SM uns nicht eine von Sonnengkut purpurrot gefärbte PfirsiK zumal, wenn alles auf. eigenem Boden gewachsen, ein Geschenk aus be sever Welt indie Hand? Diese Früchte, angefangen von der ersten Kirsche, bis zum letzten Apfel, sind für uns ein Nah- rungsmrttel geworden, ein unentbehrlicher Bestandteil unfern -voWernahrung. Sie sind kein Genuhmittel wie vor dem Kriege geblieben, das damals nur zum Anreiz oder höchstens der besseren Verdauung wegen beliebt war. Die Stimme.^ aus Verbraucher- rreisen werden immer lauter und deutlicher nach gutem Obst nach billigem Obst und nach viel Obst.
Das sind drei Punkte, die vom deutschen Obstbau viel auf einmal verlangen — in anbetracht des bisherigen Gehen- und Liegenlassens. Gin Zusammenschluß der Verbraucher zu Konsumgenossenschaften, um billiges und gutes Obst zu erhalten und auf der anderen Seite der Obstzüchter zu Absatzgenossenschast n um viel und gutes Wirtschaftsobst zu einem auskömmlichen Preise liefern zu können, ist eine der Hauptbedingungen. Ts ist nicht angängig, daß der Zwischenhändler den Hauptverdienst ohne viele Muhe allein einsteckt und 50 bis 60 v. H. auf den Erzeugerpreis als Mindestmaß ansieht. Es kann eine Spanne von 30 bis 35 v H zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreis für Händler und Konsumgenossenschaft vollständig ausreichen. Wir brauchen also billiges Volksobst Wirtschaftsvbst, das jeder arbeitende Stammesbruder kaufen kann. Dabei soll dem Obstzüchter auch nicht die Lust genommen werden, auch sogenanntes Tafelobst zu ziehen, für das er höhere Preise von ben zahlungsfähigen Kreisen 'verlangen kann.
Die Verwertung des Obstes im Haushalt, wie im größeren Betrieb ist uns in so mannigfaltiger Form möglich-, daß irgend eine Form und bestimmt eine Obstart jedes Jahre in der Familie in ausreichender Menge vorhanden sein mühte. Wir haben das frische Obst zum Rohgenuß als durststillendes Mittel zur Verfügung, den Saft und das Mark in Form von Gelee, Marmelade und Pasten, das in Flaschen, Steinkrügen, Gläsern und Büchsen mit und ohne Zucker eingemachte Obst und die getrockneten Früchte.
Wichtig ist das Obst für die Ernährung durch seinen besonderen Gehalt an Pflanzensäuren und Zucker. Außer den gewöhnlichen pflanzlichen Aahrungsstoffen, mit Ausnahme des Fettes, in verschiedener Zusammensetzung ist es der Zucker in erster Linie die erfrischenden Säuren und die sogenannten Vitamine, Gr- gänzungsnährstoffe, welche den Wert des Obstes ausmachen und die Dormtätigkeit beleben. Es soll damit nicht gesagt fein, daß nun mit Obst allein eine ausreichende und vernunftgemäße Lebensweise erreicht werden kann. Das Obst muh dagegen hierzu als wichtiger Faktor beitragen. Es übt durch seine ausgleichende Tätigkeit einen erheblichen Einfluh aus die Verven aus und ist vor allem für einseitig arbeitende Menschen und einseitig ernährte Menschen der regulierende Pendelschlag der Ahr.
Zu diesem volkswirtschaftlich wichtigen Obst ist auch die Traube des Weinflockes zu rechnen, welche wir ebenso wie alle anderen Früchte zu Kompotten, zu Saft, eingedickt mit und ohne Zucker, zu Gelee, Essig und endlich getrocknet zu Rosinen verarbeiten können. Zum Beweise, dah dies möglich ist, verweise ich auf die kalifornischen Obstzüchter und die dort übliche Verwertung, wodurch Tausende von Tonnen von Kompvttfrüchten, Säften, Gelees, Jams und getrockneten Früchten Verarbeitung finden. Darunter nehmen die Trauben neben Aepfeln, Birnen, Pfirsichen, Aprikosen, Kirschen, Brombeeren, Johannis- und Him? beeren usw. nicht die letzte Stelle ein. Es iss daher nicht notwendig und entspricht nicht dem jetzigen Bedürfnis der Volksernährung wenn die Traube noch vielfach ausschliehlich für die Wein- gewinnung als verwertbar angesehen wird. Vielmehr ist die Kultur der Rebe, um alkoholhaltige Weine und vor allem sehr hochprozentige und sehr teure Weine herzustellen, von dem Gesichtspunkt einer wirklichen Volkswirtschaft zu verwerfen. Die jetzigen auherordentlich hohen Preise gaukeln dem Nichtkenner ein vollständig falsches Bild vor. Der Abbau hierin muh ebenso baldigst eintreten. Auf der anderen Seite ist der Weinbau ein Lotteriespiel, wie es kein zweites gibt. Zunächst erfordert er von dem Winzer eine Unsumme von wissenschaftlichem Können, körperlichem Kraftaufwand, Spekulation und dann vor allem Kapitalkraft, die sich nicht nur im eigentlichen Weinbau, der Doden- und Pflanzenkultur, sondern hauptsächlich in der folgenden Kellerbehandlung äußert.
Diese aufgewendete Dolkskraft stellt in dieser Weise einen reaktionären, stark zehrenden Bestandteil der so nötigen eigenen Landwirtschaft, der Nahrung schaffenden Kräfte und somit ein Verderb an unserem Volksvermögen dar. Diese arbeitenden Kräfte und Geldsummen richtig zu leiten, ist unsere Aufgabe.
Zunächst ist darauf hinzuwirken, daß alles Obst alkoholfrei verarbeitet wird, fei es Obstwein von Aepfeln oder Minen, seien es Beerenweine von Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren usw. oder Traubenweine geringer oder bester Güte' Der Ginwand der Süddeutschen, baß sie ihren Hanstrank, den Most, ein schwach alkoholhaltiges Getränk, haben mühten, ist nicht stichhaltig. Beispiele haben wir genug, auch in Süddeutschland und in der Schweiz, dah alkoholfreie Weine und Obstweine für die arbeitende landwirtschaftliche Bevölkerung und als Haus- irank sehr bekömmlich sind. Der Geschmack der alkoholfreien Getränke hat sich durch besondere Behandlung, z. B. Kohlensäure- Imprägnierung, gegenüber früher sehr gebessert. Die Einstellung
„Mit der Frau Duri ihrem Nettchen," versetzte die Mimel „das ist so eine Idee von mir. Ob's dich nimmt, ist noch sehr die Frag'. Aber tüchtig ist's und grundgut. Dadefür steh ich ein. Schmeiß das nicht so fort!" „■ 7
- heirat' nicht mehr/' wiederholte der Packer mit Nachdruck, „ich hab' mir das längst überlegt. Lind ist nicht dran zu rütteln. Jetzt wollen wir mal von deinem Kränkelkopf schwätzen. Was du da klagst, rechn' ich nicht für schlimm. Das ist Kopfgicht, weiter nix. Meiner Mutter fetig ihr Mittel dagegen war Lindenblüten und Schwitzen. Hernach übernimmt's der Körper und treibt's heraus. Du bist von Herzen gesund. And sollst's auch bleiben."
„Wie unser Herrgott will," sagte die Alte. „Das hab ich mir übrigens jetzt vorgenoMmen: von wegen der Frau Duri ihrem Nettchen zerreiß ich mir das Maul nicht mehr. Du muht wissen, was du tust." ■.
Bei diesen Worten schloh sie das Fenster wieder und ging. — (Fortsetzung folgt.)
Deutscher Frühling.
Von Else Hasse*).
Gepriesen sei der zögernde Frühling des Nordens I Wie grüht man ihn dort, wo es ein langes Harren auf seine Schöne, ein hartes Ringen um feinen Segen gab und ein Nichtablassen dvn oft und oft enttäuschter Hoffnung! Ist die winterkranke Sonne endlich genesen und lächelt sie wieder, dann steigt Freude, wie der Saft in den Bäumen, im 'Geäder des Leibes aus, und jeder Pulsschlag, jeder Hauch aus grünender Scholle, jeder übermütige Windstoß, der duftgeschwängert kommt und geht, jauchzt: Leben, Leben! Natur erhebt sich im blauen Schleierkleide aus fahlem Dlattgewirr und brauner Heide und schüttelt Blüten aus den Falten, und der Mensch fleht mitteninne im weihgoldenen Wirbel und jubelt den heiteren Lebensspielen zu.
Aber während er, die auferstandene Natur umfassend, fein Antlitz in ihre Schleierfalten drückt, bringen Schatten und Seufzer hindurch, und kaum dah er sühe Frühlingsdüfte eingeatmet hat, umnebelt ihn wiederum in Regenlüften der herbstliche Der- wesungsgeruch. Zu viele Feinde hat der deutsche Frühling, die ihm nach dem Leben trachten; allzubald entblättern feine Blumen und gar geschwinde ist der freubenteere Winter wieder da.
Wohl uns, daß es so ist! Lob sei auch der Vergänglichkeit des deutschen Frühlings! Das ist uns heilsam, daß unser Freuden- hunger, der alle Lust verewigen möchte, es in irdischen Jahreszeiten nicht vermag. Wer mchte sich nicht an immerblühender Schöne ergötzen? Wer schmachtete nicht nach unendlicher Wonne? Bleibt er aber ungesättigt, so Überschreitet fein Verlangen Raum und Grenze der Natur, um sich über allem Wandel von Bläue und Schatten, Blüten und Stürmen an einem ewigen Frühling zu erquicken, dessen Hellen Himmel Christus vor uns aufgetan — mitten im Winter!
Im freudeleeren Winter mußte er, der Heiland, uns geboren werden und uns die Liebessonne weifen, die nicht untergeht. In nachtumgrauten Tagen ist der Stern des Glaubens hvchge- ftlegen: aus trüber Sphäre der Vergänglichkeit in ungetrübte Glanzgefilde Gottes. In Schnee und Ms, unter deutschen Weihnachtstannen ist die Hoffnung immergrün geworden; da ward auf ihren Zweigen das Lichtlein sehnlicher und seliger Erwartung angezündet. Im rauhen Norden, wo man nur ein sterbliches Freudenleben fristet, hat man die tiefste Sehnsucht nach dem unsterblichen.
Darum heil uns, daß unsere deutsche Sonne krankt, daß wir lange harren müssen auf einen kurzen Maientag im Veilchenhag, daß unser Frühling im Schatten des Todes fleht und vergeht! Ohne sein Ersterben würde unsere Seele einem ewigen Freuden- leben nicht so hell entgegenjauchzen!
*) Ihrem „Himmel der Freude" (Verlag von Jos. Kösel und Friedr. Pustet, München und Kempten) entnommen, einem Bande gemütvoller und gedankenreicher Plaudereien, in denen die Verfasserin ein hohes Niveau erreicht. An Inhalt und Wert steht diesem Buche ein gleichartiges der Verfasserin, im selben Verlage erschienen, zur Seite, betitelt: „Stimmen ans dem Jenseits". J■
Dis Wichtigkeit des Obstbaues.
Von fachkundiger Stelle wird uns geschrieben:
Deutschland muh leben, muß wieder gesunden und auf eigenen festen Füßen stehen. Dazu gehört ein frischer Geist und ein vollkommen gesunder Körper, und jeder von uns, der unsere Wieder- Erneuerung wünscht, arbeitet an seiner Stelle zunächst an der Sicherstellung und der Hebung der Dolksernährung. In unserem verarmten Vaterlande sind wir gezwungen, vielfach mit der Laterne nach neuen Wirtfchaftsquellen zu suchen, und dabei wird unsere Voftskraft verzettelt und unser Volksvermögen fließt ins Ausland, um notwendige Lebensrnittel hereinzubekommen.
Eine der reichsten Quellen, welche in Deutschland zu Hause ist und worin wir uns ganz unabhängig machen könnten, ist der Obstbau. Lacht nicht jeden, der von Aeberkultur und Selbstsucht noch nicht ergriffen «ist, ein herrlich gefärbter und duftender Gravensteiner Apfel wie ein Mld aus dem Paradiese an und


