Ausgabe 
9.9.1922
 
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er» diej

Mutz Viel Geld verdienen, Euere Stadt, tagte der Lrll und schüttelte den Kopf. Womit verdient Ihrs?

Mit Handel, gab der Ratsherr zur Antwort und wußte selbst nicht, warum er also Rede stand.

Mit Handel! sagte der Till und nickte. Ein schön Ding um den Handel! Mit wem handelt Ihr?

Mit den Rordmännern, den Schweden, den Russen - And verdient Euer Geld an ihnen, weil Ihr schlauer seid

ist es allzu schwer dorten. Einmal glückt's, daß man die ganzs Stadt zum Lachen bringt, das andere Mal hängen sie einen.

in Lübeck eingekehrt.

Lübeck, sagte er manches Mal, ist eine schöne Stadt, und

Unter sich hatte.

Wer bist du? begann der Ratsherr.

Till Eulenspiegel, Herr. Ein fahrender Mann.

Was treibst du?

Allerhand Kunst, Herr.

Zum Beispiel?

In jungen Jahren bin ich auf dem Seil gelaufen, sagte Till, nach seinem lahmen Dein schielend.

And herunter gefallen, nickte der Ratsherr mit Befriedigung. Was tust du seitdem?

Wie's gerade kommt, Herr. Rätsel aufgeben. Geschichten zählen, schöne Lieder singen in den Herbergen: alles, was Leute lachen macht und mir das Leben fristet. , ------ .

And Bübereien nebenbei, wie die mit dem Weinzapf! fiel | man trinkt da guten Wein um billiges Geld. Aber unsereinem

Der Weinzapf sagte kein Wort, nahm die Kanne und goß das Wasser oben zum Spundloch Hinein in sein Fatz. Der Till schnitt ein klägliches Gesicht und machte sich mit seiner Kann- wieder zum Keller hinaus, nicht anders als ein Bettler, den man von der Tür weggeschickt hat.

Der Weinzapf aber, den eine Ahnung trieb, sah ihn gleich darauf droben auf dem Platz mit dem Lehrbuben trinken und unmäßig lachen. Er holte flugs einen Häscher, und da sich noch j um ein Rest Weins in der Kanne fand, kam der Betrug heraus.

Man führte den Till vor den Ratsherrn, der auch den Keller

her Ratsherr mit Harter Stimme ein. And dann begann er eine scharfe Rede zu tun von Lübecks strengem Recht, das keinen Gauch ungehängt ließe.

in der Lade gelegen hätte so fahl und S^knittert und in Faltes schaute Das fl^r die SchuÜer: Feines Hölzchen! Dann gedrückt. Ehe er zwischen die beiden runden Holstenturme hinein» tmvan uno g Buckel heran, bückte sich noch tiefer und schritt, stockte ihm auf einen Augenblick der Gang. l^Mte d^s reichen Herrn Rock. - Braves Tuch! Dom besten!

O Lübeck, hoch in Ehren, I ^5 aut &en Weinkrug deutend: Wackeres Silber. Machte

Du führst ein strenges Recht I au$ fangen Hals, um zu erschnüffeln, was für eine Sorte

so fangen die fahrenden Leute auf den Landstraßen, und wenn I dannen sei- War aber ein Deckel darüber.

der Till auch schon manchmal hart an dem Stockmeister vorbei- Was hat das mit deiner Schalkheit zu schaffen? sagte deü geraten war, vor dem Galgen hatte er doch noch eine ehrfürchtige Ratsherr, der über seiner Verwunderung seinen Ernst und seine Scheu. Aber dann faßte er den langen Grashalm, dm er quer I vergaß.

hn Munde hielt fester zwischen die Zähne und schob sich, ein I hoi- Dill und

wenig scheu zur Seite schielend, durchs Gewölbe. Das innere ~or batte er hinter sich, strich ein Stücklein die Trave entlang und schlug sich dann in eine der engen Gassen die Zwischen hohen, ernsten Giebelhäusern 8um Markt hinangestiegen. So kam er aus den Marktplatz. Eine Weile stand er still iind besaunte das große Rathaus. Aber als er oben hinter den Fenstern erne Dlechhaube vorübergleiten sah, befiel ihn em leichter Schrecken, und er zog sich unter die gewaltigen Bogen, wo die Gold- und | fie> ffe[ Till ein. .

Silberschmiede ihre Stände hatten. Da verschnaufte er im Schat- Der Ratsherr zog die Augenbrauen hoch und war ein Weil­

ten denn die Sonne brannte schon heiß auf das Pflaster des I ^ell unschlüssig, tote er sich halten sollte. Da, er aber nicht nur Platzes Seitwärts in der Tür zum Ratsweinkeller stand per l eilten pxhäbigen Leib, sondern auch ein behagliches Gemüt hatte, Weinzapf und schaute nach den Kaufherren aus, die zum üruh» I fo Ia(§te er furz und sagte: Wenn's schon so sein sollte von: stück kommen sollten, nachdem sie drüben in St. Marren die Preise sicher Schlauheit besteht die ganze Stadt mit Mauer, Turm und beredet und die Schiffsgelegenheiten erkundet hatten. So breit ^Lall und mit sieben Kirchen zur Ehre Gottes und seiner und dickfällig stand er da, als ob all der Wein, den er austat. Heiligen: von solcher Schlauheit nähren sich viel hundert Manner ihm selber gehörte: und war doch nur ein geringer Diener des. mit Weib und Kind in Essen und Trinken, in Rock und Hut, in Rats. Den Till juckte es in der Kehle, in den Händen, vvrm 5^ und Gerät. He? Wie schmeckt dir das? Einen Zweck muh Wagen und überall. Er blieb vor einem Stand, dahinter der ! Schlauheit haben, einen großen Zweck. Das ist's.

Mittagsstunde wegen nur ein Lehrbub zurückgelassen war. I @ut> sagte der Till. Es geht mir ein. Aber seht, Herr was

Durstiges Wetter heute, fing er an. I ist alles Sitzen hinter festen Mauern nütze, was alles Fahren

Ja ja sagte der Bub. Der Weinzapf schänkt zu trinken. I zu Wasser und zu Land, was Essen und Trinkmi und Haus und LLL»**»»« -

er so ein guter Mann, daß er schenkt. [ unfy ^es Tages stirbt er an dunkler Melancholie. Ich bin auf

Der Bub lachte. Gut ist er keineswegen. An der ganzen I &er ^elt daß ich die Leute lachen mache. And da sie über nichts Stadt ist kein Mensch, der ihn nicht haßt um seines hochmütigen I , fachen als über eine feine Büberei und er breitete die und kargen Wesens willen. Selbst der Bürgermeister wuht ihn auseinaiider, als ob er sagen wollte: Das ist das Kreuz,

gern wo anders. Aber der Rathausherr, der hält und schützt ihn, I n$jenng n<1(j mir ginge, ich täte nur Braves und Gutes. Aber weil er kiiapp mißt und voll rechnet. I sjeute!

Der.Till beugte sich vornüber und sagte leise: Wenn du mir | $er Ratsherr gluckste in sich hinein, so viel Spaß hatte er

zwei gleiche Kannen borgen tätest, wollte ich gleichwohl uns beiden I am Till und an seiner spitzbübischen Demut.

einen rechtschaffenen Trunk von ihm beschaffen, daß es uns keinen ! ©ut, sagte er. Es geht mir ein. Rur. ms Große mußt du

Pfennig kostet. I deine Kunst treiben, wenn du dich uns gleichmachen wulst. Darum

Der Bub, der auch ein Schlingel war und sich- einen losen I tu ich dir diesen Spruch: Morgen unter Mittag laß ich dich zum Spaß vermutete, gab die Kannen. Till machte einen Schlenker | Galgen sichren. Gluckt s dir, daß die ganze Stadt über dich lacht, über den Markt, daß er wie von ungefähr zum Brunnen kam, j ehe du zum Baumeln kommst, dann sollst du frei fetn. Aber der füllte die eine Kanne mit Wasser und verbarg sie unter dem! I Bürgermeister muh auch lachen

Wams. Dann trat er, die andere in der Hand, den Weinzapf an. I Ich will's versuchen sagte der Stil.

" , . ' , , , ,I Ms er am andern Tag hinausgefuhrt wurde, war die ganze

>jch mocht emen Wein, sagte er I Stadt auf den Deinen: denn alle Welt hatte von dem Handel

Der Weinzapf guckte groh und verächtlich: aber da es seme I cßrt Auf dem Weg war er ganz still und sprach kein Wort, Schuldigkeit war, des Rates Wein an ledermann zu versanken, I » rl(f) männiglich verwunderte und meinte, er wäre gar ver­so stieg er dem Till voran in den Keller hinab und matz aus ! . er a5er unfer fx?m Galgen stand, tat er den Mund

dem Faß, darin der gewöhnliche Wein war, ein Stübchen in | au- un5> großer Stimme hinüber zu der Stelle, wo die Kanne. Da er sich aber, daß Gemäß Hinwegzustellen, um» | < AatsHerren standen: Großmütige Herren, rief er, jedweder wandte, vertauschte der Till schnell die Kannen, stellte die mit I Sünder darf vor seinem Ende eine Ditte tun. So gewährt Wasser auf den Tisch und schob die mit dem Wem unters Wams. ,t^ eine foI(^

Was kostet das Stübchen, Zapfer? fragte er dann. 1 Was für eine Bitte es wäre? fragten sie ihn.

Zehn Pfennig. j Er sprach: Ich bitte nicht um Leib und Leben, noch Geld

O weh! sagte der Till. Ach habe nur sechs Pfennige. Kann | und Gut, noch um irgend etwas zu meinen Gunsten. Rur um ich den Wein nicht dasür tzsben? . I

Das wollten sie ihm wohl gewähren, sagten sie.

Er ließ sich Handschlag und Bersicherung geben und sprach alsdann: Dies ist meine Bitte, wenn ich gehangen bin, daß dieser Weinzapf dort drei Sage lang jeden Morgen kommen und mich nüchternen Mundes küssen soll.

Der Weinzapf stand dem Till gerade gegenüber, ganz vorn, nm den hängen zu sehen, von dem ihm schon Tags vorher so viel Spott gekommen war. Als er diese Worte vernahm, fiel er vor Schreck und Wut die Länge nach in den Dreck. Der Lehrbub aber des Silberschmieds, der daneben stand und des Weinzapfs wegen von seinem Meister unmäßige Prügel erhalten hatte, schlug eine helle Lache auf. And alsbald lachte das ganze Volk und lachte immer lauter, und die Ratsherren lachten mit, und der Bürgermeister, der dem Weinzapf gram war, der lachte auch. Da sprach der Rathausherr zu den übrigen Herren vom Rat: Was sollen wir tun? Den Weinzapf kann ich nicht missen, und die Schande würde sein Tod sein. Wollen wir also aus der Schlinge kommen, die uns der Schalk gedreht, so müssen wir uns des Hängens entschlagen und ihn laufen lassen.

Also geschah es auch. And der Till machte sich eilends aus der Stadt ins Mecklenburger Land. Ast auch nie wieder nachdem