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Schriftleitung: 3. B.. Karl Walther. - Druck und Verlag der Briihl'schen Untv.-Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Dießen.
Daß ein ausgezeichneter Theologe, B. H. Streeter, und ein hochgebildeter indischer Christ, 21. I. Appasamy, die beide die Gelegenheit zu naher Bekanntschaft mit dem Sadhu wohl cms- genutzt haben, gemeinschaftlich den englisch sprechenden Christen einen Bericht über seine Persönlichkeit, sein Leben und fein Werk geben, ist an sich schon ein Versprechen, daf> das 'Buch eine seltene Bereinigung von mitfühlender Einsicht und kritischem Llnterscheidungsvermögen bieten wird. Dies Versprechen ist voll ersütlt. Das Buch ist sowohl biographisch tote auch hinsichtlich religiöser Fragen hervorragend interessant und bringt eingehende Deelenanalhse vereint mit Material von außergewöhnlichem theologischem Werte: alles in einfacher, allgemein verständlicher Sprache gegeben und ständig veranschaulicht durch die eindrucksvollen Gleichnisse und Bilder des Sadlms. Sadhu ©unbar Singh ist ein indischer christlicher Mystiker, dessen Leben von der Zrit seiner Bekehrung an dem Dienste seines Meisters gewidmet war mit einer Hnrgabe und Freude, die an Franziskus v. Assisi gemahnen. Gr ist wie ein Heiliger ohne jedes Besitztum außer den Kleidern, die er trägt, seiner Decke und seinem Reuen -Testamente durch ganz Indien gewandert und hat seinen Landsleuten Christus gepredigt, wie nur ein Inder es kann. Wiederholt hat er Missivnsreisen nach Tibet unternommen, einem Lande, das christ- lichen Missionaren verschlossen ist), und hat dort schwerste Verfolgung gelitten. Gr hat aud>, in Ceylon und China gepredigt und kam letztes Jahr nach Groß-Britannien, besuchte Birmingham, wo er eine Ansprache an die Studenten Hielt, Oxsurt und London, wo er den Erzbischof von Cauterbury und den Bischof von London traf und zu einer großen Versammlung sprach.
Seine Persönlichkeit und seine Entwicklung bieten nach verschiedenen Seiten hin Interessantes. Gr ist ein Mystiker unserer Tage, des praktischen Lebens, und „gerade die Kraft seiner religiösen Erfahrung treibt ihn zu tätigem Dienste", Gin Studium seines Lebens und seines Werkes mnn daher ehre Flut von Licht verbreiten über Männer wie Paulus und Franziscus. Der Sadhu ist ein indischer Mystiker, dessen Mystik kein unbestimmter Pantheismus ist, sondern eine persönliche Konzentration von Leben, Denken und Andacht auf Jesus Christus. Als Orientale vermag er dem Geistesleben des Abendländers zu helfen, vieles in seinem eigenen, aus dem Orient überkommenen Glauben richtig zu schätzen, was er nicht versteht, ober vergessen hat. Ihm sind Gleichnis und Bild ebenso sehr die natürliche Art, die Wahrheit zu lehren, wie sie es Jesus selbst waren.
Das Ziel der Verfasser ist, uns einen klaren und kritischen , Bericht zu geben von des Sadhu Erfahrung und Lehre etnschließ» lich seiner Mystik, seiner Visionen, Gleichnisse und Theologie. Seine Mystik ist kein gewöhnlicher indischer Pantheismus — den verwirft er entschieden — sondern sie Hat ihren Mittelpunkt in Christus. Wie Paulus, der große christvzentrische Mystiker, denkt der Sadhu, wenn er von Christus spricht, weniger an den Jesus der Geschichte, als an den ewigen Christus, da« Bild deS unsichtbaren Gottes. Einst hatte er eine Vision der Dreifaltigkeit, die sehr klar die Stellung zeigt, die Christus in seinem Denken und Erleben etnnimmt.
Der Sadhu hat häufig Visionen und Verzückungen, doch ohne 'ich hineinzusteigern, auch legt er der Vision nicht ben hohen Wert bei wie viele mittelalterliche Mystiker.
Sundar Singh denkt in Bildern und Gleichnissen, wobei er nicht zuerst den Grundgedanken sieht und dann sorgfältig ein passendes Bild zusammenträgt. Immer flammt in seinem Geiste der konkrete Fall al« lBendiges Bild ober al« Geschichte auf und das ist ihm das Wesentliche. So e erzählt er -z. B. die« Gleichnis über das Leben nach dem Tode: „Die Herme sprach zum Küchlein in der Schale: Kleine« in -wenigen Minuten wirst du diese Schale verlassen. Danrr wirst du mich, deine Mutter sehen. Du wirst auch-die Welt um dich sehen, voll von schönen Blumen und Bäumen. Aber das Küchlein behauptete hartnäckig das Reden über die Mutter und bte Welt fei Lüge. Bald jedoch brach bte Schale und das Küchlein kam heraus. Es sah seine Mutter unb die Welt umher und wußte, baß der Mutter Worte alle wach- gesprochen waren." Der Sadhu weiß nichts von mo° dem« Bibelkritik und dem Wechsel theologischer- Anschauungen, die sich tn der christlichen Welt des Abendlandes auswtrken Zrtrem hat er wenig ober krine Neigung für moderne Kritik und seine erste christliche Umgebung trug den Typus der Berbalin- Mration. Es ist daher sehr beachtenswert, daß er durch geistige bmfuhlung zu einer theologischen Stellungnahme gekommen ist, afsallend ähnlich der, zu der viele evangelische liberale Theologen ?omehmlich auf dem Wege der rationalen Kritek und Btbekrklarung. Instinktiv dringt er über das verderbliche Miß. verstehen paulinischer Ausdrucksweise hinaus, das in der christ- lichen Kirche solches Aichril angerichtet hat unb erfaßt ba« Wesentliche, was der Apostel veMndet."
(Sine kleine Schrift über den Sadhu, von Schaerer verfaßt ift neuerdings erschienen. Der vorstshenbe Aufsatz beruht auf h^tJ£e^a^'cle W Streeter und Appasamh. da« soeben in deutscher Sprache erschienen ist.)
Schiffe, Vie unter einer Stadt fahren.
Da« technische Wunder, daß große Schiffe von 1500 Tonnen unter einer Stadt durchfahren wird zur Wirklichkeit werden, wenn der riesige Schweizer Plan der Verbindung des Rhein« mit der Rhone verwirklicht werden sollte. Unter der Stadt Genf werden dann Dampfer verkehren, bte Frachten von den Häfen der Nordsee und von London zum Fuß der Alpen unb weiter führen. Da die Rhone bei Gens sehr flach ist so soll ein tiefer Kanal angelegt 'werden der mit dem Genfer See in Verbindung steht und dieser Kanal soll unter 'der Stadt Gens selbst durch» geführt werden. Die Schweiz, ein Binnenland ohne Hasen würbe durch diesen projektierten Ausbau der europäischen Wasserwege einen ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung nehmen, denn wenn die großen Verkehrsadern des Rheins, der Rhone und der Dona« für Seeschiffe von 1000 Donnen fahrbar gemacht wird wird die Mittelpunkt und das Durchgangsland 'für eine« großen Teil de« ganzen, auf Wasserwegen geführten europäische« Handels. Wenn die von den verschiedenen am Rhein interessierten Regierungen geplante Regulierung des ©tromlaufe« durchgeführi fein wird, bann werden Schiffe von 1500 Tonnen Basel zu jeder Jahreszeit erreichen können. Von Basel wird ei« Schleusenshstem die Schiffe bis zum Konstanzer See Bringen, wobei für die Verbindung mit der Donau bei Htm durch eine« Kanal gesorgt wird. Dadurch erhält die Schweiz eine direkte Verbindung mit Rumänien unb den Weizenländern des Osten« Aber von noch größerer Wichtigkeit für die Schweizer biirfte die Rhone sein. Biele Millionen Franken werden freilich baiu verwendet werden müssen, um diesen Fluß bis Genf schiffbar zu machen. Aber wenn der Genfer See im Sommer als Wasserreservoir benutzt wird, wird man-dadurch zugleich billige Wasserkräfte für die Industrie erhalten. Am den Kanal vom Genfer See nach dem NeuchLteler See zu führen, wird ein sehr kompll, ziertes Schleusensystem nötig sein. Die Kosten für diesen TÄ der Kanalanlage allein werden auf etwa 175 Millionen Franken berechnet. Don AeuchStel wird der Kanal durch den Dienner See und die Aar entlang laufen, um bei Felsenau in den Rhein zu münden. Weitere Wasserwege werden Zürich mit Luzem und Bern mtt Thun verbinden. Auf diese Weise könnten Waren von London direkt bis zum Thuner See transportiert werden also nur 45 Kilometer mit der Bahn von der italienischen Grenze entfernt. Man schätzt die Kosten dieses Kanalplanes, der Rotterdam mit Marseille verbinden würde, auf 400 Millionen Franken: es 'würde aber damit ein bisher unerreichtes Wunder der Techn« von größter wirtschaftlicher Bedeutung geschaffen werden.
Die Bekämpfung der Obstmade.
Der gefährlichste Schädling unserer Obstgärten, dessen unheilvolle Freßsucht und alljährlich viele Millionen kostet ist die Obst- mode, die Rouve eines kleinen Schmetterlings, des Äpfelwickler« tod&renb man in Amerika schon seit längerer Zeit Bekämpfung«. nEvden diese« Schädlings ausgebildet hat, hat man bei uns di- Made ruhig teilten lassen, und erst jetzt macht Prof < tBrcßlau tn der „.Umschau" auf ein wirksames Mittel der Der- nichtung dieser Tiere aufmerksam. Das Weibchen des Apfek- ÄÄ"®? der Lleberwinterung im Frühjahr seine 20 bch 80 ©ter rinzeln an den pingen Früchten unserer Apfel- und Birnbäume ab,- nach 10—12 Tagen schlüpft die junge Obstmade auS und dringt bald in daS dimere der Frucht, wo sie sich »cn dem Kerngehäuse, dem Lebensmark der Frucht, nährt uich diese dadurch vernichte. Rach etaxi 3-4 Wochen ist die Obst- made erwachsen, verläßt durch einen von ihr angelegten Seiten- und spinnt sich nun in der Baumrinde zum Ueberwintern ein. Die von ihr beschädigten Früchte toerben "ach Verlust der Kerne frühreif und fallen meist ab. Jede« Jahr geht auf diese Weise ein großer Teil der Ernte oft o0 $vo3entunb mehr, zugrunde, unb Jo werden dem deutschen Obstbau attiehrlich viele Millionen Mark Schaben zugefügt/ D» zahllose Vorschriften auch zur Bekämpfung dieses Schüdling« bisher angegeben wurden, sv fehlte doch ein wirksames Vernich- tungsverfahven bisher bei uns vollständig. Erst durch die Arbeiten des Münchener „Forschungsinstituts für angewandte Zoo- lvgt« und der Neustädter „Versuchsanstalt für Wein- und Obst- bau ist ein einfaches Mittel gefunden worden, das den „schwachen Punkt in der Lebensgeschichte der Obstmade benutzt. Auf der Wanderschaft in das Innere der Frucht begibt sich nämlich der größte ~etl der frisch geschlupften Maden unmittelbar nach bem Verlassen des Eis zu dem Kelch der Frucht, um von W au« m das Kerngehäuse einzubringen. Vorher bleiben di« Räub> gen einige Tage im Kelch unb nehmen hier al« erste Mahlzeit die noch vorhandenen Reste der Staubgefäße und de« Griffel« zu sich In diesem Zeitpunkt können die Maden leicht obgetötet • werden, indem man nämlich die Apfel- und Birnbäume sofort. üE^I^^eblüt haben. mit Uraniagrün einem arsenhaltige«, Mittel, spricht. Es bleibt dann nämlich in dem Kelch ein wenig von dem Arsengist, durch daS die Made vergiftet ivird Damit [in6 «Ile gespritzten Aepfel und Birnen vor weiteren Angriffen der Obstmade geschützt, unb der Ertrag der Ernte an gesunden Früchten steigert sich um 30 Prozent unb mehr.


