustatten kam. Zu Anfang der sechziger Jahre waren die Gietzener ^urner durch ihre glänzenden Leistungen auf den großen Turnfesten in ganz Deutschland bekannt: hierzu hat Rüb- famens Tätigkeit etn gut Teil beigetragen. Ein bleibendes Gedächtnis hat er sich mit der Förderung der Dünsberg-Turnfeste und mit den von ihm 1851 ins Leben gerufenen, bis auf die Gegenwart volkstümlich gebliebenen Gietzener Jugendfesten gesichert. In der Schule hat sich die Pflege des Turnens im Hessew- kande bekanntlich nur langsam unter großen Widerständen durch- gesetzt. Roch im Jahr 1860 wurde Rübsamen von dem damaligen Gietzener Ghmnasialdirektor als Turnlehrer um seiner politischen Vergangenheit willen abgelehnt. Dom Jahre 1836 ab lag dann ?o7oSutJwJ,teriil&t ?n &cn Lietzener Volksschulen, von 1869 bis 10^0 auch der am Gietzener Gymnasium in seinen Händen.
Auch dem Wassersport wurde von Rübsamen in Gietzen die Bahn gebrochen. 3m Sommer 1851 eröffnete er oberhalb der
„Reumühle" die erste Gietzener Schwimmanstalt mit Wellenbad, die vor allem von seinen Turnschülern fleißig besucht wurde und auch dem Frauenschwimmen erstmals Eingang verschaffte. Er verlegte die Anstalt später an eine weiter stromaufwärts gelegene Stelle, wo sie noch heute fortbesteht. Auch bei der Gründung der Gietzener Rudergesellschaft im Jahre 1877 war Aüb- samen eine der hauptsächlichen treibenden Kräfte und hat auch in der Folge den Rudersport eifrig pflegen helfen. Dis zur Berufung eines Llniversitäts-Tanzlehrers hatte Rübsamen zu Anfang der fünfziger Jahre auch als Tanzlehrer sich betätigt.
Eine zeitgemätze Umbildung des Gietzener Feuerlöschwesens und die Einrichtung einer Turnerfeuerwehr hatte der Turnverein unter Rübsamens Führung schon 1850 und wiederholt 1852 angeregt, ohne freilich damit durchzudringen. Als es dann 1855 zur Gründung der Gietzener Freiwilligen Feuerwehr kam, gehörte auch Rübsamen wieder zu den Führenden. Von Anfang an und viele Jahre hindurch war er Stellvertreter des ersten Hauptmanns. Mitte der sechziger Jahre nahm er den alten Plan der Verwandlung der Wehr in eine freiwillige Turnerfeuerwehr ivieöer auf, der aber an dem Widerstande einer gegnerischen Partei scheiterte, was dann zu Rübsamens Ausscheiden aus der Feuerwehr führte.
3m tiefsten Grunde seines Wesens war Rübsamen sein Leben hindurch von feurigem vaterländischen Entpfinden beherrscht. Diese Eigenschaft und seine unbeugsame Energie in der Verfolgung feiner gemeinfinnigen Bestrebungen verliehen 6ernt auch dem „Rotbart" wie er im Dolksmunde hietz, trotz feiner etwas knorrigen Eigenart einen ungemein starken Einfluß auf die bürgerlichen Kreise, namentlich aber auf die Gietzener Jugend, die zu ihm im vertrauten Verhältnisse stand, und deren er sich mit warmer Zuneigung annahm. Als 1864 die öffentliche Meinung zum Kriege um die Befreiung Schleswig-Holsteins drängte, wirkte Rübsamen eifrig für die Bildung einer Wehrabteilung im Turnverein, die sich im Gebrauche der Waffen übte. Auch im Jahre 1870 hat er Exerzierübungen für die oberen Klassen des Gymnasiums veranstaltet. Zweimal übernahm auch Rübsamen in jenem Kriegsjahre die Führung von Liebesgaben-Transporten für die hessischen Truppen, wie er sich auch der Pflege der in der Gietzener Turnhalle untergebrachten Verwundeten widmete.
Reben seinem vielseitigen gemeinnützigen Wirken hat Rübsamen als umsichtiger Geschäftsmann die Gewinnung von Lahnkies durch eine Dampfbaggerei betrieben, auch mit Sachverständnis und ansehnlichem geschäftlichen Erfolge in Oberhessen und auf benachbartem hessen-nassauischen Gebiete ausgedehnte Mutungen auf Eisenerze aus geführt.
3m Jahre 1867 hatte sich Rübsamen mit Margarete Ohler aus Hanau vermählt, die ihm drei Töchter und zwei Söhne schenkte. Nachdem er längere Zeit an Lungenerweiterung gelitten, wurde Rübsamen durch einen Grippeanfall am 7. Dezember 1889 dahingerafft.
Die Vriickre zum anderen Ich.
Reue Beiträge zur okkultistischen Seuche.
Von Georg Strelisker.
Man pflegt gewöhnlich nur von epidemischen, ansteckenden Krankheiten des Körpers zu sprechen, selten oder säst gar nie von denen des Gemüts, des Geistes, der Seele, obgleich gerade diese mitunter weit gefährlicher und auf Generationen hinaus von bösen Folgen begleitet sein können, weil auf solche Weise Erkrankte, bewußt oder unbewutzt, immer das Bestreben


