Ausgabe 
7.10.1922
 
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Die Entwicklung

der deutschen Lustschiffahrt.

Don Dr. M. Blaschk« (Gharlottenburg).

Wvr dem Kriege hatten unsere starren SuftfcWfe einen Rauminhalt von etwa 19 000 bis 22 500 Kubikmeter, bei einer Geschwindigkeit von zirka 20 Mtr./Sek. einer Archlast vvn etwa 33 Prvz. des Austriebes und 3 Motoren zu 210 P. 8 Da» aber nahm die Leistungsfähigkeit der Schiffs zu und damit auch ihre Dimensionen. Die deutschen Luftschifstypen wurden weiter aus- gebaut von den Zeppelin-Werken in Friedrichshafen, von Schutte- Lanz, Mannheim, und der Luftfahrzeuggesellschaft dr DUterfeld.

Die Zeppelin-Luftschiffe hatten anfänglich in L. 3 eine Länge von 158 Meter, die in dem projektierten ö. 100 äu 238 Meter anwuchs Ihr Durchmesser stieg von 18 Meter auf 29,5 ulleter, ihr Gasinhalt von 22 500 auf 108000 Kubikmeter und ihre Nutz­last von 33 auf 65 Proz. des Gesamtauftriebes. Anfänglich mit 3 Motoren ä 210 P. 8.-Leistung ausgerüstet, erhielten sie schließlich. in den projektierten L. 100 schon 10 Motoren ä 260 P. S so dast ihre gesamte Maschinenstärke von 630 P. S. auf 2600 P S. gesteigert wurde Darauf wuchs natürlich' auch ihre Geschwindig- feit (von 75,5 auf 133 Km./St.). So legte 9.71 in ununter- brochrner 96stündiger Fahrt eine Strecke von ca. 7000 Km. zuruck und' hatte mit voller Nutzlast noch 18 000 Km. schaffen fernen.

Die Schütte-Lanz-Lustschiffe hatten erst 144, dann 198 Meter Länge und einen Durchmesser von 1823 Meter. Ihr Gasinhalt schwankte zwischen 2556 000 Kubikmeter, ihre Nutzlast zwischen 835 000 Kg. Wit 45 Motoren von 180240 P. 8-Leistung, erreichten sie sine Geschwindigkeit von 88103 Km./St. <>Hr starres Gerüst war aus Holzträgern konstruiert, das der Zeppelm- Luftschisfe bestand bekanntlich aus Duraluminium. Die neuefien Projekte von Schütte-Lanz benutzen denn and), die Metallkon­struktion des Gerippes, die dem Holz überlegen ist.

In neuerer Zeit projektiert auch die Luftfährzeug-Gesell- schaft Bitterfeld starre Luftschiffe mit Gerippen aus Aluminium- rohren. Das grobe Pralluftschisf P. 9.27 mit einem ©a8ge5-alt von 32 000 Kubikmeter bei 157 Meter Länge und 18 Meter Durchmesser weist eine Nutzlast von 56 Prvz. des gesamten Aus­triebes auf, wodurch es den groben starren Schiffen gleich wäre.

In der Folge baute dann die Zeppelin-Werft das Derkehrs- luftschissBodensee" mit 22 500 Kubikmeter für den täglichen Berkdyr FriedrichshafenBerlin. Gs ist 130 Meter lang und trägt eine normale Nutzlast von 11500 Kg d. h. 44 Proz. des gesamten Normalauftriebes. Mit seiner Gesamtmaschinenstärke von 1040 P. 8. erreicht es eine Stundengeschwindigkeit von 130 Km. Bon seinen 4 Motoren treibt je einer eine Luftschraube in den zwei seitlich angckhangten Backbord- und Steuerbordmaschinen- gvndeln, zwei zusammen eine Luftschraube in der Hinteren Ma­schinengondel. Die Passagierkabine ist vorn und unmittelbar mit der Führergondel verbunden, enthält 30 Sitzplätze, eine Küche und bequeme Nebenräume für die Reisenden. Die Strecke Fried­richshafenBerlin wurde je nach, der Wetterlage in 56 Stunden zurückgelegt, also eine Durchschnittsgeschwinbigkeit von ca. 100 Km. erreicht. Die Form derBodensee" war vom Luftschiffbau Zeppelin- Friedrichhafen berechnet worden und nach den Nach­prüfungen in der Göttinger Agodynamischrn Versuchsanstalt die zweckmäßigste Form.

Die Göttinger Bersuchr haben nämlich, ergeben, daß eine schlankverlaufende Zuspitzung des 'Hinteren Endes des Schiffs­körpers viel wichtiger ist als am vorderen. Ein stumpf verlaufen­des Heck erzeugt hinter sich geradezu eine Schleppe von Luft­wirbeln und diese wieder durch ihre Wirkung einen beträcht­lichen Widerstand. Die Kopfform oder der Bug des Schiffes kann stumpf abgerundet werden, ein Teil des Mittelschiffes zwecks Ausnutzung für die Gasfüllung zylindrische Form erhalten, doch sind die eleganteren Formen vhne zylindrisches Mittelstück gün­stiger^ denn so vermag die Luft während der Fahrt ruhiger ab- zufließen.

Immer kommt für einen Luftschisfkörpsr eine lange, schlanke Form in Betracht, damit der Luftwiderstand möglichst klein wird, doch darf diese nicht zu schlank sein, da ja sonst die Oberflächs des Körpers im Verhältnis zum Rauminhalt zu groß und schwer wird. Daher zeigen neuere Luftschiffs ein Verhältnis des größten Durchmessers zur Länge von etwa 1:8 bis 1:9. So sind auf Grund der Göttinger Versuche bestimmte Formeln für die Luft- schifformen entstanden, die bei ihrer Konstruktion innegehalten werden.

Wann beginnt der Vogelzug?

Man sollte meinen, die Vögel dächten erst dann daran, aus unseren Landen fortzuziehen, wenn Temperaturrückgang und Nahrungssorgen sie dazu zwingen. Daß dem aber nicht so ist, daß viele Vogelarten schon mitten im Hochsommer unser Land verlassen, um in die Fremde zu ziehen, das zeigt Oberstleutnant Friedrich von L u k a n u s in seinem lesenswerten Buche Die Rätsel des Vogelzugs" (1922, Verlag Hermann Beyer u. Söhne, Langensalza, S. 226). Schon in den letzten Wochen des

3uH z. B. tritt der Mauersegler feine Reis« nach Afrika an. Kuckuck, Wiedehopf, Pirol und Gartensänger folgern ihm früh­zeitig tat August. In der zweiten Hälfte des August ist der BvgÄzua schon tat vollen Gange. Die meisten unserer Singvögel, ferner Ziegenmelker, Blaurake und der weihe Storch beginnen die Reise nach dem Süden. AuS dieser Tatsache geht Kar hervor, daß es primär nicht Nahrungsmangel ist, welcher den Vogel veranlaßt, aus der Heimat fortzuziehen, sondern, daß ein In­stinkt den Trieb zur Wanderung in ihm auslöst. Auch über die Wanderung selbst macht v. Lukanus belangreiche Angaben. Die Zugvögel legen ihre Reisen am Tage und in der Nacht zurück. Die Tagwanderer benutzen hauptsächlich die Morgen- and Vor­mittagsstunden, während von Mittag an der Zug abflaut. Aus­gesprochene Tagwanderer sind die Tagraubvögel sowie alle Raben utti> Storche. Im Vergleich zu den Tagwandererit ist die Zahl der Vögel, die in der Nacht ziehen, sehr groß. Zu ihnen gehören alle insektenfressenden Singvögel, sowie Finken und Turteltauben. Schnepfen, Kiebitze, Kraniche, Reiher, Gänse, Enten, Wachteln, und Wiedehopf. Einige insektenfressende Singvögel, wie z. B. das Rotkehlchen, ziehen gewöhnlich einzeln. Andere Vögel, wie Stare, Drossel, Lerchen, Finken, Ammern, Krähen, Wachteln, Schwalben ziehen gesellig. Auch die Schnelligkeit, mit der die Vögel ziehen, ist ganz verschieden. Hier schlagen die Stare den Rekord, sie brausen mit einer Schnelligkeit über den Beobachter dahin, daß die Augen kaum mehr zu folgen vermögen. Heber den Verlauf des Vogelzugs hat uns bekanntlich vornehmlich die Vogelberingung wertvolle Kenntnisse verschafft. Auch hierüber erzählt das Buch von F. v. Lukanus interessante Einzelheiten.

Der herbstliche Laubfall.

Der natürliche Laubfall im Herbst vollzieht sich bei den einzelnen Daumsorten sehr verschieden. Bei manchen Bäumen, so den Buchen und Eschen, beginnt er an den obersten Zweigen, bei den Weiden, Linden und Pappeln dagegen umgekehrt, unten, so daß also die oberen Zweige länger belaubt bleiben. Gewisse Bäume, wie z. B. der Gmgkvbaum, verlieren ihr Laub alljähr­lich innerhalb weniger Tage, während die Eichen und Hambuchen ihre Blätter so langsam abwerfen, daß ein Teil & Laubes, obgleich es längst abgestorben ist, den ganzen Winter über am Daum bleibt. Am schnellsten lösen sich die Blätter nach plötz­lichem Frost, wobei sie stets mehr oder weniger grün bleiben, so daß man die vom Frost getöteten Blätter daran am sichersten erkennt. Ein Forscher machte nach der Schweizerischen Zeit­schrift für NaturwissenschaftenNatur und Technik' die Beobach­tung, daß nach einem Nachtfrost ein Bergahorn im Verlauf einer halben Stunde 16 518 Blätter verlor, was einem Fall von 9 Blättern in der Sekunde entsprach. Eine Roßkastanie büßte in der gleichen Zeit 6256 Blätter ein, das sind ungefähr 5 Blätter in der Sekunde. Der natürliche, d. h. der durch all­gemeine Entkräftung hervorgerufene Laubfall erfolgt wesentlich langsamer.

Deutsches Gebet.

Von Martin Gr ei f*).

Herr, der Abend macht uns bange. Der allmählich uns beschleicht, Deine Stimme schweigt schon lange Und die Schmach 'hat uns erreicht, Krieg und Zwietracht allerwege Hat uns tief in Not gebracht, Daß der Sturm sich endlich lege, Liegt allein in deiner Macht.

Laß die Schmach' nicht ewig dauern, Wir verzagen mehr und mehr, Daß wir nicht in Nacht vertrauern. Einen Helden schick' uns her.

Send' ihn aus als Friedensboten, Seiner Ankunft harrt die Welt, Mitten unter die Bedrohten Stelle sein gefürchtet Zelt.

Salb' ihm gnädig Haupt und Hände, Brust und Arm ihm wappne da. Daß er herrlich es vollende. Leih ihm deine Macht dazu!

Wirke Du durch seine Werke, Du in Deiner Glorie Licht. Gib ihm Du der Engel Stärke, Daß er alle Fesseln bricht!

) Qta8Gedichte in Aus Wahl von Martin Greif". ®. F. Amelangs Verlag, Leipzig. Die schlichte, aber flüssig« und klangvolle Form der Greifschen Gedichte spricht auch aas dieser kleinen Auswahl, für die Friede. Grlemneher «in kurzes > Nachwort geschrieben 'Hat.

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Schriftleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Drübl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.