Ausgabe 
8.4.1922
 
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Nr. 14

1922

Samstag, 8. AprU

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Aus der Zeit des 7 jährigen Krieges.

Von WilhelmWürz, Eschenrod.

In denGießener Familienblättern" Ar. 12 u. 13 berichtet Dr. H. Berger an Hand der Aufzeichnungen des Giehener Bürgers und Bäckermeisters 3. K. Wber über die Drangsale der Stadt Giehen während der Besetzung durch die .Franzosen in den Fahren 17581762. Dah damals auch die älmgebung Gießens litt, geht aus Löbers Bericht hervor: ...... nachdem sie (die Franzosen) alle gegenden aussouragiert, viele arme leuth gemacht , . setzte sich die große frantzösische Armee am 5. Dezember 1759 in marsch." Selbst in der Schottener Gegend, 9 Wegstunden von Gießen, machte sich die Besatzung Gießens unliebsam bemerkbar. Der Lehrer Johann Jakob P f o r t erzählt imHandbuch" *) seines 1758 Verstorbenen Vaters und Amtsvorgängers Henrich Johannes Pfort von den Leiden seines Heimatdo^es und Wirkungsortes Eschenrod bei Schotten in den Jahren 17581760 und liefert eine wertvolle Ergänzung zu den Aufzeichnungen Löbers. Blieben Eschenrod auch längere Einquartierungen erspart, so brachten doch Lieferungen, Fuhren und Fouragierungen mancherlei Aöte in dieses abgelegene Vogelsbergdvrfchen.

Der Eschenröder Chronist schreibt:

In diesem 1759ten Jahr haben wir den Frantzosen viel Heu und Haber liefern mühen auf Butzbach und auf Gießen."

3m Hahr 1759 den 12ten Octb. haben die Frantzosen allhier zu Eschenrod t, Wingershausen und Eichelsachsen Futterraschirt. Haben den Leuten das Heu all genommen. Mir selbst haben sie mein Heu und flroh genommen. Meinem Machbar Carl Zinne! und Curt Dingel haben sie die Früchte auf dem Boden all genommen. Auf meinem Boden find sie aber damals nicht geweßen. Doch haben sie mir meinen schwartzen rock, Camisol und meiner Frau 2 rock, schürh und strimf mit genommen wie auch noch vieles anderes Zeuch, Bettücher, Mistgabel, auch säck, Weste, Löffel, auch einen geback brodt. Meinem Knecht seinen tüchern rock und Camisol, auch 8 Hemmer (Hemden) mitgenommen. Sie haben auch noch vielen Leuten die Früchte genommen: daß mancher Man über 2 bis 3 geback Brod nicht hat gehabt. Sie haben die Leut gewaltig geschlagen. Allhier zu Eschen­rodt find 6 taußlüid (Mann) und etliche hundert Pferde geweßen, wie auch 200 Wagen. Vierzig Wagen hat die Gemeinde noch thun (stellen) mühen. Mein Knecht Hohs. Zeller ist auch mit meinen 2 Kühen im Lager mitgeweßen, hat bei Joh. Heiniäch Hoffmann und Höh. Jacob Weber gespannt und haben 6 Achtel erbes (Erbsen) auch etwas Korn, wie auch noch 3 säck Kartoffeln aufgehabt. Die Leut sind damals so und dergestalt in der Flucht geweßen, daß sie die Frucht auf das Feld in die stein Mauern**) begraben haben und wer noch etwas Heu oder Grummet hat behalten, der hat solches auch auf das Feld oder in den Wald gesühret. 3n die Keller haben die Leute viele Frucht und sonsten noch viele Sachen gethan und haben solche zu laßen Mauren

*)Handbuch vor Johannes Pforten, Schulmeister zu Eschen- rodt, wvrinnen allerhandt außerordentliche Begebenheiten, so mir gedenken ausgezeichnet."

**) Steinmauern sind auf Oedland lagernde, beim Roden der Grundstücke zusammengetragene Steinhaufen,

und pflastern. Hindern Stein ist viele Frucht in die stein Mauern begraben worden." 1

Die statt Giehen ist den winther als nehmlich 1760 von den Frantzosen besetzt blieben, uns aber zu Eschenrod weiter nichts an Futterafche gekostet. Das Vieh ist Bei) dießer Zeit so theuer geweßen, daß beh Menschen denken nicht so geweßen ist. Den ein paar Ochhen, das man sonst gekauft hat vor 50 reichs Thaler, das galt damals 100 reichsthaler auch noch mehr, eine Kuh die Kost jetztund 30 bis 40 reichsthaler. Das geldt war auch sehr hoch in dem Werth, denn eine Carlin galt 13 fl. 14 alb." (1 Karvlin = 11 Gulden.) I

Leider bricht hier dasHandbuch" ab, obgleich wir annehmen müssen, dah Eschenrod in den Fahren 17601762 noch mancherlei Kriegsnöte zu ertragen hatte.

Aus der Geschichte der MatthriuspsMsn.

Don Johannes Heinrich Draach, Duisburg.

Friedemann Bach. Kantor in Halle, schwankt von einem Zechgelage nach Hause. Die Kirche dem lieben Gott, die freie Zeit des Lebens brennenden Begierden. Heute hielt frohe Freund­schaft vom Pfälzer des vergangenen Jahres eine Feinschmecker­kost probe.

Das alleine Heimwärtswandern ist Dach nicht so tröstlich als der Wein vorher, verdrießlich starrt er auf die Laterne, die er in der Rechten hält, und tröstet aufkommende Mißmut mit der Meinung, selten das Lämpchen so sparsam getragen ju haben. Dabei wiegt sich das Lichtlein im Stolpern und Wackeln seines Besitzers so hin und her, dah es Oel wie Wasser aus einem Drünnlein fliehen läht.

Aahe bei seiner Wohnung wähnt Bach, ein Stern falle vom Himmel und wandle durch die Straße auf ihn zu. Sein Herz fängt an zu jagen, als der Schein näher und näher kommt, ein­mal zu Boden sinkt, für eine Weile hochaufflammend brennt, fast völlig erlischt, aber wieder aufflammt und weiter wallt. Das Licht scheint ihm Sonne oder Mond zu werden, schattige Enge verschwindet, Häuser, Giebel, Ecken, alles wähnt er, Helle zu fein. Sein Lämpchen ist nur Funken in diesem Strahl steht er vor seiner letzten Stunde begegnet er Gott auf seinen Wegen über der Erde? packen ihn Gespenster? Tränen der Angst rollen über seine Wangen, fein Mund will sprechen, lallt aber nur:

Bah - bah bah

Dautz zwei Köpfe rennen gegeneinander zwei Laternen verzischen zwei Leiber kollern in die Gosse vier Hände fassen an schmerzende Stirnen.

Pure Panscherei," tönt eine kollernde Stimme zu Dach

Es war Wein," beteuert dieser stoßend,1748er, edle Tropfen nur die Beine, nur die Beine."

Wein," brummt der andere,Wein? Hoppla ge­meines Bier schwimmt mir im hoppla Entschuldigung -- im Bauch."

An dieser Wschselrede erkennen die noch immer auf öenr Boden liegenden, daß sie nicht aus derselben Gesellschaft kommen, und stellen sich vor:

Ernst Löwe haha Löwe nicht aus der Wüste hoppla rheinische Abstammung Student mit drei Affen."

Wilhelm Friedemann Bach Abstammung Johann Se­bastian Kantor mindestens fünf."

Der Student lacht blöde und Friedemann unterstützt ihn.