Ausgabe 
9.12.1922
 
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Spitze znik einem Ueberzug von Schwefel, chlorsaurem Kalt und ©urnrnl versehenen Holzstückchen, dessen Kopf man durch Ein­tauchen in konzenkrierle Schwefelsäure entzündete. Man hielt die­selbe in Flaschm bereit, durch deren Stöpsel Asbestfäden gezogen waren, E>ie aus diese Weise von der Schwefelsäure durchkränkt wurden. An den Asbestfaden drückte man den Kopf des Zünd­hölzchens, das daraufhin Feuer fing notabene wenn es nicht versagte. Dies Verfahren war weitläufig, und als brauchbar konnte man solche Zündhölzer keineswegs bezeichnen. Di« ersten Streich­hölzchen kamen 1832 unter dem Namen Congrevesche Streichhölzer auf. Ihre Kuppe bestand aus Schwefel mit einem Ueberzug von grauem Schwefelantimon, Kaliamchlorat und einem Bindemittel. Man entzündete diese Hölzchen zwischen zwei Sandpapierblättchen; auch sie versagten oft

Bereits f 1816 soll der französische Chemiker Charle» D e r o s n e als erster den Phosphor zur Herstellung von Streich­hölzern verwendet haben; die ersten brauchbaren Phvsphvrhölzer aber find erst 1833 von Johann Friedrich Kammerer aus Ludwigsburg erfunden worden. Als dieser wegen eines poli­tischen Vergehens auf dem Hohenafperg gefangen sah, wurde ihm vom Festungskommandanten gestattet, ein kleines chemisches La­boratorium einzurichten. Kammerer stellte Versuche mit Phosphor an, die von Erfolg gekrönt waren, so dah er, als feine Gefangen­schaft zu Ende ging, ein gegen die Wand seiner Zelle gestrichenes Phosphorhölzchen entzünd«» konnte. Aach feiner Freilassung be­gründete er zwecks Ausnützung seiner Erfindung eine Fabrik. Da es aber damals noch keinen Patentschutz gab, machten Konkur­renten sich feine Erfindung zunutze, vor allem in Wien, wo unter Leitung von Römer und Prefchel die ersten großen Fabriken für Phosphorzündhölzer entstanden. Der unglückliche Kammerer teilte das Los vieler Erfinder, er verlor alles und starb 1857 im Irren- Hause. Sein einziger Erfolg war es, dah die Dachwelt ihn als den Begründer der Zündholzindustrie bezeichnet. Kammerers Zündhölzer versagten selten, weil der Phosphor sich selbst bei schwacher Reibung entzündete und das chlorsaure Kali zersetzte, welches den nötigen Sauerstoff zur Entzündung des Schwefels lieferte und eine ausreichend« Verbrennung ermöglichte. Ts haftet ihnen aber der Mangel an, dah die Mischung von Phosphor und chlorsaurem Kali häufig explodierte, so dah bei der Herstellung nicht seltM Unfälle verkamen. Wegen dieser gefährlichen Eigen­schaft wurden die Zündhölzchen in verschiedenen deutschen Staaten verboten. Dem Wiener Fabrikanten Preschel gelang es 1837 da­durch Abhilfe zu schaffen, dah er das chlorsaure Kali durch braunes Dleisuperoxhd und schließlich durch ein Gemisch von Bräunst ein und Mennige ersetzte. Von dieser Zeit an datiert der große Auf­schwung der Zündholzindustrie.

Phosphorhölzchen sind bis in die Gegenwart hinein im Ge­brauch geblieben, am längsten benutzte man sie in der Küche. Sie waren so praktisch, weil man sie ohne präparierte Reibfläche ent» !Ünd«n konnte. Aber auch ihnen hafteten Mängel an; manchen lörte der unangenehme Geruch des Schwefels beim Verbrennen, der zum Husten reizte, deshalb ersetzte man bei Salonhölzern den Schwefel Durch Paraffin. Ferner benutzten viele Selbstmörder wegen 'des stark giftigen Phosphors die Zündhölzer, von denen einige Köpfe zur Vergiftung eines Menschen genügten. Vor allem hatten die Arbeiter bei der Fabrikation unter den Phosphor­dämpfen sehr zu leiden, die Knochen des Ober* und Unterkiefer- starben ab, d. h. die sogenannte Phosphornekrose der Knochen entstand, an der jährlich einige Arbeiter zugrunde gingen. Die deutsche Industrie.setzte daher alles daran, die Arbeiter vor der gesundheitsschädlichen Wirkung des weihen Phosphors zu schützen, was jedoch erst gelang, nachdem man ihn durch unschädliche Che­mikalien ersetzt hatte. Diese schwierige Aufgabe löste 1848 Pro­fessor Böttger in Frankfurt a. M., der Erfinder des Sicher- heitszündhölzer, Weist schwedische Zündhölzer genannt, weil sie anfänglich von Schweden aus in den Handel gebracht wurden. Um eine schwedische Erfindung handelt es sich also nicht! Die Böttgerschen Zündhölzer, die den Vorzug hatten, weder giftig noch feuergefährlich zu sein, bedeuteten den Beginn einer neuen Aera der Zündholzfabrikation, sie wurden in den fünfzigerJahren des verflossenen Jahrhunderts bereits in mehreren deutschen Fa­briken hergestellt, vermochten aber die beliebten Phosphorhölzchen nicht zu verdrängen, weil sie sich ohne präparierte Reibfläche ent­zünden liehen. Erst 10 Jahre später kamen die Sicherheitszünd­hölzer mehr und mehr in Aufnahme und zwar infolge der Be­mühungen des schwedischen Ingenieurs L u n d st r ö m, der den Wert der deutschen Erfindung erkannt hatte. Gr begründete die heute noch bestehende Fabrik in Jönköpping, die Weltruf erlangte. Dadurch, dah er die Hölzchen in kleinen Schachteln mit präpa» riert«i Reibflächen verpackte, trug er viel zu ihrer Verbreitung bei. Trotz großer Vorzüge haftet den Sicherheitszündhölzern der Mangel an, dah sie nur an Der präparierten Reibfläche der Schach­tel Feuer fangen. Bislang ist es noch nicht gelungen, brauchbare giftfreie Zündhölzer herzusiellen, welche sich an jeder Reibfläche entzünden lassen. Zweifellos wird auch diese Aufgabe eines Tages gelost werden.

Treibjagden mit dem Flugzeug.

Einen neuen Jagdsport 'haben die Flieger der spanischen Flugstation Gelafe ausgebildet, und zwar betreiben sie die Jagd auf die große Trappe mit dem Flugzeug. Einer dieser Fiiegerjäger Leutnant Le ca, erzählt von den Reizen des neuen Sports in einem französischen Blatt. Die Erohtrappe, die sich ja auch in Deutschland findet, und ein schmackhaftes Wild- pret bietet, hat im Verhältnis zu ihrem schweren Körper nicht sehr große Flügel; sie fliegt daher nicht sehr gut, läuft abe« sehr schnell und leicht. 3n der Umgegend von Getafe finden sich große Mengen dieser Vögel, und die Flieger kamen daher in diesem September auf den Gedanken, eine Schar solcher Vögel anzugreifen, einen von ihnen von den übrigen zu trennen und so lange zu verfolgen, bis er ermüdet nieöerging. Der Flieger landet Dann ebenfalls und verfolgt nun den Vogel zu Fuß, den er dann ohne große Schwierigkeit erreicht. Diese Form des Trap­penfanges wurde dann zu einer richtigen Treibjagd ausgebildet. Reiter arbeiteten mit den Fliegern zusammen. Der Flieger steigt auf und gibt den berittenen Jägern ein Zeichen, daß die Vögel aufgefpürt sind. Die Reiter sprengen dann zu den Restern der Vögel und beunruhigen sie so lange, bis sie sich in die Luft er­heben. ©am» schießt das Flugzeug rasch auf die Trappen lo», während sich die Reiter in einem weiten Kreis verteilen. Der Flieger trennt di« einzelnen Vögel voneinander und verfolgt sie, während lie vergeblich dem Flugzeug zu entfliehen suchen. Die Reiter verfolgen diese Bewegungen in der Luft aufmerksam, und wenn Este Vögel müde werden, niedriger und niedriger fliegen dann eilen sie nach der Stelle, wo das Riedergehen des Tiere- zu erwarten ist. Der ermüdete Vogel wird bann von dem Reiter auf der Erd« weiter gejagt und gefangen. Unterdessen hat dag Flugzeug einen anderen Schwarm aufgespürt und treibt ihn den Jägern zu. Auch das Schießen der Trappen vom Flugzeug auS wird von den Spaniern gepflegt. Das Flugzeug schießt mitten in eine Schar von Vögeln hinein, und der Flieger erlegt dann di« aufslatternden Tiere von feinem Sitz aus. Zu der Treibjagd wer­den Maschinen bertoenbet, die nur etwa *5 Kilometer in her Stunde zurücklegen. Das ist gerade die Schnelligkeit, mit der man die der Trappe übertrifft. Die Tiere erheben sich nie höher als etwa- über 600 Fuß. Der neueste Jagdsport hat bereits zur Gründung eines spanischen Klubs von Flieger-Jägern geführt,

Trost.

Don Hans Dauer*),

Dem Samuel Pfesferkraut fein Jüngster, der Erich, ist mit zwanzig Mark in den Spielklub gegangen. Der Erich hat sich gesagt: Was kann mir viel passieren: Ich kann zwanzig Mark verlieren. Ra, schön: Aber gewinnen kann ich mit den ztoanzig Mark, was das Zeug hält. Die Chancen sind also die günstigsten. Ich kann hunderttausend Mark verdienen und schlimmstenfalls mit den zwanzig Pleite gshen.

Im Klub guckt der Erich erst mal eine lange Weile zu. Gr denkt: Setz' ich mein Geld gleich kann jch's gleich verlieren. Dann bin ich fertig. Dann habe ich keine Hoffnung aus dl« hunderttausend Mark mehr. Behalt' ich's, bleibt di« Hoffnung, hab« ich einen Fvstds, hab' ich die Möglichkeit. Behält Erich also da» Geld.

3m ersten Spiel gewinnt die Barck. Erich lächelt: Hättest du gesetzt, dann ...

3m zweiten Spiel gewinnt die Bank wieder: Erich schmunzelt und beschließt, vorläufig des weiteren theoretisch zu setzen. 3m dritten Spiel gewinnt die Bank noch einmal. Auch das inert« Spiel fetzt Erich in Gedanken. Auch das fünste.

Erich denkt, jetzt hättest du hundert Mark verloren. Aach dem sechsten Spiel murmelt Erich zu feiner Seele, die Wahr­scheinlichkeit sei nun recht groß, daß jetzt die Bank verlier^ denn einmal müßten die Spieler ja schließlich rauskvmmen.

Wie die Dank achtmal hintereinander gewonnen hat faßt Erich einen jähen Entschluß. Knittert mit kerniger Sauft den Zwanziger auf das grüne Tuch. . .

Di« Dank harkt wieder ein. Zum neuntenmaF.

Erich ist ein wenig betäubt. Dann erscheinen die Gegenstände und Menschen wieder klarer, und seine Gehirntätigkeit setzt wieder ein. Achtmal 'habe ich nicht gesetzt und dadurch hunbertsechzig Mark gespart, dadurch daß ich nicht verloren 'habe. Glatt gespart habe ich sie. Sozusagen gewonnen. Verloren aber habe ich bei dem Valuiastand in Wirklichkeit zwei Mark. Wem, Wonnen"" nlmmt ®a6c hundertachtundfünfzig Mark ge-

Erich nimmt es so und schlupft in Mantel, Hut und Hand« schuhe.

) Aus der Humoreskensammlung »Die fPurgetBaum* «nee von Hans Dauer lReclams Universal-Dibliochek).

Gchristlsitung: August Goetz - Druck und Verlag der Brühl'schen Untv.-Buch- und Steindruck««!, R. Lang«, Gießen. *